Wir hatten Texel auf dem Plan. Dort wollte die Deutschland auf Reede liegen und wir sollten getendert werden. Das Wetter ist dagegen. Es stürmt, Wellen über drei Meter Höhe und Windstärke 10 lassen den Plan scheitern. So legen wir nach einer durchschaukelten Nacht in IJmuiden, dem Außenhafen von Amsterdam, an. Regenschauer prasseln auf das Schiff, die Außendecks sind gesperrt und zur Verstärkung der Taue hat der Kapitän sogar den Backbordanker herabgelassen. Einige mutige Ausflügler sind nach Amsterdam unterwegs. Unsere Bordpastorin ist dabei und berichtet später, sie sei in ihrem Leben noch nie so nass geworden. Das steckt sie offensichtlich gut weg, denn wir feiern am Nachmittag Gottesdienst in den Lido-Terrassen. Davor konnte ich noch das Schauspiel des Ablegens bei Windstärke 10 mit Hilfe zweier Schlepper beobachten. Sie hatten ganz schön zu ziehen aber alles geht gut. Perfekt. Unsere Koffer warten heute auf ihre Inhalte. So packen wir all unser mitgeführtes Hab und Gut in diese Behältnisse. Außen vor bleibt vorerst die Gala- und natürlich die Reisekleidung. – Meine erinnerungsstarke Mitreisende entdeckt, dass das heutige Gala-Menü ein Wiederholungsereignis ist. Wir kennen es schon. Unser Entschluss steht sofort fest: wir werden im Gala-Outfit im SB-Restaurant speisen. Und das ist gut, denn wir vertilgen deutlich weniger und können eine höchstpersönliche Auswahl treffen. Der Vorteil der MS Deutschland ist halt, dass sich die Qualität des Restaurants und seiner SB-Variante nahezu nicht unterscheiden. Es folgt die letzte Veranstaltung unserer Reise: der Abschieds-Cocktail. Dort ziehen der Kreuzfahrtdirektor und der Kapitän ein Resümee, wir ziehen uns ein Glas Sekt „rein“ – und die Kreuzfahrt ist offiziell beendet, wiewohl noch ein paar Seemeilen zwischen uns und Bremerhaven liegen. Zwei Koffer starten ihre Heimreise auf dem Flur, das Handgepäck bleibt in der Kabine. Gute Nacht.
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