Perspektiven

Trotzig verharre ich im Bett und lasse die Arbeiter ihren Job machen. Gut, draußen erhebt sich eine imposante Lärmkulisse, der mein Schlafbedürfnis ein harsches „Trotzdem“ entgegensetzt. Immerhin halte ich bis gegen acht aus. Die arbeitende Bevölkerung lässt sich davon nicht stören 😉😇 und vollbringt Großes auf unserer ehemaligen Lichtung. Mit elegantem Schwung schmiegt sich die neue Rasenkante an das Blühheckenbeet, umschmeichelt den Nadelbaumrestbestand und verbreitet eine Ahnung des angestrebten Gesamtbildes. Es geht flott voran bis die Mannschaft am späten Mittag ins Wochenende retiriert. Uns bleibt die neue Bewässerungsaufgabe, bei der uns der hoch willkommene Regen kräftig unterstützt. Merci vielmals. In meiner privaten Bibelarbeit habe ich endlich drei Kapitel aus dem Josua-Buch hinter mich gebracht, die von Mord- und Totschlag, von Verstockung aber auch von heilsamem Betrug und listiger Täuschung berichten. Es gibt so Stellen im Alten Testament da fehlt mir der kriegerische Zug im Charakter um sie richtig würdigen zu können (vornehm ausgedrückt). Ich bin überzeugt, dass ich zum Kapieren Gottes Sichtweise haben müsste – doch das würde meinen kleinen Verstand sprengen. Mitunter stellt mich die Bibel vor die Wahl: Zweifel, Besserwisserei samt moralischer Empörung oder liebevolles Vertrauen eingebettet ins Wissen um Gottes unfassbare Überlegenheit. Ich wähle das Letztere. Der wahre Gott entzieht sich durch seine allumfassende Größe, Macht und Weisheit jeglichem menschlichen Urteils – ob es mir passt oder nicht. Eigentlich hat er keinen Anlass uns/mich zu lieben. Aber er tut es. Ganz intensiv. Was will ich mehr?

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Abendruhe-Sehnsucht

Die Intensität nimmt zu. Der Installateur steht vor der Tür. Es ist gerade sieben. Katzenwäsche, ein In-die-Kleider-Sprung und schon bin ich einsatzbereit. Fast wie im wahren Berufsleben. Kurz darauf trifft die restliche Kolonne ein. Die frisch gepflanzten Blumen werden beschnitten, mit ohrenbetäubendem Lärm jault der Freischneider den Zaun entlang und der Radlader entfernt dröhnend überflüssige Erdreste, bringt Mutterboden, Pflaster und was weiß ich noch alles während eine zu pflasternde Fläche freigeräumt wird. Action pur. Am frühen Nachmittag setzt dem allen der Regen einen Schlusspunkt doch bis dahin haben die Mädels und Jungs eine Menge geschafft. – Zwischendurch beharrt die Auto-Werkstatt auf einem schweineteuren Ölwechsel – diese Leasingvertragskröte verursacht arge Schluckbeschwerden. Ein Ölwechsel nach zweitausend Kilometern für zweihundert Eier nenne ich eine Mega-Kundenschröpfung. Offen bleibt die Frage ob das Öl wirklich gewechselt wurde. Einen Unterschied würde es jedenfalls nicht machen – das wäre zwar portemonnaie-feindlicher aber immerhin umweltfreundlicher. – Der einsetzende Landregen bewässert unsere Neupflanzen und erspart uns mancherlei wassersprühende Aktivitäten. Das besondere Geschenk der Abendruhe lerne ich neu schätzen. Sehr schätzen.

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Apotheker übernimmt?

Heute trifft es mich voll und haut mich um. Meine Drömmelphase dauert bis nach der Mittagspause. Noch vor dem Frühtau läuft der Elektriker auf und verlangt nach Einweisung. Er macht einen guten Job und ich bin zufrieden. Auch die Pflanzen erhalten gute Standorte und mit etwas viel Phantasie kann ich mir eine prächtige Blühhecke vorstellen, so Gott will und ich dann noch lebe. Unsere Gartenbaufirma hat sich einen neuen Projektleiter zugelegt und der stammt von der bekannten Apotheke „Haltern und Kaufmann“ ab – das kann ja noch heiter werden. Ansonsten schreitet das Projekt munter voran, der Rasen wird abgeräumt, der Boden abgefahren und die Holzspäne zwischen den Blühheckenbüschen verteilt. Es sieht echt gut aus. Jetzt noch beim Nachbarn das Unterholz auf unserem Grundstück lichten und dann wird gewässert, dass das Zeug hält. – Unser Beetle muss zur Inspektion, manchmal kommt halt alles zusammen, denn auch der Audi lauert auf seine. Außerdem lässt ein Reifen immer Luft – ich ahne nichts Gutes. Als endlich rundum Ruhe einkehrt, atme ich tief durch. Noch steht einiges an.

