Hoffnungsschimmeransatz

Hat sich in die Zahl der Jahre, quasi wie Unkraut unter den Weizen, auch eine unvorhersehbare aber um so lästigere Zahl von schlaflosen Nächten eingeschlichen? Mir scheint es fast so. Es ist lästig wach zu liegen. Total lästig. Aber was soll ich machen? Ist doch klar: Wach bleiben. Dann ist es eben so. Doch der Tag danach ist okay. Stark. Die SPD führt mir heute wieder vor Augen wie unangenehm es ist wenn man sich zu früh und zu einseitig festlegt. Man drehe und winde sich wie man wolle, aus der Nummer kommt man ohne Gesichtsverlust nicht raus. Außerdem verärgert man die parteischeuklappentragenden, treuen und sturen Gemeinwohlpachtherren in den eigenen Kreisen (die gibt es, nur am Rande bemerkt, in jeder Gruppe). Arme alte Tante! Ob da noch was draus wird? Die Hoffnung stirbt zuletzt, heißt es. Morituri te salutant.

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Gerüche, Warnstreik und Bekannte aus alter Zeit

Ein Besuch bei alten Bekannten erweist sich als tückischer Anschlag auf meine Nase. Von den Bekannten? Nein, von mir selbst. O Schande! Ich muss doch unbedingt an fast 80 Duftnoten von einer Art Duftwachs schnuppern. Mein Riechorgan rächt sich für die Belästigung mit einem total nervigen Hintergrunddauergeruchsempfinden. Wie soll ich das beschreiben? Nein, ich rieche es nicht aber das Gefühl eines Geruchs schwebt tief in mir. Spüre ich da so etwas wie eine ebenso milde wie nachdrückliche Streikandrohung? Ich glaube schon, es ist die Zeit der kleinen Brötchen, die ich besser backen sollte. – Abends überfallen mich Kindheitserinnerungen. Wie komme ich nur darauf? Keine Ahnung, plötzlich schwebt „Rin Tin Tin“ in meine Gedankenwelt ein. Der Köter, der in den sechziger Jahren durch eine Fernsehserie streunte und über dessen wundersame Abenteuer ich ein Buch mein eigen nannte. Es dauert nicht lange bis „Lassie“ schweifwedelnd hinzu tritt und „Fury“ laut wiehernd sein Recht geltend macht. Da kann „Mr. Ed“ keinen seiner launigen Kommentare zurückhalten und friedlich vereint schauen wir alle „Bonanza“ beim Lösen ihrer Familien- und Farmprobleme zu. Was würde Meister Nadelöhr dazu sagen? Zweifellos wäre er entsetzt über den Amerikanismus in mir und würde sich mit Pittiplatsch, Schnatterinchen, Herrn Fuchs und Frau Elster in seine Schneiderstube ins Märchenland zurückziehen. Schade.

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Betttag

Die Erkältung schlägt schon wieder zu. Statt Bettag Betttag. Ist nicht bald genug?

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Was bleibt …

Was bleibt von einem Leben? Im Buch des Predigers Salomo in der Bibel hat sich jemand sehr realistische Gedanken dazu gemacht. Wir lösen langsam den Haushalt meiner Mum auf. Da kommen solche existenziellen Fragen hoch. Wie viel von dem, was die Eltern geschätzt, liebevoll gesammelt und gepflegt haben, fällt bei den Kindern durchs Raster. Nur wenig, erschreckend wenig, findet Akzeptanz, oft sogar eher halbherzige „als Erinnerungsstück“. Einst hochwertiges Geschirr löst das alltägliche Küchenporzellan der nachfolgenden Generation ab, Skurriles kann weit über seinem Wert Verlangen wecken und ein Rumstehomat wechselt seinen Standort aber nicht seine Bestimmung. Er fährt noch gut dabei, sein Kumpel landet bei der thermischen Wiederverwertung. Was bleibt? Erinnerungen? Selbige sind ein flüchtiges für jegliche bewusste oder unbewusste Manipulation offenes und bereites Gut. Die Zeit mag nicht alle Wunden heilen wohl aber färbt sie garantiert alle Gedankenfetzen nach persönlichem Gusto ein. Die Vergangenheit bleibt nicht das was sie einst war, sie entwickelt sich bei jedem Überlebenden unterschiedlich fort. Welch eine Gnade einen Gott zu haben, der sowohl das Äußere wie auch das Herz kennt! Ein Gott bei dem ich niemals vergessen sein werde. „Ich bin, der ich bin“, „ich bin der ich sein werde“, stellt er sich vor – ein Gott der sich treu bleibt. Und der uns treu bleibt. Ein Gott, der mich annimmt – vor und nach dem Tod. Gut zu wissen: Das bleibt!

