Postbotenbegrüßungsanlage

Pünktlich düst Tiger los. Seine Kilometervorhersage fällt weit pessimistischer aus als zur Sommerzeit aber es könnte langen. Trotzdem – elektrisch fahren mit den vielen Helferlein macht richtig Laune. Nur langsam geht es kilometerweit durch einen Wald hinter Unterlüß, den sich Jagdenthusiasten für ihr knalltraumaerzeugendes Geschäft reserviert haben. Ein paar der grünen Tiererleger sind sogar durch die Bäume sichtbar – oder sind es nur die Treiber? Wer weiß das schon. Dennoch kommen wir noch im Zeitrahmen am Ziel an, spachteln lecker Suppe und tauschen uns aus. Mittendrin schaue ich mal kurz virtuell zu Hause vorbei und dort steht ein gelber Bulli vor der Tür. Die Post ist da mit zwei Paketen. Meine neue Doorbell besteht ihre Bewährungsprobe mit Exzellenz und wir können aus 150 Kilometer Entfernung die Zustellerin sehen und mit ihr sprechen – ein absolutes Highlight für einen Freund der Technik. Sie legt die Pakete ab und wir informieren die Nachbarn. Perfekt! Ich schwebe auf Wolke anderthalb. – Draußen versammeln sich Adventsbegeisterte um sich mit altbekannten Liedern und herzigen Storys zu erfreuen. Sollen sie doch. Drinnen spekuliere ich mit meinem Schwager über die Zukunft des Pfarrhauses nach seinem Einstieg ins Pensionärsleben. Interessant über PALs (Probleme anderer Leute) zu parlieren. Es wird spät für unsere Gastgeber und früh für uns – Lerchen treffen Nachteulen!

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Gaumenfreuden

Wir sind unterwegs. Meine diakoniefreudige Vermählte kümmert sich um ihre Freundin und ich übernehme die Fahrbereitschaft. Tiger hat zwar nur noch wenige Kilometer Strom im Tank, doch er fährt munter vor sich hin. Bei aller Fahrfreude ist meine Stimmung wettergemäß. Warum eigentlich? Der Probedruck von Weihnachtsgrüßen ist nicht so ganz überzeugend, auf höherwertigem Papier sieht er schon besser aus. Doch da werden Tiger und ich schon wieder angefordert. Zwischendurch fülle ich meine Vorräte auf mit ein wenig Marillen-, Apfel- und Anissaft, vergoren und verbrannt. Inzwischen habe ich ja gelernt, dass Bescheidenheit im Genuss weitaus bekömmlicher ist als ‚alles und sofort‘. Diese Erkenntnis hilft sehr und ich werde immer besser im Beachten dieser Altersweisheit. Dass jeder kleinste Verstoß dagegen am Morgen danach meist bitter gerächt wird, fördert den Lernprozess ungemein 😀. Zurück von der letzten Fahrt kommt Tiger ans Kabel, sein Akku wird prallvoll geladen in der Hoffnung, dass das sogar im Winter für einen Trip zu Schwägerin und Schwager und retour langt. Warten wir’s ab. Es wird mittelspät.

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Reise Nummer 2, Fressvorlieben und Weihnachtsschmuck

Mit dem gestrigen Testergebnis begebe ich mich zum Seniorenheim, ärgere mich über die deutsche Papierwirtschaft – ein Scan und alle meine Daten stünden bereit, wenigstens komme ich so recht problemlos hinein. Ich finde meine Mum außerhalb ihres Zimmers. Welche Überraschung, ist sie doch einmal ein klein wenig unterwegs gewesen. Wir plaudern soweit es möglich ist und es deprimiert mich (wie jedes Mal), dass man im Alter so stark – physisch und psychisch – abbauen kann. Da ist Mutti ja wahrhaftig kein Einzelfall und mir kann das auch in absehbarer Zeit „blühen“. So bin ich doppelt traurig gestimmt. – Daheim buche ich erst einmal auf den Schreck eine Reise im Frühjahr. Ob es da einen Zusammenhang gibt? Wohl eher nicht, denn die Planung nahm schon gestern Gestalt an. Der Veranstalter reagiert schnell und so ist Reise Nummer 2 für 2022 festgezurrt – Jak. 4,15! – Bis heute haben die gefiederten Freunde gebraucht um die Terrassenfutterstation leer zu fressen. Die im Garten haben wir in der Zeit schon drei- oder viermal aufgefüllt. Die Hausnähe ist wohl nicht jeden Piepmatzens Sache. – Der Ertrag der Photovoltaikanlage fällt kläglich aus – bei dem Wetter überrascht das nicht. – Die LSW melden sich auf meine Wechselanfrage bis heute nicht, das Interesse an neuen Kunden ist offensichtlich extrem wenig ausgeprägt, was wohl an der staatsähnlichen Struktur des Unternehmens liegt. Faszinierend. Ein Bericht über die umfangreiche Weihnachtsbeleuchtung eines Privathauses in Delmenhorst und eines Unternehmens, das professionelle Weihnachtsilluminationen herstellt sowie konkrete Lichtelementsmontagen in Hannovers City weckt mein Interesse bevor es endlich mal wieder spät wird.

