Sankt Florian

Heute kann ich die leichten Aufräumarbeiten im Werkzeugkeller abschließen, mithin gilt nun knapp 1 % als aufgeräumt. Immerhin. – Dann trifft tatsächlich meine „Fitness“-Uhr ein. Erstaunlich. Ob ich sie wirklich gebrauchen kann oder sie sich in den Reigen nutz- und sinnbefreiter Beschaffungen einreiht? Schwer zu sagen. Immerhin habe ich das Handicap mittelfristiger Aversionen gegen Armbanduhren – eine schwer zu überwindende Hürde! Rein funktionell ist die Watch gar nicht mal so schlecht, wenn auch wie bei allen neuen Geräten der Ochs vorm Tor schwer durchschaubarer Handhabung weiteren Klärungsbedarf anmahnt. Nachdem ich in den unteren Räumen eine Umzugskiste mit zerkleinertem Verpackungsmüll für die Papiertonne gefüllt habe, kann ich mich dann endlich intensiver der Uhr zuwenden. Nettes Teil. Doch beim Nachsinnen darüber bewegt mich tief unser Luxusstatus hier im Vergleich zum grassierenden Elend ringsum in der Welt, selbst in den angeblich so reichen Vereinigten Staaten. Dort und in Brasilien, wie auch in Russland, zeigen sich die fatalen Folgen einer falschen Gesundheitspolitik. In Schweden ist der Preis für nur wenige Einschränkungen eine erheblich höhere Todesrate. Das Grundproblem: sollen alle sich ein wenig einschränken oder ein paar „Zufallsopfer“ die Zeche bezahlen? Heiliger Sankt Florian verschon mein Haus …

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Eine Planung und ein Beginn

Unsere Gärtnerin verweist auf erfolglose Versuche uns anzurufen. Das mag stimmen, denn die WOBCOM entwickelt inzwischen eine Meisterschaft im Lahmlegen der Kommunikation. Sie ist echt gut darin. Doch zurück zum Garten. Wir vollziehen eine verblüffende Kehrtwende von einer Blühwiese, über eine Rasenaussaat zum robotergepflegten Rollrasen. Zwar liebe ich die Blühwiese noch immer, doch ich musste lernen, dass dieselbe gern sonnig lebt. Wir können nur Schatten bieten. Selbst für Rollrasen wird das hart. Und ein Festzelt auf einer Blühwiese ist deren Tod. Der Schritt vom Traumland in die Realität ist bitter. – Der Tag vermeldet ein außergewöhnliches Ereignis: Ich habe die ersten echten Handgriffe zum Kelleraufräumen vollzogen. Tatsächlich! Freiräumen und vernichten setzen den Startpunkt. Ob ich durchhalte? Wetten würde ich darauf nicht, denn ich stehe in der akuten Gefahr mich mit Vehemenz auf jedes halbwegs geeignete Ereignis zu stürzen, das hilft dem unteren Chaos zu entfliehen. So bin ich nun einmal – kein Grund stolz darauf zu sein. – Abends begleite ich meine Cosy-Roman-Heldin ins Kenia der beginnenden dreißiger Jahre und ziehe mir zwei Folgen meiner TV-Serie rein. Nett aber entbehrlich.

