Alles Retro oder was?

Heute wäre meine Schwiegermutter hundert Jahre alt geworden. Schwägerin und Schwager besuchen uns zu diesem Anlass, wir fahren zum Grab und erinnern uns gern an Mutti. Mich stimmt dabei immer traurig wie hart ich oft ihr gegenüber war. Ja, ihr überfürsorglicher Sinn und meine Abschottung gegen jede Form von Einflussnahme trafen frontal aufeinander. Doch ein gutes Stück Milde und Herzensgüte hätten mir gut zu Gesicht gestanden. Leider, leider brauchen Reifeprozesse Zeit und „Altersweisheit“ ist in jungen Jahren Mangelware. Ob ich heute auf solche Einflüsse gelassener reagieren würde? Meine Hand würde ich jedenfalls dafür nicht ins Feuer legen. Very sorry. Scheint nicht weit her zu sein mit der Altersweisheit. – Wir lunchen in der Holzofenpizzeria im Fuchsweg und sind rundweg begeistert. Der Wirt (oder die Wirtin?) spendiert uns eine Antipastiplatte als Vorspeise. Stark. Und superlecker! Meine Mafia-Pizza mundet bestens. Satt und zufrieden ziehen wir uns in unser Dorf zurück. Das Wetter lässt einen Aufenthalt in der Lounge zu und so klingt der Geburtstagsbesuch angenehm aus. – Der Abend gehört diesmal nicht dem Serienmarathon, ich hülle mich wohlig in vielgeliebte Musikklänge ein. Phantastisch.

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Erinnerungskulturpflege

Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr. Ich suche für meine Mum alle Unterlagen zur Steuererklärung zusammen. Es wird ein ganz schöner Packen, keine Ahnung was die Steuerexpertin aus all dem Papierkram an senkungsfördernden Fakten herausfiltern kann. Ich hoffe viel. – Weiter geht es mit der Abrechnung von Krankenkosten mit der Versicherung. Brav scanne ich alle Rechnungen – und es sind nicht wenige – Stück für Stück, Seite für Seite ein, um sie dann bei der Versicherungs-Internetseite hochzuladen. Es sind nur zehn zugleich zulässig, also muss ich zweimal ran. Selbst das ist bald geschafft. Ich bin es auch. Hoffen wir auf eine kräftige Erstattung. – In der täglichen Bibellese passiert der gute Josua gerade den Jordan und lässt einen Gedenkstein an dieses Ereignis errichten. Mitunter wäre es nicht schlecht im eigenen Leben solche Gedenksteine zu haben um dem Vergessen zu wehren. Wie leicht vergesse ich Gutes und wie hartnäckig können sich schlechte Erinnerungen einnisten. Umgekehrt wäre besser!

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Altersgefahren

So eine hohe Summe hat noch nie meinen Beihilfeantrag geziert. Offensichtlich ist es wie bei alten Autos, je älter desto höher fallen die Reparaturkosten aus. – Heute holen wir die Räder nach der kostenlosen Wartung wieder ab. Ein Freund bringt uns zur Werkstatt und wir schwingen uns aufs eBike. Mit leichten Schwierigkeiten finden wir einen altbekannten Weg durch die Grünanlagen wieder, einen Weg, der mich im ersten Schuljahr – vom Umzug bis zur Umschulung – zur Goetheschule geführt hat. Er ist noch existent. Klasse. Und so gleiten wir dahin, den Reislinger Berg hinauf, am Hundeplatz vorbei, mal auf, mal ab, um schließlich etwas zermürbt zu Hause anzukommen. Eigentlich sind 12 Kilometer keine Strecke, insbesondere nicht mit elektrischer Unterstützung. Und doch sind sie für mich kraftraubend und machen mich badewannenbedürftig. Dieselbe tut gut. – Abends entdecke ich eine neue TV-Serie im Streaming-Angebot. Da scheinen sich gefährliche Gewohnheiten zu entwickeln. Obacht!

