Eigentlich

Diese Wörtlein „eigentlich“ hat so seine Tücken. Eigentlich wollte ich zum Gottesdienst und dann, ja dann, war ich irgendwie ganz mies drauf und habe davon Abstand genommen. So sehen wir erst den Gottesdienst aus Bremen, Gott ist unser Schild, mit dem verheißungsvollen Zuspruch unser Vertrauen auf Gott zu setzen. Dann „schalten wir um“ life in unsere Gemeinde und erleben einen ebenso ergreifenden Gottesdienst über ein schwieriges Kapitel aus dem Esra-Buch. Beeindruckend sind die Ausführungen unseres Pastors wie man sich solchen Texten nähern und sie interpretieren soll. Treffend wie er schließlich eine Anwendung für heute daraus zieht. Nun ja, nicht allen Aussagen kann ich so folgen, sie sind – wie könnte es anders sein – sehr pietistisch geprägt, aber in jedem Fall nachdenkenswert. Eigentlich hat es sich doch gelohnt zu Hause zu bleiben jedoch andererseits will ich eigentlich auch nicht zu oft „die Gemeindeversammlung verlassen“. Und schon wieder wohnen zwei Herzen in meiner Brust 😉😇😊. So ist das Leben. – Nach unserer neuesten Tradition fällt das Mittagessen in den sehr späten Nachmittag denn eigentlich reichen uns zwei Mahlzeiten völlig aus. – Abends nehmen wir teil an der technischen Revolution mit Dampfmaschine & Co. und besuchen danach die schöne Insel Elba in einem wunderschön zusammengestellten Beitrag. Nur schade, dass die Zeiten vorbei sind in denen man wohlgenährte Redakteure wie Walter Sedlmayr durch die Länder streifen ließ. Heutzutage cruisen stromlinienförmige, sportlich hoch aktive, zumeist vegan mindestens aber vegetarisch eingestellte Lifstylistinnen durchs fremde Land. Man erfährt so manches über örtliche Pflanzenvertilgungsstätten und wenig bis nichts über deftigere Ernährungsquellen. So ist das moderne Leben eben. Seufz. Eigentlich wollte ich noch lesen, doch dann packt mich das Spielevirus und ich bewege virtuell buntbedruckte Karten hin und her. Ich lasse mir Zeit.

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Widerstand ist zwecklos

Unser Haushalt ist jetzt komplett geimpft. In zwei Wochen werden wir beide der vollen Schutzwirkung ausgesetzt sein, was das auch immer bedeuten mag. – Ich kümmere mich um mein Spezialthema nämlich die kleinen Ablagereste. Wie meistens beschäftigen mich die Kleinigkeiten viel länger als erwartet aber irgendwann, irgendwie sind die letzten Blätter irgendwo verschwunden. Endlich! – Heute bewegen wir Tiger mal wieder. Am Dienstag darf er seine erste längere Tour absolvieren. Mal schauen, wie wir drei miteinander zurechtkommen. – Per Video lasse ich die Telekom erklären wie sie ihre Hochwasserschäden mit Volldampf repariert. Dass ein übermannshoher Wasserstand im Gebäude einem Telefonverteilerzentrum nicht gut bekommt, ist leicht verständlich – erstaunlich jedoch welche Zerstörungskraft Wassermassen auch an echt fetten Leitungssträngen entfalten können. Wie bei den Borg: „Widerstand ist zwecklos.“ Einfach erschütternd. – Da unsere Blühhecke einen traurigen Eindruck vermittelt, spendieren wir ihr ein wenig Wasser. Verrückt – im Westen ertrinkt das Land durch Regen und bei uns herrscht Trockenheit. An einer besseren Verteilung muss das Wetter noch arbeiten. – Auf der unteren Terrasse wird es merklich kühler und windiger so dass wir uns ein Stockwerk nach oben begeben. Es wird ein YouTube-Abend mit einem vielfältigen Themenquerschnitt und ein wenig Retsina. Gegen 7 Uhr morgens (San-Francisko-Zeit) sinke ich auf meine Lagerstatt danieder.

