Topografisches Geschlecht

Im Klinikum erläutert uns ein freundlicher Arzt alle Inkommoditäten, die in nächster Zeit auf uns lauern könnten. Irgendwie fügt sich das ins Coronajahr gut ein, in dem wir sowieso nichts anderes veranstalten dürfen. Wenn wir von einer Infektion verschont bleiben, sollten wir nicht allzu böse sein, denn es hätte für uns persönlich viel schlimmer kommen können. Gott hat unsere Malaisen perfekt in die Krise integriert. Das macht sie nicht leichter aber psychisch ein wenig erträglicher. – Mit dem oben offenen Cabrio wollen wir noch ein kleines Geschenk zustellen und suchen eine Hausnummer. Selbige ist so perfekt versteckt, dass wir den Postzusteller intensiv befragen müssen, ehe sich uns der Weg erschließt. Das Navi erweist sich als völlig ahnungslos. – Dem restlichen Sommertag erweisen wir unseren Respekt in der Lounge bis spät in die Nacht. Ein Pfeifchen und ein wenig Rosé versüßen den Aufenthalt. Auf so einen Tagesausklang fahre ich voll ab. Ich bin einfach zu hoch im Norden geboren. Neben dem biologischen Geschlecht wird heute viel über das soziale Geschlecht diskutiert, jedoch was ist mit dem topografischen? Eine unverzeihliche Vernachlässigung 👎😎😉!

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Feierabend

Ich spalte was das Zeug hält. Monsterstücke zerbricht das Gerät in handliche Scheite – leider in mehreren Anläufen. Doch die erste Spalteretappe nähert sich ihrem Ende. Gut so. Der Platz im Regal wird knapp und so schaffen wir erweiterte Lagerkapazitäten. Das laugt mich aus. Wenig Arbeit wächst sich zu exponentieller Erschöpfung aus. Schockierend! Altwerden hat seine Vorteile im Pensionistenstatus und ansonsten mancherlei eher kritisch zu würdigende Mitbringsel. Doch unabhängig davon können wir die Sicht auf unseren wunderschönen Rasen und eine Blühhecke im Anfangsstadium genießen, sehen Mr. Shorty im Unterstand und lassen es zischen: den Gänsewein im Grün und das Weizenprodukt im Gartenstuhl. So schön kann die Abendruhe sein! Da verschwinden die Unterschiede zwischen sozialversicherungseinzahlender und -empfangender Bevölkerung. S’ist Feierabend.

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Zieleinlauf

Der Holzspalter schwächelt. Lieber erledige ich Arbeiten am Mac als schon wieder Baumreste zu zerstückeln. So kommt eins zum andern und der Tag nähert sich – gefühlt kurz nach der Mittagspause – wieder dem Abend zu. Endlich erreicht der Serienmarathon sein herbeigesehntes Ziel. Die letzte Folge spiegelt einerseits die Hoffnung auf eine neunte Staffel wieder und wird andererseits durch einen völlig zusammenhanglosen Nachspann einem gekünstelten Happy End zugeführt. Immerhin ein happiges Ende. Ist schon mal was. Als ich dann hinterher noch erfahre, dass die Hauptdarstellerin eigentlich dadurch abserviert werden sollte, freut es mich doch, dass die Serie beendet wurde. Was schreibe ich bloß für einen Schwachsinn! Ein kommerzielles Produkt wurde gecancelt, weil es sich nicht mehr rechnete. Punkt. Das habe ich nun davon mich in die Illusionswelten des Kommerzes zu versenken. Geschieht mir recht! Ob ich daraus lerne? Zweifel sind angebracht.

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Holz, Weißbier, Luther und ein Ziel vor Augen

Der nächste Holzhackertag zeitigt ein akzeptables Ergebnis. Die Reihe des spaltbaren Materials wird kürzer. Die mächtigen Stammsegmente zerlegen sich, leider nicht von selbst, in mehr oder weniger handliche Kaminscheite. Das Regal füllt sich. Von geringer körperlicher Arbeit schwer geschafft, sinke ich in meine – diesmal durchaus nicht unverdiente – Mittagsruhe. Am Nachmittag kommt lieber Besuch und inspiziert unsere neue Gartensicht. Nach dem notwendigen Randschnitt des Rasens schauen wir Mr. Shorty beim Kürzen zu, gönnen uns ein alkoholfreies Weizenbier und erfreuen uns am Zischen der Bewässerung. Da ich den Wasserverbrauch noch nicht kontrolliert habe, ist die Freude ungeteilt. In meiner Rückzugszeit in die persönliche Stille frische ich meine Kenntnisse über Samuel und Eli samt Söhne auf, lasse mich von Hellmuth Frey in das Seelenleben des Jakobs hineinführen und von Paul Volz über die staatlichen Beziehungen des historischen Israels informieren. Martin Luther erläutert mir seine Ansichten über das Recht oder Unrecht einen Krieg zu führen, was mich über den Realismus und die Tiefe seiner Gedanken staunen lässt – im Gegensatz zu den heute überall irrlichternden Phantastereien zu diesem Thema. – Natürlich setze ich meinen Serienmarathon fort – ganz langsam erscheint das Ziel am Horizont. Wird auch Zeit.

