Lieber Besuch

Jetzt führe ich also allein einen Haushalt, wenigstens vorübergehend. Ohne Grundstück rundherum wäre das gar nicht so schlimm. Doch draußen lachen mich die Pflanzen in der Gosse an und auch die Rasenränder verlangen nach einer Begradigung. Dazu will Holz gespalten sein und was weiß ich noch alles. Also konzentriere ich mich auf das Wesentliche, sozusagen die inneren Werte 😇. Für den nachmittäglichen Besuch schaffe ich ein klein wenig Ordnung und bereite mich vor um mein Erinnerungsvermögen mit ein paar Fakten zu dopen. Beim Mittagessen schlemme ich wieder über die Maßen, das Alleinsein bekommt mir bauchmäßig überhaupt nicht. Meine diesbezügliche Schwarzseherei nimmt arg zu. – Irgendwann taucht dann mein Besuch auf und wir tauschen uns über Photovoltaik, Solarthermie, Wallboxen und Notstrommöglichkeiten aus. Die sehr angenehmen und interessanten Gäste bleiben recht lange, was ich sehr zu schätzen weiß. – Abends schaue ich eine alte Komödie im Fernsehen an, prüfe ein wenig den Weißwein und lasse alles ruhig angehen. Die politischen Reibereien, Ferkeleien und Liebeleien umgehe ich weitgehend soweit nötig und möglich. Mal schauen ob die Roten oder die Schwarzen gekrönt werden und welche Folgen das konkret hat. Unabhängig davon wird es spät. Natürlich.

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Hausmann im Probebetrieb

Nur nicht hetzen, alles in Ruhe angehen, denke ich und so beginnt der Tag. Erst Zeitung, dann Andacht und ein wenig einkaufen, so ist der Plan. Dann meldet sich mein elektronisches Helferlein: Ich müsste bei unserem Autohändler anrufen um dort etwas abzuholen. Okay, kein Problem, dabei zeigt sich, dass der Verkäufer nur heute im Hause ist und morgen auf Fortbildung. Nun schön, fahre ich also erst einmal in die Stadt, plaudere ein wenig und lade die Sachen ein. Immer wenn ich auf Tiger zugehe, fällt mir sein optischer Zustand ins Auge. Er sieht etwas schmutzig und recht insektenbehaftet aus. Wenn es denn sein muss, lasse ich eine Waschstraßendurchfahrt über mich ergehen und muss hinterher sehen, dass ich das typische Alte-Herren-Problem hurtig löse. Nach dem kurzen heimischen Entsorgungs-Zwischenstopp geht es zum Getränkeshop. Dort schiebe ich eine schier unendliche Anzahl von Plastikflaschen in den Pfandautomaten und registriere interessiert, wie dieser zwei Glasflaschen eine andere Behandlung zuteil werden lässt. Danach irre ich ein wenig verwirrt durch den Supermarkt und kann meine winzigen detektivischen Fähigkeiten erproben, um gewünschte Waren in irgendwelchen Regalen zu erspähen. Offensichtlich war ich in der Vergangenheit zu lange nicht mehr in diesem Laden und muss nun die Folgen erlaufen. Doch schließlich erreiche ich mein Heim, bereite mir ein schnelles Mahl und schnaufe ordentlich aus. Nachmittags komme ich vom Hölzchen aufs Stöckchen, abends stelle ich fest, dass meine Butter ranzig ist, echauffiere mich über die immer gleichen Phrasen bei der Wahlnachlese und sehe zum guten Ende Barnaby bei seiner Arbeit zu. Recht spät finde ich den Weg in mein Nachtlager.

