Überraschungen

Die Feiertage überfallen uns Pensionisten völlig unerwartet. Nationalfeiertag – Tag der deutschen Einheit! Gestern, kurz vorm Einschlafen fiel uns der anstehende ‚arbeitsfreie‘ Tag auf. Natürlich bleibt der Bäckerladen zu und so müssen wir samt Besuch mit aufgebackenen Brötchen vorlieb nehmen. Jeden Sonntag verkaufen die Läden ihre Backwaren nur gerade heute bleiben sie fest verschlossen. Ja, Gott soll keine Rolle mehr in unserer Gesellschaft spielen – dass man sich da nur nicht fatal irrt. Gott abschieben geht nicht, wenigstens das sollte man aus der Geschichte gelernt haben. Hat man aber nicht. Schade – und wir alle müssen es dann irgendwann ausbaden. So alt das Wort auch ist und so abgedroschen es für viele auch klingt, es bleibt dennoch wahr: Gott lässt sich nicht spotten! Und selbiges ist keine Drohung, sondern eine klare Tatsache. – Ich schließe unsere Ablage ab, unser Besuch verlässt uns leider und nachmittags schneide ich die Rasenkanten unseres maulwurfgepeinigten Rasens. Eine Akku-Rasenschere mit Stiel ist eine wunderbare Erfindung! Der Wind ist mir ein klein wenig zu frisch und so ziehe ich mich bald nach der Arbeit ins Häusle zurück. Wie schon viel zu oft festgestellt: die warmen Tage sind vorbei. Seufz.

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Papierkrieg

Donald hat sich infiziert. In echt? Als Fake? Ihm ist alles zuzutrauen. Ein Präsident, der für sich selbst keine ethischen Grenzen kennen will ist unkalkulierbar und kann für viele zur Gefahr werden. Ich schaue nur noch mit entsetzlichem Verwundern (oder verwundertem Entsetzen, wie auch immer) über den großen Teich. Den Amis hätte ich viel zugetraut aber langsam beginnt die Realität meine Phantasie zu überflügeln. Land der unbegrenzten Möglichkeiten – in welche Richtung auch immer! – Ein klein weniger schrecklich ist mein heutiger Job: Ablage. Was sich in ein paar Monaten ansammelt, ist eine Kataschlumpfe, wie meine kleinen blauen Freunde sagen würden. Ich verstaue das Verstaubare, ein ansehnlicher Rest rottet unberührt weiter vor sich hin: Sachen, die ich nie brauchen werde – aber wer weiß das schon so genau? – Meine weise Lebenslangpartnerin amüsiert sich stattdessen im Harz mit unserem Gast. Eine gute Wahl! Abends plaudern wir bis zum Einschlafen, gefühlt weit darüber hinaus. Es wird nicht gerade früh. So ist das eben!

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Herbst

Der Nebel wabert über die Felder – der Herbst ist da. Viel zu schnell beginnt die fiese Zeit des Jahres, die jeden Wärmeliebhaber in eine bibbernde Kreatur verwandelt. Ja, ja, ich übertreibe ein wenig, denn es gibt ja Heizungen, doch die führen leicht zu mancherlei Auseinandersetzungen über das Maß der notwendigen Grundtemperatur im Raum. Besser sind vor sich hin prasselnde Öfen, deren gradgenaue Regulierung nur ausgebufften Profis gelingt. Doch was ist das alles gegen einen wonnevollen Sommertag? Da muss ich jetzt durch im Wissen um langfristige Reiseplanungen, die eine spontane Flucht in immer noch wohl temperierte Weltregionen zu verhindern wissen – ganz abgesehen vom umherschwirrenden Covid-19-Virus, das mich höhnisch lächelnd zu häufigem Reisen ermuntern will. Welch ein Jahr! Hoffentlich nicht das beste der nun folgenden Jahre. – Erfreulich ist dagegen die Ankunft unseres Übernachtungsgastes, einer lieben Verwandten, die den Harz erkunden will. Wir plaudern intensiv und viel, es ist ein prima Abend. Zu allem Überfluss funktionieren meine neu erstellten Kommandos für Siri tadellos – ein paar Lichtblicke in dunkler Jahreszeit schaffen ein wohliges Feeling. Hey Siri, gute Nacht!

