Luftprobleme

Kaum etwas ist einfacher als Autoreifen den nötigen Druck zukommen zu lassen – das richtige „Werkzeug“ vorausgesetzt, dachte ich. Die Schwierigkeit beginnt damit herauszufinden, welcher Luftdruck auf die Reifen gehört. Dazu gibt es einen Aufkleber, der früher auf der Tankklappe platziert war. Dort findet man inzwischen nur die Spritsorte, auf die der Motor Appetit hat. Macht ja Sinn. Nach vergeblicher Suche an der Fahrer- und Beifahrertür bleibt nur der Blick in die Betriebsanleitung. Der Aufkleber befindet sich an der Stirnseite der Fahrertür, heißt es dort. Stirnseite bedeutet für mich vorne – doch weit gefehlt, dort ist kein Aufkleber. Ich mustere die Tür kritisch, gehe sogar vor ihr auf die Knie. Nichts zu finden. Der Aufkleber sieht lt. Anleitung weiß aus mit rotem Aufdruck, müsste also ins Auge springen. Tut er aber nicht. Sorgsam begutachte ich die Schließseite der Tür (die Seite an der man sich die Stirn stoßen kann = Stirnseite) und siehe da, dort ist er. Ein silbernes Etikett, schwarz bedruckt und mit Kniefall gut zu finden. Zum Glück gibt es Smartphones, zack ein Foto gemacht und schon lässt sich alles prima entziffern. Der Rest geht gut von der Hand. Bleibt noch die Information an das Bordsystem, dass alle Reifen wieder genügend Druck aufweisen. Hauptmenü aufrufen, Untermenü anklicken, auf der Mittelkonsole Taste für das Seitenmenü betätigen, scrollen und ‚Reifendruck speichern‘ betätigen, noch einmal bekräftigen, dass man dazu wirklich wild entschlossen ist und schon hat man fertig. Beim Cabrio findet man nach Hin- und Herblättern in der Bedienungsanleitung, mit ein wenig Fortüne und der Taschenlampenfunktion des Smartphones eine im dunklen Handschuhfach versteckte Taste, die man lange drücken muss und fertig. Digital oder analog – das Suchen bleibt. Wenigstens eine Konstante!

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Weltweite Geheim-Mafia am Werk

Heute habe ich den ersten Kontakt mit einem Nachfolger einer Verschwörungstheorie, der mich per Link auf einen obskuren YouTube-Kanal hinweist, der mir schon in der Vergangenheit durch seltsame Titelei aufgefallen ist. Ich höre mal rein. Sie beziehen sich auf den Mitarbeiter des Innenministeriums, der eine „entlarvende“ Studie über das Corona-Virus verbreitet hat. Offensichtlich haben wir danach eine Regierung, die eine völlig ungefährliche Virusinfektion nutzt um Grundrechte abzubauen, eine Vielzahl von Menschen in den Ruin zu treiben und die Wirtschaft gegen die Wand zu fahren. Nein, den ganzen Schwachsinn höre ich mir nicht an. Ein Blick auf die Coronatoten im Ausland entlarvt diese Spinner. Natürlich sind die – im Vergleich immer noch schlimmen – viel geringeren Todesfälle bei uns nicht etwa dem Lockdown zuzuschreiben, natürlich nicht, sondern … eventuell macht das Virus einen Bogen um uns Deutsche? Oder sind alle Medienberichte weltweit manipuliert? Alle öffentlich-rechtlichen und privaten Medien zusammen? Und diesem supermächtigen Manipulator fehlt die Kraft die letzten aufrechten You-Tube-Kanäle zu unterdrücken? Gequirlter Quatsch. Doch es kommt noch schlimmer. In einer Predigt „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, wird Schweden als Beispiel angeführt und behauptet wenn die Annahmen der Regierung stimmen würden, müssten dort die Leichen meterhoch liegen, weil keine Schutzmaßnahmen ergriffen wurden. Tunlichst verschweigt der Mann, dass die Todesrate dort wesentlich höher liegt als in Deutschland und im Nachbarland Norwegen. Ich bin sowieso genervt über den Aufstand nur weil man ausnahmsweise mal ein paar Monate ein paar der Freiheitsrechte nicht ausüben darf, von denen der weitaus überwiegende Teil der Menschheit ein Leben lang nur träumen kann. Splitter und Balken. Zweifellos.

