Bahnersatzverkehr

Die Lokführer streiken und so bringen wir unseren Neffen mittels Tiger zu seinen Eltern. Am späten Vormittag geht es los und wir sausen mit munterer Plauderei nach Norden. Erst 150 km hin und später wieder zurück. Wir treffen dort Bekannte, die wir lange nicht gesehen haben und quatschen drauf los. Das Themenspektrum ist weit und die Ansichten können schon mal weit auseinanderliegen. Und wieder zeigt es sich, dass es möglich ist sich gegenseitig zu akzeptieren und Unterschiedliches auszuhalten, dogmenfreies Reden sozusagen. Die Rückfahrt ist durch aufkommende Müdigkeit ziemlich beeinträchtigt aber wir kommen dennoch gut an. Tiger hat noch 10 % Ladung, knapp aber genug. Die familieneigene Tankstelle wird ihn morgen mit dem nötigen Saft versorgen.

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Austausch statt Einheitsbrei

Der Service funktioniert. Noch am Vormittag kommt ein Elektriker, sucht, probiert und repariert bis alles wieder stimmt. Toll. – Mit dem Staubsauger spiele ich „Überflieger“ in meiner Gemeinde, trotzdem erwische ich die allermeisten „Teppichbeläge“. Mit dem vollen Risiko meine kleinen Abnehm-Erfolge wieder aufs Spiel zu setzen, suchen wir im Anschluss mit unserem Besuch eine Pizzeria auf und lassen es uns schmecken. – Ein kleiner Testlauf unserer neuen Anlage zeigt, dass viel Sonne viel Strom hervorbringt. Ich bin recht angetan vom Ergebnis, schade, dass wir auf die Sonnenscheinmagerzeiten zugehen. Aber auch da müssen wir durch. – Der Abend beginnt mit dem Schock, dass in meiner Apple-Home-App alle Leuchten aus ihren Räumen in den Standardraum transferiert wurden und alle Szenen gelöscht sind. Merde: Apple auf Microsoftpfaden. Diese Entwicklung gefällt mir überhaupt nicht. Viel Schieberei und Herumproberei später verfallen wir in eine lebhafte Diskussion über etliche Themenbereiche. Wenn man vorurteilsfrei diskutiert kann man gerade bei unterschiedlichen Standpunkten sehr viel lernen. Schade, dass diese Art des Austauschs immer stärker durch den Absolutheitsanspruch von Einheitsmeinungen verdrängt wird. Ich befürchte, dass das keine hilfreiche Entwicklung für Wirtschaft und Gesellschaft ist. Wir werden es merken. – Zum Ausklang des Abends lese ich noch ein wenig bevor ich gar nicht so früh meinen Rückzug einleite.

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Bundestagswahl

Und weiter geht es mit dem Strom aus Sonnenschein. Das Garagendach wird bestückt, 12 Elemente finden dort Platz. Während sowohl Elektriker und Monteure kräftig wirken, fahre ich zur Ummeldung meiner Mutter, warte geduldig vor der Verwaltungsstelle in Vorsfelde bis mein Termin da ist, klopfe bescheiden an und werde freundlichst bedient. Meine geliebte Begleiterin dagegen erfährt schroffste Ablehnung als sie wenig später Einlass begehrt. Zwei Besucher in einem Raum das geht ja gar nicht, immerhin lernt sie so den wohl auf ewig betonierten typischen Behördenton kennen. Nicht die beste Erkenntnis 😉. Zum Heim bringen wir die aktuellsten Unterlagen, auch unsere 😩😢-Zustimmung zur Pflegesatzerhöhung. Back Home sehen wir die großen Fortschritte mit Freuden. Das geht ja fix voran. Am frühen Nachmittag ist die Anlage montiert und betriebsbereit. Fein. Als wir die Garage jedoch schließen wollen geht das nicht. Ich prüfe die Handsender, informiere mich wie diese eingestellt werden können und merke schließlich, dass der Raum stromlos ist. In einzelnen Kellerräumen fehlt der Saft ebenso. Unser Vertragspartner hat schon Feierabend, doch eine Notversorgung für die Garage ist schnell hergestellt und die übrigen Ausfälle sind nicht tragisch. Abends probiere ich den Wahl-o-mat aus, einmal mit einer Parteienauswahl und dann mit allen Parteien. Das Ergebnis bestätigt meine konservative Gesinnung, doch die empfohlenen Parteien sind mir teilweise extrem unsympathisch. Außerdem stolpere ich über Kleinparteien, denen ich im Internet nachspüre. Traumtänzer, Realitätsleugner und Illusionisten haben sich in vielerlei Gruppen zusammengerauft. Interessant und schockierend. Es erschließt sich mir nicht so ganz weshalb Menschen sich auf den Weg ins Wahllokal machen, geduldig anstehen, ihr Kreuz anbringen für ein Ergebnis, das sich eigentlich nur in der Stimmenzahl und nicht in Prozentanteilen messen lässt. Nun ja, jedem Tierchen sein Plaisierchen. Es wird wieder spät.

