Gottesdienst, Gespräche, Glotze

Ausschlafen am 1. Weihnachtstag ist etwas ganz Feines. Wir lassen die Zeit vergehen, schauen danach den Video-Gottesdienst der reformierten Gemeinde in Wolfsburg und bereiten uns auf unser Festmahl vor. Schon lange vor dem Genuss macht sich verheißungsvoller Entenbratengeruch in der Wohnung breit, dringt erst ganz sanft in mein Riechorgan ein, bis sich der Wohlgeruch zur Gewissheit verdichtet: gleich geht es los. Dazu kommen meine heißgeliebten Semmelknödel und ich bin hin und weg. Das ist eine Schlemmerei, fast wie Weihnachten 😉. – Eine Mittagsruhe und einen Spaziergang durch eisige Luft weiter treffen wir uns mit Freunden zum festtäglichen Teetrinken. Ein zweiter Eismarsch führt uns zurück in unsere kachelofenbeheizte Stube, schnell sind zehn Kerzen entzündet und ein abendlicher allzu bekannter Tatort – immer wieder schön anzusehen – nimmt seinen Lauf. Beim Schauen steht mir der Baum im Weg und das ist gut, denn so unterstreicht er seine stimmungsfördernde Bedeutung. Prachtvoll! Das wird heute ein Fernsehabend, denn ‚Mord mit Aussicht‘ sowie zwei Miss-Marple-Filme mit der unübertrefflichen Margaret Rutherford ziehe ich mir auch noch rein. Es wird sehr, sehr, sehr spät, fast schon früh.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Heiligabend

Schon wieder Heiligabend, der letzte war doch gefühlt erst vorgestern, kaum zu glauben. Wir transferieren den Weihnachtsbaum von der für ihn erfrischenden Lounge ins für ihn völlig überheizte Wohnzimmer (in dem ich mich dagegen sauwohl fühle). Die Tanne, Fichte, Kiefer oder was für ein Nadelträger auch immer, bekommt zehn Kerzen verpasst, gefühlt hunderte von Kugeln und natürlich – altersgerecht – Lametta. Früher war auch Lametta, nur in silbern glänzender Farbe, heute präsentieren sich die Fäden dunkelrot mit Föhnfrisur, also leicht gewellt. Jetzt noch ein Schnelltest fürs Seniorenheim, er fällt negativ aus, perfekt. – Der Gottesdienst in meiner Gemeinde ist interessant, wiewohl mir unklar bleibt was für einen Sinn das Infragestellen von Stall und Herberge haben soll. Wir wissen was die Bibel beschreibt und alles andere ist Spekulation, denn das Ereignis ist immerhin 2.000 Jahre her, da muss einfach offen bleiben wie die Rahmenbedingungen konkret ausfielen. Sei es wie es sei, es war insgesamt für mich eine sehr gute Einstimmung auf das Fest. – Meine Mum ist in Tiefschlaf versunken als wir noch vor 18 Uhr bei ihr eintrudeln. Schwester und Schwäger waren alle schon da – wie bedauerlich, dass Corona eine gemeinsame Feier im Heim verhindert. Das war früher so ideal, wir waren alle zusammen und Mutti konnte retirieren, wenn es ihr zu viel wurde. Schade. – Der Heiligabend zu Hause wird so richtig gemütlich. Die Kerzen am Baum strahlen vor sich hin, das Bäumchen untermalt seine Anwesenheit mit Tannenduft und der Kachelofen steuert allerwohligste Temperaturen bei. So ist es gut. Während Freunde sich durch die Kälte zu einer fast mitternächtlichen Christmette begeben, holen wir uns eine ins Haus per YouTube. So mag ich das. Nach zwei Kerzenrunden, dem gottesdienstlichen Segen und einem Calvados geht es ab zur Nachtruhe. Alles ist gut.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Erfreuliche Knete

