Geburtstag

Die Situation ist da. Ich bin 69 Jahre alt und hätte nie gedacht, dass das so schnell geht. Isso. Ausnahmsweise frühstücken wir richtig – das Abnehmknäckebrot bleibt heute in seiner Box. Letzte Vorbereitungen sind zu treffen – ich widme mich den Rasenkanten und dem Gartenstuhltransport nach draußen. Die Sonne lacht und es ist warm: DANKE HERR!!! – Meine kochbegeisterte Lebenslanggefährtin kümmert sich um das Essen für unsere Gäste. Erst am Abend merke ich welchen riesigen Aufwand sie treibt. Danke, danke, Schatz!!! – Gegen halb sieben trifft der Caterer ein. Seine Produkte begeistern nur teilweise, neben allerfeinsten Antipasti-Spezialitäten und leckeren Rosmarinkartoffeln liefert er sogenanntes mediterranes Gemüse, das sich als eine kärgliche Portion Leipziger Allerleis entpuppt. Schade, denn so wird viel Licht durch starken Schattenfall beeinträchtigt. Das muss doch nicht sein! Meine liebenswerte Hausgenossin reagiert superfix und professionell und zaubert auf die Schnelle noch einen Tomaten-Paprika-Salat. Sagenhaft. – Dann treffen unsere 10 Gäste ein und es wird ein feines Fest. Ich bin sehr begeistert und es wird am Feuerkorb sehr, sehr spät. Sehr, sehr geschafft lasse ich den Abend zu allem Überfluss noch für mich allein ausklingen und so wird es noch viel später. Je oller, je doller.

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Reinfeiern

Es regnet den ganzen Tag – 9 mm im Messgerät. Aber morgen soll es schön werden, warten wir es ab. Es sind Vorbereitungen für die Geburtstagsfeier zu treffen, eigentlich haben wir ein paar Leute zu viel eingeladen, der Tisch ist zwar groß genug aber die Stühle viel zu platzeinnehmend. Das macht dennoch nichts, denn wir transferieren unsere alten Esszimmerstühle vom Dachgeschoss in den Keller, die komfortablen Gartensessel werden auf die Terrasse wandern und schon passt es: wir haben genau die richtige Zahl an Gästen gewählt. Prima. Okay, der Keller hat seine eigene Atmosphäre, etwas kühl und luftfeucht, so wie es eben dort unten ist. Der ebenerdige Ausgang zum Garten fügt sich dabei grandios gut ein, wie auch die untere Terrasse. Ansonsten kurven wir mit Tiger ein wenig durch den Regen, ich höre den Zeitsong von Siebald und den Rumsong von Mey – wohlfühlen pur. – Abends begleite ich Tom Hanks auf seine einsame Insel, der sentimentale Schluss rührt mich zu Tränen. Irgendwann feiere ich mit mir in meinen Geburtstag hinein, spreche mit meinem Gott, freue mich an der Losung, an Amazing Grace und „Ich bin durch die Welt gegangen“, um schließlich nach Cohens „Halleluja“ mit dem Sägewerk in Bad Segeberg samt anderen unterhaltsamen Tonwerken weiterzumachen. Die Session beschließt Cat Stevens, nicht ganz passend um kurz nach halb zwei mit „Morning has broken“. Welch ein prachtvoller Start 🥂🍾!

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Gärtner und Besserwisser

Unser guter Mr. Shorty erfährt heute eine Grundreinigung. Es hat sich wirklich viel Gras abgesetzt, er mäht nicht nur sondern zeigt ebenso starke Tendenzen Gras im Gehäuse zu horten. So richtig gut finde ich das nicht. Dann stutze ich einen großen Teil der Rasenkanten bis der Akku stark schwächelt. Ihn verlangt dringend nach seinem Ladekabel. Okay, dann soll er halt Strom fressen. Mir wird wieder deutlich, dass man unheimlich viel Zeit im Garten verbringen kann aber dann hat man auch keine wunderschön blühenden Disteln, keinerlei schmerzhafte Erlebnisse mit hauseigenen Brennnesseln und hochaufschießenden Grashalmen an unerwünschten Plätzen 😀. Schmuckkästlein muss man pflegen, Biotope entstehen von selbst. Und alles andere dazwischen richtet sich nach der Intensität des Pflegeaufwands. So einfach ist das Gärtnerleben. – Im Internet entdecke ich ein Buch der EKD zum Bibelverständnis, wie man sie lesen, auslegen und beachten soll. Ich werde es mir mal in Ruhe zu Gemüte führen, doch schon beim Vorwort fällt mir auf wie viel Wert auf menschliche Erkenntnis, Erfahrungen und Ansichten gelegt wird. Es klingt so, als ob das gute alte „sola scriptura“ vom Reformator als weitgehend überholt angesehen wird. Ich bin gespannt auf die Lektüre. – Ansonsten widme ich mich lieber der leichteren Literatur, nein, nicht in Portugal sondern in England. Man ist ja flexibel. Solch geistruhigstellender Lesestoff lenkt perfekt von den Bocksprüngen ab, die Politik und RKI – mal mit mal ohne Impfkommission – vollführen und jede Woche (jeden zweiten Tag?) mit neuen Erkenntnissen Verwirrung stiften. „Konzentriert euch auf das Wesentliche, reagiert nur auf gesicherte Forschungen und gebt dann eindeutige Empfehlungen“, möchte ich ihnen zurufen – aber auf mich hört ja keiner (was vielleicht auch besser ist 😉😇). Logo, es wird spät.

