Fetenfolgen und Reisefrust

Das hatte ich ja fast vergessen: Eine vielstündige, nicht so ganz weinfreie Feier kann einen alten Kerl wie mich durchaus erschüttern – vor allem am Morgen danach. Nein, Kopfschmerzen und Übelkeit, kurz Kater genannt, habe ich nicht zu beklagen. Doch eine tiefe Müdigkeit und Behäbigkeit ist nicht abzustreiten. Mittelschwer erschöpft schlurfe ich durch den Vormittag. Zugegeben, ich übertreibe ein wenig aber eine deutliche Antriebslosigkeit muss ich schon konstatieren, vor allem in den Morgenstunden zwischen zehn und elf. So ein gereifter Körper ist eben leicht zu erschüttern. Ich hätte es wissen müssen. Die nicht unerfreuliche Überweisung des Finanzamtes hebt dagegen die Stimmung deutlich an. Da muss ich die Steuererklärung wohl ganz gut gemeistert haben. – Im E-Mail-Eingang häufen sich inzwischen etliche Reiseschnäppchen – doch auf eine drohende 14-tätige Quarantäne am Urlaubsort und/oder bei der Rückkehr habe ich keinen Bock. Im übrigen ist Urlaub mit Maske, also permanent in zweitausend Metern Höhe, wie mir meine Lunge kommuniziert, nicht mein Ding. Da bleibt mir wohl nur mein Heim, welches ja bekanntlich meine Burg ist. Er stand auf seines Hauses Zinnen …

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Sinnfreie Verbindungen und eine erquickende Gesellschaft

Gestern bestellt und heute geliefert – die nötigen Teile um im Salon Receiver und Blu-Ray-Player mit dem Internet zu verbinden. Keine Ahnung warum ich das mache, vielleicht nur weil es geht. Teuer ist es nicht, deutlich unter fünfzig Euro. Und es funktioniert sofort. Geht doch! Was es bringt? Nun ja, manche Fragen sollte man sich einfach nicht stellen. – Abends bestaunen wir den Abbruch eines Hauses samt der Vielfalt und Menge von Materialien, die sich dabei ansammeln. Zusammengebaut wirkte alles sehr kompakt aber jetzt in Einzelteilen entstehen gewaltige Berge von Bauschutt, verwertbarem und nichtverwertbarem Holz, Kunst- und Verbundstoffen. Stark. Danach feiern wir den ersten „richtigen“ Geburtstag nach der strengen Isolationszeit, natürlich im Freien, natürlich mit Abstand, der allerdings mitunter nicht mehr so ganz vorschriftsmäßig eingehalten wird. Aber bei nur einem Infizierten in der ganzen Stadt nährt sich die Hoffnung, dass dieser gerade nicht unter uns ist und er so viele unentdeckte Kumpels wohl auch nicht haben wird. Es tut gut sich dieser Gesellschaft auszusetzen und Gemeinschaft zu erfahren. Es wird sehr spät. Schön war’s.

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Mr. Shortys Grasbunker

Ganz langsam lerne ich die Grasverstecke im Innern von Mr. Shorty kennen. Es erschließen sich immer neue Lücken, Spalten und schmale Täler aus denen ich Grasbrocken herauspulen muss. Es ist mir völlig unverständlich wie man so viele „Verstecke“ in einem so kleinen Gerät schaffen kann. Dann lerne ich den Messerwechsel kennen und die unheimliche Kooperation zwischen Rasen und Maschine. Immer wenn die Messer keine Lust mehr haben, überreden sie die Grünfläche sich ganz in graue Farbtöne zu kleiden, damit der Mensch kommt und die Schnittwerkzeuge austauscht. Die Zusammenarbeit scheint prima zu funktionieren, eine Art Bio-Roboter-Symbiose 😉. Grasbefreit und neu bestückt läuft Mr. Shorty nun viel ruhiger. Gut zu wissen. Nun noch fix die Kanten schneiden und schon ist wieder alles okay. – Die Abendkühle verhindert eine weitere Belastung meiner Lungen mit altem Tabak, denn ich bleibe heute der Lounge fern. Drinnen ist wärmer als draußen. 😀😇! Es wird Herbst im Hochsommer. Seltsamer Klimawandel

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Sommerkühle

Ich bin ein großer Wasserverschwender! Da wässere ich am Vorabend die Hecke und in der Nacht fallen 15 Liter Regenwasser pro Quadratmeter vom Himmel. Tagsüber kommt noch eine ordentliche Portion hinzu. Die Temperaturen sind nach unten durchgestartet und es ist recht frisch draußen. Da bleibt man besser drinnen. Natürlich schaffe ich nicht das, was ich mir vorgenommen habe. Ich bin echt gut im Zeitvertrödeln. Nachmittags ziehe ich mich diskret in den Salon zurück um die flotte Plauderei zweier Damen im Wohnzimmer nicht zu stören. Nicht, dass mich jemand dazu aufgefordert hätte, keinesfalls, eher im Gegenteil, aber mitunter ist so ein Rückzug im Eigeninteresse einfach geboten. – Die Bastelei am Internetanschluss unseres Blu-Ray-Players endet unbefriedigend. Ja, die ganze Verbindung funktioniert einwandfrei nur die Möglichkeiten des Players im Internet sind mehr als mager. Es bleibt der Eindruck einer netten Spielerei ohne praktischen Nährwert. Immerhin habe ich etwas gelernt. Nun ja.