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Langfristig ist out

Nein, es wurde gestern nicht spät, es wurde heute früh. Wie schnell die Zeit vergeht, wenn man Musik hört, Videos schaut und ein wenig beschwingt ist. Irgendwann gegen elf Uhr beginnt für mich der Tag – sollte ich mal auf Dauer allein leben müssen, wäre dieser Tag-/Nachtrhythmus eine latente Gefahr für mich. So verpasse ich unseren traditionell vorgezogenen Erntedankgottesdienst und darf die Predigt nur virtuell, quasi im Rückblick anschauen. Auch beim Gottesdienst aus Bremen, der in ganzer Länge verfügbar ist, bin ich viel zu unkonzentriert. Das ist alles suboptimal, unbefriedigend, auf Dauer keine Lösung. Okay, ich muss daran arbeiten. – Ansonsten läuft heute nicht viel, ein paar Kamera-Akkus verlangen nach Aufladung, ihr Ladezyklus hat sich erstaunlich verkürzt, hoffentlich sind diese Stromversorger nicht hinüber. Das Laden geht schnell vonstatten, bleibt abzuwarten ob sie ein „Feuerwerk der Kraftverschwendung“ entfachen oder nicht. – Ein besonderes Highlight steht am Abend ins Haus, ein gemeinsames Essen bei Freunden. Welch ein Geschenk so eine gemütliche Runde ist, hat mir die Covid-19-Attacke erst so richtig vor Augen geführt. DANKE! Ein breites Spektrum an Themen ist zu erörtern und ich bringe mein angesammeltes Halbwissen frohen Mutes ein, wohl wissend, dass Halbwissen mitunter schlimmer als kein Wissen ist. Es hängt viel daran, ob ich bei YouTube den richtigen Leuten geglaubt habe. – Die Bundestagswahl ist gelaufen, die Hochrechnungen verheißen politiktypische, sprich unwürdige, Verhandlungskrämpfe. Das kann noch heiter werden. Schauen wir mal, welche Lobbyisten sich dabei am wirkungsvollsten profilieren. Leider ist eins für mich sicher: Es wird keinesfalls besser – ob Klimapaniker, Wirtschaftsgläubige oder Sozialneidbewegte sie alle denken in 4-Jahres-Zeiträumen, angetrieben von Illusionen – nichts liegt ihnen ferner als gründlich durchdachte langfristig angelegte Maßnahmen. Der gute alte Keynes hat es zwar anders gemeint, doch sein Wort „in the long run we are all dead“ beschreibt sehr treffend das heutige politische Agieren.

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Tiger schafft das

Heute geht es heim. Meine Sachen sind sehr schnell gepackt und ruckzuck in Tiger verstaut. Die Navis prodzuieren keine gute Stimmung – die Eingabe von mehreren Zwischenzielen und deren korrekte Reihenfolge scheint für die allermeisten Programmierer eine zu hohe Hürde zu sein. Wenn es überhaupt möglich ist muss ich lange nach der Funktion suchen und vom Anordnen von Zwischenzielen hält das Navi gar nichts. Bei der Spracheingabe beharrt das VW-System auf einer Straßennennung, was völliger Blödsinn ist, wenn der Ort nur die Route definieren soll. Okay, dann schalte ich die Autobahnen eben auf „tabu“ und lasse zunächst nur die Route nach Lauenburg berechnen. Das funktioniert unerwartet gut. Ich finde es einfach schön abseits der Autobahn durch die Landschaft zu cruisen – o wie hat mich auf der Hintour die Drängelei rund um den Elbtunnel genervt. Der Kanaltunnel bei Rendsburg ist dagegen fix passiert und die zwar schmale aber dafür recht freie Elbbrücke bei Lauenburg ebenso. Nun gut, ich war fünf Stunden unterwegs aber das war es mir wert. Und Tiger heimst ein fettes Lob ein: von Husum bis nach Hause ohne Nachladen, Respekt. Das hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Kompliment! – Zu Hause wartet viel Werbung auf mich, doch auch ein netter, langerwarteter Bescheid vom Wirtschaftsministerium. Diese Hürde wäre genommen. DANKE, Halleluja! – Per Zufall stoße ich abends auf eine italienische Serie mit Terence Hill als Leiter irgendeiner Polizeistation in den Bergen. Man, ist der Junge alt geworden (wie ich auch, nur er ist schlank geblieben, seufz). Ich mache ein Foto vom Bildschirm und eins von ihm in jüngeren Jahren. Ja, ja das Alter schlägt bei jedem gewaltig zu. Erstaunlich ist nur, dass ich ihn fast beim ersten Mal erkannt hätte nach dem Motto: „das ist doch … nein, das kann nicht sein!“ Aber fast daneben ist auch vorbei. Meine Kurende war heute in List und ich bin ein ganz klein wenig neidisch, doch es sei ihr von Herzen gegönnt. Außerdem ist Kur mit Ehepartner nur halb so schön – und das meine ich voll ernst. Am ersten Tag zu Hause kann es nur spät werden. Isso!

