Lichtexperimente

Gedauert hat es drei Wochen, verzögert durch grippal verursachte Kälteallergien, schleppende Gedankenströme und langwierige Materialsuche, doch nun hängt er endlich, mein Lichtervorhang. Für die lange Vorbereitungszeit ist er eher klein geraten, doch nett sieht er aus, wirklich. Das wiederum gibt mir Anlass über die Wirkung adventlicher Beleuchtung nachzudenken. Ein Lichternetz ist grundsätzlich für penible Zeitgenossen zu empfehlen. Es wirkt relativ geometrisch, lässt sich rundum gut befestigen und vermittelt Ordnungssinn. Ein Lichtervorhang dagegen weckt eher gegenteilige Assoziationen. Da hängen locker Lichterstränge nebeneinander, neigen leicht dazu sich ineinander zu verschlingen und alle LEDs strahlen aus unterschiedlichen Höhenlagen den Betrachter an. Leicht chaotisch geprägte Typen können daran durchaus ihre Freude haben. Kreativen Gestaltern bieten Lichterketten in jedem Fall unendlichen Raum für Formgebungen. Sie können sich voll austoben. Chuzpe-Typen schaffen es dagegen aus Netzen chaotische Gebilde zu formen, Vorhänge in geordnete Bahnen zu zwängen und Ketten geometrisch exakt anzuordnen. So bietet die Vorweihnachtszeit uns allen Raum unseren Typ auszuleben. Toll!

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Seifenblasen oder Perlen

Es war halt nur eine spontane Rotweinidee. Unsere „alten“ Urlaubsideen beginnen kraftvoll mit ihrer Rückgestaltung. Das ist gar nicht so schlecht. So waren die Vorbereitungen nicht nutzlos. Gut so, denn jetzt weiß ich um die kleine Zahl der Urlaubsfernziele, die mich wirklich interessieren. Ob ich dafür in einzelne Reisen mehr investiere? Wer weiß? Der Sonntag beginnt mit einem ansprechenden Gottesdienst. Ich bin im Anschluss daran plauderaktiv wie selten und überrasche mich selbst damit. Während ich nachmittags das Relaxen pflege, hält meine hochaktive Angetraute nichts von dieser Entspannungssituation. Sie zieht es zum zweiten Gottesdienst in die Stadt und im Anschluss zum Besuch von Freunden. Die liebenswerte und vorhersehbare Reaktion auf einen unerwünschten Vorschlag lässt mich schmunzeln. Im Laufe der Zeit kennt man seine Pappenheimer. Wäre ja auch seltsam, wenn nicht. Mal schauen, was die Vorweihnachtswoche noch so bringt. Letztlich Weihnachten, okay, aber davor?

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Yeg’hed!

Der erste Geburtstag des Tages hält für den Jubilar eine Herausforderung bereit. Mitten im Lokal, zwischen Lunch-Buffet und Gästeplatzierungen muss er per Angel und Schnur einen Köder (oder wie auch immer das Teil vorne an der Schnur bezeichnet wird) durch einen Kurzflug an der auslaufenden Leine in einem Ring landen lassen. Offensichtlich macht er das nicht zum ersten Mal. Der Sinn dieser Übung entzieht sich meinen Überlegungen – ich dachte immer Angler wollen die Fische verführen einen getarnten Haken zu verschlucken, hierbei scheint dagegen die Absicht dahinter zu stecken Fische gezielt zu erschlagen. Seltsame Welt der Petrijünger (Obelix würde es anders formulieren). Eine kurze Erholpause und einen vorbeijagenden Nachmittag später laufen wir beim nächsten Geburtstagskind auf. Nach anregenden Plaudereien bei einem äußerst passablen roten Alkoholsaft entwickelt sich recht überraschend eine starke Umgestaltung meiner Urlaubsplanungen. Ob es nur eine phantasiereiche Rotweinidee ist oder es sich in eine handfeste Aussicht verwandelt, sei vorerst dahingestellt. Wie dem auch sei, fest steht, dass ich einen hervorragenden Lambig genieße, der sich nicht Calvados nennen darf, weil seine Heimat etwas zu weit im Westen liegt. Dafür schmeckt er besser, ist jedenfalls die feste Überzeugung aller Bretonen. Tatsächlich schmeckt dieser vollmundiger als mein heimischer Calvados – aber das will so viel auch nicht heißen. Yeg’hed (Prost, Mann, wie der Bretone sagen würde)!

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Anlass zum Staunen

Das Staunen verlerne ich wohl nicht. Das Staunen über zwei Bibelstunden, gleiche Vorbereitung, andere Menschen und beide Stunden laufen ganz unterschiedlich ab. Die einzelnen Wortbeiträge haben andere Schwerpunkte und eine deutlich voneinander abweichende Zielrichtung. Das Gespräch läuft durchaus am Konzept entlang und ist doch ganz anders. Stark. Ein Bibeltext redet eben zu jedem von uns in einer eigenen Weise, betrifft uns nie gleich. Nur die Aufregung, die Nervosität vorher ist bei mir fast immer dieselbe. Muss das wirklich sein? Ein verschollen geglaubter Freund (;-) meldet sich heute plötzlich wieder und erinnert mich an seinen Hinweis auf einen Beitrag im Deutschlandradio. Ein Jesuit wird zu dem Vorschlag des Papstes eine Bitte des Vaterunsers umzuformulieren interviewt. Selten habe ich eine theologische Frage so kurz, prägnant und dennoch erschöpfend erklärt bekommen. Die Argumentation ist schlüssig, an die Bibel gebunden und steht im Gegensatz zur Papstmeinung. Aber das stört weder den Jesuiten noch mich. Amen dazu.

