Serienmarathon

Heute geht es noch vor dem Frühtau los. Ab ins Auto und ich transferiere meine große Liebe zu einer unausweichlichen Behandlung. Wie gut, dass wir einen Gott haben, der uns bis zum Ziel durchträgt. Das klingt jetzt schlimmer als es ist aber diese Erfahrung bewährt sich eben nicht nur in dem was die Welt bewegt, sondern ebenso in winzigen Kleinigkeiten und allem was dazwischen liegt. – Das frühe Aufstehen prägt meinen Tag, ich werde nicht so recht munter. Glücklicherweise rufen unsere neuen Pflanzen nach Wasser und so komme ich wenigstens eine Stunde an die wohltuende Außenluft. Nach den unausweichlichen Tagesgeschäften starte ich einen Serienmarathon. Es ist erstaunlich, was man sich selbst alles antun kann, wenn man sich lässt. Eine Folge nach der anderen durchquert mein Hirn und löst gleich darauf einen Löschprozess aus, der sie fast vollständig wieder tilgt. Dass dem keine traumlose Nacht folgt, ist mehr als logisch, doch ein frühes Aufstehen in Kombination mit einem späten Zubettgehen bringt in den meisten Fällen guten Schlaf hervor. So auch jetzt.

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Den frühen Vogel tritt der Wurm

Der Frühtau schlägt mir wieder einmal ins Gesicht als ich eine mir sehr vertraute Person zum Test in das Klinikum begleite. Wenn ich weiß, dass ich den Frühtau küssen muss, schlafe ich immer schlecht, döse vor mich hin und entweiche erst kurz vorm Weckerlied ins Land der Träume. Das Aufwachen ist dann doppelt hart. Aber was soll’s, manchmal muss das sein. Im Café – sozusagen mein Warteraum – wähle ich einen Pott Kaffee, vergesse natürlich die Milch. Frühmorgendlicher Tunnelblick. Ein Berliner mit Pflaumenmus gefüllt lacht mich an und ich falle auf ihn herein. Okay, er schmeckt lecker, nur dass er in Fett gebacken ist habe ich verdrängt – mein Magen jedoch nicht. Die Last des Alters 😉! Übrigens fällt der Test negativ aus und das ist positiv. Wieder daheim begleiche ich die Monsterrechnung und unser Konto schaut mich ganz traurig an. So ist das Leben: Geld kommt, Geld geht und nur wenn es bleibt kann es Schaden anrichten. Mit dieser Philosophie wird man kaum Millionär hat aber die Chance auf mehr Zufriedenheit. Das finde ich gut.

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Klageruf

Mit einer tiefschürfenden Predigt über die Ehebrecherin, also die Sache mit „wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein“, beginnt der Sonntag. Ja, ich erkenne mich in allen handelnden Personen wieder und erinnere mich dankbar an manche Ermutigung durch Jesus. Dann hören wir die Predigt unserer Gemeinde – am Abend im Gottesdienst obliegt mir die Einleitung und ich erwarte eine Wiederholung. Dem ist jedoch nur teilweise so. Die Live-Verkündigung ist persönlicher, Mut machender und herausfordernder als ihr Pendant bei YouTube. Live ist eben live. Doch der äußere Rahmen im Gottesdienst drückt meine Stimmung. Covid-19 ist doof. Riesenabstände voneinander, maskierte kurze Kommunikation, kein gemeinsamer Gesang sogar das Treffen nach dem Gottesdienst findet draußen statt. Ich habe mich da schnell verdrückt, denn das hat mich alles bedrückt. Ich bin meiner Gemeinde dankbar, dass sie alle Schutzmaßnahmen einhält (alles andere wäre unverantwortlich) aber die Atmosphäre des Gottesdienstes hat sich dadurch vom familiären zum steifen kirchlichen Rahmen gewandelt. Und der ist nicht meiner. Mistvirus!!! Ein erfrischender Tatort am Abend muntert mich ein wenig auf – leider steht eine bescheuerte Woche vor der Tür. Gute Tage hatten wir sehr viele. Was kommt jetzt? Keine Ahnung – aber Gott ist bei uns. Gut zu wissen.