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Radtransfer

Mitten in der Nacht, so gegen halb neun, reißt mich das Telefon aus dem letzten Tiefschlaf. Ehe ich das Mobilteil erhasche endet der Rufton. Dann eben nicht! Diese Reaktion erweist sich als schwerer Fehler, denn Minuten später wirft mich ein extrem stürmisches Klingelkonzert aus dem Nachtlager. Auf Wunsch unseres Freundes traktiert unsere Nachbarin den Ruftonerzeuger in kurzer Taktfrequenz. Ich tappe zur Haustür und vernehme eine Stimme, die mir die Ankunft des georderten Heizöls, drei Tage früher als avisiert, ankündigt. Mir bleiben 30 Minuten. So ein schockartiges Hochfahren aller Körperfunktionen versetzt mich in eine Art Automatenmodus, der alle Abläufe steuert aber das Bewusstsein weithin in Ruhe lässt, zum Wachwerden im Hintergrund sozusagen. Der Tag fängt ja gut an. Vor der Mittagspause platzieren wir ein Auto bei unserer Fahrradwerkstatt. Nach der Ruhezeit schwingen wir uns auf die eBikes, trotzen unterstützt von elektrischer Energie dem eiskalten Gegenwind und überführen die Zweiräder zur jährlichen Wartung. Bei der automobilen Rückfahrt gelingt der Erwärmungsprozess meiner Hörorgane relativ gut. Einerseits konstatiere ich ein hohes Maß an Empfindlichkeit und andererseits meine intensive Freude an elektromotorischem Beistand. Das war genug Action für heute. Basta!

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Gourmet-Sonntag

Im Gottesdienst aus Bremen geht es heute um Zurüstung, um Josua und um uns. Am Wort bleiben und im Wort forschen, ist eine der wesentlichen Kraftquellen. Mir wird dabei sehr deutlich, dass es eben nicht darum geht uns einen Gott zurechtzubasteln, wie er uns gefällt, uns angenehm ist. Es geht darum den Gott, wie er sich selbst in der Bibel vorstellt lieben zu lernen. Auch die Seiten, die fremd vorkommen, vor denen wir offenen Mundes, nicht selten erschrocken, zurückzucken. Nein, wir werden Gott in seiner Tiefe nie erforschen aber seine Persönlichkeit kann uns dennoch zu Liebe und Anbetung führen. Er akzeptiert uns wie wir sind obwohl er uns völlig durchschaut und alle dunklen Seiten wahrnimmt. Da sollten wir ihn nicht lieben, obwohl wir wissen, dass er uns trotzdem liebt, selbst wenn wir sein Handeln mitunter nicht begreifen? Wie sollten wir kleine Wesen auch den verstehen, der alles geschaffen hat und alles in seiner Hand hält? – Bei uns in der Gemeinde geht es um die Kraft der Hoffnung, ihre motivierende Wirkung und die lockende Verheißung. Der Sonntag fängt echt gut an. – Mittags gehen wir endlich mal wieder essen in einem echten Restaurant. Okay, ein behandschuhter und maskierter Ober inmitten einer spärlichen Tischbestuhlung ist gewöhnungsbedürftig aber das Essen ist es nicht. Lecker Spargel samt Schnitzel und dazu ein Weinchen schmeichelt zärtlich meinen Gaumen. Nur der Magen füllt sich viel zu schnell, wozu die zwei großen Schnitzel nicht unmaßgeblich beitragen. Danach holen wir uns von Freunden eine Kuchenspende ab um zu Hause in die dringend nötige Mittagsruhe zu verfallen. Der Rotweinkuchen mit mexikanischem Rum versüßt uns den Nachmittag. Was will man mehr? Das BMI-Resümee fällt eher durchwachsen aus. Wen wundert’s?

