Garten statt Fernreisen

So ein neugestalteter Garten kann sich zu einem finanziellen Desaster entwickeln. Je höher die Wünsche, desto kräftiger fällt der Griff in den Geldbeutel aus. Ob er das schließlich wert ist? Ob sich das Urteil nach fünf Jahren klar in eine negative Sichtweise verkehren wird? Sieht er dann wieder so aus wie heute schon? Investieren wir Geld sinnvoll oder verbrennen wir Schein um Schein? Fragen über Fragen, die mich umtreiben und auf die ich bevor es zu spät ist, keine Antwort finden werde. Also machen wir es so und laufen sehenden Auges in die andauernde Freude oder ins Grämen hinein! Egal, wer nicht wagt, der nicht gewinnt und die liebreizenden Aussichten sind überzeugend. So investieren wir mal schnell zwei Fernreisen in das Grün. Warum auch nicht! – Ich stürze mich auf zwei Seitenaktualisierungen im Internet. Die erste ist viel aufwändiger als ich dachte, das ist normal. Die zweite geht fix von der Hand und das erstaunt mich. Die IT ist unberechenbar. – Wie erwartet sehen und hören wir rundum die Ansage, dass die allermeisten Menschen am Himmelfahrtstag brav auf Abstand geachtet und vorsichtig gewesen seien. Also entweder werden wir vereimert oder der Drömling war Anziehungspunkt aller Aufrührer und Abstandslosen. In spätestens zwei Wochen wissen wir’s. Gesundbleiben ist angesagt.

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Himmelfahrtstag

Wir sehen einen eindrucksvollen Gottesdienst aus Bremen. Danach schwingen wir uns auf unsere eBikes um ein Haus im benachbarten Grafhorst äußerlich zu bewundern. Es geht durch den Drömling, er ist vielbelaufen und -befahren. Vom Abstandsgebot ist wenig bis nichts zu bemerken. Morgen werden die Zeitungen – wider allen Augenschein – berichten wie brav wir alle waren. Doch wir sind es nicht. Für mich, der ich den Virologen allezeit eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert habe, wird das zum Prüfstand. Wenn sich die Infektionen in ein bis zwei Wochen deutlich erhöhen, wirkt das Virus auch heute noch kräftig weiter. Wenn nicht, scheint es – wenigstens bei Wärme – seine Aggressivität eingebüßt zu haben. So viele Leute, so dicht beieinander, habe ich lange nicht gesehen. – Abends kommen Freunde zu Besuch. In unserer Lounge verharren die Temperaturen bis in die Nacht auf einem angenehmen Niveau. Der Weinkonsum würde Winzer freundlich lächeln lassen. Für unsere Altersverhältnisse und in Anbetracht einer unfreundlich drohenden Frühschicht wird es sehr spät. Aber sehr fein. Alles ist gut!

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Wohl verhüllt im Heim

Ich darf nach langer Zeit wieder meine Mum besuchen. Die Schutzkleidung gibt es als Wegwerfartikel in der Apotheke, wird gesagt. Dort sind die Capes aber vergriffen und kommen nicht mehr rein. Netterweise gibt die Heimleiterin Mehrweg-Schutzkittel aus eigenem Bestand zur Nutzung frei. Voll verhüllt und maskiert trete ich meiner Altvorderen gegenüber. Nach kurzer Zeit schwitze ich phänomenal und spüre die reduzierte Luftzufuhr sehr deutlich. Aber Mutti ist gut drauf. Man kann sogar mit ihr ein wenig erzählen. Feine Sache. Jedoch – so schön so ein Besuch auch ist, das freie Durchatmen wieder zurück im Freien ist nicht zu verachten. Wir sind im Cabrio unterwegs und cruisen durch die inzwischen wiederbelebte Volkswagenstadt. Die ruhigen Wochen hatten schon ihren Reiz. Ich bin spät dran, für die vorabendliche ‚Stille Zeit‘ fehlt mir dieselbe oder ich nehme sie mir nicht. Fatal.