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Ablage, Besserwisser und die Karibik

Der Tag gehört wieder der Ablage. Inzwischen habe ich die Papierberge gesichtet, sortiert und für ihr Zwischenlager vorbereitet. Im Ordner sollen diese Dokumente vier Jahre still vor sich hin brüten, bis sie den Weg zum Schredder gehen. Nur die allerwichtigsten überleben das und wechseln im Anschluss in meine „zeitlosen“ Sammelordner. Doch jetzt werden sie erfasst und nummeriert damit ich sie irgendwann, wenn es sein muss, schnell wiederfinde. So kann ich sie allesamt jahrgangsweise hinter Schranktüren verschwinden lassen. Dieser ebenso notwendige wie nervige Job beschäftigt mich von morgens bis abends. Das ist gar nicht lustig. Immerhin ist dann der Hauptteil der Dokumente verschwunden, nur ein kleiner Rest will mich morgen noch ärgern. Es wird ihm nicht gelingen. – Die Flutkatastrophe im und rund ums Ahrtal fesselt unsere Aufmerksamkeit und bedarf intensivster Fürbitte für die Menschen vor Ort. Natürlich ist der Klimawandel schuld. Wer sonst? Dass es auch früher große Katastrophen gab ist selbstverständlich unerheblich, heute liegt alles ausschließlich am Klimawandel. Wenn das so sein soll, dann ist das eben so. Also auf, wir Deutschen wollen wieder einmal die Welt retten und allen anderen zeigen wie es geht. Hoffentlich lassen wir dabei ausnahmsweise mal unsere typisch deutsche Arroganz und Besserwisserei zu Hause. Zweifelsohne unwahrscheinlich, wäre aber mehr als hilfreich. – „Der Alte“ nimmt diesmal das Thema Inzest aufs Korn und ich muss leider bekennen eine Schauspielerin absolut, völlig, ganz und gar, unsympathisch zu finden. Ein recht schräger Zug an mir. – Meine „nextmove-News“, ein Besuch auf dem Frankfurter Flughafen inclusive Flug in die Karibik – seufz – und ein Klagelied über Telefonanbieter serviert mir YouTube bis ich schließlich per Krimi in Köln lande. In Sydney ist es jetzt früh am Morgen.

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Sprachproleten

Die Ablage plagt mich weiter und wird es morgen wohl auch noch tun. Eine unendliche Geschichte. Seufz. Genau genommen schaffe ich heute sehr, sehr wenig. Steht man spät auf vergehen Vor- und Nachmittag fix, vor allem wenn sich eine Mittagspause wohltuend dazwischenlegt. Keine neue Erkenntnis! Mein Tabak trifft ein – o wie ist das schön in Maßen gegen die Überfürsorglichkeit unserer Gesellschaft verstoßen zu können. Diese Tendenz, alles zu regeln, alle Dummheiten seiner Bürger zu verbieten und jetzt auch noch ihre Sprache zu regeln, ist mir zutiefst zuwider. Nichts gegen Veränderungen, eigentlich sind sie mir nicht unsympathisch aber sie müssen zu Verbesserungen führen, also aus dem Sumpf heraus und nicht tiefer hinein. Ich lerne, dass das Sprachempfinden, die Sensibilität für Formulierungen, für die Sprachmelodie bei den Gender-Fans zu einer Freak-Show mutiert, die eine nicht sprechbare Sprache, eine Ohrenbeleidigung fordert und fördert. Sprachentwicklung benötigt Kreativität und keine Brechstange. Aber wenn Ideologen herrschen, geht die Ästhetik den Bach hinunter – das hat schon die ehemalige DDR sehr eindrucksvoll bewiesen. Darauf eine Pfeife schmöken, ein gesundheitsschädliches Getränk schlürfen und sich freuen, dass Alter auch etwas Gutes hat. – Am frühen Abend erfreue ich mich an meiner Gemeinde mit einer diskussionslosen Abstimmung, die mich nur vom Ergebnis her zufriedenstellt und den Berichten unserer Pastoren über ihre Arbeit in der Coronazeit, die hochinteressant sind und meine Erwartungen an diesen Tagesordnungspunkt weit übertreffen. Leider wird mir bei einer allgemeinen kritischen Anfrage sehr deutlich, dass ich mich innerlich von meiner Gemeinde entfernt habe. Wenn die Aufgaben pandemie- und altersbedingt weniger werden, lässt bei mir offensichtlich die emotionale Bindung nach. Schade. – Wir sind früh wieder daheim und gehen sitzend, lesend und roségenießend in die Nacht. Es wird spät.

