Sentimentales

Wollen habe ich wohl … aber ohne ausdrückliche Zustimmung meines Rückens läuft nur wenig. So nützlich und wertvoll der menschliche Körper auch ist, wenn er Malaisen hat, kann er ganz schön intensiv protestieren. So sitze ich nun da, erledige Bankgeschäfte, lösche Spam- und Werbe-Mails (gibt es da eigentlich einen Unterschied?) und bewege mich betulich – intensiv bemüht zu viel Demut zu vermeiden, denn Bücken kommt gar nicht gut an. Es ist lästig. Immerhin können wir – meistens sie, weniger ich – die Reisefolgen durch wegräumen oder waschen beseitigen. So grolle ich nun ein wenig vor mich hin: laufen ist keine gute Wahl, sitzen wäre okay, wenn das Aufstehen nicht wäre, nur das Liegen tut gut und da habe ich nun gar keinen Bock drauf (außerhalb der Mittags- oder Nachtruhe). Doch klagen ist auch blöd und so versuche ich es zu nehmen wie es kommt und Gott zu danken, dass er mich trägt. Mir geht eine liebe Freundin nicht aus dem Sinn, die (für mich) völlig überraschend starb. Das ist hart und stimmt mich traurig. Die sentimentale Seite meines Gemüts drängt sich offensichtlich heute in den Vordergrund. Zur Aufmunterung schaue ich mir kleine Filmchen über einen Flug zu den Seychellen sowie über einen Aufenthalt im dortigen Hilton an. Danach hätte ich nur die Übernachtungspreise in diesen Luxussuiten nicht ermitteln sollen. Ab 410 Euros aufwärts. Pro Nacht. Wow. Dazu kommt der Flug. Die Reisestimmung wechselt von ‚Dur‘ zu ‚Moll‘. Ich wechsle besser ins Bett.

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Bleibe bei uns, Herr

Mein Rücken ist im Protestmodus und zwingt mich zur Rücksichtnahme. Ein Gottesdienst aus Bremen spricht mich total an und in meine Lage hinein. Das tut wohl. Es ist ein ruhiger Tag nach einer in dieser Länge ungewohnten Autofahrt, die nun ihren Tribut fordert. Staufahrten nerven mich eben unendlich trotz hilfreicher Assistenten, die manches leichter machen. Ich wünsche mir dabei immer ein selbstfahrendes Fortbewegungsmittel mit bequemen Sitzen und Kaffeemaschine an Bord. Die Scheiben verdunkeln, entspannen, einen Film gucken und die Karre sich vortasten lassen – das wäre toll! Ob ich das noch erlebe? Wer weiß das schon, denn keiner kann garantieren, dass die Wirtschaft weiter brummt, dass finanzielle Sicherheiten stabil bleiben oder Krankheiten uns meiden. Doch eins ist wirklich gewiss: Gott hat uns in seiner Hand und wir sind bei ihm geborgen, was immer passiert. Daran möchte ich mich klammern und weiß doch: alles hängt an Gott – das Wollen und das Vollbringen. Bleibe bei uns, Herr!

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Das habe ich nun davon

Überpünktlich räumen wir unser Ferienhaus und machen uns auf den Weg heim. Der Verkehr ist dicht, doch selbst an der Grenze gibt es keinen Stau. Gelobt sei Gott! Nach der Grenze vermehren sich die Autos wie die Kaninchen und wir rücken immer dichter zusammen. Ein gutes Stück vor Rendsburg kuscheln wir uns aneinander und rücken schrittweise vor, bestenfalls im Laufschritt. Dann kommt Hamburg. Das Chaos erwartet und umfängt uns. Schritt für Schritt rücken wir von Baustelle zu Baustelle gemütlich auf den Elbtunnel zu. Noch einmal stehen wir gleich nach dem Eintauchen ins Innere und dann geht es plötzlich flott voran. Wunder der Stauwissenschaft! Ein gewisser innerer Drang veranlasst uns die Autobahn zu verlassen um ihn an einer Tankstelle zu befriedigen. Tiefe Erleichterung macht sich breit. So führt uns unser Navi aus Hamburg heraus bie nach Winsen und von dort auf Nebenstraßen heim. Unsere Freunde kommen ohne nennenswerte Staus, dafür auf Nebenstrecken eine Viertelstunde vor uns an. Pensionisten, die zu Ferienzeiten reisen, haben es nicht besser verdient. Mein Rücken macht großes Theater, das Haus ist erfrischend kühl, doch der Kachelofen verbreitet bald wohlige Wärme. Ein letztes Gläschen Roten zum Urlaubsende und mein geliebtes Nachtlager hat mich wieder. Alles ist gut!