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Hektik trifft auf Betulichkeit

Wieder zu Hause – das tut wohl! Im gewohnten Bett ausschlafen hat etwas prickelnd Schönes. Ich (alter Sack) muss mich erst wieder einleben während meine Mitbewohnerin (agil und frisch) sich wild wirbelnd auf alle Aufgaben stürzt. Mir schwirrt dabei der Kopf. Betulich erledige ich nach und nach alles mir Wichtige während um mich herum ein hektisches Treiben herrscht. Da zwickt und zwackt mich zwar lästigerweise mein Aufsichts- und Kontrollorgan im Hirn – trotzdem komme ich nur arg langsam in Schwung. So ist das eben. Leider. Immerhin sind die Koffer ausgepackt und an ihre Lagerorte verbracht; Mr. Shorty ist wieder im Dienst und der Wein hat im Keller seine Reifestätte gefunden. Letzteres hat leider zur Folge, dass ein Gewürztraminer meiner Neugier erliegt und den Abend nicht überlebt. So kann’s gehen. Langsam nehme ich meine Andachtszeiten wieder auf, die ich im Urlaub schwer vernachlässigt habe. Es bleibt ein Mysterium in solchen Sonderzeiten gelingen mir keine geregelten Abläufe. Ob eventuell mein zuständiger Lustkoeffizient ebenfalls auf Reisen ist? Ganz und gar nicht auszuschließen.

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Heimfahrt

Kofferpacken, frühstücken, Andacht und losfahren. Es geht heimwärts. Das Wetter weint ein wenig zum Abschied und so entscheiden wir uns gegen den Landstraßenanteil und sausen die Autobahnen entlang. Gemütlich mit 130 bis 160, selten schneller, fahren wir dahin. Es gibt keine Staus, nur ab und an kommen wir nur langsam voran, vor allen vor und in elendiglich langen Baustellen. Wie üblich lerne ich ein Autobahn-Toilettenhäuschen kennen, das man am liebsten leicht über den Boden schwebend betreten würde. Nur das geht bedauerlicherweise nicht. – Unser Haus müffelt ungelüftet vor sich hin doch wir sind glücklich wieder daheim zu sein. Schön ist es hier! Mauli hat es sich wohl gehen lassen und sechzehn Hügel aufgeworfen. Mistvieh! Leider vergesse ich das Anheizen unseres Kachelofens, so dass mir ein wenig frisch um die Nase ist, während meine Mitbewohnerin schon transpiriert. Es ist schwer bei diesem Thema auf einen gemeinsamen Zweig zu kommen. Ganz spontan überkommt mich das Gefühl wie schnell sich ein Leben ändern kann. Ob Krankheit zuschlägt, ein Unfall über uns hereinbricht oder der Körper vor dem Alter kapituliert – solche Gedanken stellen sich ungebeten immer öfter ein. Ich will für das nächste Jahr planen und kann morgen, in einer Woche oder einem Monat schon nicht mehr in der Lage sein, den Plan durchzuführen oder zu erleben. Ob dieses Wissen mein Gottvertrauen stärken kann? Ich glaube schon und lerne meine Abhängigkeit von IHM bewusst anzunehmen und die Geborgenheit in IHM zu schätzen. Welch ein Segen Jesus zu kennen und zu lieben!