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Ungeduldiges besser wissen

Dem Tag der Arbeit folgt ein Tag des Innehalten 😉, um es freundlich zu formulieren. Ein neuer Kriminalroman fällt mir vor die Augen und den muss ich natürlich sofort lesen. Ungeduld, dein Name ist Rolf – wohl wahr! Ein wenig Kontokontrolle im Internet, eine Kleinigkeit hier und eine Wenigkeit dort und schon ist der Vormittag vorbei. Pensionist zu sein, ist schon eine Last 😀 – immerhin kann ich nun in aller Ruhe die Zeit verplempern, die ich ein Berufsleben lang eingespart habe (die Zeitsparkasse bei Momo muss auszahlen – schlecht für die grauen Herren mit Zigarre). Ich träume ein wenig vom Verreisen, gebe mich der Illusion hin, dass unsere Donaukreuzfahrt nicht gecancelt wird und denke an meine Gemeinde, die vielerlei Diskussionen braucht um einen reduzierten Gottesdienst auf die Beine zu stellen. Von außen, ohne eigene Verantwortung, lassen sich solche Probleme immer ratzfatz lösen. Besserwisser und Verantwortliche sind naturgemäß sehr unterschiedliche Spezies. Außerdem lässt sich mit selbstgebasteltem Halbwissen prima eine Realität basteln. Mit schwierigen Fakten ist das erheblich mühsamer. – Meine telekommunikationserprobte Mobilteilnutzerin verbringt den Abend mit adäquaten sozialen Kontakten und ich mit dem virtuellen Bostoner Morddezernat. Serienabhängigkeit pur, zum Glück nur sieben Staffeln lang. Glück???

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Fitness und Fahrzeug

Unser Rasen übertrifft in seiner Wachstumshöhe fast den Rasenmäher, der sich dennoch mutig durch diesen „Graswald“ frisst. Meine Fitness ist dagegen erst im zweiten oder dritten Untergeschoss zu finden. Ich schiebe munter los. Nach zwei bis drei Reihen bin ich jedoch völlig fertig, durchgeschwitzt und kraftlos. Ein böses Zeichen. Nach kurzer, intensiver Erholung stabilisiert sich mein Körper wieder und ich schaffe die nächsten drei bis vier Reihen, mithin einen Fangkorb voll. Ganz tief durchatmen. Unvermutet erscheinen Freunde mit einem Auto auf Probefahrt. Nettes Wägelchen, französische Optik – die einen mögen sie, die anderen nicht, Geschmacksache halt, recht eindrucksvolle Technik, wertige Ausstattung, viel Platz vorne und ziemlich wenig hinten. Vorne sitzt man perfekt, nur der Einstieg erfordert in meiner Größe ein wenig Demut, hinten entgeht der Kopf nur um Haaresbreite dem Kontakt mit dem Autohimmel. Wenn das Fahrzeug sich gut fahren lässt, wäre es keine schlechte Wahl. Ich bin auf die Entscheidung gespannt. – Nun geht das Mähen munter weiter, besser von der Hand, immer noch nicht gut aber besser. – Bei einem Weizen auf der unteren Terrasse plaudern wir uns in den Abend hinein bis das Lauschige durch die Kühle abgelöst wird. Netter Ausklang.

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Erhobenes Haupt in voller Deckung