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Reiselust

Wir fahren in die Stadt, um ein paar Erledigungen abzuarbeiten, das heißt nach altväterlicher Weise: meine schaffensfreudige Lebensgefährtin arbeitet ab und ich fahre. Eine angenehme Arbeitsteilung – wenigstens für mich, denn sie erlaubt mir in aller Ruhe das morgendliche Zeitungslesen zu erledigen, das vor Abfahrt ausfallen musste. Alter Chauvi 😇😉😢. – Zu Hause angekommen wartet ein Reisekatalog von Handinhand-Tours auf uns, der mit hochinteressanten Angeboten glänzt. Ja, durch die frühlingshaften Niederlande würde ich gern schippern, o, einmal rund um die britische Insel mit Stopp in Irland würde mich ebenso reizen, die nordamerikanischen Seen per Kreuzfahrer erkunden wäre toll und eine Schiffsreise von Genua nach Genua über Sardinien, Malta, Ägypten, Israel, Zypern könnte mich begeistern. Die Preise der von mir präferierten Verwöhnklasse sind im Gegensatz dazu eher ernüchternd. Doch es bewegt uns schon. – Unser stellvertretender Bürgermeister hat eine Corona-Teststation im Dorf eröffnet, die wir konsultieren. Ich lasse mich für meinen morgigen Besuch im Seniorenheim testen. Per E-Mail erfahre ich: alles ist gut. Jetzt noch der samtgemeindlichen Apotheke sowie einem Bauern aus dem Nachbarort unsere Förderung zukommen lassen und schon ist das Tagwerk weitgehend erledigt. Nach einem unspektakulären Abend wird es wieder mittelspät – dass das nur nicht zur Gewohnheit wird 😀!

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Schwermütige Karibik

Ein trister Novembertag im Dezember, der mich demotiviert und auf meine Stimmung drückt nimmt seinen Lauf. Ich bin so wetterabhängig, es ist kaum zu fassen. Nimmt das im Alter enorm zu? Dabei ist es draußen gar nicht kalt nur eben arg feucht und frisch. So tue ich was ich tun muss, wurschtle ein klein wenig herum, kontrolliere Kontostände, halt alles was man so macht, wenn man nichts Gescheites anfangen will. Natürlich hole ich Holz, versorge die Flattermänner mit Nachschub, entasche den Kachelofen, vollziehe die Transformation alter Unterlagen per Schredder in winzige Fetzen und schaffe so die Illusion kräftig tätig zu sein. Abends unterhält mich ein alter Barnaby und die erste Folge einer Krimiserie des ZDF- ursprünglich France 2 – aus der Karibik. Der Unterschied zur BBC-Serie „Death in Paradise“ ist deutlich und gravierend – die karibische Leichtigkeit wurde nicht eingefangen. Schade. Die kontinentale Schwermut samt Konfliktbetonung prägt sowohl Darsteller als auch Handlung – französisch/deutscher Krimi in ungewöhnlicher Umgebung. Ob die weiteren Folgen das Manko abtragen? Zweifel sind angebracht. Es wird mittelspät.

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Dritter Advent

Was habe ich mir gegenüber doch für blendende „Argumente“ um bei dem eiskalten Wetter das Haus nicht zum Gottesdienst verlassen zu müssen: Covid und die Live-Übertragung. Ich muss mir nur glauben. Immerhin wird das Videoteam immer besser und die Übertragung ist – bis auf den Standort der Kamera – fast perfekt. Ich bin mitten dabei und doch auf der Couch! Meine Mitbewohnerin erlebt dagegen vorbildlicherweise alles live vor Ort. Schön für sie! Es geht um Zacharias und die Verheißung eines Sohnes. Besonders nachdenklich stimmt mich die Feststellung, dass der Engel Gabriel auf die Bedenken des Zacharias nur mit einem Verweis auf seine eigene Person antwortet „Ich bin, der vor Gott steht.“ Zweifel sind bei dieser Kompetenz wahrhaftig nicht angebracht. Problematisch ist nur, dass (fast?) jeder von uns diese gehabt hätte. Nachdenkenswert. Beim Gottesdienst aus Bremen fehlt mir diesmal leider ein „haftendes“ Element. Sehr schade für mich. – Zu unserer Weihnachtskrippe gesellen sich heute zum 3. Advent die Könige, Weisen oder Magier, was immer sie gewesen sein mögen und Maria mit ihrem Josef rücken näher heran. Diese Umsetzerei macht richtig Freude. – Am Abend lasse ich mich auf einen Liebesfilm ein – ach wie herzig! Schluchz. Wenig später folgt ein neuer skurriler Fall mit Barnaby. So ein Assistent bei einem DCI hat es nicht leicht, köstlich britisch. Aus völlig unverständlichen, nicht nachvollziehbaren Gründen wird es sehr spät. Is‘ wie is‘.

