Treppensturz

Der Sommer scheint sich im Abschiedsmodus zu befinden. Es ist erst wolkig, dann kommt doch noch die Sonne raus aber der Wind verteilt unangenehme Kühle. Da bleibt das Dach unseres Cabrios weitgehend geschlossen. Die 21 Grad Außentemperatur fühlen sich wie 17 Grad an. Brrrr. Meine aus guten Gründen besorgte Bedenkenträgerin erhält heute viele offenbar fachlich sehr fundierte und verständlich formulierte Erläuterungen auf ihre Fragen. Ihre Besorgnis kann so zerstreut werden. Vielleicht holt sie deshalb zu beschwingt ein Teil aus einem Keller, verliert die Balance und donnert sämtliche Stufen der Betontreppe rückwärts hinunter. Kein Mensch sieht es, keiner kann ihr helfen. Zum Glück ist Gott an ihrer Seite und bewahrt sie. Ohne Verstauchungen und blaue Flecke sowie ein paar Abschürfungen geht das natürlich nicht ab, aber es hätte viel, viel schlimmer kommen können. Ein Verwandter hatte sich vor Jahren bei einem ähnlichen Unfall das Genick gebrochen. Unser großer Gott hat sie aufgefangen – DANKE!!! Als der Schock nachlässt, beginnen die Schmerzen. Die Nacht gestaltet sich schwierig aber ein Beutel mit Gefrorenem kühlt erfolgreich. Wir beide sind ziemlich aufgewühlt. Wie könnte es anders sein?

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Qualitätsverluste

Wenn man den Sonntag mit einer sehr ansprechenden Predigt in der eigenen Gemeinde beginnen kann, danach ein Liedersingen im Garten folgt, dem ich im offenen Cabrio lausche (es gibt ein offenkundiges Missverhältnis zwischen dem was die Noten vorgeben und den Tönen, die aus meinem Mund entfleuchen), dann sind die Weichen gut gestellt. Es folgt dem ein ruhiger Nachmittag an dem wir akustisch in Bremen vorbeihören und ein Abend mit einer Familie, die zwei Jahre lang mit einem Truck samt Wohnaufbau unterwegs ist – interessant aber total nicht mein Ding. Dann teilt sich das heimische Interesse: der weibliche Teil schaut zu wie sich zwanzig Leute um ein rundes Teil balgen und zwei weitere alles dran setzen um zu verhindern, dass selbiges in einem Netz landet. Kuriose Beschäftigung für erwachsene Menschen! Ich dagegen zappe ein wenig herum, schaue Gutes und Schlechtes, Auf- und Abbauendes an – was halt der Bildschirm so an bewegten Bildern bietet. Resümee: toller Anfang, müdes Ende. Tja …

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Gyros, mein Magen und ich

Essengehen mit der Verwandtschaft am Kanal bei Rühen ist angesagt. Wir sitzen prächtig draußen, es ist warm und ein paar kleine Tröpfchen Regen fängt der Sonnenschirm locker ab. In der Überzeugung meinen kleiner gewordenen Seniorenappetit einschätzen zu können, verzichte ich auf die Vorsuppe (obwohl sie eine große Versuchung darstellt). Ein Pfännchen mit Gyros, einer unbeschreiblich leckeren Sauce und ein paar Pommes sollten reichen, meine ich. Ein kleines Eis bildet die Nachhut. Die Stimmung am Tisch ist gut, wir plaudern lebhaft nur meine Mum wirkt von Mal zu Mal etwas abwesender. Ihre Freude am gemeinsamen Essen scheint zu schwinden und das ist sehr, sehr bedenklich. Alle sind fröhlich nur mein Magen nicht. Ihm ist alles zu viel, zu mächtig und zu belastend. Er zettelt eine Meuterei an, die mich bis zur Nacht quält. I’m not amused. – Am Abend kommen Freunde zu Besuch und mein innerer Aufruhr scheint in die erträgliche Phase wechseln zu wollen. Nein, das Altwerden hat nicht nur große Probleme, anfangs, wie bei uns, nervt die Vielzahl der kleinen Attacken. Oder nervt nur die mangelnde Bereitschaft zur Anpassung und Umstellung? Die wohl eher. So ein Menschenleben scheint im Zeitraffer abzulaufen. Ob wir eigentlich für eine viel längere Lebenszeit konzipiert waren? Gott weiß es.

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Nostalgie in der Lounge

Komisch, in regelmäßigen Abständen überkommt mich so ein totaler Politikfrust. Eigentlich müsste ich gelernt haben zu schweigen. Möglicherweise rufen unbegreifliche Entscheidungen unbeherrschbare Reaktionen hervor. Wer weiß das schon? – Heute befreie ich Mr. Shorty aus seiner unangenehmen Lage nach gescheitertem Einparken. Irgend etwas stimmt da nicht an der Feinjustierung. Da muss ein Experte wohl noch einmal ran. – Wir sind wieder oben offen unterwegs – bei dem Wetter ist das einfach toll. Selbst Wartezeiten sind mit dem Himmel über mir und ein wenig frischem Wind um die Nase einfach köstlich. – Der Abend gestaltet sich mollig warm in der Lounge – heute entdecke ich alte Schlager aus den 70er-Jahren mit Ingo Insterburg, Mike Krüger, Schobert und Black sowie weiteren „Stars“. Good old times! Seufz. Einfach mal Blödsinn machen statt stromlinienförmig angepasste Comedy oder zeitgeisthuldigendem Kabarett – das hatte schon was. „Die Wanne ist voll“, sangen Helga Feddersen und Dieter Hallevorden. So isses.