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Langsam laden

Strom tanken im Norden ist ein Problem. Vor Ort in Husum gibt es angeblich zwei(!) Ladestationen mit max. 50(!!) kw. Eine ist zentral gelegen, leicht zu finden und offensichtlich immer besetzt. Die andere finde ich nicht. Ansonsten sollen sich hier ein paar 22-kw-Stationen verstecken aber dort ist die Lagegeschwindigkeit grottig schlecht. Elektromobilität ist hier wohl noch nicht so richtig angekommen. In 25 km Entfernung, kurz vor Schuby befindet sich eine Aral-Tanke mit zwei Schnellladesäulen mit 350 kw für vier Fahrzeuge. Also begebe ich mich dorthin, weil ich morgen nicht noch Zeit zum Laden verplempern will. Natürlich fülle ich die Batterie zu 100 % schließlich muss ich ja erst wieder zurück nach Husum. Zu Hause glänzt Tiger mit allen seinen Vorteilen, auf Fernfahrten dagegen gibt es noch viel Handlungsbedarf. Aber das dachte ich mir ja schon vorher, ich wäre nur zu gern angenehm enttäuscht worden. Dennoch macht das Fahren mit ihm total Spaß. – Ansonsten lasse ich den Tag an mir vorbeilaufen, packe schon ein paar Sachen ins Köfferchen und erhole mich prächtig. Meine Nahrungsaufnahme scheint mir etwas überhöht auszufallen, doch die Vorräte im Kühlschrank müssen weg 😉. Und es gelingt, zum Schluss ist nur noch ein wenig Milch für den Morgenkaffee übrig und ein paar eingelegte Oliven. Auf der nach oben offenen Gewichtsskala blüht mir eine mittelschwere Erschütterung. Das ist gar nicht gut. Es soll heute nicht zu spät werden.

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Herbststurm

Der erst Herbststurm, so wurde er vom Wetterdienst angekündigt, hält sich zurück. Ja, es pustet etwas stärker, Regenschauer und Sonne wechseln sich ab, dazwischen zieht auch mal der Himmel ohne Feuchtigkeitsabgabe zu, kurz es ist ungemütlich draußen. Ich fahre zum Supermarkt, denn die Milchtüte ist leer und so fehlt eine wichtige Zutat zu meinem allmorgendlichen Kaffeegenuss. Fatal ist, dass ich mir ein Croissant und eine Streuselkuchenteil mitbringe. Also schlemme ich morgens mit dem Blätterteighörnchen und nachmittags mit dem Streuselkuchen – jeweils mit drei Pötten Kaffee. Dazwischen stille ich meinen nicht vorhandenen Hunger mit einer riesigen Portion Hochzeitssuppe. Ich esse hier im Urlaub einfach zu viel. Nun ist es an der Zeit meine Rückreise zu planen. Es geht gut von der Hand und so weiß ich in etwa was ich will. Weiterhin stellt sich die Frage, ob und ggf. wo ich morgen Strom tanken kann. Das ist gar nicht so leicht, denn das ländliche Schleswig-Holstein bietet nur wenige Laderstationen an, die meisten mit nur 22 kw Ladeleistung, sozusagen mit „Hotelpotenzial“ („eine Übernachtung mehr“!) – Der Ostfriesenkrimi knallt mir zum Abschluss noch so ein fürchterliches Ende um die Ohren mit Familienverhältnisses zum Haareausreißen. Geht die Phantasie mit der Autorin durch oder verschließe ich mich innerlich für die Realität um mich her? Bruchstückhaft schaue ich einigen amerikanischen Supercops/Kriminallaboranten bei ihre!r Arbeit zu – wie konnten mich diese Serien früher mal ansprechen? Ich verstehe es nicht. Trotzdem (oder gerade deshalb?) wird es spät.