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Relaxen im Leerlauf

So, genug der Aufregung über den Pastor aus Bremen – wobei es eher ein Aufreger über die einseitigen Medienberichte war – in tiefer Trauer über den Tod der gründlichen Recherche. Wir beten jetzt lieber für den Pastor, das ist hilfreicher als jedes Lamentieren. – Die Rechnung unserer Gartenbaufirma lässt mich tief durchatmen, doch was soll’s. Sie ist angemessen angesichts der geleisteten Arbeit und so schlucken wir die bittere Pille und plündern dafür unsere Konten. Die anschauliche Verwandlung von Papier in Landschaft, sozusagen. Seufz. Abends wird gewässert und Mr. Shorty von nassen Rasenresten befreit, damit er sauber ins Wochenende gehen kann. Ich entspanne danach einige Zeit durch ein gedankenloses Beobachten zunächst der kurzen Restarbeiten von Mr. Shorty und anschließend dem Wandern der Bewässerungsstrahlen über den Rasen, begleitet von einem leisen Zischen. Das entspannt fast so gut wie ein Mittagsschlaf. Nicht übel.

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Volksverhetzung

Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Bremer Pastor wegen Volksverhetzung erhoben. Wenn das stimmen würde, was die Medien unisono berichten, wäre das verständlich. Nun aber kennen wir die Ansichten des Pastors durch zahlreiche Predigten recht gut, wissen, dass er zwar die Sünde brandmarkt aber immer betont, dass Gott die Sünder liebt und das von uns ebenfalls erwartet. Er mag sich im Ton ziemlich daneben benommen und ereifert haben – das kann ich leider nicht mehr prüfen – aber in der Sache liegt die Anklage völlig daneben. Bezeichnend ist, dass die Medien ausführlich Zitatbruchstücke (natürlich außerhalb jeglichen Zusammenhangs) verbreiten und die Untaten und Provokationen seiner „Kontrahenten“ nur beschwichtigend erwähnen. Sorry aber wenn das eigene Auto mehrfach zerkratzt wird, die Kirche immer wieder Sprayattacken mit rüden Sprüchen zum Opfer fällt und Gottesdienste gestört sowie Gottesdienstbesucher böswillig belästigt werden – dann kann einem schon mal „der Gaul durchgehen“. Und dann ist das gleich Volksverhetzung? Seltsam. Immerhin ist es für mich ein weiteres Lehrstück über die Berichterstattung der Medien, das sich nur erschließt, wenn man ausnahmsweise mal ein paar Hintergründe kennt was ja meistens nicht der Fall ist. Eins ist sicher: objektiv berichten die Medien nicht – aber ist ja nicht Neues. Gründliche Recherche ist out. Schade eigentlich.

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Haus und Garten

Zurück zu den bodenständigeren Herausforderungen. Die neue Grasschere für die Halme, die Mr. Shorty links liegen lässt, ist eingetroffen. Mit ihr muss ich mich wohl mal in den nächsten Tagen auf den Weg machen und eine Randkürzung der kritischen Stellen vollziehen. Nobody is perfect, auch Mr. Shorty nicht. Die etwas schwungvolle Anlage der Kanten treibt ihn an seine Grenzen. Da müssen wir durch. Doch am Anfang steht die Akkufüllung der Schere. In der Praxis muss ich es vermeiden den Leitdraht, also die Orientierungshilfe, von Mr. Shorty zu kappen. Sonst bleibt er stehen und tritt in Streik, was der Rasen mit unkontrolliertem Wachstum beantworten würde. Also Vorsicht! – Am späten Nachmittag kommen Freunde spontan vorbei – welch eine tolle Überraschung! Wir besichtigen den Garten, plaudern über dies und das und genießen das Miteinander in diesen Distanzzeiten. Das tut gut. – Am fortgeschrittenen Abend tritt wieder meine Serienliebhaberei in den Vordergrund und ich ziehe mir etliche Folgen des guten alten Castle rein. Für meine Verhältnisse wird es gar nicht mal so spät. Für meine Verhältnisse.