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Grundlegendes

Nun habe ich die gute alte Tante SPD in den letzten Tagen (und wohl auch in den künftigen) etwas raubeinig behandelt. Okay, sie ist mir seit ihrem Verrat an ihren sozialen Grundwerten unter Schröder (ja, ich weiß das war ganz toll für die Wirtschaft) nicht mehr so richtig sympathisch. Doch das ist nicht der Grund – nachtragend wie ein Elefant bin ich nicht. So wahnsinnig sympathisch sind mir die anderen Parteien ebenfalls nicht. Weshalb? Ich bin halt ein altes Modell. Ich liebe die Demokratie und nicht die Parteipolitik. Und Demokratie heißt für mich unter anderem, dass die Entscheidung des Wählers zählt. Die gewählten Volksvertreter haben gefälligst seine Entscheidung in ein regierungsfähiges Modell umzuwandeln. Wenn man die Wähler so oft wählen lässt, bis das Ergebnis den Gewählten passt, kann man sich Wahlen schenken. Die nehmen dann schnell den Charakter eines Losentscheids an. Wählen ist nicht würfeln und sollte auch nicht dazu herabgewürdigt werden. Ja, ich weiß, wir Wähler sind ein manchmal unberechenbarer Haufen. Wir muten den Gewählten viel zu. Doch andererseits bezahlen wir sie schließlich nicht schlecht für ihre Mühen. Inzwischen, so mein Eindruck, scheint sich, zunehmend auch im Wahlvolk, die Ansicht zu verbreiten, dass Parteipolitik höher zu bewerten ist als die Fähigkeit seine hehren Ziele zugunsten der Regierungsmehrheit abzuschmelzen. Dazu kommt, dass die Rolle des kleineren Partners in einer GroKo natürlich blöd ist. Und wenn einem das mehrmals hintereinander zugemutet wird, kommt sicher Frust auf – man würde doch gern wenigstens mal die Rolle des größeren Akteurs übernehmen. Aber, glücklicherweise (sage ich), kann man (noch nicht?) dem Wähler vorschreiben, wie er gefälligst wählen soll. Ich befürchte, dass wir diese Pattsituation so lange ertragen müssen, bis wieder Politiker mit Profil, mit Ecken und Kanten (Schröder war so einer, Adenauer, Brandt und Schmidt ebenso, ganz zu schweigen von Wehner und Strauß) die politische Bühne betreten. Die können Mehrheiten generieren. Aber die schaffen auch eckige, kantige, teil scharfkantige Lösungen. Geschmeidige Gestalten freuen sich an weichgespülten flutschigen Ergebnissen. Wie heißt noch mal die Komödie von Shakespeare? Ach ja: „Was ihr wollt.“

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Realsatire

Am Tag nach dem Parteientheater bin ich schon wieder ganz cool. Macht doch was ihr wollt. Ich schaue hinaus in den Regen und wünsche mich ganz weit weg der Sonne entgegen. Doch leider bin ich hier und so chille ich mich durch die Stunden und stemme mich gegen die Herunterziehkraft der Nassherbststimmung. Das gelingt gut. Ach ja und unser Bundespräsident baut mich mit seiner kurzen Rede wieder auf – ich teile voll seine Meinung. Inzwischen amüsieren mich die kruden Argumente der Drückebergerpartei, die allen Ernstes vorträgt, dass eine satte Mehrheit für die Ex-GroKo eine Abwahl bedeute. Man könnte natürlich die absurde Meinung vertreten, dass das schlechte Wahlergebnis der Partei eine Quittung für die endlosen Streitereien oder ihre schlechte Arbeit sei – aber wer kommt denn auf so etwas? Abstrus.  😉 

