Lügner, Säue und ein obskurer Plot

Die USA vermitteln mir einen anschaulichen Eindruck über die Stimmung in Deutschland vor der Nazi-Diktatur. Nein, keinesfalls will ich unterstellen, dass ich eine derartig schlimme Entwicklung dort erwarten würde – weit entfernt davon!!! Was ich meine ist die Wirkung von Lügen, jeglicher Grundlage entbehrenden Unterstellungen und das Schüren von obskuren Ängsten durch eine glaubwürdig erscheinende Autorität wie dem Präsidenten. Aus der Luft gegriffener Wahlbetrug, die Unterstützung wildester Verschwörungstheorien und der Blödsinn, dass Andersdenkende Kommunisten und Verräter seien, zeigt Wirkung. Okay, der Kongress hat gut, schnell und konsequent reagiert doch die Betulichkeit der Polizei im Umgang mit den kriminellen Demonstranten stimmt bedenklich und lässt eine weitere Parallele zum Deutschland der zwanziger und dreißiger Jahre grell aufleuchten. Nach Umfragen heißt eine Menge der Trumpfans, immerhin fast die Hälfte der US-Bürger laut Wahl, die Aktionen auch noch für gut und glaubt, dass alle Zerstörungen von linken Gruppen angerichtet wurden, die sich unter die friedlichen Demonstranten gemischt hätten – allen eindeutigen Fotos und Filmen zum Trotz. Erschreckend! Da braut sich eine hochgiftige Brühe zusammen. – Wir im fernen Europa jagen dagegen die Säue Impfgeschwindigkeit und Bestellquoten durchs Dorf, provozieren selbst Gutwillige mit weit überzogenen Grundrechtseinschränkungen (Treffen nur mit einer Person – zwei wären logisch nachvollziehbar – und ein Radius von 15 Kilometern, der etlichen Mitbürgern selbst das Einkaufen verwehren würde) und setzen so die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Chance verpasst? Die nächste Bundestagswahl wird spannend. – Mein abendlicher TV-Krimi ist leicht verdaulich, wenn auch mit einem typisch extrem wirklichkeitsfernen Plot. So sind sie eben, die modernen Drehbuchautoren. Ätzend.

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Glashaus Demokratie á la USA

Epiphanias, der letzte Leuchttag für unsere Ketten – noch einmal erstrahlen sie in voller Pracht bis 23:30 Uhr und danach pausieren sie wieder. Eigentlich schade. – Trotz Entlüftung bleibt es bei voll aufgedrehter Heizung oben recht frisch – in anderthalb Wochen soll unsere Einquartierung kommen. Das könnte knapp werden. – Unser Weihnachtsbaum erlebt seine letzten beiden Illuminationen und wir schauen immer wieder ängstlich dorthin weil seine Trockenheit kaum einem Funken Widerstand leisten könnte. Es geht aber alles gut. Puh! Gegen Abend wird es spannend. Präsident Trump hat es geschafft, seine Anhänger stürmen das Kongressgebäude und setzen ein einmaliges Zeichen in der amerikanischen Geschichte. Der Ex-Präsident Bush vergleicht das Theater rund um den Machtwechsel mit einer Bananenrepublik. Klarer Durchblick. Höchst erstaunlich ist für mich Außenstehenden der mangelhafte Objektschutz des Kongressgebäudes obwohl drinnen sehr viele maßgebliche Politiker des Landes versammelt sind. Sehr seltsam wo die Amis doch sonst so viel Wert auf Sicherheit legen. Eine zu allem entschlossene Gruppe von Terroristen hätte das Gebäude im Handstreich nehmen können. Erschreckend nachlässig. Der einzige „Erfolg“ dieser Aktion wird sein, dass jedem Hinweis auf die amerikanische Demokratie demnächst nur Gelächter entgegenschallt. Ich konnte mir viele Glashäuser vorstellen, in denen die USA sitzen und sich dem Steinwerfen enthalten sollten – dieses gehörte nicht dazu, hier hätte ich eine stabilere Bauweise vermutet. So kann man sich irren.

