Italien, Armenien und ein bisschen Unvernunft

Die Holzofen-Pizzeria im Fuchsweg ist immer eine starke Empfehlung wert. Exzellentes Essen, superfreundliche Servicekräfte und ein gemütliches Miteinander zeichnen diesen Ort italienischer Gastlichkeit aus – und da die Inhaber aus Armenien stammen, gibt es auch kein Coperto 😉😀. Es wird so ein wunderschöner Abend mit guten Freunden. Ich bewundere die Geschicklichkeit und Präzision mit der unser Freund das winzige Badezimmer seiner Schwiegermutter fliest. Stark aber aufwändig ohne Ende – ich könnte und wollte das nicht auf mich nehmen. Bewundernswert. Der Tag zeichnet sich ansonsten durch hochwillkommenen Regen aus, insgesamt fallen, wie ich meinem Regenmesser entnehme, 11 Liter pro qm sanft hernieder. Das tut dem Boden, dem Rasen und der jungen Blühhecke sehr gut. – Mein Tag endet spät nachts, ganz spät nachts, besser sehr früh am neuen Tag. Ob ich die Doppelserienfolge hätte auslassen sollen? Je oller, je doller. Seufz!

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Allzu menschlich

Noch vor dem Frühstück begrüßt mich eine erfreuliche Mitteilung meiner Krankenversicherung. Ein starker Tagesstart! – Der Tagestext von Spurgeon passt so perfekt zu unserer Zeit, dass man meinen könnte er hätte ihn gestern für heute geschrieben. So etwas bewegt mich sehr. Doch es zeigt nur, dass wir Menschen uns, wenn überhaupt, nur unwesentlich verändern. Im Äußeren sind wir äußerst aktiv im Wechseln. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Mode, der Zeitgeist, die Sprache, ja sogar mit dem Brustton tiefster Überzeugung deklamierte ethische Leitlinien sind dem Wandel unterworfen. Doch innendrin, in dem was einen Menschen ausmacht, was ihn antreibt, erschreckt, aufwühlt … tut sich sehr, sehr wenig. Die Personen im Alten Testament der Bibel verhalten sich – wenn man vom äußeren Tand absieht – kaum anders als die heute agierenden Politiker, Militärs, Diktatoren oder Machthaber aller Art. Die Ratschläge im Neuen Testament zum Verhalten der Christen können fast komplett 1:1 übernommen werden obwohl sie über zweitausend Jahre alt sind. Das gilt auch für die Argumente der Schlauköpfe, die das Evangelium an die modernen Zeiten anpassen oder total verleugnen wollen. Nichts Neues unter der Sonne. Wir realisieren die kompliziertesten technischen Innovationen, schaffen es aber nicht uns selbst wesentlich zu verändern. Krass. So verpasse ich fast meine Abendandacht, weil ich, begleitet von einem alkoholfreien Weizenbier, Mr. Shorty beim Mähen und der Bewässerung beim Sprühen zusehe. Typisch!

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Shopping

Meistens bin ich bei Einkaufstouren nicht so erwünscht. Ob es an meiner Ungeduld liegt, die ich zwar zu bändigen versuche aber vielleicht nicht erfolgreich genug oder an meinen Atemproblemen nach einer gewissen Zeit in der Kaufhausluft? Mag beides sein. Heute aber bin ich mal wieder dabei. Maskenatmung ist angesagt, eine – gefühlte – Versetzung in knapp 2.000 Meter Höhe. Man geht auf Distanz. Mineralwasser ist Mangelware, wenigstens das begehrte „Medium“-Format. Die Verkäuferinnen dürfen maskenlos herumlaufen jedoch die Kassen haben eine Plastikvollschutz. Faszinierend. – Nachmittags wird Mr. Shorty mit neuen Bürsten gründlich gereinigt, die Programmierung angepasst und mit der Hoffnung auf künftige immer noch gute Mähergebnisse in den Feierabend geschickt. – Im TV versuche ich einer Komödie zu folgen doch das allzubekannte Baumuster langweilt mich bald. Also auf zu Castle, dort ist zwar das Gerüst ebenfalls immer gleich aber die Inhalte gestalten sich überraschend kreativ. Nicht immer brillant aber selten gleich. – Die Nachtandacht vom guten alten Spurgeon ist erstaunlich aktuell. Mir fällt dazu ein Wort aus dem biblischen Buch ‚Prediger‘ ein: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne.“ Da ist was dran.

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Rubinhochzeit

Nun liegen schon vierzig Jahre Ehe hinter uns. Die Zeit verging schnell. Eine Ehe ist nie ein Selbstläufer, auch unsere nicht. Deshalb können wir nur Gott danken, dass sie so lange gehalten hat. Für mich kann ich sagen, dass es gewiss nicht an meiner Geduld. meinem Verstand oder meinem Einfühlungsvermögen gelegen hat – die standen uns eher im Weg. Ich fühle mich getragen und bewahrt und sehe viel seltsame Dummheit auf meiner Seite, die ich aus heutiger Sicht nicht verstehen kann. Wie konnte meine Frau es mit mir so lange aushalten? Ich staune. Es war Gottes Hand, die uns beide hielt und immer noch hält. Ohne jeden Zweifel! Und wieder sind die Umstände so, dass nur wir zwei feiern können und so gehen wir in den Lindenhof in Nordsteimke essen. Sehr gut und sehr empfehlenswert mit einer ausgesprochen freundlichen Bedienung. Das Lindenhof-Pfännchen entpuppt sich als kräftige Pfanne, wohlgefüllt mit einer wohlschmeckenden Mischung aus drei Fleischsorten, Gemüse und Majoran-Bratkartoffeln. Das Gemüse ist bissfest wie ich es eigentlich nicht mag aber der Koch hier beweist, dass ‚bissfest‘ und ‚gar‘ keine Gegensätze sein müssen. Vortrefflich!

