Strandtrauma

Es ist Sonntag und ich dachte zuerst es sei Montag. So kann man sich irren! Als Pensionist verliert man schnell die Übersicht, wenn alle Tage Freizeit sind. Das ärgert mich aber gar nicht 😀. Der Gottesdienst aus Bremen ist wie gewohnt gut und den einzigen in meiner Gemeinde schwänze ich heute weil ich der chinesischen Sprache nicht mächtig bin. Nobody is perfect. Der Versuch einer saftlosen SAT-Leitung auf die Spur zu kommen scheitert grandios und wird vertagt. Mit stumpfsinniger Begeisterung gepaart mit wärmespendender Sehnsucht verfolge ich Starts und Landungen auf Lanzarote, absolviere den einen oder anderen virtuellen Strandspaziergang, was mein Urlaubsverlangen wider Erwarten abkühlt. Schmale Strände umgeben von hotelfestungsbesetzten Bergen, Sandstrände mit Urlaubssilos als Hintergrund und die geballte Ladung sonnenhungriger, eng-gepferchter Menschenmassen lässt so eine rechte Reiselust nicht aufkommen, eher ein vor- oder nachsaisonales Sehnen nach griechischen Küstenlandschaften. Es wird gar nicht mal so spät.

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Neujahr

So spät bin ich (ohne dicken Kopf) selten aufgestanden. Ich bin einfach nur müde und fröne dieser Schlafleidenschaft mit großer Ausdauer. Der Tag setzt sich mit ebensolcher Schläfrigkeit fort. Dennoch fällt die Mittagspause heute aus, logisch, denn dazu zog die Nacht sich zu lang hin. Das Jahr fängt ja gut an. Knapp zwei Kilowattstunden produzierte unser Anlage am Silvestertag und heute wird es wohl nur ein Drittel mehr sein. Sie träumt mit mir vor sich hin. Ob dem lahmen Anfang noch furiose Tage folgen werden? Wer weiß das schon!? Wir lassen uns erneut testen um für einen Besuch im Seniorenheim gerüstet zu sein. Zwischen einem virtuellen Besuch in Nordamerika, vergeblichen Bemühungen eine SAT-Leitung mit Saft zu füllen und wilder Zapperei durch alle Kanäle schaue ich Flugzeugen beim Starten und Landen auf Lanzarote zu. Sehnsuchtsvoll natürlich. Dazwischen feuern herrliche Fotos meines Neffen aus Fuerteventura meine Reiselust weiter an. Irgendwann bin ich hier weg. Seufz. Es wird erwartungsgemäß recht spät.

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Silvester

Noch schnell ein wenig Patina vom eigenen Heim entfernen, schließlich kommt Besuch. Eine Lichterkette draußen wird durch Unachtsamkeit brutal zerstört und befördert meine Stimmung stracks in den Gefühlskeller. Gerade heute leuchtet nur die Hälfte der Wallillumination – auf die Schnelle unabänderlichkeitsbar. – Im Gottesdienst am späten Nachmittag ergeht an uns der Appell, wenn man die schwärmerische Forderung in die Praxis umsetzen würde, dass Deutschland nahezu sämtliche Flüchtlinge an der polnischen Grenze und sämtliche Bootsflüchtlinge aufnehmen sollte. Höchstwahrscheinlich wäre es in diesem Fall kostengünstiger, meine ich, wenn man gleich kostenlose Flugverbindungen aus aller Welt nach Deutschland etablieren würde. Predigten, die in idealistischen Höhen schweben und die Realität meiden wie Feuer das Wasser, mag ich gar nicht, selbst wenn mancherlei nachdenkenswerte Aspekte enthalten sind. – Mit Käsefondue und der erneuten Bestätigung, das Champagner oft nicht das ist, was sein Name verheißt, endet das Jahr. Hätte ich nicht im Flugzeug schon erheblich besseren Prickelsaft aus dieser Gegend gekostet, würde mein Urteil heute völlig vernichtend ausfallen. Um Mitternacht fehlt mir das Feuerwerk total, das etliche Anlieger jedes Jahr entfesselt haben. Schön ist dagegen das Anstoßen mit den Nachbarn. Gar nicht mal so spät für Silvester endet der Tag. Unsere Freunde wollen in ein paar Stunden in Urlaub fahren. Die Glücklichen!

