Gottesdienst und Schneesturm

Ich freue mich über eine kleine Gemeinde mit einer starken Verkündigung. Irgendwo in Bremen treffen wir allen Unkereien des Navigationscomputers zum Trotz rechtzeitig zum Gottesdienst ein. Eine mir arg fremde Liturgie, die aber dank eines Infoblatts durchschaubar bleibt, in Kombination mit einem sehr sympathischen und kommunikativen Pastor lassen uns eine ansprechende Stunde erleben. Sehr schön. Vor dem Schnee erreichen wir unser Heim und können den Abend mit flackerndem wärmestreuenden Kaminfeuer und einem wohlausgewählten Rebensaft angenehmst gestalten, während draußen ein Schneesturm die Landschaft mit seinen weißen Massen füllt. Doch die Außentemperatur liegt bereits über dem Gefrierpunkt, so dass die Hoffnung auf Tauwetter mich erfüllt. Warten wir’s ab.

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Glaubensgespräche

Es kann durchaus faszinierend sein mit einem Mitchristen zu reden, dessen Glaube in einer bestimmten Richtung betoniert ist. Jemand der scheinbar unbeweglich – in Wirklichkeit ist er in seinen Grenzen durchaus offen für Anregungen – die Bibel seinen Erkenntnissen unterordnet. In seiner Wahrnehmung bestätigt allerdings die Bibel genau seinen Blickwinkel. Das muss man wissen und akzeptieren, sonst streitet man sich nur mit ihm und das bringt gar nichts. Doch gerade aus dieser einseitigen, nach außen verschlossen wirkenden, Sichtweise können sich, wenn man ihm zuhört, bereichernde Glanzlichter ergeben. Menschen, die ihren Verstand wirken lassen und dennoch nahezu nichts neben ihren eigenen Einsichten gelten lassen, sind oft sehr belesen, kennen eine umfassende Literatur, die das Fundament ihres Denkschemas bildet. Und dieses wissen ist ein tiefgründiger Brunnen geistlicher Weisheit. Selbst wenn man andere Schlüsse als sie daraus zieht, ist das eine achtungsgebietende Quelle. Manche eigenen Irrtümer können durch solche Gespräche durchaus entlarvt werden und dafür bin ich dankbar. Außerdem – man möge es Bitteschön mir nicht verübeln – reizt es mich immer wieder mit der einen oder anderen Bemerkung oder Erfahrung zu pieken und abzuwarten welche Reaktion erfolgt. Das ist weder Spott noch Schadenfreude, sondern eher Interesse an einer völlig anders gearteten Lagebeurteilung.

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ACC- und Magengrenzen

Heute geht es weiter. Ich vertraue, dass mein Reifenluftfüllversuch korrekt erfolgt ist und stelle alles wieder auf „okay“ und „Neuanfang“. Und alles geht gut. Hoffe ich. Auf der Autobahn entfaltet der Abstandsregeltempomat, kurz ACC genannt (o ihr Englischfetischisten bei AUDI!), wahre Triumphe. Mir macht Autofahren auch bei recht gut gefüllten Fahrbahnen wieder Spaß. Klasse. In der Weltstadt Lemwerder finden wir mit viel Glück die einzige über Mittag geöffnete Gaststätte und sind die einzigen Gäste. Allein die Laufkundschaft, die sich ihre Pasta oder Pizzas abholt scheint ein ein wenig Rentabilität in die Mittagsöffnung hineinzubringen. Das Essen mundet hervorragend. Der Koch macht einen guten Job, ohne jeden Zweifel. Wir schauen dem Schnee beim Fallen zu und sitzen warm und trocken. Das ist gut so. Auf dem Friedhof stehen wir vor dem falschen Grab, wie sich später herausstellt. Na und? Kommen wir halt noch einmal wieder. Damit ich das ACC nicht zu sehr lobe verweigert es den Dienst bei starkem Schneefall – die Abstandsmessung zur nächsten Schneeflocke scheint es zu sehr zu verwirren. Ist ja auch nur ein Rechenknecht. Der Verwandtenbesuch gestaltet sich übrigens gesprächig, anregend und extrem sättigend. So wie Verwandtenbesuche eben so sind. Pappsatt schließt mich Morpheus in seine Arme.