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Gartenmonster kreiert Stolperfallen

Es wird morgens spät und so sind die Handlungsstränge tagsüber begrenzter. Die Heizung erhält etwas mehr Druck aber die Entlüftung im oberen Geschoss unterbleibt. Schön, dass ich Aufgaben schieben kann. Unsere Einquartierung, ein Praktikant, kann kontaktiert werden. Wir tauschen Daten aus und eröffnen die Kommunikation über WhatsApp. Mein winziges Fitnessprogrämmchen unterbleibt, ich bin sehr inkonsequent. So kenne ich mich. Leider. Unser Maulwurf wird immer dreister, jetzt hat er schon mitten im Rasen seinen Mammuthügel aufgeworfen. Mistvieh!!! Wie kann man so ein Monster, das innerhalb weniger Monate einen Rasen unpassierbar macht durch seine oberflächennahen Gänge, unter Naturschutz stellen? Nein, ein Grüner werde ich nicht! – Unser Weihnachtsbaum erlebt seinen vorletzten Tag in unserer Mitte, inzwischen ist er so trocken, dass seine ehemals weichen Nadeln wie Stoppeln abstehen und seine Zweige sich zum Boden neigen. Die Kerzen erfordern doppelte Aufmerksamkeit. Das neue Jahr setzt sich fest.

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Adieu Photovoltaik

Und wieder ein typischer Coronatag: man hockt zu Hause rum, kann keinen Urlaub planen, der Himmel weint den Tag über, ansatzweise mit weißen Flöckchen, die Medien jagen die Sau „Zu-wenig-Dosen-bestellt“ durch das Dorf – als ob es auf ein paar Tage ankäme. Die Funke-Mediengruppe werkelt nun schon wochenlang an ihren Computersystemen, die ein Hackerangriff gelähmt hat. Ohne Fachkenntnisse gesprochen riecht das sehr nach unvollkommener Datensicherung der Systemdaten – aber was weiß ich schon? Mit veralteten Daten kann man arbeiten, mit einem defekten System dagegen nicht. – Ich sage der Photovoltaikfirma ab und frage mich ob von dort noch eine Reaktion erfolgen wird. Wir liegen zwar „nur“ 2.500 Euro auseinander aber ich habe fast noch nie erlebt, dass Handwerker ihr erstes Angebot einhalten konnten oder gar unterschritten hätten – ob das an unvollständiger Kalkulation lag oder an zusätzlichen Wünschen von mir lasse ich hierbei bewusst offen. Traum ausgeträumt. Seufz. – Der gute alte Fruchtenbaum legt eine mich sehr überzeugende Auslegung der Bergpredigt vor, die manche unrealistisch erscheinenden Elemente sehr eindrücklich verdeutlicht. Ich finde das gut.

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Photovoltaik

Das Thema ist gegessen. Ich habe nachgerechnet. Der Ertrag ist nur unqualifiziert ermittelbar. Die Kosten entsprechen, auf 20 Jahre gerechnet, fast exakt unseren Energiekosten pro Jahr. Warum soll ich meine Reserven investieren um sie – wenn es gut läuft – zwanzig Jahre lang, Jahr für Jahr, wieder ratenweise zurückzubekommen und zwar ohne Sahnehäubchen, bestenfalls mit zwei oder drei Schokokrümeln? Nö, das ist nichts für mich. Daneben bedarf die Annahme ich könnte den vollständigen Ablauf der „Rückzahlung“ noch erleben schon einer enormen optimistischen Zuversicht. (Hier offenbart sich der Casus knacksus im Denken von Älteren und Jüngeren, der zu gänzlich anderen Schlussfolgerungen führen kann.) Natürlich war und ist die weitgehende Unabhängigkeit von Stromkonzernen immer noch ein bemerkenswerter Faktor aber ich fühle mich bei Naturstrom derzeit gut aufgehoben. Für Nichtchristen ist es kaum vermittelbar, dass die Erkenntnis für mich eine Gebetserhörung bedeutet. Nicht nur die plötzliche Klarheit über die Fakten auch die persönliche Sicherheit auf dem richtigen Weg zu sein, stärkt diese Zuversicht und verschafft Ruhe. Selbst wenn sich neue, unberücksichtigte Fakten dazugesellen sollten, könnte ich sie von diesem sicheren Standpunkt aus beurteilen und einordnen. Öffnet sich dadurch „eine andere Tür“, auch gut, dann würde ich diese halt viel gewisser durchschreiten. So läuft Glaube bei mir. Ich weiß Gott am Werk bei allem was mich umtreibt. Das baut auf.