Ein arbeitsreicher Tag wartet auf uns. Ich fange leicht mit Computerei an, verschicke noch ein paar Nachzügler-Weihnachtsgrüße und starte die Reinigung des Kaffeeautomaten. Die zieht sich wie gewohnt sehr lange hin. Nach langer, langer, langer Zeit putze ich endlich mal wieder die große Kachelofenglastür, damit sie für ein bis zwei Brennvorgänge oben durchsichtiger ist. Das Ergebnis ist vertretbar, vor allem da unser äußerst genialer Reiniger verbraucht und sein Nachfolger kraft- und wirkungsgehemmt ist. Immerhin bewährt sich wieder die Maske, ein echter Gewinn durch Corona, denn das Atmen fällt mir beim Putzen leichter. Nach der Mittagsruhe durchfährt mich ein Freudenstoß: Qatar Airways hat nach schier endlosen Versuchen die Ticketpreise erstattet. Wir sind sehr dankbar, ein wenig Qatar, im Großen unserem Gott. Halleluja. Wie ein so ein bisschen Knete doch erfreuen kann. – Abends begleite ich Kommissar Dupin auf unserer Leinwand durch die Bretagne, sehr eindrucksvolle Bilder! Danach erfreut mich ein eigentlich absolut lächerlicher Film über den Weihnachtsmann aber mein schlichtes Gemüt erheitert er dennoch. Ja, ja uns schlichten Geistern kann man schon mit kleinen Sachen Freude machen. 😀😉! Irgendwie klinke ich mich in einen Film ein, der mich immer mehr langweilt und so wunderbar die Nachtphase einleitet. So wird es nicht ganz früh.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Gedankenruhe

Heute versende ich Weihnachtsgrüße. Kaum denke ich fertig zu sein, fällt mir noch ein neuer ein. So ist es eben. Zu viele Leute sind uns wichtig. Mit Sicherheit vergesse ich auch ein paar oder meine sie gegrüßt zu haben und habe es de facto nicht. So ist das Leben. – Wir entschließen uns den kleinen Weihnachtsbaum nicht in einzelne Zweige zu zerlegen sondern als Ganzes zu verwenden. Das gefällt mir. Die Standortwahl fällt in diesem Jahr nicht leicht, ist aber lösbar. – Meine neue TV-App erschließt uns weitere Bilderwelten, nicht bessere eher gleichförmigere oder weitere schlechte. So ist das Privatfernsehen nun einmal. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten sind ideologisch zeitgeistig geprägt und die privaten kommerziell einschaltquotenzentriert. Wer ist besser, die die das Denken manipulieren wollen oder die die das Denken minimieren und stattdessen den Geldbeutel manipulieren wollen? Egal, ich schaue einen herzigen, von unzähligen Werbespots unterbrochenen, Weihnachtsfilm von überaus schlichten intellektuellen Anforderungen an. Die Guten siegen, die Bösen scheitern mit ein wenig ‚Auf‘ und ‚Ab‘ zwischendrin. Das brauche ich unbedingt, denn sonst würden mich Fragen quälen wie: „Wie klein muss Gott den Menschen vorkommen, die zweifeln ob er eine Jungfrauengeburt hinbekommen kann? Wer vertritt die Interessen des Kindes bei der Abtreibungsfrage? Was ist am Atomstrom preisgünstig bei den Kosten der Brennstabentsorgung, künftiger Stilllegungskosten und zahlloser Fördergelder? Wieso soll der Staat noch mehr Schulden machen – ist ihre Tilgung keine Option? …“ Ich würde ja nie zur Ruhe kommen. Auch so wird es schon spät.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Baum oder Nicht-Baum?