Ein lehrreicher Gottesdienst aus Bremen über das Gebet stärkt den Glauben. Die sich anschließenden klaren Worten des Vorstandes zur eingeschränkten Sichtweise der BeK mehren die Sorge über eine Gottessicht jenseits, ja im Kontrast, zur Bibel. Die anschließende Andacht aus meiner Gemeinde über Wunder gibt viele geistliche Impulse. Eine erquickende Predigt. Der Vortrag von Parzany über die Segnung homosexueller Paare rundet die Erkenntnisse des Tages ab. Unterschiedlichste Themen, die erst einmal „sacken“ müssen. – Ich schließe den Roman über Kenia in den 30er Jahren ab und versteige mich in etwas, das ich mir nie zugetraut hätte. Die Romanserie hat in vielfältiger Weise mit der damaligen englischen Königsfamilie zu tun – die Hauptfigur war bis zu ihrer Heirat Thronfolgerin an 34. Stelle und die Queen halst ihr immer wieder heikle Aufträge auf. Kurz und gut ich beschäftige mich mit dem Königshaus der Insel – ein echtes No-Go für mein Selbstverständnis. Und doch gewinnen die Romane eine neue Kontour, ein geschärftes Profil und einen Hintergrund, dessen Nebelschwaden sich auflösen. Wow, die Autorin integriert diese Tatsachen sehr geschickt in ihre Erzählungen. Ich habe verstanden. Weshalb ich diese seichte Kost so gern lese? Nun, sie ist in englischer Sprache geschrieben und es hebt mein Selbstbewusstsein sie verstehen zu können. So lange ich mich nicht mit einem echten Engländer unterhalten muss kann ich stolz mein Haupt erheben. Aber wehe die Praxis naht: Volle Deckung!

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Goldige Berechnungen

Zwei Ereignisse fallen machtvoll über mich her. Zunächst kommt die Rechnung des Klinikums über die Herzkathederuntersuchung. Fast drei Mille soll ich löhnen für gut drei Tage Vollpension. Der Offenheit halber sei erwähnt, dass gut zwei Mille für die imposante Untersuchung draufgehen. Mächtig gewaltig. Ich habe wenig Zweifel, dass die Versicherung und die Beihilfe – hoffentlich – viel davon übernehmen werden, jedoch ist die Zahlungsfrist von zwei Wochen echt knapp bemessen. Die Beihilfe hat sich schon mal vier Wochen Zeit gelassen. Doch ich will nicht klagen, nur staunen. Das zweite „Event“ ist die alljährliche Steuererklärung für die ich die Unterlagen zusammenkrame. Ich mache vorab gern eine Rechnung ohne absetzbare Posten auf – was käme raus, wenn ich keinerlei Ausgaben geltend machen könnte? Bei meiner Pension, die bekanntlich vor Auszahlung versteuert wurde, landen wir leicht im Rückzahlungsbereich. Die Betriebsrente meiner Steuerpartnerin verändert am Ergebnis wenig. Aber dann kommt ihre Rente ins Spiel und die schlägt voll durch. Gute zwei Monatsrenten könnte der Staat kassieren. Eine jährliche Motivation sondergleichen für eine intensiv Suche nach Minderungsposten in meinen Akten. Aber vor der Suche steht die Ablage. Auch das noch. Eine gute Zeit später liegt ein Packen verheißungsvoller Rechnungen bereit. Nächste Woche wird es ernst. Und spannend.

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Sternprojektor

Ein Freund hat mich zu einem Mercedes-Trip motiviert, ein Sternwagen im Urlaub bekräftigte diese Tendenz und Alter wie Statur empfehlen mich als Interessenten. Fehlt nur die adäquate finanzielle Ausstattung – niemand ist halt perfekt. Glücklicherweise steht kein Autokauf an, so dass ich mich dieser Passion kostenfrei hingeben kann. Ja, das sind schon schöne Autos und diese Modelle finden überall Treibstoff, müssen Touren nicht von Ladesäule zu Ladesäule planen und verhindern so eine unschöne Bauchentwicklung – das Essengehen bei jedem Ladevorgang kann sehr negative Folgen mit sich bringen. Der absolute Gag ist die Ausstiegsleuchte, die den Stern auf den jeweiligen Untergrund projiziert – natürlich nur gegen saftigen Aufpreis. Jeder Ein- und Ausstieg wird so zur Sternstunde. Darauf muss man erst mal kommen! Mitten ins Schwärmen hinein platzt die Anforderung meines Audis nach einer Wartungseinheit. Das wird eine gesalzene Rechnung. Beim Mercedes wäre sie gesalzen, gepfeffert und mit roten Chilischoten gewürzt. ‚Es war schon immer etwas teurer …‘ hieß es früher einmal in einer Werbung. Das ist wohl so. Aber was ist das schon gegen einen Zugang mit Stern? Eben!

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