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Freund und Feind

Nichtsahnend sause ich die Landstraße entlang und plötzlich leuchtet eine Warnleuchte auf. Der Reifendruck sei allgemein zu niedrig. Okay und nun? Erst einmal suche ich den nächsten Parkplatz auf zur optischen Kontrolle. Nichts zu sehen, gar nichts. Okay. Also schleiche ich zur nächsten Tankstelle und kontrolliere den Luftdruck. Ja, da ist Bedarf. Aber warum lässt der Druck nach ein paar Monaten und 5.000 km Laufleistung so deutlich nach? Komisch. Ich fahre weiter und die Leuchte warnt mich weiter. Der Fluch der neuen Technik. Die Bedienungsanleitung belehrt mich ausführlich über die Funktionsweise der Lampe und wie man die gespeicherten Werte zurücksetzen kann. Eine Anzeige welche Referenzwerte gespeichert waren, gibt es natürlich nicht. Nur ein Aufkleber an der Tür, der nur mit viel Demut zu lesen ist, informiert welchen Druck die Reifen lieben bei niedriger, halbvoller und voller Beladung. Aha. Und welche Werte hatte die Werkstatt eingestellt? Keine Ahnung. Also tue, was man allgemein so tut und ich fahre mit leuchtender Anzeige weiter. Wenig durchdacht die Sache, finde ich. Ingenieure – größte Freunde und ärgste Feinde der Anwender zugleich. Da muss ich durch.

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Nikolaus

Der Nikolaustag beschert mir einen eifrigen Internisten, der sich in den Tiefen meines Nahrungsausscheidungssystems umschaut. Ich schlafe derweil und wundere mich nur aus welchem Grund der Doktor mit seiner Arzthelferin bei mir im  Wohnzimmer auftaucht. Das stellt sich allerdings als Aufwachirrtum heraus, denn ich befand mich wohl nur geistig zu Hause, körperlich liege ich nach wie vor auf dem Behandlungstisch. So kann man sich täuschen doch holt einen die Realität schnell wieder ein. Ich lebe noch, der Dottore hat keine schadenbringenden Entdeckungen gemacht mithin kann ich wieder in den Alltagsmodus umschalten. Schön so. Ein ausgiebiger Mittagsschlaf vertreibt die letzten narkotischen Wirkungen. Mein Elefant macht sich übrigens hervorragend an der Krippe, wenn auch die Größenverhältnisse ein wenig Fantasie erfordern. Die Hirten sind noch bei ihren Hürden, die Weisen unterwegs und das Christkind liegt noch im Karton. Es hat am wenigsten von der Vorweihnachtszeit. Schade eigentlich.

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Vorschatten

Der Mittwoch wirft schon einmal seine Schatten voraus. Morgen will ein junger Doktor in meinen Gedärmen herumspiegeln und heute muss ich sie freiräumen. Das fällt leichter als vor 10 Jahren – man merkt deutlich den medizinischen Fortschritt. Der Konsum von zweimal einem Liter eklig salziger Flüssigkeit entfällt dafür darf ich zwei Medikamentencocktails mit Apfelsaft mischen – das macht sie geschmacklich erträglich. Die Wirkungen sind spürbar gleich, da muss man eben durch. Ansonsten finde ich dazwischen noch die Zeit und die Gesundheit um eine unserer Hecken mit einer Lichterkette zu schmücken. Der Abend gestaltet sich dagegen im steten Wechsel zwischen Sofa und einem anderen Ort. Aktiv bleiben!