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Digitale Erinnerungen

Im Keller geht es weiter. Jetzt müssen wir für einen dritten Außenwasserhahn den Zugang zur Wasserleitung von allen Hindernissen befreien. Kurz gesagt ein Kartonlager eliminieren. Dort steht noch der Karton meines allerallerallerersten Computers. Erinnerungen leuchten auf. Da hatte ich voller Stolz alles angeschlossen, schalte den Tower ein und nichts passiert. Das hat mich für mein weiteres Leben mit Computern tief geprägt. Kurz bevor ich ihn zurücksende, kam nach einer ausführlichen Beratung die Erleuchtung: die Grafikkarte war es wohl, die sich beim Transport gelockert hatte und neu kraftvoll in ihre Halterung eingepresst werden musste. Danach lief alles einwandfrei – soweit die damaligen PCs überhaupt einwandfrei liefen, also eher nicht. Der Karton meines ersten 21-Zöllers, ein Monster, das ich allein kaum heben konnte, steht plötzlich neben mir. Leicht seufzend mit einer winzigen Träne im Auge mache ich alle Kartonagen tonnenfertig. Wie viel Geld habe ich da schon verpulvert. Ich könnte heute Millionär sein. Aber wie viele erbauliche, himmelhochjauchzende, zu Tode betrübte, vor Stolz schier platzende, aus tiefster Brust seufzende, tränenproduzierende Erfahrungen wären mir dann versagt geblieben! Wie fade wäre das Leben gewesen! Es war gut so. Vieles hätte ich besser machen können aber durch alles habe ich gelernt. Hätte ich nur alles beherzigt! Ein wenig Glühwein und eine warme Decke – dort unten war es kühl – bauen mich auf für eine wohlige, schlafreiche Nachtruhe. Alles ist gut.

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Garten statt Fernreisen

So ein neugestalteter Garten kann sich zu einem finanziellen Desaster entwickeln. Je höher die Wünsche, desto kräftiger fällt der Griff in den Geldbeutel aus. Ob er das schließlich wert ist? Ob sich das Urteil nach fünf Jahren klar in eine negative Sichtweise verkehren wird? Sieht er dann wieder so aus wie heute schon? Investieren wir Geld sinnvoll oder verbrennen wir Schein um Schein? Fragen über Fragen, die mich umtreiben und auf die ich bevor es zu spät ist, keine Antwort finden werde. Also machen wir es so und laufen sehenden Auges in die andauernde Freude oder ins Grämen hinein! Egal, wer nicht wagt, der nicht gewinnt und die liebreizenden Aussichten sind überzeugend. So investieren wir mal schnell zwei Fernreisen in das Grün. Warum auch nicht! – Ich stürze mich auf zwei Seitenaktualisierungen im Internet. Die erste ist viel aufwändiger als ich dachte, das ist normal. Die zweite geht fix von der Hand und das erstaunt mich. Die IT ist unberechenbar. – Wie erwartet sehen und hören wir rundum die Ansage, dass die allermeisten Menschen am Himmelfahrtstag brav auf Abstand geachtet und vorsichtig gewesen seien. Also entweder werden wir vereimert oder der Drömling war Anziehungspunkt aller Aufrührer und Abstandslosen. In spätestens zwei Wochen wissen wir’s. Gesundbleiben ist angesagt.

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Himmelfahrtstag

Wir sehen einen eindrucksvollen Gottesdienst aus Bremen. Danach schwingen wir uns auf unsere eBikes um ein Haus im benachbarten Grafhorst äußerlich zu bewundern. Es geht durch den Drömling, er ist vielbelaufen und -befahren. Vom Abstandsgebot ist wenig bis nichts zu bemerken. Morgen werden die Zeitungen – wider allen Augenschein – berichten wie brav wir alle waren. Doch wir sind es nicht. Für mich, der ich den Virologen allezeit eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert habe, wird das zum Prüfstand. Wenn sich die Infektionen in ein bis zwei Wochen deutlich erhöhen, wirkt das Virus auch heute noch kräftig weiter. Wenn nicht, scheint es – wenigstens bei Wärme – seine Aggressivität eingebüßt zu haben. So viele Leute, so dicht beieinander, habe ich lange nicht gesehen. – Abends kommen Freunde zu Besuch. In unserer Lounge verharren die Temperaturen bis in die Nacht auf einem angenehmen Niveau. Der Weinkonsum würde Winzer freundlich lächeln lassen. Für unsere Altersverhältnisse und in Anbetracht einer unfreundlich drohenden Frühschicht wird es sehr spät. Aber sehr fein. Alles ist gut!

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