Herausforderungen

Dank Internet können wir den Gottesdienst aus Bremen auch hier im wirklich hohen Norden live miterleben. So bleibt der Sonntag auch ein solcher. Im Anschluss schleift mich meine spazierfreudige Wandergefährtin an den Strand und wir marschieren los. Sie als munteres Rehlein immer voran, ich, der übergewichtige alte Elefant stapfe mutig hinterher. Ab und an gönne ich mir eine Bank. Das muss sein. Außerdem habe ich die herrschende Temperatur unterschätzt und mich in viel zu viel Kleidung gehüllt. Anfängerfehler. Es ist schön hier, doch ich bin ausgelaugt. Alter und ein BMI jenseits von Gut und Böse sind eine fatale Kombination. Ebenso schlimm wie hungern und abnehmen. Entweder – oder – meine Entscheidung! Mist! Merde! – Doch ich erhole mich schnell und kann gut vorbereitet eine Kinder- und Elterninvasion bewältigen. Es ist echt stark die kleinen Leute miteinander herumtollen und -toben zu sehen. Mittendrin das Agieren der Eltern, die Ruhe der Großeltern und ein Hund wuselt munter dazwischen. Eine Zeit lang mag ich das sehr. Ob das einen viel zu ruhigen Abend bei mir zur Folge hat, so eine Art nervliches Ausschnaufen? Keine Ahnung, schön war es allemal: das Kommen, das Bleiben und sogar das Gehen. Ich freue mich auf morgen, wenn wir zusammen grillen wollen. Das wird lebhaft spannend. Ein perfektes Kontrastprogramm zum heutigen Abend. Alles hat seine Zeit.

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Vollmächtige Staus, eine politische Einsicht und zwei Kaffeepötte

Vor dem Elbtunnel geht es los. Die Anzahl gleichzeitig fahrender PKWs vermehrt sich massiv. Doch wir kommen, wider Erwarten, relativ gut unter der Elbe durch. Bis Rendsburg geht es munter voran. Dann erliegen wir drei fatalen Irrtümern. Erstens empfiehlt uns unser Navi eine Ausweichstrecke und wir hören nicht weg. Zweitens sehen wir den Beginn eines Staus vor uns und erschrecken. Drittens biegen wir ab und folgen dem Rat der blöden Maschine. Okay, wir können wunderbar die nun freie Autobahn entlangrasen, allerdings nur bis zur kilometerlangen Einfädelungsschlange vor der immer noch verstopften Ursprungsstrecke. Voller Panik überhole ich die Kolonne, um dann eine Fehlereinsicht später mich doch auf der Gegenseite einzureihen. Irgendwann geht es weiter. Dann kommen neun Kilometer Grenzstau. Ob die Dänen ein paar arbeitslose frühere DDR-Grenzbeamte als Berater eingestellt haben? Ich weiß es nicht aber immerhin ist es ein äußerst putzige Idee den Urlaubsverkehr auf der einzigen ins Land führenden Schnellstraße auf eine Spur einzuengen und über mehrere Holperschwellen an zwei gelangweilt wirkenden Grenzbeamten vorbeizuführen. Immerhin ist danach die Strecke im Lande frei und zieht sich und zieht sich und zieht sich. Am Ende dieser monotonen Fahrerei bin ich endgültig kein Freund von ‚Tempo 130‘ mehr. Bleibt mir damit vom Acker! Absolut ätzend. Immerhin ist unser Häuschen sehr hübsch, gemütlich heizbar und gut ausgestattet. Zwei Kaffeepötte später sind die Kräfte zurück und bald treffen auch die Freunde ein. Der Abend wird gut. So soll es sein!

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Lebensschmiedefolgen

Der erste Urlaubstag kommt immer plötzlich, selbst wenn die Koffer schon gepackt sind. Wir beladen unseren fahrbaren Untersatz vom Keller bis zur Rückbank (ja, er hat tatsächlich einen Keller). Der gute Mr. Shorty wird wieder in Sicherheit gebracht, damit Mauli ihm kein Leid tun kann. Wir starten planmäßig unsere Tour, staunen über die Vielzahl der nachmittäglichen Auto- und Treckerfahrer auf den Nebenstraßen und kommen doch pünktlich bei unserem Zwischenquartier an. Es ist einfach prima, wenn man einen lang verschobenen Besuch mit einer Urlaubsreise verbinden kann. Wir plaudern bis früh in die Nacht und beziehen mit einem unguten Gefühl unser Nachtlager. Morgen wollen wir ganz „hoch“ in den Norden fahren. Morgen ist allgemeiner Quartierwechsel im Lande unserer Wahl. Und gleichzeitig beginnen die Ferien in etlichen Bundesländern. Da kommt was auf uns zu. Mächtig gewaltig. Pensionisten, die in der Hauptsaison reisen – welch eine Torheit! Doch das Leben schmiedet manchmal völlig unpassende Konstellationen zu einer Situation zusammen. Und in der stecken wir itzo. Augen zu und morgen durch!