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Teurer Schussel!

Es regnet. Ein trüber Tag bahnt sich den Weg. Ich schnappe mir die Berge von Ablage und fange einfach an. Schon gleich zu Beginn erfasst mich eine Unruhe, quält mich ein Gedanke: was wäre wenn ich doch noch ein unbedingt notwendiges Dokument zum BAFA-Antrag fände? Und plötzlich habe ich es in der Hand! Ein Schreiben, von mir vergessen, unbeachtet ins Ablagefach geschoben, mit allen Daten, die die BAFA bräuchte. Ein tiefes Erschrecken greift nach mir. Sind durch diese Unachtsamkeit 6.000 € Förderung im A…, äh, im Eimer? Voller Panik scanne ich das Teil und versuche es meiner Uploadakte bei der BAFA hinzuzufügen. Es gelingt aber wird es jetzt auch berücksichtigt? Das kann ja heiter werden, quälende Fragen wollen mich einwickeln. Nein, never, ich lege das alles Gott hin, mein Versagen, meine Sorgen um einen positiven Bescheid, meine Selbstzweifel. Welch ein Angebot Gottes, das ich nutzen darf! Danke! – Dennoch beschließt mein Blutdruck noch eine zeitlang seine Höhenwanderung fortzusetzen – warum auch immer. Die Ablage geht nun äußerst lahm voran und so muss ich sie nach hoffnungsvollen Anfängen dennoch vertagen. – Die angekündigten schweren Gewitter treffen uns – Gott sei Dank – nicht, uns bleibt ein sanfter Regen von 4 mm im Regenmesser. – Überraschend trifft eine Geburtstagseinladung aus dem fernen Norden ein. Wir nehmen sie spontan an und buchen gleich ein Hotelzimmer, natürlich mit Rettungsstornochance im Notfall (man weiß heutzutage ja nie …). Am sehr frühen Abend (New Yorker Zeit) erfreut mich meine Lagerstatt.

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Diese jungen Leute …

Meine Mum ist echt gut drauf. Der Besuch wird durch die Impf-App leichter, bis auf die 10 Minuten Wartezeit draußen vor der Tür. Man lässt sich halt Zeit mit den lästigen Besuchern. Doch danach darf ich aufs Zimmer ganz zur Freude meiner Altvorderen. Leider ist altersbedingt nur ein fragmentarisches Gespräch möglich aber immerhin das. Unser Tiger bringt mich zuverlässig hin und zurück. Ich fahre gern elektrisch wie sich immer deutlicher herausstellt. Ob sich das nach der ersten wirklichen Langstrecke ändert bleibt abzuwarten. – Während meine kommunikationsfreudige Beisassin noch ihr ausgiebiges Frühstück bei einer Freundin genießt, mache ich mir mein Mittagsmahl warm. Es wartet seit gestern auf mich, denn am Montag war ich noch satt von Samstag. – Die Mittagsruhe schwänze ich ausnahmsweise doch die Müdigkeit fängt mich gnadenlos zwei Stunden später wieder ein. Gewohnheiten wird man schwer los. – Abends schaue ich mir eine Uralt-Version der Frieslandkrimiserie an. Meine Zeit, sind die Akteure knalljung und der Bestattungsunternehmer hat im Laufe der Serie eine Neubesetzung hinnehmen müssen. Faszinierend. – Danach schockt mich der Bericht eines YouTubers, der es für besonders erstaunlich hält, dass ein über 60jähriger sich ein E-Auto anschafft. Mich heftig diskriminiert fühlend klicke ich diesen Schrott schnell weg. Diese jungen Leute – arrogante Besserwisser 😉😀😇. Das ich das jemals sagen würde, echt cool. – Ein Ausflug nach Portugal führt den Tag seinem Ende zu. Es wird spät.