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Politikerfrust (mal wieder aus aktuellem Anlass)

Morgen soll die Richfunkverbindung unseres Internets durch eine Glasfaseranbindung der Zentralstelle ersetzt werden. Uns bleibt nach wie vor nur das Vectoring von dort ausgehend. Armes Deutschland, geistig arme Politiker, die in mehreren Jahrzehnten keine durchgehende Digitalisierung geschaffen haben. Ich befürchte wir haben die Politiker, die wir verdienen. Aber wie sollte es auch anders sein in einem Land, in dem sogenannte Volksvertreter nicht vom Volk sondern von Ihresgleichen nominiert werden? Was erwarte ich in einer Demokratie in der Lobbyisten teilweise sogar Gesetzesentwürfe anfertigen? Weshalb habe ich hohe Ansprüche an ein Parlament, das einen weltweiten Abgasbetrug durch moderate Rahmenbedingungen förderte? Was soll von einer politischen Kaste Gutes kommen, die Urlauber zwingen wollte den Tourismuskonzernen zinslose Kredite zu gewähren? Ich sollte meine Illusionen aufgeben und probieren Realist zu werden. Ich lebe in einer oligarchischen Demokratie und dort ist es wie es ist. Ich verabscheue Rechte weil ich die Juden liebe, verachte Linke weil ich ihren real existierenden Sozialismus kenne und habe keinerlei Verständnis für Verschwörungstheoretiker weil ich in ihnen faktenbefreite Egoisten sehe – doch keinem möchte ich den Mund verbieten. Meinungsfreiheit heißt für mich, jeder kann unbehindert und sanktionsfrei seine Ansichten äußern – soweit er die Freiheit und Unversehrtheit anderer Menschen nicht infrage stellt oder gar gefährdet. Doch heute darf man nur noch seine Meinung in den Grenzen des Zeitgeistes frei äußern ohne Sanktionen fürchten zu müssen. Leider.

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Einparkschande

Eine der großen Gefahren zunehmender Jahre ist die überproportionale Zunahme von allerlei Arztbesuchen. So auch heute schon wieder. Der Typ ist nett, äußerst informativ und total locker. Das gefällt mir. Wir werden so allerdings mit Informationen zugeschüttet. Mühsam bemühen wir uns sie danach zu sichten, zu werten und die wichtigsten zu speichern. Keine leichte Sache. Nachmittags besuche ich meine Mum. Sie ist wirklich alt geworden. Wir sinnieren über alte Zeiten, frühere Wohnungen und gewandelte Landschaften in Wolfsburg. Ich sitze im Durchzug, das ist einerseits gefährlich, denn eine Erkältung kommt schnell, andererseits der beste Ort um die Wärme im Haus zu lindern. – Heute benötige ich vier Versuche um rückwärts in eine Parklücke einzuscheren. Ist das peinlich! Ich lerne: einmal falsch gepeilt und es folgt ein Rattenschwanz an Korrekturversuchen. Fast wie im wirklichen Leben – kein Mensch braucht das.

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Memories

Ein nicht ganz so einfacher, zäher Morgen erwartet mich. Nein, einen Kater habe ich nicht, wohl aber das Signal, dass dem Weinkonsum ein Glas weniger gut getan hätte. Zweifellos. Im Klinikum haben wir am frühen Nachmittag etwas zu erledigen und ich schaue den Schwestern und Pflegern zu, wie sie bei strahlendem Sonnenschein ihrem Feierabend entgegeneilen. Sie haben eine anstrengende Schicht hinter sich, während ich im Cabrio die Sonne genieße. Den Zustand der Munterkeit kann man im Alter nicht hoch genug achten. Dennoch werden Erinnerungen an die eigene aktive Zeit wach und ich träume von den Zeiten als ich nach Dienstschluss in die Tiefgarage schlenderte, das Dach öffnete und nach Hause cruiste. Das war auch nett, doch der nächste graue Morgen grinste mich dabei immer im Hintergrund an. Heute lacht mir nur die Sonne entgegen. Schön. Abends beende ich einen Krimi mit verworrener Handlung und kruden Intentionen des Täters oder bin ich nur unkonzentriert? Ich freue mich über den Regen, der uns das Gießen erspart. Es wird gar nicht so spät.

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Geburtstag in Coronazeiten

Ab sofort können meine Lebenslanggefährtin und ich wieder das gleiche Alter vermelden. Ein Grund zum Feiern – coronagerecht in kleiner Runde. Ich muss feststellen, dass es leichter ist eine große Gesellschaft zusammenzustellen als eine kleine zusammenzubeschränken. Das Weglassen fällt nicht leicht. Doch wenn man die winzige Truppe erst zusammen hat, kann man voller Gelassenheit die überschaubaren Vorbereitungen treffen. Alles hält sich im Rahmen. Und nach dem Startschuss kann es ganz schön lustig werden. Ich jedenfalls komme erst um drei Uhr ins Bett, obwohl die Gäste „schon“ kurz vor zwei ‚Adieu‘ sagen. Die Vorteile eines Pensionistendaseins werden wieder einmal greifbar. Doch ob auch künftig diese Ausdauer bereit stehen wird, zweifle ich im Gedenken an zahllose Kaffeerunden ältlicher Kreise ernsthaft an. Da kommt was auf uns zu. In zwei Jahren steht für uns die Zehnerhürde an. „Alles frisch“, vollzieht dann einen Wandel von einer flapsigen Bemerkung zum Herzenswunsch. So wird es sein!

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