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Mist in vielerlei Gestalt

Wir warten auf unsere Landschaftsgärtnerin. Um neun Uhr soll sie kommen doch sie zieht das Wegbleiben vor. Das Telefon scheint ihr als Kommunikationsmittel eher fern zu liegen. Frust. – Meine Mum wird 95 und wir können sie nur per Telefon erreichen. Vor Ort ist eine Begegnung nicht möglich. Das Heimpersonal hat ihr morgens ein Ständchen gebracht, doch sie weiß davon nichts mehr. Immerhin erhält sie etliche Anrufe im Laufe des Tages. So ein Zerfall im Alter ist schwer mitanzusehen und noch grausamer ist die Projektion in die eigene Lebenszukunft. Hoffentlich merkt man es dann nicht so – gewiss ist das allerdings nicht. Anfang und Ende im Dunkel … Puh! – Ich kann es kaum glauben, dass mein Schnarchnasen-Hardware-Versender tatsächlich eine Versandbestätigung schickt. Nun ja, eher die Absichtserklärung gegenüber der DHL etwas versenden zu wollen. Mehr geschieht heute nicht und würde ihn wohl überfordern. Wenn er alle seine Kräfte bündelt, gelingt ihm vielleicht, eventuell, möglicherweise morgen die Übergabe des Päckchens an die Post. Sicher ist das nicht. – Im TV beschäftigt mich heute eine Leiche im Eiswasser, ein Sprung von einer hohen Brücke und eine wildgewordene, betrogene Ehefrau. Ganz schöner Mist, den ich so schaue. Aber nett verpackt.

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Besserwisser und Naturwunder

In Bremen veranstalten Kirche, Politik und Medien einen großen Aufstand gegen einen Pfarrer, der das Evangelium á la Bibel predigt. Die übliche Methode: ein Wortbeitrag wird aus dem Zusammenhang gerissen und in einen nie behaupteten Kontext gestellt. Dann wird dieser dem Pastor untergeschoben, schärfstens kritisiert und verurteilt. Ich lerne daraus: 1. Christenverfolgung ist in unserem Land nicht mehr weit weg. 2. Die Landeskirchen werden dabei munter mitmischen, soweit ihre synodal beschlossenen Bibeländerungen kritisiert werden (sola scriptura ist ‚out‘, armer Luther). 3. Die Demütigungen infolge der Nazizeit sind weitgehend vergessen und der teuflische Wunsch es besser zu wissen als Gott, feiert fröhliche Urständ. Sehr traurig! Immerhin können wir noch gute Gottesdienste hören, einen über die Rebe und den Weinstock und einen anderen über drei Schweinchen mit ihren drei Häusern – festes Fundament und so. Wir sollten darüber sehr dankbar sein. Außerdem lerne ich, dass es mir sehr schwerfällt hinzugucken, wenn die Lippenbewegungen drei Sätze hinter dem Gehörten hinterherschlendern. Doch man kann sich ja aufs Zuhören beschränken. – Am Nachmittag werden wir von den großen Vorteilen des Rollrasens überwältigt. Und am Abend folgen wir dem Kongo in Afrika und bestaunen im Anschluss die Naturwunder Madagaskars. Sesselreisen – immerhin.

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Frust – Stillstand – Fortschritt

Die Gelegenheit unseren Benzinrasenmäher loszuwerden verpasse ich grandios. Nach einem kurzen und noch nicht einmal kalten Winter springt das Teil wieder nicht an. Was soll ich mit einem Gerät, das Mechanikerwissen erfordert, um es jedes Frühjahr wieder zum Laufen zu bringen? Kolossale Fehlinvestition – wenn man schon mal einem Verkäufer glaubt, dann kann es nur schiefgehen. Das war wieder einmal die von mir so innig und heiß geliebte „Fachberatung“. Kein Wunder, dass ich fast alles im Internet bestelle. – Im Moment stagniert alles, Bestellungen kommen wenn überhaupt, nur schwerfällig an Land, eBiken scheitert am Regen (der aber ansonsten sehr nötig ist) und eine schöne Pfeife auf der Terrasse an der grassierenden Kälte. Nur die Bäume und Büsche schlagen aus – wenigstens die Flora leidet nicht unter Corona. Immerhin sieht unser bislang kahler Garten inzwischen schön grün aus. Wobei „schön“ natürlich ein sehr individuelles Urteil ist. Ich befürchte, andere könnten das ein klein wenig kritischer sehn. So ist das Leben nun einmal.