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Trost und Falten

Ein Relevant-Gottesdienst über die Digitalisierung stimmt nachdenklich. Er ist gut gemacht und hat sogar eine virtuelle Beteiligung der Besucher im Gepäck. Stark. Der Abendgottesdienst prägt in anderer Weise – aber ebenso gut – mit einer sehr nachdenkenswerten Bibelauslegung. Auch stark. Manchmal lohnt es sich doch sonntags zweimal zur Gemeinde zu sausen. Diese Stärkung war aus meiner Sicht absolut notwendig, denn wenig später zieht ein Tatort meine Gesicht bedenklich in die Länge und dann legt es sich nach einer traurigen Politikerposse auch noch arg in Falten. Nachdem die SPD sich in die beschauliche Opposition zurückgezogen hat und vor sich hinmault, tut es ihr jetzt die FDP gleich und wirft mit Handtüchern um sich. Diese „Knapp-11%-Partei“ will alle prägen oder aussteigen. Steigt sie halt aus. Es geht ja nur um Deutschland, da ist natürlich die eigene Partei wichtiger. Wenn sich diese Ansicht so langsam bei allen Parteien etabliert, kann ich mir künftig den Gang zu Wahlen schenken. Ohne Kompromissbereitschaft funktioniert unsere Demokratie nicht. Besonders scheinheilig ist natürlich der Hinweise auf eine Minderheitsregierung. Wie soll die funktionieren wenn eine große Partei alles was nicht von ihr kommt ablehnen wird? Und wehe, ein einziger Beschluss wird mit den Stimmen der AfD gefasst – der Aufschrei der Verweigerungspartei wird einer akustischen Sensation gleichkommen. Mal sehen, ob die CDU in diese Falle tappt. Immerhin spiele ich ja ebenfalls ein wenig in diesem Schmollkonzert mit und werde mich Neuwahlen verweigern, denn ich habe ja bereits „gevotet“. Akzeptiert das gefälligst. Basta!

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Ohne Zweifel, zweifellos

Heute bin ich interessierter Zuhörer bei den Visionen über eine neue Arbeitsdimension meiner Gemeinde. Ein wirklich tolles Projekt, aber enorm aufwändig und nicht einfach zu verwirklichen. Ich darf meine Begeisterung darüber folgenlos kundtun. Viel, viel größer ist allerdings meine Freude, dass ich das in verantwortlicher Position weder zu entscheiden noch den Mitgliedern vorzutragen, geschweige denn näherzubringen habe. Das wird ein sehr, sehr hartes Stück Arbeit werden. Und dann ist da noch meine schamhaft verschweigenswerte persönliche Problemstellung. Ähem, mich treibt zurzeit viel zu stark die Frage um in welcher Flugklasse ich meine nächste Fernreise antrete, ob der Komfortgewinn in vertretbarer Relation zum finanziellen Aufwand steht. Die Gemeinde will Mühlsteine bewegen und ich Peanuts. Ist es wirklich okay, dass ich nach einer immer noch in meinen Knochen sitzenden Gemeinde-Anbau-Diskussion – lang, lang ist’s her – befreit durchatme, weil ich für die neuerliche Wegbereitung nicht in vorderster Front kämpfen will oder muss? Ich glaube schon. Jedes Alter hat seine Herausforderungen. Nun ja, die Flugklassenfrage gehört nicht unbedingt dazu, wohl aber die mich bewegende Frage ob ich noch einmal predige oder nicht. Dieser Anforderung muss ich mich stellen. Die Nöte einer erweiterten Gemeindearbeit vertraue ich getrost Gott an. Der kann damit perfekt umgehen. Ob er auch eine Antwort auf meine Frage weiß? Zweifellos.

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