Unangemessene Emotionen

So unbefriedigend es ist, dass so ein blödes Virus die Gemeindearbeit blockiert, so schön ist es wiederum beim Saugen: ich bin ruckzuck durch in einer rekordverdächtigen Geschwindigkeit. Bestimmte unveränderbare Rahmenbedingungen erfordern einen als brutal empfundenen Eingriff in mein Schlafbedürfnis. Es geht unangemessen früh los und so beseitige ich die unzulässigen Ablagerungen auf dem gemeindlichen Teppichboden im Halbschlaf. Cat Stevens liefert dazu ein wenig musikalische Motivation. Ein interessantes Gespräch mit unserem Pastor schließt sich an und leider kann ich mir viel zu lebhaft vorstellen wie bewegt die letzten Monate in der Gemeindeleitung waren. Es fällt sehr schwer sich nicht klammheimlich über den eigenen Status zu freuen und gleich darauf sich genau deswegen zu schämen. Gegen Abend hat Mr. Shorty wieder arge Parkprobleme – wir werden wohl noch einmal einen Experten konsultieren müssen. Ich sinniere über den anstehenden Herbst nach und spüre schon die Kälte, die in meinen alten Knochen emporsteigt. Brrrrrr.

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Mr. Shorty der Dreckspatz

Der August ist vorbei. Das Wetter spielt schon Herbst. Mr. Shorty hat sich wieder einmal eingedreckt, wird gesäubert und erhält neue Klingen. Das Rasenmähen im nassen Zustand tut ihm gar nicht gut. Ich hätte wohl etwas mehr in seinen größeren Bruder investieren sollen, mit Wetter- und Fernsteuerung – an der falschen Stelle gespart. Wieder einmal. Ich bekomme das einfach nicht hin: entweder investiere ich in letztlich „nutzlosen“ Kram oder – alternativ – kaufe eine Nummer zu klein, weil es billig ist. Alter schützt vor Torheit nicht, wie wahr. – Die Rentnercops am Abend sind ein wenig erheiternd und das eine oder andere YouTube-Video mehr oder weniger informativ. Gut ist allein die Luther-Biografie von Metaxas. Die ist stark!

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Großer Gott trifft ängstlichen Beamten

Endlich predigt der Pastor aus Bremen wieder! Es geht um die Grundlagen des Glaubens und was man daraus macht. Schön, ihn wieder einmal zu hören. Es gibt Hoffnung, dass es noch Pastoren gibt, die in Gott nicht nur ein „höheres Wesen“ – also etwas mächtiger als Menschen – sehen, sondern einen Gott, der absolut alles in seiner Hand hat. Ich kann das Gezeter um die Jungfrauengeburt, die Wunder, über die Auferstehung nicht mehr hören. Natürlich ist das aus menschlicher Sicht, den Naturgesetzen unterworfen, nicht möglich, keine Frage. Aber wieso sollte der, der die Naturgesetze konzipiert und etabliert hat, nicht jederzeit in sie eingreifen können? Mir ist völlig egal ob jemand glaubt, dass die Welt in sieben Tagen erschaffen wurde – entscheidend ist, ob man die völlige Gewissheit hat, dass Gott das gekonnt hätte, wenn er es denn gewollt hätte. Ist Gott so groß, dass das für ihn eine Kleinigkeit darstellt oder sehen wir ihn an Naturgesetzlichkeiten gebunden? Ich befürchte, viele Christen denken viel zu klein von Gott. Auch Pastoren. Und das ist sehr, sehr schade und begrenzt ungemein den Zugang und das Verständnis der Bibel. – Ansonsten planen wir unseren ersten Urlaub im Jahr, logischerweise im Inland und hoffen ihn auch absolvieren zu können. Lange Stornierungsfristen können wir uns in Corona-Zeiten nicht leisten. Das macht es nicht leichter. Die Zwischenstation Bremen ist wie immer hotelmäßig eine Katastrophe: schon im Normalfall schweineteuer, keine Parkplätze und je kürzer die Stornofrist, desto exponentieller der Preisaufschlag. Da bleibt nur die Spontanbuchung kurz vor der Abreise. Meiner Beamtenmentalität widerstreben solche Unwägbarkeiten. Wie furchtsam!