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Highlights zum guten Ende

Eigentlich will ich nach Hause. Der Urlaub könnte zu Ende sein. Doch er ist es nicht und das ist gut so. Wir fahren nämlich zum Schloss Vollrads, umgeben von Weinbergen und beschäftigt mit der Weinlese. Ein Bergfried in der Mitte samt Wassergraben überblickt das Ensemble und das Schloss erhebt sich edel neben diesem schlichten Turme. Die Vinothek ist zwar geöffnet, das lässt uns jedoch kalt. Wir flanieren über den Schlosshof, vorbei am wohlgepflegten Privatgarten zum Vorhof. In einer kleinen Wiese erhebt sich dort ein Kastanienbaum mit Esskastanien, die gerade reif sind. Unter der Rasenfläche wohnt offensichtlich ein enorm fleißiger Verwandter unseres Maulis, ein Meister im Hügelaufwerfen. Der nächste Stopp ist das Schloss Johannisberg, ein prachtvoller Schlossbau mit angrenzender Basilika und einem einfach nur herrlichen Blick auf die Rheinschleifen, auf Oestrich-Winkel und Geisenheim. Wir sitzen in der Sonne, blicken über die wohlgeordneten Weinberge auf unseren Urlaubsort und sind einfach nur guter Dinge. Wie schön ist es hier oben. Hier sollte man jedesmal seinen Rheingau-Urlaub beginnen. Fasziniert bestaunen wir von außen das Restaurant mit seinem Panoramablick über das Rheintal. Hätten wir nur Appetit, dann wären wir hier gut aufgehoben. Am späten Nachmittag besuchen wir Eltville, schlendern leicht schnüffelnd durch den Rosengarten, lassen uns von der Blumenpracht anrühren und begeben uns schließlich in die Weinstube Gelbes Haus, die mit Zitronen-Hähnchen-Filets und einem gefälligen Grauburgunder samt Rheinblick mir den letzten Aufenthaltstag versüßt. Es war eine schöne Zeit.

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Rheintour

Nach dem Frühstück verlassen uns unsere Freunde wieder. Es war ein abwechslungsreiches Wochenende – gut, dass sie da waren! Wir dagegen hören erst einmal einen Gottesdienst aus Bremen bevor wir uns in den fahrbaren Untersatz schwingen, auf „unserer“ Seite Richtung Koblenz cruisen und auf der anderen Seite wieder zurück. Offensichtlich legen die Binnen-Kreuzfahrtschiffe wieder los, denn wir sehen etliche von ihnen auf dem Rhein. Der Binger Mäuseturm grüßt uns von gegenüber, die Loreley ist wieder einmal nicht zu Hause und zeigt uns nur ihren kahlen Felsen. Ein Stopp in St. Goar lässt mich erkennen wie Erwartung und Realität voneinander abweichen können. Dennoch schaue ich von einer leicht regennassen Bank der Fähre beim Kreuzen und den Binnenschiffen beim Passieren zu. Ein mit Kohle beladener Schubverband schleicht, permanent von anderen Binnenschiffen überholt, an uns vorbei und ein kühler Wind weht uns um die Nasen. In Ingelheim wartet die Fähre netterweise auf uns und wir dürfen noch mit. Meine beschaffungsgeniale Mitreisende organisiert sogar noch Brotfladen zum Abendbrot, da wir heute einmal etwas zurückhaltender speisen wollen. Der Sonntag klingt sehr ruhig aus. Tut auch mal gut.

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Mainz, Weinprobe und ein weit entfernter Gutsausschank

Wir erkunden Mainz. Die Stadt mit der Mainzelmännchen-Ampel. Süß! Das Wetter lässt zu wünschen übrig und ein Marktbesuch mit Maske ist arg gewöhnungsbedürftig. Aber es geht recht gut. Die Fußgängerzone ist sehr zergliedert, hat aber eine gute Geschäftsausstattung. Ein wunderbar wild und doch wohlstrukturiertes Blumenbeet fasziniert mich – ich mag dieses geordnete Chaos sehr. Ob ich mich darin wiederfinde? Wer weiß? Wir parken auf’m Berg und die City ist im Tal. Der Hinweg ist völlig unproblematisch im Gegensatz zum Rückweg, der mit leichtem Nieselregen und einer ablaufenden Parkzeit mit zusätzlichen Erschwernissen aufwartet. Ich packe es trotzdem. Schnauf, schnauf, hechel, hechel! Nachmittags erfreuen wir uns an einer Weinprobe, die mich trotz wirklich kleiner Probeportionen herausfordert. Nein, ich vertrage gar nichts mehr – o dieses Alter! Abends speisen wir in einem coronafreundlichen Gutsausschank mit niedrigen Decken und dem exakt eingehaltenen Mindestabstand der Tische. Irgendwann laufen irgendwelche Narren auf, die dem Wirt einen gesteigerten Getränkeumsatz bescheren. Mir mundet der Wein hier gar nicht, meine Wandergefährtin mag ihn dagegen sehr. Der Weg nach Hause ist lang, ortsüblich bergig und er schafft mich mächtig. Immerhin gibt es reichlich Bewegung nach dem Essen. Das soll ja gut tun. Sagt man.

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