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Lehrreiches

Das ist kein stinknormaler Tag. Wieder einmal – inzwischen kommt es mir viel zu oft vor – steht das Staubsaugerschwingen in der Stadtmission auf dem Programm. Jungs und Mädels es ist Zeit für eine Roboterlegion, die das nächtens erledigt. Andererseits habe ich dabei wunderschöne Weihnachtslieder gehört. ‚Tropical Christmas‘, eine uralte Empfehlung eines alten Freundes, zählt zu den Favoriten – Weihnachtslieder, die in die Beine gehen. Im großen Saal kommen dann die etwas moderneren deutschen Songs zum Zuge. Sehr nett. Der Nachmittag haut mir ein schockierendes Muttererlebnis um die Ohren – die Veränderungen im Alter können echt erschreckend sein. Doch darüber hülle ich mich besser in Schweigen. Die dunkle Gedankenwolke löst sich glücklicherweise auf dem Weihnachtsmarkt unserer Nachbarstadt rund um den Dom ein wenig auf. Auf dem Weg dorthin bitten wir Gott um einen freien Parkplatz – Braunschweig ist immer arg zugeparkt – und wenig später tut sich eine große Lücke auf. Stark. Als Sahnehäubchen ist der Parkscheinautomat außer Betrieb. Wow. Wir können es erst gar nicht glauben. Und das nur wenige Meter vom Ziel entfernt! Danke!!! Weihnachtsmarkt: Ja, der Wolfsburger hat sich gut entwickelt. Doch eine breite wie mit dem Lineal gezogene Fußgängerzone lässt sich hüttenmäßig nie so anheimelnd bestücken wie eine, die sich rund um einen Dom und eine Burg schlängelt. Das lerne ich heute. Ach ja und dann ist da noch der Höhepunkt des Tages: das Konzert des Dresdner Kreuzchores. Faszinierend wie diese Jungs singen können und wie die Akustik des Doms ihr Stimmvolumen unterstützt. Ja, es ist ergreifend altbekannte, überall gedudelte Weihnachtslieder ganz neu zu hören, in ihrer inhaltlichen und musikalischen Aussagekraft auf sich wirken zu lassen. Außerdem gibt es zwei längere Orgelstücke damit die Chorknaben ein wenig durchatmen können. Das ist extrem lehrreich. Ich weiß jetzt, dass ich um moderne Orgelkompositionen nicht nur einen Bogen machen sollte, sondern stante pede Reißaus nehmen muss. Sofort und schnell. Das ist wichtig!

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Schadensbegrenzung?

Ich wache nichtsahnend auf und bemerke erschüttert das weiße kalte Zeug draußen – nein, nicht nur eine flache leicht wegtauende Schicht, tatsächlich richtig fett und nass. Das ist keine nette Geste vom Wetter. Tief schockiert stelle ich erst einmal fest, dass die Nachbarn noch nicht geräumt haben. Gut so. Also frühstücke ich in aller Ruhe, höre anschließend einen ordentlichen Gottesdienst aus Bremen und hülle mich daraufhin zeitnah in eine Vielzahl wärmender Kleidungsstücke. Ganz vorsichtig bugsiere ich den patentierten Schneeräumer am Auto vorbei und widme mich der weiß-feuchten Masse. Meine äußerst liebenswürdige Mitbewohnerin steht mir zur Seite und so sind wir ruckzuck fertig. Warum habe ich bloß hier keine schnuckelige Mansardenwohnung (de jure mit Briefkasten) und lebe de facto in einer Ferienwohnung auf Teneriffa? Das wäre schön. Bleibt aber ein Traum. Schade. Trotz der Sonntagsruhe räumen wir unser Sperrmüllzeug noch an die Straße (wann denn sonst). Das treibt uns zu allem Übel auch noch die letzte kleine Motivation zum Abendgottesdienst aus. Doch das Adventskonzert in der Frauenkirche ist auch nicht schlecht. Dazu flackert unser Kaminfeuer. Apart.

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