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Nationale Mentalitäten

Nach reichlich Serienkonsum formt sich in mir immer mehr die Frage nach der us-amerikanischen Mentalität. Die Menschen ticken anders als ich. Völlig baff vernehme ich, wie in einer Nebenbemerkung zwei Kommissare um die Frage wetteifern, wer weniger Urlaubstage in Anspruch genommen hat. Krass. Die Serie betont die Rund-um-die-Uhr-Arbeitsbereitschaft der Hauptdarsteller und beschäftigt sich dann – das menschliche Element der Serie – mit deren Träumen zu heiraten. Zwölf Stunden Dienst, minimal zwei Stunden hin und zurück zum Arbeitsort sowie mindestens sechs Stunden Schlaf, verbleiben maximal vier Stunden für gemeinsames Leben plus möglicherweise ein freier Tag am Wochenende. Superkrass. Kapitalismus pur: Die Arbeit soll das Leben sein, persönliche Anliegen sind nebenrangig. Okay, die Serien überziehen, sollen schließlich die Zuschauer auf das gesellschaftliche Ziel hin „einnorden“. Und wer nicht funktioniert, wird aussortiert – Amerika wie ich es kenne und nicht liebe. Die Bedürfnisse der reichen Schichten sollen zur Denkweise aller werden, sind es größtenteils schon geworden. Aber wenn die Amis damit glücklich werden, sollen sie doch, es ist ihre Entscheidung. Ich bin dagegen gern Europäer und lebe, bis auf das Wetter (nothing is perfect), gern in Deutschland. Jetzt müsste ich noch die chinesische Mentalität daneben stellen und wir hätten drei Variationen mit riesigen Gegensätzen, unglaublichen Überschneidungen und sehr speziellen Eigenarten. Wir Menschen – faszinierend!

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Träumereien

Unsere Vorstellungen von der Gartensanierung nehmen immer interessantere Formen an. Morgen kommt ein Experte, der uns möglicherweise „auf den Pott setzt“ bzw. wieder in die Realität zurückholt. Aber träumen darf man ja wohl mal! Erst wenn Träume beginnen sich in Euros niederzuschlagen, kann es kritisch werden. Sehr kritisch. Na, warten wir mal ab, ob die Imaginationsblase platzt. Oder auch nicht, wer weiß? – Die Eisheiligen sind keinesfalls meine Freunde, stelle ich wie jedes Jahr fest. Sollen sie doch bleiben wo der Eisbär wächst. Mein schon geringer Arbeitseifer erlahmt angesichts der Temperaturen, die mich allesamt ärgern wollen. Ich flüchte in einen französischen Krimi in die Provence – da ist es wärmer. Gespannt bin ich, wie der Sommer wird, ob die Klimaschwarzmaler recht behalten und es wieder heiß und trocken ist oder ob die Urlauber, die zwangsweise in deutschen Landen bleiben müssen einen eher typisch deutschen Juli und August erleben. Für das Grundwasser wäre die zweite Alternative gut, als Überzeugungspotenzial für neugebackene Gäste taugt sie eher weniger. Lassen wir uns überraschen.

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TdA 2020

Gottesdienst zum Mutterthema, kein Wunder am Muttertag und ein weiterer übers Singen, ebenfalls kein Wunder am Sonntag Kantate. Verwunderlich ist eher, dass ich meine Mum nicht ans Telefon bekomme. Sie geht nicht ran, hört das Läuten nicht oder die Technik spinnt. Meiner Schwester geht es ähnlich. Blöd. – Das Wetter verändert sich, Regen fällt (das ist gut) aber es bleibt vorerst noch warm (das ist sehr gut). Wir folgen liebend gern einer Einladung von Freunden zu einem spontanen Dinner. Im Wintergarten ist es mollig warm, sehr gemütlich und das plaudernde Speisen ist mehr als angenehm, wie haben wir diese Geselligkeit vermisst! Doch schon erhebt das böse Corona-Virus tadelnd sein hässliches Haupt: Die Ansteckungsrate steigt. Einige Chaoten rotten sich bundesweit zusammen um gegen die Schutzmaßnahmen zu protestieren. Etwas irritierend ist für mich, dass sie rücksichtslos ihre Freiheiten auf dem Tod anderer aufbauen wollen. Die angeblich stark wachsende Gruppe „Widerstand 2020“ sollte sich ehrlicherweise in „TdA 2020“ umbenennen – „Tod den Alten 2020“. Das wäre ehrlicher. Die Jüngeren, die ebenfalls sterben, wären dann als Kollateralschäden abzuschreiben. Schade, dass die Medien so ein Bohei um diese geistig stark verstörten Verschwörungsphantasten machen. 75 Jahre Frieden scheinen nicht allen Menschen gut zu bekommen. Traurig.