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Außenansicht im Wandel

Ich tappe durch die Gegend. Viertel wach, Augen knapp geöffnet, Betriebssystem noch im Begriff hochzufahren und ja, es hat geläutet. Morgens, ganz, ganz früh stehen die Landschaftsgärtner vor der Tür. Sie rücken mit großer Mannschaft und einem kompletten Fuhrpark an. Minibagger, Miniradlader, Container. LKW samt Anhänger und etlichen Kleingerätschaften – alles steht bereit volltönend Betriebsgeräusche großflächig zu verbreiten. Mit voller Dröhnung werden fette Büsche gestutzt, Pflanzen entfernt, die Grasnabe abgetragen, Bäume gefällt und Eigenkonstruktionen abgerissen. Zurück bleibt eine staubige kahle Fläche. Dann rücken die Pflanzen an, die morgen wieder mit dem Untergrund Verbindung aufnehmen sollen. Im Laufe des Tages werde sogar ich wach und dokumentiere die Veränderungen als Datei. Mittagsruhe ist nicht. Welch ein Tag! Immerhin ist es so schön, dass wir, nachdem die Staubwolken sich gelegt haben, einen angenehmen Abend auf der oberen Terrasse genießen. Leider geht es nicht früh genug ins Bett. Das Aufstehen wird hart werden. Sehr hart!

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Kommafehler

Ein ökumenischer Gottesdienst wird aus der Christophoruskirche übertragen. Es ist traurig, wegen der Pandemie nur so wenige Menschen in der großen Kirche zu erblicken. Die Predigt dagegen ist sehr ansprechend, leider kollidiert sie mit meinem jahrzehntelangen Leiden der Vergesslichkeit. Das tut nicht gut. – Am Nachmittag können wir bei strahlendem Sonnenschein eine Cabrio-Tour absolvieren, uns neugierig einen Rohbau mit sehr hohen Räumen anschauen und über fehlende (oder nicht sichtbare) Abflüsse unter der Bodenplatte sinnieren. Es ist spannend Probleme anderer Leute zu diskutieren. Das geht viel entspannter als bei den eigenen. Wir schlagen einen Bogen über Land, versorgen uns mit frischen Eiern vom Bauernhof, plaudern auf dem Rückweg noch mit einem guten Bekannten und genießen den Tag. Prachtvoll. Am Abend lasse ich einen echt irren Tatort auf mich wirken und bin durchaus angetan. Ich liebe diesen schwarzhumorigen Umgang mit Morden und Ermittlungen – viel besser als die üblichen aufdringlich belehrenden Inszenierungen oder die ewig-langweilige Streitsucht zweier Kommissarsdiven. So amüsiere ich mich über zwei Chaoten, die gemeinsam nach Ibiza reisen wollen, einen Kommissar im Jauchebad, die vom IQ unbeleckten Mörder mit dem großen Fleischhammer und mancherlei kurzweilige Gags am Rande. – Um die Heiterkeit abzurunden informiert mich die Aktion Mensch noch stolz über meinen Gewinn. So werden schnellstmöglich stolze 7,50 Euro mein Konto füllen. Irgendwie sitzt da das Komma falsch, scheint mir. Wirklich!