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Sauger, Depris und Schwalben

Die Folge vorbeirasender Monate wird regelmäßig unterbrochen durch meine Staubsaugereinsatzverpflichtung. So geht es auch heute wieder zu meiner Gemeinde, diesmal lasse ich von mir geliebte Oldies meine Ohren beschallen und bin ruckzuck fertig. Was Musik so alles bewirkt? Oder war ich nur sehr oberflächlich zugange? Wie dem auch sei, es ist Sommer und die Krümelchen auf dem Teppichboden sind spärlich gesät. Der Sauger ist jedesmal begeistert, wenn er mal eins verschlucken darf 😉. Eine gesäuberte Gemeinde später darf ich kurze Zeit danach meiner Mittagsruhe frönen. – Nachmittags überfällt mich unvermittelt eine Schar altersbedingter Depressionen: wir schaffen das nie den Keller für unsere Gäste herzurichten, viel zu viel Arbeit, ich will nicht mehr, jammer, jammer, jammer … Meine vielgeplagte Mitgestalterin fängt mich auf und hilft mir „auf die Beine“. Ups, was war denn das? In Wirklichkeit kommen wir gut voran und ein prima Weg zeichnet sich deutlich ab. – Daneben erscheint eine ersehnte Erstattung einer ausgefallenen Flugreise verheißungsvoll am Horizont. Hoffen wir auf die Einsicht der Fluggesellschaft und vertrauen wir unserem Gott. ER wird schon alles recht in die Wege leiten. – Der zweigeteilte Abend kommt wieder aus seiner runden Ecke hervor: Die Kicker-Followerin schaut einem in alle möglichen Richtungen getretenen Ball hinterher und ich verweile immer noch in Portugal. Sehr viel später erweist sich erneut ein Elfmeter als spielentscheidend, doch diesmal ein schwalbenförmiger in der Verlängerung. Man muss halt zur rechten Zeit gekonnt umfallen können. Ja, hier urteilt der Blinde über die Farbe, ich habe nichts gesehen, lausche nur aufs Hörensagen. Doch was greift man nicht alles auf, wenn es eigene Vorurteile und Vorbehalte bestätigt 😇😀. – Und wieder lässt mich Portugal nicht los und fesselt mich bis tief in die Nacht.

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Erkenntnisgewinn

Eine Fehlermeldung kommt per E-Mail, ein SEPA-Lastschriftmandat konnte nicht zugestellt werden. Armes Deutschland, dann schicke ich es eben mit der Schneckenpost. – Ziemlich überraschend meldet unsere Werkstatt, dass das Cabrio einen Tag früher als geplant fertig ist. Mithin wandern alle Nachmittagspläne auf den Schrott und wir bewegen uns mit Tiger in die Stadt. Es gießt mittlerweile in Strömen, so dass selbst der Weg vom Parken bis zur Eingangstür gut überlegt und an die Gussstärke angepasst sein sollte. Danach teilen wir uns, die Cabriofahrerin stellt einem Freund seinen durchgegorenen roten Traubensaft zu und ich begebe mich heimwärts. – Abends teilt sich unsere winzige Familie erneut, die weibliche Hälfte gibt sich den Fußballfreuden hin und ich dem Lesevergnügen, unterbrochen von ein oder zwei YouTube-Videos. Für den morgigen Tag zeichnet sich ähnliches ab. Was finden die Leute nur am Gekicke von zweiundzwanzig Millionären auf dem grünen Rasen? Da fehlt mir wohl das Leder-Kunststoff-Gen. Nun ja, es endet wie erwartet, Italien ist im Endspiel und die Spanier nehmen die Erkenntnis mit nach Hause das Elfmeterschießen verstärkt üben zu müssen. Es wird sehr spät.

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Vom Monster über das Wetter zur Lebensfreude