Ein psychisch mieser Tag nimmt seinen Lauf. Die Entscheidung Weihnachten ohne Baum zu feiern geht mir fürchterlich auf den Keks. Ja, ja, superfromme Pietisten und ähnliche Engherzen argumentieren, dass die Weihnachtsbotschaft allein glänzen soll und der Weihnachtsbaum, wenn nicht heidnisch so doch einen völlig falschen Akzent setzen würde. Das sehe ich nicht so. Weihnachten ist ein Fest für alle Sinne, ein Fest, das nicht nur den Verstand ansprechen sondern auch emotional berühren soll. Wie war es denn damals? Haben die Hirten nur die Botschaft der Geburt des Messias empfangen oder sangen da nicht jubelnd die himmlischen Heerscharen? Sind die Weisen nicht einem Stern gefolgt? Der Himmel konnte nicht schweigen als Gott Mensch wurde. Hirten und Weise waren nicht nur intellektuell bewegt. Es gibt wenig, was mich mehr anrührt als ein Baum mit fünfzehn echten Kerzen, die vor sich hin flackern, für mich eine unbeschreibliche Atmosphäre verbreiten. In diese geistig angeregte Stimmung hinein soll die himmlische Botschaft von der Geburt des Heilands fallen, angeregte Herzen sollen tiefgründig werden! Ja, es kommt nicht auf den Baum an, wohl aber auf einen Rahmen, der Besonderes erwarten lässt. Andere mögen einen festlich gedeckten Tisch, feierliche Kleidung oder gemeinsames Musizieren präferieren – bei mir ist es ein relativ schlicht geschmückter Baum mit Echtkerzen. Das ist mir heute sehr bewusst geworden. Meine Weihnachtsmitfeierin, die das anders sieht, hat spontan ein hübsches kleines Bäumchen besorgt. Sehr nett von ihr. Ob wir es sezieren und nur die Zweige nutzen oder den Baum als solchen, ist noch zu entscheiden. Immerhin heitert eine Girlande aus Kunsttannenzweiglein, illuminiert mit einer Lichterkette, mich ein wenig auf – schön anzuschauen. Eine Dokumentation über ein Kreuzfahrtschiff hilft mir weiter – würde ich wirklich in so einem Massentransporter mitreisen wollen? Arte berichtet über Impfgegner, ihre „Propheten“ und ihre obskuren Theorien. Schließlich bringt mich ‚Nuhrs Jahresrückblick‘ wieder zurück aufs Gleis. Es wird selbstverständlich spät bis ich „runtergefahren“ bin. Seufz.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Barnaby extrem

Es wird morgens ein wenig später, doch wir kommen gut los in die Stadt. Wir erleben den Wandel einer Ungeboosterten zur Geboosterten und sind beide begeistert davon. Während des Wandlungsprozesses krame ich ein wenig in meiner Gemeinde herum und studiere im Anschluss im wohlgeheizten Tiger unsere lokalen Käseblätter. Wie kommt es nur, dass just zu dem Zeitpunkt wo man das Auto ganz kurz verlässt die Partnerin ankommt, fast wie aufeinander abgestimmt? Das kann doch gar nicht sein und ist doch oft so. Wunder der Zeitlichkeit! – Der kurze Besuch eines befreundeten Ehepaares – wir holen nur mal schnell etwas ab – dehnt sich angenehm lang aus mit thematisch weit gefassten Plaudereien, Bratapfellikörprobe und kekslichen Köstlichkeiten. Irgendwann treibt mich mein lunchsüchtiger Magen dann doch heimwärts. – Eine Paketnichtzustellungsbenachrichtigung beschäftigt uns den restlichen Tag: was mag da wohl auf uns harren? Keine Ahnung, nur Spekulationen! – Wir fertigen etliche Weihnachtsgrüße zum postalischen Transport aus, versenden weitere per E-Mails und ich widme mich im Anschluss drei Folgen von Barnaby. Drei auf einen Streich! Irgendwann ist auch genug. Die absurden Fälle bringen zum Staunen: ein mörderischer Sohn beseitigt alle eventuellen Liebhaber der Frau, die er seinem Vater zuordnen will und vorher kocht eine Mutter einen Ghostwriter im Braukessel beim mehrfachen Versuch die neue Frau ihres Ex-Mannes zu beseitigen, weil diese alkoholischen Exzessen nicht abgeneigt ist und die erstehigen Kinder misshandelt. Erschreckenderweise versinken Motive und Täter der ersten gesehenen Folge nach der dritten bei mir in völlige Vergessenheit. Schande über mein altes Haupt. Natürlich wird es sehr spät.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Zwölf Jahre in zwei Stunden