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Vereimerungskultur

Das Jahr läuft so langsam aus. Die Renten fürs neue Jahr gehen dagegen ein, was äußerst erfreulich ist – bis Mittag sind alle Zahlungen gebucht. Bestens. Ich ärgere mich ein wenig über das Raketenverkaufsverbot, nicht weil ich ansonsten viele Knall- und Leuchtkörper in die Luft jagen würde, am meisten ärgert mich das Verbot als solches und die bescheuerte Begründung: Überbelegung der Intensivstationen. So ein Schwachsinn, laut unserer Zeitung ist die Zahl der Krankenhauseinliefungen zu Silvester von 2019 mit etwas über 6.000 bundesweit auf 2020 mit etwas über 3.000 zurückgegangen. Krankenhauseinlieferungen nicht Intensivstationsbelegungen, bei 1.900 Kliniken bundesweit als von gut 3 pro Krankenhaus auf 1,5 pro Klinik. Das bringt es nun wirklich, nämlich totalen Vereimerungszorn bei mir. Außerdem mag ich diese Verbotskultur, die immer mehr um sich greift immer weniger, vor allem wenn es keine nachvollziehbaren Gründe dafür gibt. – Abends erfreut mich wie jedes Jahr Urban Priol mit seinem Jahresrückblick. Echt klasse der Junge, selbst wenn ich seine Bewertungen nicht immer teile, er ist einfach gut. Der Jahresrückblick der ARD dagegen ermüdet mich, ja, journalistisch gestaltet aber altväterlich, sich in die Länge ziehend wie Kaugummi und selbstverständlich sehr tendenzbehaftet – einfach öde, ich breche irgendwann das Drama ab. Es wird spät.

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Hoffen und harren

Hotelsuche ist angesagt. Irgendwann im Frühjahr startet unsere Flusskreuzfahrt quer durch Holland und Flandern. Vorher buche ich noch schnell zwei Nächte in Amsterdam, schweineteuer aber hoffentlich gut. Die An- und Abreise gestalten wir umweltfreundlich per Bahn. Das ist aber nicht weiter verwunderlich, denn von unserer Stadt bis Amsterdam gibt es eine durchgehende Verbindung, daheim einsteigen und am Ziel aussteigen, dazwischen reservierte Plätze – was will man mehr? Bei der Gelegenheit kann ich auch gleich einen Gutschein einer ausgefallenen Reise verbraten. Gut so. Nun noch schnell unseren Reiseordner ordnen, alles beamtenmäßig perfekt abheften und da die Reise nun in den Akten ist, ist sie auch in der Welt 😀(alter Beamtengrundsatz). – Per Post kommt die neue Hülle für den Garagentoröffner. Die Vorgängerin hatte ein Treffen mit dem Fliesenboden nicht gut wegstecken können. Die große Fummelei beginnt und ich kann nach zahllosen erfolglosen Bemühungen schließlich doch das Innenleben der alten in die neue Hülle befördern. Perfekt. – Beim Vorabendkrimmi aus Wismar errate ich den Täter recht schnell und muss aber lange auf sein Motiv warten. Abends entfalten die Rosenheimcops in einem anderthalbstündigen Special ihr nicht vorhandenes Temperament und entlarven wie gewohnt nach ausgiebigen beschaulichen Ermittlungen die Täterin. – Mein langes Warten auf die Durchfahrt eines Güterzuges durch La Grange wird endlich belohnt und ich sehe mit Erstaunen wie spät der Verkehr gestoppt wird und wie diszipliniert und entspannt alles abläuft. Sehr beruhigend. Den Abschluss bildet das Finale von „Stirb langsam 2“ das Ende der Schweinebacke und die Landung der spritleeren Passagierflugzeuge. So gehe ich spät in eine schlafarme Nacht. Schade.

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Kreuzung mit vier Stoppstraßen