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Marathon

Das ist heute fast so ein Mit-Sich-Nichts-Anfangen-Könnender-Frührentner-Tag. Nun ja, das beschreibt wohl am besten meinen sehr intensiven Zwischensprint beim Serienmarathon. Am Vormittag schon streamen nur weil es so spannend ist – das geht ja gar nicht. Hoffentlich wiederholt sich das nicht so oft. Selbst am Nachmittag geht es dezent weiter. Nee, das finde ich eigentlich doof. Immerhin bringt mich dieser Intensivtag endlich in die letzte Staffel hinein, die ich bisher immer nur mit 15 Folgen in Erinnerung hatte. Jetzt sind es 22. Irgendwie hat es schon seine Berechtigung, dass ich Pensionist bin – ich scheine nicht mehr alles in seiner Gänze zu überblicken. Ich beschließe meinen Intensiv-Ruheständlertag natürlich mit weiteren Marathonsehsprints. Armer Rolf.

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Liebe üben

Die Wetterfrösche behalten recht, es regnet. Das Bewässern gestern hätten wir uns sparen können. Ich verzeichne neun Liter pro Quadratmeter, das ist schon ganz ordentlich. – Der Gottesdienst aus Bremen dreht sich um die Ermahnungen im Hebräerbrief zu Gastfreundschaft samt Fremdenfreundlichkeit, zu Treue in der Ehe, zu Freigebigkeit und zum Vertrauen auf Gott. Das ist sehr anschaulich. Nachmittags cruisen wir nach Salzgitter zu einem Gottesdienst des evangelischen Gebetsvereins. Der früher übliche, wie soll ich es nur ausdrücken, „herzinnige“ trifft es vielleicht, Predigtstil ist inzwischen einer auch für Außenstehende leichter verständlichen Form gewichen. Auch hier geht es um den vormittäglichen Bibeltext. Es berührt mich sehr über Gastfreundschaft, Fremdenfreundlichkeit und Bruderliebe (heute würden wir eher Geschwisterliebe sagen) zu hören. Wohlgemerkt es geht dabei um Glaubensgeschwister, ohne die Liebe zu Verwandten zu schmälern, natürlich. – Die Rückreise auf der Landstraße, durch duftende Wälder, malerische Dörfer und reife Felder über enge, geschwungene Sträßchen gestaltet sich extrem eindrucksvoll. Abends lassen wir uns nach Ägypten entführen in einem imposanten Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der kuriose Tatort aus Weimar mit einem kräftigen Drall zu britisch-schwarzem Humor lässt mich mit einem starken Lächeln zurück. Netter Sonntag.

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Stolzer Baum – kurzer Scheit

Die Holzhacker Buam gehen wieder ihrem spalterischen Job nach. Glücklicherweise kann die Axt im Keller bleiben während ihr elektrisch-hydraulischer Kumpel die kräftezehrende Aufgabe perfekt meistert. So werden selbst dicke, fette Stubben in handliches Kaminholz zerlegt. Wo rohe Kräfte sinnvoll walten, werden runde Klötze fix gespalten … oder so ähnlich 😀. Trotz sitzender Tätigkeit bin ich danach voll geschafft. Horror. – Nachmittags wird Mr. Shorty gereinigt und die Programmierung verfeinert. Seine neuen Messer verwandeln das Rasengrau nach und nach in ein sattes Grün. Scharfe Schnitte werden sozusagen sichtbar. Am Feierabend zieht er sich brav in sein neues Haus zurück und freut sich auf seinen freien Sonntag. Wenn er alles auf Reihe haben wird, werde ich ihm wohl ein freies Wochenende gönnen. Warten wir mal ab. Vor der Nacht wässern wir noch einmal kurz unsere Blühhecke. Ob es morgen regnet? Der Wetterbericht behauptet es. Ich zweifle.

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Einerlei

Es gibt so Tage da passiert nichts von Interesse. Selbst bewegende Gedanken bleiben fern und machen einen großen Bogen um mich. Ich schaue aufs Konto, überweise ein wenig, lese den Newsletter der NZZ, telefoniere ein bisschen mit einem fernen Verwandten, der eine neue Freundin gefunden hat. Schön für ihn. Ich streame mich im Schnelldurchgang durch eine Castle-Folge, die mangels realistischer Ideen der Drehbuchautoren über eine Parallelwelt fabuliert. Ätzend. Wenig später folgt eine weitere, die in einer Western-Stadt als kombinierten Spontan-Hochzeits-Dienstreiseort spielt. Immerhin sieht die Detektivin echt stark aus in ihrem schwarzen Western-Outfit – jedoch, das heitert mich nur ein wenig auf angesichts der drögen Handlung und macht „den Kohl aber auch nicht fett“. Das schafft erst die nächste Ausgabe, die echt spannend und kurzweilig ist. Immerhin. Der Serienmarathon zieht sich. Aber ich will da durch! Habe ich sechseinhalb Staffeln geschafft, stehe ich die restlichen anderthalb auch noch durch. Augen auf „on“, Langzeitgedächtnis auf „off“, Ohren auf „Durchzug“ – und los!

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