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Ruhetag

Endlich ist der notwendige Ausflug meiner arg geplagten und stark vermissten Hausmiteigentümerin beendet. Ich hole sie am Klieversberg ab und wir fahren stracks heimwärts. Der restliche Tag gestaltet sich arg ruhig und entspannend. Das muss auch mal sein. Altersgemäß und coronagerecht, sozusagen.

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Geburtstag

Noch vor dem Aufstehen meldet sich das Telefon. Frühaufstehergratulanten passen so gar nicht in meine Geburtstagswelt. Meine Ignoranz ist morgens einfach zu mächtig. Ausschlafen, in aller Ruhe aufstehen, duschen, ein wenig Alt-Herren-Kosmetik und im Anschluss ein gemütliches Frühstück – das ist ein passabler Tagesbeginn. Danach bin ich psychisch und physisch bereit Gespräche zu führen. Alles zu seiner Zeit! Am Vormittag schweigen die kommunikativen Elemente kaum still. Dennoch gelingt es mir für die stille Zeit eine paar ruhige Minuten zu erwischen. Das Klinikum versagt mir dagegen ein Geschenk und behält meinen eigentlich unentbehrlichen Lieblingsgast noch einen Tag länger. Das ist nicht nett. Immerhin können wir in der Besuchszeit ein kurzes Feiermiteinander arrangieren. Doch eine rechte Geburtstagsfreude kommt in den dortigen Räumlichkeiten nicht so recht auf. Übrigens probiere ich eine funkelnagelneue Online-Besuchervoranmeldung im Klinikum aus. Sie funktioniert zwar irgendwie, doch eine Beschleunigung beim Einlass ist nicht feststellbar. Den Vergleich mit dem Boarding-Checkin am Airport verkneife ich mir aus Pietätsgründen. – Abends verhindern zwei Freunde eine Feier mit mir allein. Das tut gut! Nun ja: 68 Jahre – so alt wird kein Schwein. Zweifellos.

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Bürokraten nerven

Wie gut, dass ich Pensionist bin. Heute treffe ich wieder auf ein nerviges beamtenmäßiges Gewäsch, diesmal im Klinikum. Bis 17:30 Uhr darf man besuchsweise bleiben und so trage ich 17:30 ein. Eine Klugschwätzerin an der Information belehrt mich, dass ich um diese Zeit bereits das Klinikum verlassen haben muss und bekrittelt die Zeitangabe. Okay, sie war keine Beamtin, hatte sich aber das Gemeinmanchen mit dem Bürokraten-Gen verinnerlicht. Schon in meiner aktiven Zeit konnte mich sowas auf die Palme bringen. Pingeligkeit gepaart mit der sprichwörtlichen Oberlehrermentalität ist klimaschädlich. Gott sei Dank bleibe ich ruhig und so darf ich, nachdem sie ihre Belehrungsgelüste ausgelebt hat, endlich rein. Warum sind wir Menschen so? Im Anschluss besuche ich meine Mutter und das tut uns beiden gut. – Draußen übernimmt der Himmel das Gießen und verteilt die Feuchtigkeit schön die Nacht über. So soll es sein. Mein TV-Konsum gestaltet sich wieder arg einseitig. Immerhin lese ich zwischendurch noch ein mittelgutes niveaueduziertes Buch. Betroffen macht mich der Rücktritt unseres gerade neu gewählten Vorsitzenden. Sehr schade!

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Sensibelchen

Der Tag entgleitet mir ein wenig. Die Stunden rasen vorbei, ich fange etwas an und – zack – sind ein oder gar zwei Stunden dahin ohne ein sichtbares Ergebnis. Ich vergesse meine Blutdrucksenker zu nehmen und wundere mich über die innere Unruhe, den schnellen Puls und die noch geringere Belastungsfähigkeit. Sollte ich mal gezwungen sein ohne die beste Ehefrau von allen allein zu Hause zu agieren, würde es mich hart ankommen. Versorgen könnte ich mich schon, kein Problem, aber die vielen Kleinigkeiten, die man sich merken muss von besagten Pillen bis zu Müllabfuhrterminen überlasten meine Festplatte. Jedoch mein Übergewicht samt hohem Blutdruck werden ein Alters-Single-Dasein wohl verhindern. Aber tröstet mich das? – Heute mache ich einen Ausflug ins Klinikum. Während andere Besucher die nötigen Zettel noch ausfüllen, habe ich meinen dabei. Download gewährt Vorrang. Gut zu wissen. – Am Abend stimmt mich ein Vortrag über Wirtschafts- und Geldsozialismus sehr nachdenklich. Einerseits stimme ich vielen Aussagen zu, andererseits ist manches arg schwarz-weiß gemalt. Eigeninteresse ick hör‘ dir trapsen! Ansonsten leide ich mit meinen Serienhelden mit, meine Emotionen gehen hoch, mein Blutdruck steigt (nicht zuletzt wegen der wieder vergessenen Tabletten) und ich stelle erneut fest: ich bin zu sensibel für Kino und TV und lebe höchstpersönlich mitten in der Handlung. Krasse Missachtung des Abstandsgebots!

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