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Seniorentraum

Ich habe mich zum Stubenhocker entwickelt. Oder degeneriert? Wer weiß, irgendwie stimmt beides. Das kalte, zugige, dunkelumwölkte, unfreundliche, miesgelaunte Etwas, das mich beim Durchschleichen der Haustür umgibt, ist mir unsympathisch, unangenehm und einfach zu frisch. Andererseits die Saunaatmosphäre Bangkoks ging mir auch auf den Keks. Ganz zu schweigen von der drückenden Hitze in Sukhothai, die mich nervte. Bin ich mäkelig? Aber was spricht gegen sonnige 25 bis 28 Grad, die von sanften leicht erfrischenden Windhauchen durchweht werden? Das wäre nett. Wo gibt es so etwas in dieser Jahreszeit? Da würde ich gern Zelte bauen – oder alternativ ruhige balkonbewehrte Zimmer in viersternigen Hotels buchen. Das wäre schön. Und altersgerecht.

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Planungsphasen

Letztens habe ich mich so schwer getan mit meinem ftp-Programm und heute funktioniert es ohne Zucken wunderbar. Tagesform oder intermittierende Intelligenzschübe? Keine Ahnung, aber es ist nutzlos. Denn mein iWeb, das ich nur wenig nutze, beherrscht das Uploaden von Dateien nahezu perfekt. Manche krummen, langen Wege enden scheinbar in Sackgassen um dann gleich im Anschluss neue Perspektiven zu eröffnen. Man hat so seine Last mit den Klapprechnern. Daneben träume ich ein wenig vom nächsten Fernurlaub. Noch liegen die monetären Klippen unter einer anheimelnd lächelnden Oberfläche verborgen. Das muss ich noch in vollen Zügen auf mich wirken lassen. Bald schon erwarte ich die ersten Kalkulationseisberge, die mich unter die Knute mannigfaltiger Zugeständnisse zwingen wollen. Fernreiseplanung eines gern luxuriös reisenden Träumers, der in ein enges finanzielles Korsett gezwängt ist, durchläuft meist folgende Phasen: träumen, staunen, planen, erschrecken, tief durchatmen und schließlich downsizen oder abwinken. Ich bin gespannt.

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Merci vielmals

Heute wird es ernst. Die Bibelstunde steht an. Die Vorbereitungen sind abgeschlossen. Das Material steht bereit. Gott sei Dank läuft sie gut – der Herr hat Segen geschenkt (wenigstens mir, ob auch den anderen Teilnehmern müssen diese selbst beurteilen). Im Text erkenne ich völlig klar, dass Gott alles schenkt und wir ihn dafür rühmen können. Aber warum bin ich dann so aufgeregt vorher? Traue ich Gott nichts zu? Oder meine ich er hülfe mir nicht – aus welchem Grund auch immer? Keine Ahnung, was sich so in meinem Inneren abspielt. Auf jeden Fall sind alle Ängste weg sobald ich am Tisch sitze. Komisch? Irgendwie schon. Grund zur Dankbarkeit? Unbedingt, volle Kanne, total, allemal! DANKE!

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Melkstandskoalition

In Berlin bewegen sich zwei Parteien im Schneckentempo aufeinander zu. Oder voneinander weg? Wer weiß das schon. Ich habe Muffe vor der Bürgerversicherung. Okay ich bin privat versichert doch das ist wahrlich nicht der Hauptgrund meines Misstrauens. Nach langjährig bestätigter Lebenserfahrung neigen alle Politiker dazu, wenn sie etwas gerechter gestalten, vereinheitlichen, reformieren oder wie sie es auch immer wohltönend verhüllen wollen, also wenn sie nicht in eigener Sache aktiv werden, die Dinge auf dem untersten Level anzusiedeln. Das mag ganz zu Beginn nicht so sein aber spätestens nach ein paar Jahren, wenn die tatsächlichen Kosten sich in den Haushalt fressen, wird alles heruntergefahren. Es wird entweder teurer oder schlechter oder beides. Das ist fast so gewiss wie das vielzitierte „Amen“ in der Kirche. Schon bei der Riesterrente haben viele profitiert nur leider nicht die große Zahl der in sie Einzahlenden. Selbstverständlich werden viele unvorhersehbare Gründe dafür genannt. Na und? Wenn die Finanzlage weiterhin so gut bleibt, stehen uns noch weitere Kabinettstückchen ins Haus. Ganz großes Kino. Und während wir noch auf die wortgewaltig avisierten Segnungen warten sind wir bereits im Melkstand fixiert – als Geldkühe sozusagen. Warten wir es ab. So genug gelästert. Gerne lasse ich mich vom Gegenteil überzeugen. Nur zu!

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