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Pfade im Datendschungel

Mit neuem Elan stürze ich mich auf die WordPress-Fehlfunktion. Diesmal per Notebook. Schnell kann ich einem Plugin die Schuld zuweisen. Aber wie wird man das Teil los? Geraten wird, direkt auf dem Server auf eine Steuerdatei zuzugreifen und dort alle Plugins zu deaktivieren. Das nötige Programm habe ich, die Zugangsdaten auch, ich komme gut rein – und dann? Wo, um alles in der Welt, ist die Datei, die ich suche? Bin ich blind – oder was? Ich wühle mich durch virtuelle Ratschläge, Hilfen und Erläuterungen. Endlich, endlich erschließt sich ein Weg und alles geht ratzfatz schnell. Puh! Durchatmen ist angesagt. – Unsere Nachbarin bringt das Schreiben mit dem Gutscheinangebot. Es war falsch zugestellt. Was die Zeit so mit mir macht: Meine milde Gesinnung bewährt sich und ich formuliere eine freundliche Antwort. Ob das Geld wirklich zurückkommt und wann – wer weiß? Dennoch, es war ein Tag mit Erfolgserlebnis. Tut gut!

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Programmcrash

Zum Monatsende trifft pünktlich die monetäre Versorgung ein – für mich eröffnet das immer wieder den Blick für die überragend guten Lebensumstände, die uns begleiten. Ich poste ein wenig, starte ein Update über zwei Plugins zu WordPress und will mir das Ergebnis anschauen. Zwei komische Zeilen erscheinen auf der Seite und ein panikartiger Login-Versuch produziert nur zwei weitere komische Zeilen und weiter passiert nichts. Kommt Zeit, kommt Rat, denke ich und lasse erst einmal die Finger vom System. Es vergeht Zeit, kommt aber kein Rat, denn nach der Mittagspause ist alles unverändert. Ich suche im Internet nach Lösungen, probiere am iPad dies oder das – unveränderte Fehlfunktionen. Früher hätte mich das ohne Ende umgetrieben. Heute lasse ich dem Ärger nur wenig Raum und bleibe weitgehend cool. Wie bei allen Problemen, erst einmal darüber schlafen. – Ein Freund hat schon seit zwei Tagen ein Gutscheinangebot unseres reizenden Reiseveranstalters. Wir nicht. Komisch. Immerhin bietet der einen zehnprozentigen Aufschlag auf die Reisesumme an, wenn man wartet. Oder die Erstattung des Betrages. Wir werden letzteres wählen obwohl ich recht milde gestimmt bin, doch der Veranstalter und wir passen einfach nicht zusammen. Er will alles angebotskonform durchziehen und wir lieben Ergänzungen, Erweiterungen und Verlängerungen. Für ein Korsett bin ich zu jung – trotz meines Alters. – Am Abend ziehe ich mir ein paar Folgen von Rizzoli & Isles rein. Echt entspannend.

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Schlafen und schaffen

Meine diakonisch vielbewegte und von mir dafür stark bewunderte Lebenslangverbundene macht sich früh auf den Weg um ihre Freundin zu begleiten. Ich darf so richtig toll ausschlafen und reize das voll aus. Meine Dankbarkeit nicht allein leben zu müssen erhält trotzdem neue Nahrung, denn jeden Tag so lang zu schlafen wäre, gesamtlebenstechnisch betrachtet, unausgewogen und wenig hilfreich. Jedoch als gelegentliches Highlight erwächst daraus ein tiefgreifendes Wohlbehagen. Selbstverständlich kommt man bei solchen Erfahrungen den Tag über kaum in Schwung. Man kann nicht alles haben! Ich finde mich langsam damit ab, unseren Sommerurlaub – die Donau rauf und runter – mit höchster Wahrscheinlichkeit abschreiben zu müsse. Und so bequatsche ich mich, endlich loszulegen und Zeit in den Keller zu investieren, um das dortige Chaos Schritt für Schritt in eine überschaubare Unordnung zu transformieren. Voll schockierender Arbeitsaufwand, es muss aber sein. Irgendwann? Demnächst? Bald? Nächste Woche! Vielleicht ….

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