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Einen Halt haben

Pflüg ein Altes, saug die nahezu sauberen derzeit wenig genutzten Gemeinderäume, ist mein Auftrag. Also schwinge ich den elektrischen Staubsammler und freue mich alle fünf Minuten über einen Krümel, der in seinen Tiefen verschwindet. Interessanter ist ein Vortrag von Helmut Blatt, der dabei meine Ohren erreicht. So kann ich bifunktional tätig sein. Klasse! – Im Regen geht es heimwärts wo wir – nach einer netten Mittagspause – zwei Koffer mit Sachen füllen, die wir möglicherweise nächste Woche benötigen werden. Die Auswahl fällt leicht, noch leichter wird sie vor Ort sein, da dort nur Mitgebrachtes zur Wahl steht. 😉 Außerdem ringe ich mit mir ob ich zum Hauskreis gehe, der coronabedingt in die uncharmanten (frisch gesaugten 😀👍) Gemeinderäume verlagert wurde. Irgendwie gelingt es Gott mich von einer Teilnahme zu überzeugen. Wenn es denn sein soll, tue ich es eben. Und es wird gut. Der sachlich-kühle Rahmen, der immer offiziellen Räumen anhaftet, umgibt mich zwar, doch die Menschen um mich her erwärmen mich innerlich und von Gottes Wort darf ich einen wichtigen Impuls mit nach Hause nehmen. Was will man mehr? Leider erreicht uns heute noch die niederschmetternde Nachricht, dass eine liebe Freundin plötzlich und für uns unerwartet verstorben ist. Wir sind gewiss, dass sie jetzt bei unserem Herrn und Heiland Jesus Christus in den allerbesten Händen ist – doch uns fehlt sie und ihrem Mann ganz besonders. Wir sind traurig und müssen oft an viel Gemeinsames zurückdenken. Im Leben kann sich alles, plötzlich und völlig verändern! Wie gut, dass wir einen Halt haben: Jesus Christus!

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Einfach nur leben

Es gibt so Tage, da frage ich mich hinterher was ich die vielen Stunden über getrieben habe. Heute fällt mir dazu nichts Gescheites ein. Ein Update aufspielen da und ein wenig youtuben dort, ein bisschen Schriftkram, ein paar Terrassenmöbel ins Warme transferieren – mithin alles und nichts. Es wurde ja auch wieder mal Zeit für so einen ereignisarmen Wochentag. Schließlich ist man Pensionist und nicht Lebensanimateur. So bleibt nur die Rückschau auf einen Tag Leben – und das ist ja auch nicht unbedeutend. Oder etwa nicht?

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Brillensicht und Wirklichkeit

Und wieder einmal probieren wir das ultimative Mittel gegen Mauli aus. Mal schauen ob er Leine zieht, was unwahrscheinlich ist, oder uns mit neuen Hügeln beehrt. Könnte es sein, dass sich in mir ein regelrechter „Hass“ gegen dieses niedliche Tierchen entwickelt? Wundern würde es mich nicht. – Der erste Großeinkauf für unseren kurzen Urlaub wird professionell abgewickelt. Ich staune über die Mengen. Mein neues Lieblingsthema Elektromobilität nagt gewaltig an meinem Tageszeitvolumen und ich lerne ein wenig über Wärmepumpen, Wallboxen und Stromsondertarife, wobei letztere auf den ersten Blick günstig aussehen. Ob sie es sind müsste genauer berechnet werden. Würde sich ein Stromer lohnen? So einfach ist das nicht. Finanziell könnte man eher froh sein, wenn man relativ kostenneutral davonkommt. Mit einer gewissen ideologischen Vorbelastung, die ihr Tuch über die eine oder andere Schwäche breitet, wäre natürlich ein klares „Ja“ zu erwarten. Der Spaß an Neuem und die Herausforderung Fahrweise und Streckenlänge mit einer optimal gelegenen freien Säule zu kombinieren ist nicht ohne Reiz. Ob es letztlich der Umwelt nutzt wird wohl erst in ein paar Jahrzehnten korrekt zu beantworten sein. Ich traue keinem Fachmann. Zu oft haben mich diese Leute in meinem Leben aufs Glatteis gelockt. Offensichtlich können wir Menschen die Folgen unseres Tun und Lassens nur hinterher halbwegs korrekt überblicken. Vorher klammert sich jeder an seine ideologische Brille. Schade eigentlich.