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Mein Geschenk und Monsieur Claude

Jetzt sind wir 41 Jahre verheiratet – eine lange Zeit. Wir sind von ganzem Herzen dankbar dafür, vor allem unserem Gott, der uns immer wieder neu zueinander geführt hat, wenn mal dicke Luft war. – Erst heute verschwinden die allerletzten physischen und psychischen Folgen der ausgiebigen Fete, kurz ich kann nichts mehr ab. Die Mittagsruhe will nicht so recht gelingen, die Geschenkebeschau eröffnet Abgründe bezüglich meines Eindrucks auf Dritte 😉😇😀! Das Geburtstagsgeschenk von mir für mich trifft ein, eine Webcam für innen – eine herrliches Spielzeug wenn man verreist ist. Sie lässt sich phantastisch schnell einrichten, glänzt mit bester Bildqualität und kann durch die Zimmer schwenken. Nur die Anmeldung eines Zweitnutzers macht Probleme weil die Mail mit dem Sicherheitscode immer im Spamordner landet und bevor ich sie rausgefischt habe, ist die Eintragungszeit abgelaufen. Ein fieses Spiel. Es dauert eine Weile und etliche „Überzeugungsklicks“ bis mein Postfach den Absender akzeptiert. Technik für’s HB-Männchen. – Teil 2 von Monsieur Claude und seine Töchter erheitert mich so nebenbei, Teil 1 war besser. – Zwei Kommentare im Bayernslang, eine langatmige Ausführung über ein neues Studio, die mich so gar nicht interessiert und gleichartige Videos lassen meine Müdigkeit anschwellen und treiben mich in Richtung Nachtlager. Es wird nicht spät.

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Der Tag danach

Das Pandemiejahr fordert seinen Tribut. Erst am späten Nachmittag entschließe ich mich schweren Herzens meine Lagerstatt zu verlassen. Immerhin habe ich keinen schweren oder alkoholisierten Kopf, nein, ich bin einfach nur müde und geschafft. Ein Fetentyp bin ich offensichtlich nicht aber das ist keine neue Erkenntnis. Bald nach dem Aufstehen kommt netter Besuch vorbei, gut, dass sie nicht früher aufschlugen. So richtig gesprächsmunter fühle ich mich nicht – meine hochaktive Ehepartnerin dagegen sehr. Sie kann derlei „Belastungen“ erheblich besser wegstecken als meine Wenigkeit. Immerhin schafft es der Besuch meine Aktivitätsbereitschaft wieder zu entfachen, wenn auch im begrenzten Maßstab. Wir schauen uns danach die Predigt des Gottesdienstes aus Bremen an, die mich nicht so sehr packt. Dann kommt es bald zur Trennung von meiner Mitbewohnerin – sie präferiert das Endspiel der Millionärskicker, die, wie es sich zeigt, gerade zwei Tore im regulären Spiel erzielen und beim Elfmeterschießen ein eher mieses Bild abgeben. Aber das sollen Fußballfreaks beurteilen. Ich dagegen schaue mir einen altbekannten Münstertatort an und stöbere im Anschluss durch die YouTube-Filmchen. Beides stellt nur geringe Anforderungen an meine Konzentrationsfähigkeit und fügt sich gut in meinen Allgemeinzustand ein. Es wird gar nicht mal so spät.

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