Corona-Frust

Diese gleichförmigen Tage gehen mir wieder einmal auf den Senkel. Ich sehne mich nach dem „normalen“ Alltag zurück und merke, dass das Pensionistenleben ohne die „Tortenstücke“ – von den Sahnehäubchen gar nicht zu reden – recht trist sein kann, wenn man weder Heimwerker noch Gartenfreak ist. Meine Interessen gehen mit den zulässigen Möglichkeiten eben nicht konform. Pech gehabt. Und so knabbere ich an meinem Alltags-Graubrotknust herum mit abnehmender Begeisterung. Wenn das so bleibt, muss ich mich einem Mentalitätswandel unterziehen. Vom Reisefreund zum Rübencontroller oder Schneckenjäger – meine Zeit, ich ahne Fatales auf mich zukommen. O tempora, o mores!

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Windfahnenmedien

Unsere Lounge ist einsatzbereit. Wir genießen das schöne Wetter und den Windschutz. Da trifft ein überarbeitetes Angebot unseres Gartenbauers ein, Ganz schön deftig aber nachvollziehbar – vorausgesetzt es ist vollständig. Sollte uns unser Reiseveranstalter die ausstehende Summe zurücküberweisen, wäre manches leichter. Aber ich habe da so meine Zweifel. – Nach den vielerlei Lockerungen in der Corona-Krise und dem heftigen Geschrei nach weiteren offenen Flanken für das Virus, sehe ich ziemlich schwarz für die Wirtschaft. Es sieht so aus, als wenn wir nach den ersten Erfolgen übermütig werden. Wir allesamt scheinen die Trump-Brille aufzusetzen, die blind macht für die Realitäten. Die rosarote Farbe lässt uns über Italien, Spanien, Großbritannien, Frankreich, die USA und Brasilien hinwegschauen nach dem Motto „bei uns wird es schon nicht so schlimm.“ Hoffentlich ist es so. Hoffentlich irre ich mich mit meiner Einschätzung. Nur bislang hat das Virus jede Chance brutal ausgenutzt, die es bekam. Wir werden sehen. Schlimmstenfalls werden dieselben Medien, die heute so nach mehr Öffnung jaulen, dann einen Klagegesang gegen die Regierung anstimmen, die viel zu früh zurückgerudert habe. Das würde mich, mit Verlaub gesagt, ankotzen. Hoffentlich bleibt mir das erspart. Selten habe ich mich so sehr danach gesehnt mich zu irren, wie heute. Aber ich braves, dummes Schaf laufe in der Herde einfach mit. Määääh!

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Alles und sofort

Heute gebe ich mich mit zwei Online-Gottesdiensten zufrieden. Beide sind auf ihre Art inhaltsreich, wobei bei einem das gesprochene Wort und die dazu bewegten Lippen zwei Paar Schuhe sind, zwei Paar ganz verschiedene Schuhe! Ich bewundere alle, die sich in die technischen Tiefen und Untiefen bei Videoaufnahmen, bei Schneidarbeiten und der Online-Stellung wagen. Es scheint sehr kompliziert zu sein. Ein kurzer diesbezüglicher informeller Blick ins Internet bestätigt dieses Urteil. Oder ist es ein Vorurteil? Wohl eher nicht! Irgendwie erinnert es mich an meine ersten Kämpfe mit html-Seiten, wenn das auch auf einer völlig anderen Ebene beheimatet ist. Es reizt auf den ersten Blick sehr an so etwas mitzuwirken aber schon der zweite Blick eröffnet tiefe Abgründe technischer Komplikationen, die einen altgewordenen soft- und hardwaregebeutelten Ex-Technikfreak schwer erschüttert zurückzucken lassen. Kurz und gut: ungeschminkte Bewunderung allen, die auf dieser Eisfläche ihre Pirouetten ziehen. Chapeau! – Der abendliche Ausflug in den Yellowstone-Nationalpark, durch alle Jahreszeiten hindurch, fasziniert durch die Anpassungsfähigkeit von Fauna und Flora. Neulich erst sah ich in einem ähnlichen Beitrag wie sich beides, Tier- und Pflanzenwelt, verändern wenn nur eine Tierart durch den Menschen eliminiert wird. Die Wiederansiedlung des Wolfes reguliert den Tierbestand, die Pflanzen erholen sich, ausgewanderte Tierarten kommen zurück, verödete Biotope erwachen zu neuer Blüte und beleben die Fauna auf breiter Front. Gottes Schöpfung ist eine in sich runde Sache – wenn wir Menschen das nur endlich kapieren würden. Behutsamkeit ermöglicht dauerhafte Erfolge. Wir dagegen wollen alles sofort und erhalten wenig für kurze Zeit.