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Amerikanische Kultur und Quarkdenker

Ausschlafen tut überaus gut, vor allem für Nachteulen. Der Tag fängt gut an. Der Maulwurf lässt heute ausnahmsweise unseren Rasen in Ruhe und auch das ist fantastisch. Nachmittags schneide ich noch ein wenig an den Rasenkanten herum, schaue mal wieder der Beregnung beim Zischen zu (heute darf sie nach längerer Pause mal wieder ran) und hänge auf der unteren Terrasse meinen Gedanken nach. Die sogenannte „Stille Zeit“ führt mich in die Josefsgeschichte ein, Hellmuth Frey zeigt mir die gesamtbiblischen Zusammenhänge auf. Ich verfolge auch Martin Luther auf seinem Lebensweg und lese so nebenbei eine seiner Publikationen. Ich liebe die Vielfalt in Zeiten der Ruhe und natürlich des Gebets. – Abends dagegen liegt mein Schwerpunkt auf einer niedlichen jungen Deutschen, die in den Vereinigten Staaten lebt, genauer in Ohio, und in amerikanischer Sprache – erfreulicherweise ohne den dort üblichen Kaugummi-Slang – kulturelle Unterschiede verdeutlicht. Ich bin fasziniert wie sie zwischen beiden Sprachen hin- und herspringen kann und wie viel ich alter weißer Mann davon verstehe. Nun ja, sie ist Vegetarierin, so dass alle Bemerkungen im Bereich der Gourmets und Gourmands eine besonders kritische Betrachtung benötigen. Interessant sind sie trotzdem. Sie ist mit einem Ami befreundet, der perfekt deutsch spricht, obwohl er in Amerika aufgewachsen ist und nur relativ kurze Zeit in Deutschland lebte. Bewundernswert. – Über die ausgeprägten Egoisten, die sich heute in Berlin versammelt haben, die unbelehrbaren „Ich-Anbeter“ (Motto: „Wenn nur jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“), denen jegliche Rücksichtnahme zu viel ist, kann ich nur beschämt und sehr traurig mein Haupt senken. Andererseits ist die Aussage, dass der reichste (oder zweitreichste) Mann der Welt alle anderen zu Sklaven machen will sehr erheiternd. Was hat er denn davon? Er hat uns doch schon längst viel, viel intelligenter das Geld aus der Tasche gezogen. Mit Modellen aus dem vorletzten Jahrhundert ist kein Staat mehr zu machen, das flutscht inzwischen längst viel eleganter und effektiver. Selbst Putin und Erdogan – beide noch ‚Old School‘ haben inzwischen noch ganz andere Tricks auf Lager. „Der Unverstand ist die unbesiegbarste Macht auf Erden.“ (Anselm Feuerbach)

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Ladenlabyrinth

Wo ist die Grenze zwischen Anteilnahme und bloßem Interesse? Wann wandelt sich Empathie in Neugier? Oder noch schlimmer: geht es um geschwisterliche Fürbitte oder um Klatsch und Tratsch? Fragen, die Menschen in ähnlichen Situationen oft sehr unterschiedlich beantworten. Wann, in welcher Form und wie weit man sich anderen öffnet oder ihnen etwas anvertraut kann extrem unterschiedlich gehandhabt werden. Persönliche Empfindlichkeiten aber ebenso persönliche Erfahrungen dürften bei den individuellen Antworten eine wichtige Rolle spielen. Ich bin dabei ein wenig außen vor, meine Grenzen dessen, was mir peinlich ist, sind recht weit gesteckt, aber durchaus vorhanden. Empfindlich bin ich nur bei Lügen, bei unwahren Aussagen, Unterstellungen oder wilden Spekulationen – die mag ich allesamt nicht. Andere sehen das anders und ich muss lernen mich darauf einzustellen. Das ist nicht leicht, denn Fettnäpfchen (oder gar Näpfe) lauern überall. Möglicherweise bin ich deshalb ein lausiger Seelsorger. – Abgesehen von diesen ans Philosophische grenzenden Gedankengängen amüsiert mich heute mein reales Einkaufserlebnis, wo ich durch den Laden irre und Artikel suche, die nach irgend einem mir verschlossen bleibendem System in allen möglichen Regalen versteckt sind. Wunder des Einzelhandels! Da wird mir klar, weshalb ich das Online-Shopping so mag: Artikel im Suchfeld eingeben und schwuppdiwupp habe ich eine riesige Auswahl direkt vor Augen. Immerhin fällt im Einzelhandel, so man das Produkt denn findet, die Auswahl leichter. – Abends besuchen wir Freunde und es wir wieder einmal sehr schön. Sogar der eingeschränkte Alkoholkonsum als Fahrer bekommt mir sehr gut. Bemerkenswert!