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Ausklang

Der letzte Urlaubstag hat sich eingestellt. Wir nutzen die Zeit, um noch ein wenig durch die Gegend zu gondeln. Die Landschaft ist idyllisch, schmale Straßen, viel Grün, wenige Menschen, die in niedlichen Häuschen wohnen. Okay, ab und an sieht man auch Protz- und Prunkbauten, große Güter mit imposanten vollumbauten Höfen mit malerischen Einfahrten. Doch sie fügen sich wunderbar ins Gesamtbild ein. Man merkt ich bin begeistert. Am Wendepunkt unserer Route erreichen wir die Fähre, die gerade den Fjord bei Randers überquert und lassen uns dort den Wind um die Nase wehen. Besondere Freude löst bei mir – und das können wohl nur Männer meines Alters verstehen – eine öffentliche Toilette aus. Ein Fund zur rechten Zeit. Erleichtert cruisen wir ein paar Meter ins Land hinein und schon schweigt der Wind während die Sonne uns wärmend umfängt. Starker Wechsel. Eine wunderhübsche weiße Kirche, umgeben von einem gärtnergepflegten Friedhof, hinter einer Feldsteinmauer thront eindrucksvoll am Dorfrand. Überwältigend! – Zwischendurch überfällt mich das Grauen vor der Rückfahrt mit unvermeidbarem Grenz- und Elbtunnelstau sowie ab und an stockendem Verkehr als Bonus. – Doch vorher wollen wir den Abend geruhsam ausklingen lassen und uns so vom beschaulichen Dänemark angemessen verabschieden.

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Kuss der Meere

Wir machen uns auf den Weg zur Kussstation von Nord- und Ostsee. Die ist allerdings immer noch weit entfernt. Glücklicherweise geht es zu menschenfreundlichen Zeiten los und wir fahren auf der Autobahn, passieren Randers, Aalborg und Friederikshavn um endlich einen Blick in Gammel-Skagen auf die Nordsee zu werfen. Einen kurzen Aufenthalt später geht es weiter zum Bunkermuseum nicht weit entfernt vom Kuss. Ich schaue, erhaben auf einem Bunkerhügel hinüber zum MeetingPoint der beiden Meere. Es ist interessant das zu bestaunen, doch mangels emotionaler Sensibilität geht mir das erhabene Feeling ab, das sich am Ort des Geschehens gemeinhin entfaltet und so verzichte ich auf eine adäquate Wanderung zu diesem Punkt. Meine Mitreisenden nicht und so gönne ich ihnen das Erlebnis von ganzem Herzen. Ich dagegen genieße das wunderschöne Wetter im Norden, spaziere zum nahen Strand und ein wenig ins Land hinein. Sehr erholsam. Ein Besuch in Skagen rundet die Fahrt ab. Erst bei Dunkelheit treffen wir zu Hause ein und ich taste mich zum Türschloss vor. Welch ein Tag!