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Sonne fangen

Die Photovoltaiker laufen auf. Zuerst kommen die Elektriker und stürzen sich auf den Schaltschrank. Es folgen die Modulerrichter, informieren sich kurz, werfen die Planung des Chefs über den Haufen und erarbeiten einen neuen, besseren Verlegeplan. Das ist gut. Äußerst fix werden die Montageschienen auf dem Dach und das Gestell auf dem Flachdach errichtet. Ein weiterer Laster trifft mit den Solarmodulen ein, die Garagenmodule wandern in ihr Zwischenlager, unsere Garage, und die übrigen erfahren einen manuellen Lift nach oben um dann oberhalb der Dachpfannen ihren endgültigen Platz zu finden. Das Koppeln der vielfarbigen Kabel geht blitzschnell und bald ist die Hälfte der Arbeit getan. Inzwischen sind die Anschlussleitungen durch ein Loch in der Hauswand ins Innere gelangt, werden von den Elektrospezialisten in die bereits montierten Kabelkanäle verfrachtet und zum frisch angeschraubten Wechselrichter geführt. Es wird am Schaltkasten herumgebastelt, der Hausanschlusskasten erfährt eine wesentliche Veränderung, der Strom wird erst an- und nach zwei Stunden wieder abgestellt, es wird geschraubt, gemacht getan. Gegen halb vier ist der erste Arbeitstag vorbei, das Hausdach ist fertig bestückt und auch die Stromherren scheinen zufrieden zu sein. Schönen Feierabend, Jungs. – Nach den Nachrichten holen wir unseren Besuch vom Bahnhof ab und plaudern danach fast bis zur Tageswende. Welch ein Tag!

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Schritte zum Alltagsleben

Wir fahren zum DRK-Heim und besuchen Mutti, führen Gespräche mit dem Pflegedienstleiter und unterzeichnen die Verträge und Vereinbarungen in der Verwaltung. Der Eindruck vom Heim ist sehr gut, Mutti hat sich, nach meiner Ansicht, verbessert. So kann auch Chaos zum Guten führen. Gott sein Dank! Ein kleines Kommödchen fehlt noch aber alles andere ist okay. – Zwischendurch meldet sich die Überwachungskamera von zu Hause: die Gerüstbauer wirbeln herum (sie dürfen das). So verabschieden wir uns von Mutti, sausen heim und sehen den Arbeitern beim Schaffen zu. Es sind sehr nette Leute. – Das Mittagsmahl fällt kärglich aus (im Vergleich zum Schiff), unser neuer Küchenchef zeigt sich arg konsequent. Und wieder stellt sich heraus, dass ich Mittagsruhe wieder lernen muss. Nachmittags sind Konten zu checken, Rechnungen zu bezahlen und Mr. Shorty auf seinen mühsamen Weg durch das hohe Gras zu schicken. Er tut sich sehr schwer, mal schauen wie er sich so schlägt. – Die Rückkehr in die Alltagsabläufe fällt mir nicht leicht, die Zeit rast einfach so an mir vorbei und ich blicke viel zu wenig durch. Aber es wird schon wieder. Abends sehe ich mir ein paar YouTube-Videos an um wieder Tritt im Normalleben zu fassen. Es wird sehr spät.