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Pro Versand

So eine Radtour hat bei mir wohl nachhaltige Folgen. Das Tor für leichtes Heuasthma stand dabei sperrangelweit offen und die Einladung wurde dankbar angenommen. Das Atmen ist nicht etwa behindert, sondern nur begleitet durch einen sehr leichten und doch unangenehmen Druck. Wieder eine Erfahrung, die ich nicht brauche. – Ich widme meinem Keller ein weiteres Stündchen ohne groß sichtbares Ergebnis vor Ort, nur der Entsorgungshaufen ist ein klein wenig gewachsen. Ich lerne Geduld, diesmal im Aufbaukurs. – Ansonsten bewähre ich mich als Kartonzerkleinerer, um den Platz im blauen Tönnchen optimal zu nutzen oder um die „Beistellkartons“ perfekt zu füllen. – Meine Kauflust erhält heute, erstmals seit ein paar Wochen, wieder neue Nahrung. Hoffentlich bleibt das eine Ausnahme: mein eBike-Händler beklagt seine Überlastung und wimmelt am Telefon Kunden ab, so kaufe ich eben nicht bei ihm, sondern bestelle im Internet. Meine Sympathie für den klagenden Einzelhandel über Kunden, die im Versandhandel kaufen, reduziert sich dadurch – am Rande bemerkt – spürbar. Wir leben halt nicht im Schlaraffenland. Kunden fliegen keinem automatisch zu. Wer in diesem Konkurrenzkampf bestehen will, muss investieren in Personal und Service. Jammern kostet Kunden und Umsatz. So einfach ist das. Und dennoch offensichtlich schwer zu realisieren. Kein Platz für Amateure. Muss wohl so sein.

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Bewegend

Ich bin positiv, äußerst positiv, schockiert: Unser Reisepreis ist retourniert und auf unserem Konto eingetroffen. Kaum zu glauben. Das versöhnt mich ziemlich mit der Humboldt Reisewelt. Nicht zu fassen! Mithin gilt mein Dank auch der EU-Kommission, die diesbezüglich einen erheblich besseren Job gemacht hat als unsere reiselobbykorrumpierte Bundesregierung. Das wird eine schwere Entscheidung bei der nächsten Wahl. – Am Nachmittag brechen wir zur ersten Radtour dieses Jahres auf. Einerseits geht es leichter als ich dachte, andererseits bin ich danach echt fertig. Wir fahren zu Freunden nach Wolfsburg, pausieren dort ein wenig, teilen unseren Jubel über den Zahlungseingang und radeln zurück. Ich liebe eBikes, vor allem bei Steigungen und steilen Brückenauffahrten. So macht Radfahren Spaß. – Zu Hause kann ich gerade noch eine Sitzgelegenheit aufklappen, mir ein alkoholfreies Weizen samt Glas schnappen, hecheln und mir behutsam aber stetig die Flüssigkeit zuführen. Allmählich gewinne ich meine Aktionsfähigkeit zurück. Das Radeln ist nicht schlimm aber das Ankommen ist grausam! – Abends erfreut mich ein sehr passabler Alter und meine Bostoner Freunde. Ruhigstellen, relaxen, recyceln!

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Alles in Fluss

Ein äußerst freundlicher Brief unseres Reiseveranstalters trifft ein und kündigt die schnellstmögliche Rückerstattung aller Zahlungen an. Klingt sehr gut und strahlt viel Beruhigung aus. Warten wir es mal ab. – Ich sammle vielerlei Erfahrungen mit meiner neuen Fitnessuhr, ich komme ihr etwas näher aber völlig überzeugt hat sie mich noch nicht. Andererseits nutze ich sie ja noch nicht so, wie ich es bei der Bestellung geplant hatte. Immerhin lerne ich Widgets für Hue zu erstellen, gehorche ihr als neuem Fitness-Befehlshaber wenn sie mich heißt aufzustehen und in Bewegung zu verfallen und schaue neugierig aufs Display, wenn die Frontdoorcam ein Bild schickt. Es bleibt interessant. – Die Kellerbaustelle entwickelt sich Schritt für Schritt weiter – in nicht absehbarer Zeit werden erste Erfolge sichtbar sein. Immerhin ist die Papiertonne randvoll. – An Abraham bewundere ich seinen vorbildlichen Glauben – jedoch von einem Augenblick zum anderen weicht dieser Zweifeln und Ängstlichkeit, um dann erneut von Gott gestärkt zu werden. Wie im wahren Leben. Faszinierend. – Relativ beschämt gestehe ich, einen Abend in Kenia und Boston verbracht zu haben. Schmöker und Serien für mich und meine Nebensofasitzerin hört stattdessen geistliche Vorträge. O tempora, o mores!

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