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Gegenwind und Kreisverkehr

Der Wind frischt auf und die Ostsee wirft bedrohliche Wellen, etwa so hoch wie die Nordsee bei leichtem Seegang. Doch die Kite-Surfer sind glücklich und sausen die Küste hin und her. Ich lasse mich vom Wind am Strand entlang blasen und kämpfe mich dann gegen das Gebläse wieder zurück. Wir treffen dabei eine Tochter unserer Freunde, die per Rad von ihrem Feriendomizil zu uns gekommen ist. Winderprobte Familie: zwei Eltern, zwei Kids und ein Hund. Letzterer knurrt und bellt mich an, er mag mich wohl nicht. Erst eine Bestechung mit Käse bewirkt eine temporäre Bell- und Knurrruhe. Gut so. – Nachmittags besuchen wir den Nachbarort, verlassen sturmumtost unseren Audi, um nach kürzester Zeit reumütig zu seinem winddichten, geheizten Innenraum zurückzukehren. Trotzdem ist es eindrucksvoll. In der Hoffnung weitere Küstenörtchen aufzuspüren, lernen wir wie wunderschön es sein kann auf unterschiedlichen Routen im Kreis zu fahren. Eine analoge Landkarte wäre hier sinnvoll gewesen. Das Navi erweist sich als Pleitenummer. Eine digitale Karte, die bei größerer Übersicht sofort sämtliche Nebenstraßen ausblendet, ist nicht wirklich hilfreich. – Der Abend ist typisch dänisch ruhig und beschaulich. Schon wieder.

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Grenaa

Morpheus umklammert mich ziemlich fest und nur mit Mühe entweiche ich seinen Liebesbekundungen. Endlich wach brechen wir nach Grenaa auf, Fährhafen Richtung Schweden sowie zu einer kleinen Ostseeinsel auf halbem Weg zum Nachbarland. Außerdem glänzt dieses Örtlein mit einem idyllischen Yachthafen mit putzigen Ferienreihenhäusern samt Bootsanleger. Das Kattegatcentret daneben ist wohl eher ein Supertipp für Familien und Meeresfreunde. Heute lassen wir es leicht bewundernd dennoch links liegen und wenden uns lieber der Innenstadt zu. Den Kampf, ein Sandwich mit Messer und Gabel zu verzehren, gewinne ich letztlich trotz anfänglich kleinerer Niederlagen. Das Brot ist genauso lecker wie mit robuster Kruste versehen, so dass das Schneidwerkzeug auf harten Widerstand trifft. Grenaas Fußgängerzone ist kurz aber um so liebenswerter und führt zur Kirche mit dem Denkmal davor von Sören Kanne, eines erfolgreichen – wohl eher lokalen – Seenotretterkapitäns. – Einer ausgiebigen Mittagsruhe folgt ein viel zu mächtiges Abendbrot, das wiederum einen beschaulichen Abend zur Folge hat. Urlaub, halt, im Schonmodus. Den habe ich aber auch zu Hause. Okay, akzeptiert: Gelbe Karte wegen Meckerns. Mea culpa!

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Grillen

Die Sonne verwöhnt uns ein wenig. Es ist relativ kühl aber angenehm. Zwei von uns erweitern ihre Kenntnisse mit einem Shoppingausflug zu einem dänischen Kolonialwarenladen. Ich pflege der Ruhe und Beschaulichkeit und studiere meine Regionalzeitung mit ihren unbedeutenden Redakteursausflüssen. Am späten Mittag begeben wir uns zum Grillen in einem nahen Ferienort. Das kann problemlos im Freien stattfinden. Eine Abart der Hüpfburg – gleiches Prinzip, etwas andere Konstruktion – ist Sammelpunkt der Kids. Grill und Küche scheinen dagegen mehr die Erwachsenen anzuziehen. Die drei Familien haben in einem ehemaligen Hotel ihr großzügiges Domizil gefunden – auf einer imposanten Rasenfläche, gleich neben dem Hopserluftkissen ist eine lange Tafel aufgebaut. Die Grillexperten servieren leckere Fleisch- Wurst- und Käsewaren, die auf den glühenden Kohlen zu ihrem schmackhaften Aroma gefunden haben. Gebackene Kartoffeln, Nudelsalat und Gemüse glänzen als wohlmundende Sättigungsbeilagen. Ich genieße es in vollen Zügen. Die Sonne verzieht sich netterweise erst nach der Mahlzeit und wir tilgen kleinere Wärmedefizite im wohl temperierten Ferienhaus. Doch bald zieht es uns zurück in unser stilles Quartier zwecks einer unverzichtbaren Nachmittagsruhe, der ein sehr stiller und ruhiger Abend folgt. Erkenntnis des Tages: Nerven sind Alterssache.

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