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Pfingsten

Im Pfingstgottesdienst aus Bremen erkennen wir die wesentliche Aufgabe des Heiligen Geistes für unseren Glauben und erhalten Verständnis für alle, die unseren Glauben nicht verstehen, denn ohne das Wirken des Heiligen Geistes ist es unmöglich Zugang zu Jesus, zu Gott zu finden. Dieser Zugang steht aber allen offen, die Gott suchen, die mehr von seinem Wort verstehen wollen. – Am Nachmittag höre ich eine Stellungnahme einer Dame aus der Bremischen Landeskirche (BEK) zu Pastor Latzel. Sie kommt sehr sympathisch rüber doch ich bin völlig verblüfft über ihre Sicht von Gott. Der Gott, den sie meint, hat mit dem Alten Testament sowieso nichts zu tun und auch mit dem Neuen Testament nur zum Teil. Selbst nur begrenzt auf das, was Jesus in den Evangelien darlegt, malt sie ein anderes Bild. Sie zählt die für sie wesentlichen Gemeinsamkeiten des Glaubens auf – ich glaube es waren die zehn Gebote, die Seligpreisungen und das Vaterunser – kein Wort von Sünde, Vergebung, Kreuzigung und Auferstehung also vom Inhalt des Glaubensbekenntnisses. In mir keimt der Verdacht auf, ob die BEK nicht völlig zu Recht ein Disziplinarverfahren gegen Pastor Latzel eröffnet hat. Den Gott, der von der netten Dame beschrieben wird, verkündigt er tatsächlich nicht. Nun ja, ihr Gott ist auch nicht der, der in der Bibel beschrieben wird, sondern eher ein Extrakt daraus, angereichert mit eigenen Vorstellungen und Erkenntnissen. Es ist ein sehr menschlicher Gott, ein bejahender Gott, der unsere Ideen gut findet, ein „Ja“ zu den Menschen hat so wie sie sind. Latzel versucht den Gott der Bibel näherzubringen, der mitunter schwer zu verstehen ist, feste Überzeugungen hat, die unseren nicht selten zuwiderlaufen, der Zumutungen und Forderungen erhebt – ja, auch ein liebender Gott aber eben einer mit unwiderstehlich prägender Persönlichkeit. Da liegen Lichtjahre zwischen beiden Anschauungen. Und dann ist Latzel noch ein Mann der direkten Sprache, kein Wortakrobat, der unangenehme Wahrheiten in wohlklingende Worte hüllen kann. Kein Wunder, dass es knirscht im Gebälk der BEK. Ich staune.

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Buche am Ende?

Eine kleine, feine Buche nervt mich ohne Ende. Im Grunde genommen ist es nicht die Buche, eher der Wind, der sie hin- und herbewegt. Und noch genauer betrachtet ist es auch nicht der Wind, sondern die Sensoren unserer Außenkamera, die auf jedes heftige Schwanken mit einer Alarmmeldung reagieren. Alle naselang macht es „Pling“ und die Cam meldet gehorsamst eine Bewegung. Nun sind selbst junge Buchen weit entfernt davon auf einem Grundstück Unfug zu treiben, wenn man mal von ihrem aggressiven Blätterabwurf absieht. Doch das ist dem Sensor offensichtlich egal. Also muss er oder das Bäumchen weichen. Eine leichte Entscheidung, denn der CO2-Killer hat sich leider, leider einen Standort gewählt, der – Kamera hin oder her – echt doof ist. Umzug oder Tod? Wir können Letzteres zwar versuchen aber ich bin ob der seltsamen Platzwahl äußerst pessimistisch. Wir fragen am Dienstag mal die Experten.

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Gottesfrage

Es klingelt und ich öffne die Tür. Der Schornsteinfeger! O Schreck, da war doch gestern diese Karte im Postkasten. Die hatte ich ganz vergessen und damit ihn auch. Verdrängung oder Vergesslichkeit? Nun ja, wie dem auch sei, dann ist jetzt die Zeit für ein wenig Peinlichkeit. Ich räume ein paar Sachen aus dem Weg, mache so den Weg frei, klappe die Dachstiege herunter und lasse ihn auf dem Dach wirbeln. Eine Sache von wenigen Minuten aber mit mittlerem Schockpotenzial. So ist das Leben. – Im Internet stellt ein offensichtlich aus dem arabischen Umfeld stammender Christ die Gottesbilder in der Bibel und im Koran gegenüber. Er zitiert dazu Suren im Koran und Bibelstellen und arbeitet sehr klar heraus, dass beide Sichtweisen extrem konträr sind. Beide Religionen beten den gleichen Gott an, der sich aber beiden völlig unterschiedlich, größtenteils sogar gegensätzlich, vorstellt? Kaum zu glauben. Ich blicke der Tatsache ins Auge, dass der Gott der Bibel nicht der Gott im Koran sein kann. Ist das schlimm? Nein, so kommen die Unterschiede auf den Tisch und werden nicht unter den Teppich gekehrt. Das sorgt für eine klare Sicht und ermöglicht eine sachliche, friedliche Auseinandersetzung. Für Christen kein Problem, denn unser Glaube verpflichtet uns zur Liebe zu allen Menschen. Die Entscheidung für Jesus muss völlig freiwillig und von ganzem Herzen erfolgen. Zugegeben, Christen haben leider der Bibel viel zu oft zuwider gehandelt, keine Frage. Beim Islam ist die Situation grundsätzlich anders, denn der Koran empfiehlt die Konfrontation (vorsichtig ausgedrückt). Doch was ändert das für uns Christen? Überhaupt nichts!

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