Comeback der Heimatzeit

Heute ist wieder Raum für ein feudales Frühstück unter dem Diamanten. Die Wellen sind hoch, das Wetter unbeständig aber die Sicht bleibt einwandfrei. Nicht sehr viel später besuchen wir den Vortrag unsere Lieblingslektors über die Entwicklung der Passagierschifffahrt, die – voll erschreckend – genau genommen mit dem Sklavenhandel begann. Passagiere als menschliche Fracht, zusammengezwängt und wenn lästig einfach über Bord „entsorgt“. Eine furchtbare Schande in der Geschichte der Menschheit. Später, zur Zeit der Auswanderung von Europa nach Amerika, wurden Zwischendecks eingezogen in denen auf der Hinreise die Auswanderer eng gedrängt (aber mit viel mehr Raum als die Sklaven) die sechswöchige bis dreimonatige Passage (je nach Wetterlage) wagten. Auf der Rücktour dienten diese Decks als Warenlager. Mit Aufkommen der Dampfschifffahrt konnten die Passagen schneller bewältigt wurden. Journalisten machten einen Wettbewerb daraus („das blaue Band“, das es de facto nie gab). Der Rekord lag wohl bei drei Tagen. Ein faszinierender Vortrag. – Heute wartet wieder ein volles Programm auf uns, denn wenig später startet ein Vortrag über die vier Grundtypen menschlichen Verhaltens und was die KI dazu ausführt. Ich sei der rote Typ mit blauem Einschlag, also lila, meint meine geliebte Mitreisende und ich ordne sie dem grünen Typ zu. Wir sind uns da sehr einig. Stark. – Die Uhr wandert wieder eine Stunde nach vorn und wir sind zurück auf dem deutschen Zeitniveau. Fein. – Heute lassen wir uns das Klassik-Konzert in der Schau-Bar nicht entgehen und genießen die Töne bei einem Glas heißer Schokolade. Perfekt. – Während nun meine Unermüdliche sich in der Abendschau über die Unterkünfte der Crew samt deren Bar informiert, nutze ich die Zeit für mein Tagebuch und ein gepflegtes Weißbier. Noch drei Tage und der Rest von heute. Seufz. Das Abendprogramm gestalten Künstler, die auf einer anderen Wellenlänge als wir funken – das müssen wir uns nicht antun. Mein Barbedarf ist inzwischen reichlich gedeckt – ich muss daheim meinen Alkoholkonsum deutlichst reduzieren. Allerdings stelle ich fest, dass „all-in“ für mich keine größere Verlockung ist als die Reisen mit Einzelabrechung der Getränke. Die „Versuchung“ liegt halt in der Reise, der Kreuzfahrt, selbst. Der Tag klingt mit einem Glas vergorenen Traubensaftes aus. Der Schlaf ist wenig überzeugend.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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