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Rechtsbruch statt Rechtsspruch

Schlafenszeit, die man hinausschiebt möchte am Morgen gern nachgeholt werden. Pensionisten können das und tun es auch. Das tut gut und erfrischt. Die Morgenrituale verspäten sich eine Stunde und alles ist okay. Fein. Der Bürokratiemist fürs Finanzamt wandert in einen Umschlag, die LSW erhält alles per E-Mail und ich bitte um Rückruf weil ich zu ihr zurückwechseln will. Jetzt ist der Ball in ihrem Feld, wollen sie mich als Kunden dann sollten sie handeln ansonsten suche ich mir meinen Lieferanten anderswo. Naturstrom ist mir inzwischen sehr suspekt geworden, weil sie, vereinfacht ausgedrückt, ihre Preise massiv erhöhen weil der Gaspreis steigt. Das wurde vielwortig erklärt, nur logisch ist es nicht. – Mein neues Spielzeug trifft ein, wird aufgeladen, seiner HomeBase vorgestellt, mit ihr verkuppelt und in Betrieb genommen. Der vertraute Blick vor die Haustür weckt eine innere Genugtuung, die sich nur mit Altersunbeweglichkeit, von viel zu jungen Menschen Altersstarrsinn genannt (wartet nur ab, euch erwischt es auch noch), erklären lässt. – Am Abend tue ich mir den Schluss von der Chefin an, wieder ein skurriler Plot mit Kommissaren, die ihr – für ihren Job viel zu fettes – persönliches Emotionalpaket durch Aktionen „auf der dunklen Seite des Rechts“ ausgelebt haben und ausleben – Schlussresümee: nur wer dabei mitmacht, gehört zum Team. Erschreckende Rechtsbeugung im Staatsdienst – irgendwie hatten wir das schon mal in diesen unseren Landen. – Beim nachfolgenden Zappen schaue ich irgendeinem ADAC-Abschleppdienst beim Schleppen zu, setzte die Aktion mit schnellen Senderwechseln fort bis es mir fad wird. Trotzdem wird es nicht früh. So bin ich halt. Seufz.

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Weiße Fahne

Jetzt geht es endlich zur Sache mit Finanzamt & Co. Ein Anruf klärt die Sachlage, ich scanne die Formulare, fülle sie am iPad nach Anleitung aus und drucke das Ergebnis. Selbst den LSW-Vertrag fülle ich weitgehend aus. Das war mal ein großer Schritt nach vorn im Bürokratendschungel. Mein Drucker verlangt währenddessen nach einem umfangreichen Patronenwechsel und verweigert bei der gelben Farbe kategorisch die Annahme. Ich kann dann zwar mit dem Teil drucken, doch das Ergebnis ist arg enttäuschend. Das ist gar nicht gut. – Meine Kameras melden wieder reihenweise Akku-Leerstände, es ist enttäuschend. Außerdem fehlt mir eine Sicht auf den Eingang an die ich so gewöhnt war. Zufällig springt mir ein Web-Cam-Sonderpreis massiv ins Auge, der Akku soll ein halbes Jahr halten und schon ist die Bestellung weg. Eigentlich, eigentlich wollte ich mich doch mehr zurückhalten. Das nächste Mal. Ganz bestimmt! – Unser Anwalt drängelt sehr freundlich um der Fluggesellschaft ein wenig Dampf zu machen. Soll er ruhig, da kann sich die Rechtsschutzversicherung endlich mal bewähren. – Ganz nebenbei stelle ich fest, dass unsere Holzvorräte zusammenschmelzen – wir wüten kräftig im Scheitbestand. – Abends sind wir bei Freunden zu Gast und erweisen dem frisch eingetroffenen Rotwein unsere Reverenz. Er mundet recht ordentlich, doch den zugriffsfertigen Zwiebelring versuche ich mit aller Widerstandskraft zu meiden – ihm wohnt ein mächtiges Suchtpotenzial inne. Viel, sehr viel, Plauderei und Austausch später begeben wir uns in die Kälte auf den Heimweg. Dort packt mich die Schnapsidee noch den Freitagskrimi aus der Mediathek zu schauen. Ganz, ganz spät schwenke ich die weiße Fahne, gebe auf und falle auf mein Nachtlager. Das hätte ich früher haben können! Wohl wahr!

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