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Gottesdienst und Cabrio

Heute fahren wir, oben offen, zum Gottesdienst in unsere Gemeinde. Maskiert nehmen wir unsere Plätze ein und vermerken traurig die bescheidene Besucherzahl. Die Atmosphäre ist aber auch bedrückend mit den weiten Abständen, den eingeschränkten Gesprächen mit Mundschutz, der mir ein Höhenwanderungsfeeling verpasst. Singen darf man auch nicht. Die Predigt ist sehr gut und stimmt nachdenklich. Die Plauderei hinterher im Freien versöhnt ein klein wenig mit der distanzschaffenden Sitzanordnung. Ja, es muss sein, ist unabänderlich aber dennoch nicht schön. Schade. Eine nachmittägliche Cabriotour führt uns zum Prachtbau eines Patenkindes samt Freundin. Faszinierend viele hohe Räume auf zwei Vollstockwerken durchschreite ich voll Bewunderung. Hier kann man sich künftig so richtig austoben. Respekt! Und wieder folgt ein Abend in der Lounge nach dem bewährten Muster im Anschluss an eine Buschbewässerung. Ich komme den beiden letzten Castle-Staffeln sehr nahe. Heute wird es erst gegen Mitternacht frisch.

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Kühler Klimawandel

Ein neues Vorsatzgerät für unsere Akku-Gartenschere trifft ein und muss sofort erprobt werden. Es ist eine Heckenschere für Hobbits., klein und akkurat. Sie schneidet gut und bewährt sich sogar im Freischneiden. Interessante Perspektive. Gegen Abend erhalten unsere Blühsträucher eine ordentliche Portion Wasser. Die nächstjährige Wasserrechnung wird heftig. Sehr deftig, seufz. Der laue Sommerabend verführt zu einem ungesunden Tabakkonsum in Kombination mit ein wenig Rosé. Eine sommeruntypische Kühle zu fortgeschrittener Zeit beendet das Sommerfeeling. Der Klimawandel pausiert wohl oder spielt seine Hinterlist aus: wenn fast alle hierbleiben müssen nervt er mit Kühle. So ist er halt.

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Zwei Shops und ein reaktives Traumleben

Wir erkunden einen Laden mit portugiesischem Weinen und Olivenölen sowie Honig aus Deutschland. In einer freundlichen Atmosphäre, ansprechendem Ambiente und mit bester Beratung kaufen wir in dem „Hofladen“ – einem Geschäft auf einem Bauernhof – besagte Produkte ein. Draußen ist der Mittagstisch für die Großfamilie gedeckt und so entfaltet sich vor unseren Augen, untermalt von strahlendem Sonnenschein, eine bäuerliche Idylle wie aus dem Bilderbuch. Phantastisch. Die Wirkung der Aldi-Filiale, die wir danach aufsuchen, setzt einen deutlichen Gegenakzent für alle Sinne. Die Auswahl ist allerdings etwas vielseitiger 😀. Bei bestem Cabrio-Wetter geht es wieder heim. – Abends überrascht uns ein hochwillkommener Besuch und beschäftigt meine plauderfreudige Ehegenossin über Stunden. Es sei ihr von Herzen gegönnt. Ich retiriere in die Lounge, gönne mir ein Pfeifchen, gefüllt mit knochentrockenem Tabak, den ein Profi keines Blicks würdigen würde. Ich dagegen brauche ihn auf. Dabei begleitet mich meine Castle-Serie, die wenig später mein Traumleben beeinflussen wird. Ein beunruhigende Wechselwirkung.

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Alltagseinerlei

Wir erhalten eine aufbauende Nachricht aus dem Klinikum. Nichts zum Aufatmen wohl aber zum befreienden Durchatmen. Meine vielbewegte Mitbewohnerin ist natürlich auf Achse. Wenn ihr das guttut, ist das sehr okay. Ich dagegen ein reiselustiger und zugleich häuslicher Typ hüte die Hütte, da es zurzeit nichts zum Reisen gibt. Eine tiefschürfende Umfrage meiner Lieblingsfluggesellschaft beantworte ich so ausführlich, dass aktiven Datenschützern ihre Haare steil zu Berge stehen würden. Who cares? Dann ist auch noch ein Betriebssystems-Update auf Tablets und iPhons aufzuspielen und ein älteres iPad muss erst wieder strommäßig aktiviert werden. Nein, meine Aktivitäten sind nicht berauschend. Sie sind meinem derzeitigen Körpergewicht angemessen, meinem Zielgewicht dagegen äußerst abträglich. Mangels außerhäuslicher Aktivitäten ist mein Leben sehr viel beschaulicher geworden. Mag ich das? Eher nicht! Ich will fremdartige Baustile sehen, eigenartige Gerüche erschnüffeln, mich von ungewohnten Speisen überraschen lassen, reife Tomaten und Gurken vertilgen und beim Rauschen des Meeres meine Pfeife rauchen. Ein eifrig sausender Mr. Shorty und das Zischen der Bewässerung sind nur ein spärlicher Ersatz – und kalt ist es außerdem (für hier ist es warm für dort aber nicht). Die Klage musste mal raus. Jetzt geht es mir besser. Seufz!

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