Der letzte Schnee ist weg, Verwandte schicken Grüße aus Fuerteventura, seufz, der Airport von Lanzarote (YouTube) wird von einer Maschine nach der anderen angeflogen und nur ab und zu heben ein paar ab. Das weckt Sehnsüchte, wenn auch Fuerte oder Lanza nicht unbedingt meine Traumziele für einen längeren Aufenthalt wären. – Nun könnte ich lange sinnieren weshalb die neue Covid-19-Variante Omikron heißt, eigentlich wäre ja Epsilon dran, aber wer blickt schon in die Köpfe von Wissenschaftlern? Die Querköpfe nehme ich mal aus, die blicken ja voll durch 😉 und wittern überall Betrug, Verrat, Konspiration, Manipulation und Intrigen aller Art – die Armen, eigentlich arg bedauernswert, wenn sie nicht so aggressiv daherkämen. – Heute beschäftigt mich der Tod von Bonhoeffer, ich lese gerade eine Kurzbiografie, wie er kurz vor Kriegsende noch hingerichtet wurde. Wie übel! Außerdem lese ich das beeindruckende Statement Gottes über Mose gegenüber Mirjam und Aaron – so verstehe ich besser weshalb Mose wegen eines scheinbar kleinen Vergehens so hart bestraft wurde aber auch dass Gott höchstpersönlich ihn begraben hat. – Abends höre ich mir einen Vortrag über die historische Entwicklung des Islam an, die Rahmenbedingungen für seine Ausbreitung wie auch für die Rückeroberung Europas – hochinteressanter, wissenswerter Stoff. – Kurz vor der Nachtruhe, normal spät übrigens, verfolge ich die Stadtdurchquerung eines schier unendlich langen Güterzuges inmitten einer Ortsstraße in La Grange, Kentucky, USA. Meine Zeit koppeln die Amis Massen von Güterwaggons aneinander. Erstaunlich die Geduld der Autofahrer. Faszinierende Sache. Im Anschluss der schier endlosen Wartezeit passieren die Amis vollkommen diszipliniert eine Kreuzung mit den üblichen vier Stoppstraßen. Einer kaum erkennbaren geheimnisvoll wirkenden Abstimmung folgend fahren sie in wechselnder Reihenfolge rundum. Angeblich geht es nach dem Ankunftsprinzip – wer zuerst die Kreuzung erreicht darf fahren. Und es funktioniert. In Deutschland undenkbar, ein Unfallschwerpunkt, unvereinbar mit der hier üblichen Rechthaberei. Gute Nacht!

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Leichte Beschäftigung, schwere Ballerei

Und – wusch – ist Weihnachten wieder vorbei. „Eins, zwei, drei im Sauseschritt, läuft die Zeit – wir laufen mit“ hat schon Wilhelm Busch gereimt. Eine Nacht mit schlechtem Schlaf liegt hinter mir – das Jahr hört ja gut auf 😉😢😩. Ein paar Bankgeschäfte erledige ich so nebenbei, Geld kommt rein, Geld geht raus, fast wie im wahren Leben. Schnell noch ein paar Beschaffungen regeln und schon naht die Mittagszeit. Wow, geht das fix, wenn man spät aus den Federn kommt! Ich lasse das Jahr behutsam ausklingen, versorge die Flattermänner und Flatterfrauen mit Nahrung, schließe eine Webcam ans Ladegerät an und tue so als wäre ich beschäftigt. Draußen ist es mir zu frisch und drinnen ist nicht viel los 😉😇. Der Weihnachtsbaum mit seinen flackernden Kerzen erfreut mich Tag für Tag. Er muss wirklich nicht groß sein, zehn Kerzen tun ebenso ihren Dienst wie fünfzehn in der Vergangenheit. Sehr erbaulich. – Abends sehe ich mit einem Auge einem Trip nach Island zu, nachdem ich vorher die Seychellen (Seufz), Mauritius und die Malediven besucht habe. Den Abschluss bildet ein nicht so ganz logischer Actionreißer über einen amerikanischen Präsidenten, seinen kriegssüchtigen Stellvertreter, einen kämpferischen Leibwächter und eine im Laufe des Films ständig reduzierte Söldnertruppe. Typisch amerikanisch. So wird es wieder außerordentlich spät – hier tun sich Abgründe auf!

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Ruhiger Feiertag

Wir sind einfach zu träge um aus dem Haus zu gehen, draußen ist es frostig und rutschig und welche Ausrede mir auch sonst noch einfallen mag. Der Gottesdienst aus Bremen ist gut, informativ und aussagekräftig. Im Laufe des Tages schauen wir virtuell auch in unserer Gemeinde noch rein und kommen so wieder einmal zu zwei Gottesdienstbesuchen auf dem Sofa. So kann das eigentlich nicht weitergehen wiewohl es äußerst komfortabel ist. In dieser Weise tröpfelt der zweite Weihnachtstag ohne große Anstrengungen vor sich hin, einfach, in aller Ruhe und Beschaulichkeit. Der Entenbratenbestand reduziert sich beim Mittagessen, die Kekse nehmen im Laufe des Tages ab und ein per Post zugestelltes Kuchenstück nimmt genussvoll den ihm vorbestimmten Weg. Lecker. Die Glücksritter und ein Cop bei seinem Trip nach Beverly Hills bereitet mir mittleres Vergnügen wiewohl ich beide Filme bereits kenne. In kaum nachvollziehbarer Weise wird es wieder sehr spät. Erstaunlich.

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