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Ein neuer Küchenchef

Das übliche Nach-Urlaubs-Chaos steht an. Koffer auspacken, Wäschestapel bestaunen, elektronische Helferlein an ihre üblichen Plätze zurückbeordern, Mr. Shorty säubern und Maulwurfshügel glätten, was meine Spezialistin für Rasenschädlingsvergraulung perfekt erledigt. Morgen muss sich Shorty durch hohes Gras kämpfen und wir sind gespannt, wie er sich wohl schlagen wird. Ich verspreche ihm neue Messer, wenn er diese Herkulesaufgabe bewältigt hat. In unserer Urlaubszeit sind etwa 43 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, was die Augustbilanz enorm verbessert. Für morgen kündigt sich der Gerüstbauer an, ein Termin mit dem DRK-Heim wird vereinbart, meine hochaktive Mitbewohnerin stockt unsere Vorräte auf und holt die Zimmerpflanzen aus ihrer Kurzzeitpflege ab. Unser neuer Küchenchef, ein gewisser Schmalhans, tut mir gut. Mästen geht schnell, abbauen ist ein hartes Brot. Aber ich wollte es ja so. – Die erste geordnete Mittagsruhe nach langer Zeit fällt noch recht unbefriedigend aus – ich muss das wieder üben. Das Löschen völlig überflüssiger E-Mails kostet viel Zeit und bringt nichts, ist aber unvermeidbar. Wir telefonieren und werden mit Anrufen überschüttet, das ist schon okay – einerseits und andererseits. Abends übt Barnaby mit zwei bekannten Folgen seine beruhigende Wirkung aus – trotz mancher Leichen. Die Zeit saust vorbei und plötzlich ist es spät. Komische Zeitabläufe hat es hier – auf dem Schiff war es geordneter und übersichtlicher. Das Mastfutter dagegen fehlt mir gar nicht (die häufige Erwähnung deutet auf eine tief verankerte traumatische Erfahrung hin 😉).

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Home again

Punkt sieben endet unsere Nachtruhe. Die Koffer verlassen die Kabine zwanzig Minuten später, von der Mannschaft abtransportiert und sortiert. Dem letzten Frühstück auf dem Schiff folgt die Wartezeit in der Lounge auf das Anlegen in Passau. Wir „parken“ in der zweiten Reihe. Jetzt wirbelt die Crew und bringt unsere Gepäckstücke durch die Rezeption des Nachbarschiffes nach draußen. Unser Ausschiffen ist umständlicher: Stufe um Stufe erklimmen wir das Sonnendeck, steigen per Gangway aufs Nachbarschiff, überqueren es und dann geht es als letzte Turnübung unserer Reise eine steile Stiege hinab um schließlich wieder festen Grund unter den Füßen zu haben. Ein Bus bringt uns zu Tiger, ich rangiere ihn aus dem Parkhaus, wir laden alles ein und los geht es. Etliche Kilometer und drei Ladepausen später kommen wir endlich zu Hause an. Kurzresümee unseres Trips: Ich möchte nicht im Schlaraffenland leben! Das tut mir auf Dauer nicht gut. Zweites Resümee zum Elektroauto: Eine Ladeplanung ist bei Fernstrecken sehr geboten, dann ist es ein wunderbares Fahren, wenn auch mit deutlichen Wartezeiten. Die Massagefunktion der Sitze kommt bei mir prima an – hätte ich gar nicht erwartet. – Dennoch, es ist total toll wieder zuhause zu sein und bei Nacht weder geschüttelt noch gerüttelt zu werden, auch das Klappern und Rappeln von Motoren, Möbeln und Türen hat mir überhaupt nicht gefehlt. Einem perfekten Urlaub folgt ein geliebtes Heim, so soll es sein!

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Der letzte Tag

Frühmorgens legen wir in Dürnstein an. Nach dem Frühstück spazieren wir die Donau entlang, vorbei an zwei- bis dreireihig liegenden Flusskreuzfahrtschiffen, wählen den atemraubenden Treppenaufgang in die Innenstadt des 800-Seelen-Ortes und bestaunen die tollen Häuserfronten und dezent integrierte Touristenläden. Ja, das Örtchen ist wirklich sehenswert und die Touris sorgen für das großstädtische Leben im Dorf. Pünktlich legen wir ab um nach der Mittagsmästung in Melk wiederum anzulegen und von dort das Stift Melk per Bus anzusteuern, durch ein Museum geführt und die dortige prachtvolle Kirche besichtigen zu können. Mich beeindruckt besonders die Bibliothek und eine Hochzeit, die zufällig im Innenhof stattfindet. Ich stelle fest, dass meine musealen Neigungen enorm geschrumpft sind. Damit muss ich wohl leben. 😉😇. Zurück an Bord überfällt mich der Ernst des Lebens mit leeren Koffern, die nach zwei Wochen Ruhepause endlich wieder gefüllt werden wollen. Ob alles reinpasst? Keine Frage, wir kriegen alles unter. Abends grüßen uns diese Gepäckstücke als permanente Abschiedsmahnung. Doch vorher gibt es den traditionellen Sektempfang des Kapitäns mit anschließendem Abschiedsmenü. Voll genudelt bewerten wir in der Lounge sitzend Schiff und Crew, dabei wird mir eine besondere Überraschung zuteil: der Barman hat wieder Minze gefunden und ich darf unsere Reise mit einem Mojito abschließen. Perfekt.

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