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Gartendesaster, Demenz und Luther

Die süßen kleinen Mäuschen erweisen sich als wahre Eiferer im Bauwesen. Oder ist diesmal ein Maulwurf zugange? Wäre nicht ausgeschlossen, denn die Hügel sind runder und höher geworden. Letzterer steht sogar unter Naturschutz, er soll, heißt es, ein Nützling sein, weil er selten sein soll und schädliche Insekten vertilgt. Mir ist das egal, denn für uns ist er ein Schädling, der unseren neu angelegten Rasen systematisch zerstört. Aber ich will weder Mäuse noch Würfe töten, vertreiben reicht mir völlig aus. So ebnen wir die Hügel ein, setzen miese Duftnoten für empfindliche Näschen, reinigen Mr. Shorty, der es liebt über frische Erdhaufen zu fahren und hoffen und harren. – Heute schaue ich bei meiner Mum vorbei und bin wieder einmal geplättet wie desinteressiert sie an allem ist und wie gekonnt sie reale und illusionäre Welt miteinander vermischen kann. Ich fühle mich so hilflos. – Unsere Mittagspause verlagert sich krankheitsbedingt in den Nachmittag und so naht der Abend recht fix. Draußen ist es kalt und drinnen begleite ich zwei aus dem Ruhestand reaktivierte Kriminaler bei ihren kuriosen Fällen. Es ist mäßig lustig und dennoch kurzweilig. Ach ja, so zwischendurch lese ich die Luther-Biographie von Metaxas und fühle mich in die damalige Zeit mit hineingenommen. Klasse Lektüre!

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Geduld und Gelassenheit

Ich kann manchmal, ab und an, bei Gelegenheit, ein geduldiger Mensch sein. Heute aber tanzen zu viel Läuse auf meiner Leber herum. Zunächst haben die schon oft beschimpften Wühlmäuse ein Monument im Rasen aufgeworfen, eine Art Festungsbau. Wenig später entsteht gleich nebenan ein weiterer Hügel. Der ganze Mutterboden unter dem Rasen wird so oberirdisch aufgehäufelt. Mistbiester!!! Dann ist es auch noch extrem kalt draußen und ungemütlich. Als nächste Laus betritt eine ärztliche Konsultation meiner krankheits- und unfallerprobten Mitbewohnerin meine Leber, die meine Wartezeit von gewohnt zwanzig Minuten auf weit über eine Stunde ausreizt. Um das Maß nun voll zu machen, habe ich bei dieser Herumsitzerei iPhone, eBook-Reader und/oder iPad vergessen. Die Geduldsprobe bestehe ich äußerlich mit einem Bein über dem Vulkanausbruch und innerlich – nicht. Die Wiederherstellung einer gewissen innermenschlichen Gelassenheit braucht seine Zeit. Währenddessen sind die Wühlis auch nicht untätig. Den Abend gestalte ich mit einer exzellenten Bibelstunde aus Bremen. Im Anschluss lasse ich mich von der Audi Q4 e-tron Concept-Präsentation und den ersten Blicken auf den id-4 faszinieren. Alles wird gut. More or less.

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2020

Noch einmal blitzt die Sonne durch, doch sobald Wolken auftauchen sackt die Temperatur – gefühlt – deutlichst ab. Meine vielgeplagte Ehegefährtin müht sich auf zwei Gehhilfen, früher Krücken genannt, durch die Wohnung. Einen Arzttermin verschieben wir und den Nachmittagstermin will sie unbedingt einhalten. Wir sind mehr als dankbar, dass nicht mehr passiert ist, doch das „Wenige“ ist schon schmerzhaft genug. Doch so langsam humpelt sie sich ein und erobert sich einen gewissen Aktionsradius zurück. Dieses Jahr werden wir wohl so schnell nicht vergessen. Viermal hat es meine Allerliebste getroffen und einmal mich. Ob mir da noch etwas ins Haus steht? Ich hoffe nicht.

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