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Freudiger Pionier-Uhu

Ich bin mal wieder im Rathaus. Die Jungs und Mädels sind immer noch so beamtig wie man nur sein kann. Ich will vom Haus B ins Haus A laufen. Am Eingang sitzen zwei junge Staatsdiener mit Papierlisten, in die alle gemeldeten Termine mit Externen eingetragen sind. Papierlisten!!! Wann wird dieses staatliche Konglomerat endlich in der digitalen Gegenwart ankommen? Wie könnte es anders sein haben die zwei auch nur die Besucherliste ihres Hauses. Also verlasse ich diese ungastliche Stätte und trotte im Nieselregen zum anderen Eingang, halte mich treu an die geklebten Wege um mich danach unters Volk zu mischen. Zwischendurch findet eine arg oberflächliche Sichtkontrolle statt. Ich atme ganz tief durch! Das liegt alles hinter mir! Wie gut habe ich es nun! – Das Gespräch ist fix vollendet. Raus darf ich ohne Kontrolle. Fazit: sehr bemüht, wenig effektiv, mithin alles wie früher. Der Nachmittag erweitert meine Kenntnisse zur Elektromobilität. Das Thema fasziniert mich ungeheuer. Mit knapp siebzig noch einmal „Pionier“ zu werden – das wäre schon was. So ein ‚Pionero lujoso‘ wie die Spanier sagen würden. Im klimatisierten Haus, am gerodeten Dschungel lebend nur noch nicht vollständig auf asphaltierten Wegen zu erreichen, um eine Analogie zu gebrauchen 😇😉. – Am Abend planen wir mit Freunden unseren Dänemark-Urlaub und hoffen, dass man uns sowohl hier ausreisen als auch dort einreisen lässt – quasi so eine Art Glückslos in der Corona-Lotterie. Früh am Abend geht es heim, spät in der Nacht konsultiere ich meine Bettstatt. Alter Uhu!

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Geistliches, Schneeflocken und Helden

Wir wachen um 9 Uhr auf. Wie soll das bloß werden, wenn die Gottesdienste um halb zehn anfangen? Bleiben wir da chancenlos außen vor? Aber immerhin ist heute erst um 18 Uhr Beginn und den schaffen wir problemlos. Vormittags sinnieren wir in unserer kühlen, gut durchlüfteten Studierstube über den neuen Tempel bei Hesekiel. Nachmittags lassen wir uns aus Bremen über die rechte Dankbarkeit aufklären und am frühen Abend lauschen wir Ausführungen zur Jahreslosung. Es ist ein geistlich wohlgefüllter Tag und der tut gut. – Das Fernsehen belehrt uns später über Frau Holle, das Märchen und die möglichen Vorbilder der kissenausschüttelnd schneeerzeugenden, arbeitsamen Dame. Zu ihr gelangt man durch einen tiefen Fall in einen Brunnen und dennoch lässt sie vom Himmel die Flocken fallen. Wunder der volkstümlichen Phantasie! Im Anschluss setze ich mich – welch ein Kontrast zum übrigen Tag – noch einer klischeeüberladenen Einstiegsfolge einer amerikanischen Serie aus. O, ihr üblichen Strickmuster – durch unaufhörliche Wiederholung in wechselnden Rahmenhandlungen werdet ihr auch nicht besser! Die Mixtur typisch amerikanischer Alpträume zielt treffsicher auf die emotionale Ebene unter Umgehung verstandesmäßiger Vorprüfung. So ist sie halt die einflussreiche amerikanische Traumfabrik: Waffen, Selbstjustiz und kitschige, heldenhafte Gefühlsduselei. Das kommt an. Auch bei mir. Ick schäme mir. Echt.

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