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Viraler Schaden, Wetterurtrieb und ein Predigtverbot

Endlich nehme ich mir wieder Zeit zu einem Besuch bei meiner Mum. Ich komme an, zwänge mich in die Schutzhülle und erfahre die freudige Botschaft, dass die Hülle ab sofort entbehrlich sei. Ruckzuck ist sie abgestreift. Mutti ist gut drauf, wir erzählen das Übliche und bedauern beide, dass die von ihr so geliebten Restauranteinladungen durch das Virus entfallen müssen. Das ist wirklich schade. – Heute regnet es relativ ordentlich, 12 mm am Tag und 2 in der Nacht. Ich merke auf einmal wie so ein Regenmesser ganz schön viel Aufmerksamkeit erheischen kann. Irgendwie muss die Wettererkundung, vor allem männliche Wesen sehr interessieren. Natürlich nicht nur männliche Wesen. Endlich verstehe ich die nach jedem größeren Regenguss scheinbar unvermeidlichen Bemerkungen über die persönlich registrierte Menge herabfallenden Wassers. Ein Urtrieb der Jäger und Landleute macht sich da bemerkbar. – Am Abend erreicht mich die Botschaft eines Predigtverbotes unseres Bremer Pastors durch seine Landeskirche. Das ist ein Hammer! Leider ist im Internet nichts Näheres darüber zu erfahren. Ich bin gespannt auf die Begründung. Er hatte wohl zu viel Zuhörer und das ist den Landeskirchen sowieso suspekt – siehe Theo Lehmann, Wilhelm Busch und anderen. Außerdem stehen in der Bibel mancherlei gefährliche Sachen, die manche ‚ungehorsame‘ Pastoren und viele Laien einfach wörtlich verstehen statt ihre Interpretation den Synoden zu überlassen. Schon Martin Luther hatte damit seine Probleme. Es gibt nicht Neues in der Welt. Isso.

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Gottesbild

So ganz nebenbei habe ich mich ein wenig über die „moderne“ angeblich immer noch pietistische Theologie informiert und entdecke etliche Elemente der alten Gnosis wieder, sehe ein nach menschlichem Gusto entwickeltes Gottesbild und mir entfaltet sich (endlich) die ganze Diskussion der letzten Jahrzehnte im Zusammenhang. Erst wird die Bibel als Menschenwort charakterisiert (was nicht völlig falsch ist, denn Gott hat sein Wort nicht diktiert, sondern uns irrenden Menschen anvertraut). Doch je mehr der Akzent auf „Menschen“wort verlagert wird, desto leichter fällt es eigene Gedanken einzuschmuggeln, es umzudeuten oder an die heutige Zeit anzupassen. Dazu dient der im Grunde genommen gute Ansatz das Wort aus der Kirche heraus direkt zu den Menschen zu bringen. Leider widerfährt ihm dabei eine Anpassung an zeitgeistige Strömungen. Dann wird die Jungfrauengeburt angezweifelt, die aber unverzichtbar für die Abstammung als „Gottessohn“ ist. So wird der Weg frei für Zweifel am Opfergedanken („für meine Sünden muss keiner sterben“) und damit ist die Rechtfertigung des Sünders eigentlich überflüssig und schließlich öffnet sich das Tor für die Allversöhnung („wir kommen alle, alle in den Himmel“). Der Mensch hat sich einen handzahmen Gott nach menschlichem Geschmack gebaut. Alles ist gut!? Nein, denn wenn Gott etwas völlig ablehnt, dann ist es Götzendienst, also dass wir an seine Stelle einen Götzen (unsere Vorstellung eines Gottes) setzen. Sorry, aber das funktioniert nicht, so wortreich und kunstvoll dieses Bild auch gestaltet sein mag. Für mich jedenfalls steht fest: Bleibt mir vom Acker mit eurem Friede-Freude-Eierkuchen-Götzen! Um es mit Josua zu sagen: „Ich aber und mein Haus wollen dem HERRN dienen“, dem Gott, der „ist wie er sein wird“, Jahwe. So sei es.

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