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Laufereien

Nach einem ausgiebigen Ausschlafen begrüßt mich die Sonne mit einem strahlenden Lächeln. Der Kaffee mundet prächtig, das Knäckebrot ebenso und bald darauf rüste ich mich zum Marsch in die City. Erst geht es einen öden Bürgersteig neben der Straße entlang, eine Unterführung hindurch und am Kreishaus vorbei. Links lädt der wundervolle Schlosspark zum Spazieren und Pausieren ein. Eine kurze Rast gönne ich. mir und erreiche dann das Schloss mit echtem Burggraben rundherum. Noch einmal kurz über die Straße und schon bin ich fast in der Innenstadt. Zuvor muss ich noch eine malerische Gasse und zum Abschluss einen Torbogen durchqueren, um direkt neben dem historischen Rathaus die Einkaufsmeile zu entern. Ich begebe mich hinunter zum Binnenhafen, die Sonne hat viele Mittouristen angelockt und komme schließlich durch eine Unterführung zum Außenhafen. Ein paar Krabbenkutter liegen dort am Kai, auf der anderen Seite grüßt mich der Fischmarkt, eine Markthalle direkt neben der Fangflotte, und weiter hinter wird ein Küstenmotorschiff entladen. Ein Bagger versenkt seine Greifer in den Bauch des Kümos, führt diese dann über eine Art Trichter und beim Öffnen zerstiebt ein gelber Partikelstaub im Wind. Pensionisten sehen gern anderen bei der Arbeit zu 😇. Zuschauen macht hungrig und so schlendere ich zu Tante Jenny, zufälligerweise ist ein Tisch frei und lasse mir drei Fischfilets schmecken. Dazu gibt es ein Weißbier(!), frisch gezapft, vom Feinsten. Der Weg – per pedes – heimwärts fällt mir wahrlich nicht leicht, er ist nach so einem Mahl wohl oder übel wichtig. Endlich zurück, falle ich auf mein Lager und bin fertig. Völlig. Das war’s heute mit der Lauferei. Irgendwann raffe ich mich zu einem Pfeifchen auf, begleitet von drei Pötten Kaffee und lese eifrig im E-Book. Den Abend gestaltet der deutsche Zoll und gewährt Einblick in seine vielfältigen Aufgaben. Meine Kurbeflissene hat dagegen einen ruhigen Tag auf Sylt, ist aber fast doppelt so viel gelaufen und dabei munter und agil geblieben. Frauen sind doch zäher als zarte Männchen. Ist wohl wahr. Gute Nacht!

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Urlaub & Kur

Das Wetter zeigt sich von seiner bedeckten und regnerischen Seite. Das passt zum anstehenden Ereignis. Wir frühstücken, ich kaue mein Knäckebrot, wir halten Andacht und warten auf den Abschiedszeitpunkt. Um die Mittagszeit bringt Tiger uns zum Bahnhof, der IC hat nur eine kleine Verspätung und – schwups – bin ich Strohwitwer. So schnell kann das gehen. Natürlich finde ich es echt gut, dass mein geliebtes Ehegegenüber ihre Kur auf Sylt antreten kann, der Preis ist halt, dass jemand im Nieselregen zurückbleibt 😉😇. Tiger und ich begeben uns zur Ferienwohnung mit einem kleinen Umweg beim Bäcker und gönnen uns beide eine ausgiebige Mittagspause. Vorher gibt es für mich eine Rinderbrühe aus der Dose, dazu ein Croissant. Dabei ist zu konstatieren, dass so ein Döschen recht wenig inhaltliche Substanz vorzuweisen hat. – Es fehlt die Lust heute die Innenstadt erneut zu besuchen und so erlaube ich mir ein Pfeifchen auf dem Balkon, dazu ausgiebig Kaffee und eine kriminalistische Lektüre. In der Zwischenzeit ist meine Kurbeflissene gut angekommen, hat ihr Zimmer bezogen und die Aufnahmeformalitäten abgeschlossen. Ich mache es mir gemütlich, schaue ein wenig in die Bunte-Bilder-Kiste, schmökere und so wird es spät. Mir wird deutlich, dass für mich Urlaub bedeutet terminfrei fern von zu Hause meine Zeit zu verbringen. Andere sehen das nur als selbstverständliche Basis an, Urlaub bedeutet für sie unterwegs zu sein und Neues zu erkunden (was für mich eher das Sahnehäubchen ist). So unterschiedliche sind wir Menschen und das ist gut so. Good night.

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