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Apfelbaumsorgen

Was wird 2021 bringen? Die übliche Frage am Jahresanfang. Ob es wieder so heftig wird wie 2020? Oder noch heftiger – vom Regen unter Umgehung der Traufe direkt in die Sch…? Oder gar viel besser? Immerhin weiß ich, dass es individuell ganz verschieden sein wird. Immerhin etwas. – Für die 94-jährige Freundin meiner diakonisch stark bewegten Angetrauten war der Jahresübergang echt hart. Sie musste einen Sturz verkraften, eine OP über sich ergehen lassen und nun auch noch in die Kurzzeitpflege. Ein harter Schritt für eine so freiheitsliebende Frau. Zurzeit besteht immerhin große Hoffnung, dass sie bald wieder allein wirbeln darf. Wir hoffen mit ihr. – Die Tendenz, unsere Reserven für was-für-ein-Vorhaben-auch-immer aufzuzehren, stößt bei mir immer immer weniger auf Gegenliebe. Einerseits ist es ein verheißungsvolles Projekt, andererseits bin ich eigentlich viel zu alt dafür. Soll ich die möglicherweise nur geringe Zeit, die mir hier auf Erden noch bleibt in einen „Apfelbaum“ investieren, dessen Früchte ich kaum noch ernten kann? Luthers berühmtes Apfelbäumchenzitat spricht dagegen für das Vorhaben. Ich bin hin- und hergerissen. Diese Wackelzeiten mag ich gar nicht. Kein bisschen.

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Neujahr

Ich hülle mich in Schweigen über die Zeit meines Aufstehens – nur so viel: es war ein ausgiebiges, erfolgreiches Recyclingmanöver. Am Abend lässt so ein durchgedrehter Drehbuchschreiber einen meiner (von den wenigen noch verbliebenen) Tatort-Lieblingskommissaren in für mich völlig undurchsichtigen (bin ich etwa noch benebelt?) Umständen sterben. Das ärgert mich – ein sehenswerter Tatort weniger. Glücklicherweise baut mich die Verfilmung von Lukas, dem Lokomotivführer samt Jim Knopf wieder auf. So ein einfacher, kindlicher, naiver Stoff erfreut mein anspruchsloses Herz: alles wird gut und keiner stirbt. In dieser Weise stimmt man schlichte, simple Menschen wie mich heiter. Geht doch!

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Silvester

Es ist schon ein wenig seltsam. Da knallt es ab und an jedoch viel seltener als in früheren Jahren. Ein Jahresschlussgottesdienst steht nur virtuell an. Wir klinken uns rechtzeitig ein und starten so den Schlussspurt 2020. Der Silvesterpunsch aus ‚Ein Herz und eine Seele‘ sowie ‚Der 90. Geburtstag‘ sind Standard, ebenso unser traditionelles Käse-Fondue. Mit prall gefülltem Magen gehen wir träge dem Jahresende entgegen. Irgendwann passieren wir die 2021er-Grenze und lassen die Sektkelche leise klingen. Auf der Straße treffen wir wie alljährlich üblich unsere Nachbarn, prosten uns zu und beschenken uns mit Glückwünschen. Zu meiner großen Freude haben im Dorf mutige Mitmenschen Raketen gehortet, so dass sich der Himmel ein klein wenig bunt färbt. Das tut mir gut. Meine ebenfalls traditionelle Neujahrszigarre, die ich auf der Terrasse im Gespräch mit Gott zu zwei Dritteln verpaffe leitet das neue Jahr für mich ein. Ein guter Abschluss, der Vergangenes aufarbeitet und ein guter Anfang, der alles Gott anbefiehlt, völlig egal ob dieser Rahmen „Engherzen“ aller Art ärgert. Danach wird es spät, viel zu spät. Gegen vier versinke ich endlich in Tiefschlaf.

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