Wir feiern Gemeindefest. Das ist sehr schön. Dafür muss ich aber zuvor einen Relevant-Gottesdienst, ein Gottesdienst speziell für Gäste, über mich ergehen lassen. Das fällt nicht leicht. Ich habe nichts dagegen, dass man sich die Umweltproblematik zum Thema macht. Aber der oberflächliche, kirchentypische, im tiefsten Sinne doch wieder nur ich-bezogene, Umgang mit der wirtschaftlichen, ebenso politischen, wie auch völkerspezifisch-kulturellen (um nur einige wenige zu nennen) Dimension der Problematik lässt mich tief erschüttert zurück. Ich kann also statt des Billig-T-Shirts ein hochwertigeres kaufen. Wenn das sehr viele Menschen machen sind beispielsweise drei (von vielen anderen) Folgen denkbar: 1. Der Billigheimer geht in Asien pleite und seine Arbeiter werden arbeitslos. Trage ich eine Mitschuld an ihrer Arbeitslosigkeit? 2. Der Billigheimer beutet seine Arbeiter wie vorher aus, produziert aber ein teureres Label und kassiert mehr Gewinn. Meine Mitschuld am Schicksal der Arbeiter mindert sich dadurch nicht. 3. Die Markenlabelfirma wird motiviert nur noch in Fabriken mit angemessener Bezahlung produzieren zu lassen. Die T-Shirts werden teuerer, sind aber haltbarer, der Absatz sinkt und damit reduziert sich die Zahl der Beschäftigen beim Markenlabel, ganz zu schweigen vom Personal des Billigheimers. Die Misere ist, dass wir immer schuldig werden und nicht nur beim T-Shirt-Kauf oder -Nichtkauf. Wir Menschen haben uns in eine Verschlingung hineingearbeitet, aus der wir nicht entfliehen können. Nicht Aktionismus hilft weiter, sondern wohlüberlegte gezielte Maßnahmen wären nötig. Industrie- oder Handwerkszweige müssten dazu behutsam umgestaltet und zielgerichtet gefördert werden. Doch da stehen große Konzerne, aufgeblasene Diktatoren und einflussreiche Oligarchen im Weg. Unausräumbar im Weg! Nach meiner beschränkten Sicht bleibt mir im Grunde genommen nur, gezielt Menschen in konkreten Projekten zu helfen. Wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen ändere ich nicht, egal was ich kaufe oder im Regal liegen lasse. Aber einen Brunnen kann ich bohren lassen – selbst wenn zwei Drittel meiner Knete in Korruptionskanälen versickern sollte, bleibt der Brunnen. Ich kann ein Frauenhaus in Peru unterstützen, das tatsächlich gebaut wird. Ich kann die Drogenrehabilitation in fernen Ländern oder hier vor Ort unterstützten. Ich lamentiere nicht über die Beschaffenheit meiner Schuld, die Jesus sowieso für mich getragen hat sondern setze konkrete Zeichen in dieser Welt, die für meine Mitmenschen echt hilfreich sind. Und das darf mir ruhig etwas wert sein. Hauptsache ich tue es gern. Ach ja, Deutschland verliert gegen Mexiko. Na und? Gut für Mexiko!
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