Das Marktstammdatenregister steht heute auf meinem Programm. Dabei handelt es sich um ein Bürokratiemonster ersten Ranges ohne erkennbaren Wert, wie es sich nur Lobbyisten als Abschreckung potenzieller „Konkurrenten“ ausdenken können. Dem muss eine üble Komplizenschaft mit der Ministerialadministration zugrunde liegen, denn alle wesentlichen Daten hätte man konzentriert von den Stromversorgern abfordern können. Ja, das Ausfüllen der ersten beiden Teile der dreiteiligen Datenbank fällt leicht aber der Wissensdurst bei der Photovoltaik-Anlagenbeschreibung erscheint mir ein wenig absurd. So sind sie halt, die Politiker, unabhängig vom Wählervolk und ihren Parteispendern zugewandt. Es wäre schon hilfreich, wenn Unternehmen und alle ihnen nahestehenden Organisationen ihre „Partei-Gaben“ steuerlich nicht absetzen könnten doch das ist schiere Illusion. Und so schlagen wir armen Würstchen uns mit Datenmonstern herum, die in Rechenzentren zu nichts mehr nützen als Speicherplatz zu belegen. – Im strömenden Regen in der nahen Stadt geben wir unser Cabrio zur Reparatur ab, um dann mit Tiger in unser regenarmes Dorf zurückzukehren. Selbst das Wasser von oben wird in einer kleinen Region sehr unterschiedlich zugeteilt. Am späten Nachmittag geht es nochmals in die Stadt und prompt versäume ich meine Andacht. Das tut mir nicht gut. – Abends verfolge ich höchstinteressiert Bericht über das bevorstehende erste Online-Update von VW für seine ID-Familie. Nach volltönenden Lobeshymnen höre ich ganz zum Schluss, fast nebenbei, dass ich mit dieser „Wohltat“ wohl erst im November beglückt werde. Erst medial große Töne spucken und dann nicht zu Potte kommen. Aber vielleicht ist das gut so 😉😇! – Da lasse ich mich lieber von meiner Schmalspurliteratur mit nach England und Portugal nehmen. Schön ist das Pensionistenleben …

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Tradition und Moderne

Es geht doch nichts über ein Ei zum Frühstück. Ich genieße es. Dann zieht unsere Studierstube am Horizont auf. Allmählich trudeln die Teilnehmer ein – heute sind wir, bis auf eine Quotenfrau, eine Männerrunde. Wir sprechen über die drei letzten Kapitel des Hesekiel-Buches. Mein Versäumnis den Kommentar zum Text herauszusuchen macht sich an einigen Stellen schmerzlich bemerkbar. Und wieder schießt die Frage durch mein Hirn aus welchen seltsamen Gründen es immer noch Bücher ohne e-Book-Version gibt? So hätte man doch seine Bibliothek immer dabei, müsste nicht in Regalen verzweifelt suchen und gleich darauf die Wohnung nach der Lesebrille durchstöbern. Das digitale Zeitalter lässt den herkömmlichen Buchhandel an seinen festgefügten Traditionen scheitern. Das erinnert mich stark an das Schicksal der Schallplattenproduzenten. Übrigens erinnert mich ein Freund so ganz nebenbei an meinen Geburtstag, was uns veranlasst, eine Gästeliste zusammenzustellen. Früher bauten wir ein Zelt auf, das die Gästezahl maximal erweiterte, heute bleibt nur unser Keller, der den umgekehrten Effekt hat. In der Begrenzung zeigt sich die Meisterschaft wobei der zwangsweise Verzicht auf liebe Gäste mir Kummer bereitet. – Der Abendgottesdienst in meiner Gemeinde ist ansprechend, das gemeinsame Singen erfrischend und die Fahrt im nach oben offenen Cabrio beglückend. – Der restliche Abend klingt angenehm ruhig, perfekt von einem kühlen Rosé begleitet, aus. Weshalb zögere ich bloß die Nachtruhe immer so weit hinaus? Senile Bettangst 😉😀? Watt’n dat?

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Terminschock

Mir wird so richtig bewusst, dass ich in schon einer Woche Geburtstag habe. In einer Woche!!! Da sollte ich mich vielleicht doch mal um die Feier kümmern – ich wundere mich schon die ganze Zeit weshalb meine Hauptorganisatorin so einen Druck macht. Ihr ist wohl die Knappheit der Zeit bewusst. Mir eher nicht. Früher (sehr viel früher) wollte die Zeit einfach nicht verrinnen, zog sich dahin wie Kaugummi und jetzt, wie ich regelmäßig zu erwähnen pflege, hat sich das Kaugummi in einen Düsenjet verwandelt. Seltsame Mutation! – Nachdem wir nun das Sky-Abo gekündigt haben hänge ich mit dem Gedanken ‚rum, ein etwas größeres TV-Gerät mit integriertem Receiver zu kaufen. Der Platz ist begrenzt, die Abstände zu den Regalwänden bzw. -brettern ebenso aber die Anforderungen der Hersteller deutschmaximal. Es werden Abstände verlangt als wenn das Gerät „Backstage“ zur Zimmerheizung einsetzbar wäre. Weshalb wird dabei immer die Sicherheitsstufe „tiefrot“ mit den allerungünstigsten Rahmenbedingungen zitiert? Aus welchen Gründen überlässt man es dem Anwender realistische Abstände zu schätzen? Sicherheitsdenken pur. Puh! – Abends übe ich eine elegante Mischung aus Leseeifer und Laber-TV. Ich begleite einen ID.4-Fahrer auf seinem Kroatien-Trip und lerne ein alternatives Ladekonzept kennen. So geht es also auch, interessant. Es wird natürlich spät.

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