Ich mache mich endlich mal wieder auf zum Gottesdienst in meiner Gemeinde aber die rechte „Stimmung“ bleibt irgendwo in der FFP2-Maske hängen. Der Blick gleitet immer wieder aus dem Fenster hinaus dabei ist es durchaus interessant was gesagt und gesungen wird. Der Lobgesang der Maria ist es wirklich wert näher betrachtet zu werden, wie auch die Person Marias. Die Predigt gibt einen Anstoß noch weiter über sie nachzudenken. Und doch bin ich atmosphärisch uninspiriert – ist wirklich Advent? Steht Weihnachten tatsächlich vor der Tür? Kaum zu glauben. Da wir uns entschlossen haben auf einen Baum zu verzichten, steht sowieso ein Fest ohne äußere Inspiration ins Haus. Sei’s drum. Selbst Bremen spare ich mir heute. So geht der Tag dahin. Ist wirklich Advent? – Abends bummle ich virtuell durch die vorweihnachtlichen ostdeutschen Länder und lasse Brauchtümer, Besonderheiten und mehr auf mich einplätschern. Dann schaue ich mir alle möglichen Aspekte des Frankfurter Flughafens an, träume ein wenig vom Verreisen, von wohliger Sonnenwärme und fernen Ländern und lasse alle News über vierte, fünfte, sechste und was weiß ich noch für Wellen, weit hinter mir. Das Einkaufsverhalten der Japaner und Chinesen, die Möglichkeiten eine Frachtmaschine voll zu stopfen – mit was auch immer – fasziniert mich eher peripher, allein die Gepäckstückbehandlung und -kontrolle weckt mein Interesse. Auch so kann es spät werden. Wir entdecken, quasi nebenbei, die Qualitäten einer Auslese eines 2009er Frühburgunders, den ich im Keller aufstöbere und freuen uns an seiner geschmacklichen Vervollkommnung bei zunehmender Erwärmung oder Atmung, wie man so sagt. Sagenhaft.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar

Eule auf Stahlmatte

Die Lerchen jubilieren und flattern munter durchs Erdgeschoss während eine Etage weiter oben die Eulen noch schwerfällig ihr Gefieder zurecht zupfen. Es war eine harte Nacht auf einem harten Lager – mein Neffe liebt offensichtlich stählerne Matratzen. Sei es wie es sei, mein Kreuz samt Bandscheibe vereinen sich zu einem schmerzvollen Klagegesang. Unser Tiger harrt indessen auf unsere Rückfahrt. Gestern schonten wir ihn und nahmen zur Wohnungsbeschau anlässlich des Starts eines Pensionistenlebens ein anderes Fahrzeug. Das war gut so. Denn je näher wir heute unserem Ziel kommen, desto schneller reduziert sich die Restreichweite. Mit 7% Akkuladung erreichen wir unsere Wallbox und hängen Tiger ans Kabel. Auf der Fahrt beglückt uns das Navi mit variationsreichen Wegideen, die ich allesamt in den Orkus befördere. VW hat noch viel zu lernen, sehr viel. Seufz. Wenn das Fahrerlebnis nicht so toll wäre, könnte man glatt ins Hadern kommen. – Welch eine Freude während einer ausgiebigen Mittagspause die zuvorkommende Fürsorge meiner heimischen Lagerstätte genussvoll entgegennehmen zu dürfen. Klasse! – Abends lasse ich den gestrigen wieder recht skurrilen Fall der Chefin über mich ergehen – die Akteuere sind ganz nett, die Story wie gewohnt verquer und die Lösung überrascht mich nicht besonders, den Täter hatte ich von Anfang an in nicht begründbarem Verdacht. Schließlich installiere ich noch einen TV-Stick aus einem Sonderangebot, nette Sache mit kleiner Monatsrate. Es wird eulengerecht superspät.

Veröffentlicht unter Uncategorized | Schreib einen Kommentar