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Vom Cabrio zu Fake-News

Ich bewege mal wieder unser Cabrio. Wir holen frische Eier aus Tiddische, gelegt von Hühnern, die auf Feldern unter diesen fahrbaren Boxen frei herumlaufen können. Vor Ort überkommt es mich und ich öffne das Dach. Ja, es ist recht frisch und doch unendlich erfrischend mit dieser Kopffreiheit herumzudüsen. Bis zum Nordfriedhof halte ich es aus – dort ist glücklicherweise nicht Endstation, sondern nur eine Pause zum Gießen und Spazieren. Das mit der Endstation hat nach meiner unmaßgeblichen Meinung ruhig noch etwas Zeit – aber das bestimme bekanntlich nicht ich. Freunde zu denen wir uns verbotswidrig „verirren“ wollen sind scheinbar nicht zu Hause und so finden wir den direkten Weg heim. Später stellt sich heraus, dass sie – aus welchem Grund auch immer – nur mobil erreichbar gewesen wären. Nichtwissen schützt offenbar vor Überraschungsbesuchen in Separationszeiten. – Am Abend schaue ich mit einem Sehnsuchtsauge einem Bericht aus Neuseeland zu und wundere mich über mein Stimmungstief nur weil mir in meinem Leben ein Löffel Sahne von meiner Torte weggenommen wurde. Mitunter erschrecke ich vor mir und meiner Undankbarkeit. Corona öffnet den Weg zu mancherlei Einsichten. Wenn ich allerdings die unterschiedlichen Kommentare in diversen Medien lese und höre, ist das wie eine Bibelauslegung. Ich habe mich immer gefragt warum der Pharao damals trotz vielerlei Plagen uneinsichtig blieb oder die Menschen in Zeiten der Offenbarung einfach von ihren falschen Wegen nicht umkehren wollen, egal was geschieht. Jetzt geht mir langsam ein Licht auf, begreife ich das. So sind wir wohl – ziehen entgegen der klaren Realität falsche Schlussfolgerungen, lassen uns mit Freuden von leicht entlarvbaren Fake-News verführen. Guter, alter Wilhelm Busch: „Und so bewies er messerscharf, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Basta.

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Eine Lounge und ein bekiffter Autor

Unsere Lounge entsteht wie jedes Jahr wieder neu. Die Möbel verlassen ihr Winterquartier und wir transferieren sie ein Stockwerk höher auf die Terrasse. Sie werden platziert. Der Windschutz mittels durchsichtiger Folie kommt an seinen Platz, wird ausgerollt und befestigt. Dadurch kommt das unsanfte Wehen zum Schweigen und das Wohlfühlgefühl in der Lounge gewinnt Profil. Die Polster wandern von den oberen Räumlichkeiten an ihre Bestimmungsorte – nur den Insektenschutz heben wir uns für den morgigen Tag auf. Nur net hudeln! Leider tummeln sich die Abendtemperaturen noch in unteren Thermometerzonen und so wäre die Lounge nur für Hitzköpfe zum Abkühlen geeignet. Das wiederum haben wir nicht nötig. So lassen wir den Alten im Wohnzimmer ermitteln, ertragen einen chaotisch „gepolten“ Feuerwehrmann, eine völlig undisziplinierte Polizistin und ein aus den tiefsten geistigen Abgründen eines Drehbuchautoren hervorgekehrtes Tatmotiv eines offenbar geistig schwer gestörten Aushilfsbademeisters. Krass. Ich persönlich neige ja sehr dazu derartigen Schreiberlingen zu verbieten beim Abfassen ihrer „Werke“ einen Joint zu inhalieren. Das könnte sich als extrem vorteilhaft erweisen. Dennoch haben wir einen schönen Abend – Gott sei Dank auch ohne derartige ‚Rauchwaren‘.

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Südliche Nordsonne

Es geht Schlag auf Schlag. Der verbummelte Autoschlüssel findet sich an. Die Insektenleichen lassen sich vom Cabrio leicht entfernen. Der Ersatz für einen zerbrochenen Haken passt wie angegossen. Schließlich rollt auch noch der bestellte Kaffee an. Ach ja, der Fehlkauf-Mac findet heute einen Abnehmer zu einem vernünftigen Preis. Das Lehrgeld hält sich im Rahmen. Die Sonne lacht und der Garten trocknet aus. Vielleicht sollten wir auf Sukkulenten im Garten umstellen. Eine Christusdornhecke dürfte für hiesige Einbrecher nahezu unüberwindbar sein. Ein wenig Steppengras und viel Sand mit ein paar imposanten Kakteen mittendrin entfaltet eine stark südliche Atmosphäre. Wenn ich uns dann noch Sombreros besorge, nun ja Tequila mag ich nicht aber schöner alter Rum tut es ja auch, also mit diesen Requisiten versehen, wäre Urlaub verzichtbar und wir sparen eine Menge Geld. Vielleicht ist dann noch ein Pool mit drin. Schöne neue Welt. Sonnige Aussichten. Arme Fichten, Birken und Eichen. Sorry.

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Geduldsprobe

Unser Fahrradhändler verspricht uns ein paar Kleinigkeiten an den eBikes ohne Termin zu erledigen, wir sollen nur kurz vorher anrufen. Heute rufen wir an. Ein völlig unwilliger oder überlasteter Mitarbeiter, was auch immer, würgt uns ab – keine Zeit, zu viel Aufträge, völlig dicht. Mag ja sein aber ich reagiere äußerst unwillig wenn erst Versprechungen gemacht werden, die, sobald es ernst wird, nichts mehr gelten. Mieser Service. Immerhin können wir uns deshalb weiter unseren Fenstern widmen und kommen im EG einmal rund. Das zaubert ein zufriedenes Lächeln auf mein Gesicht. Sehr schön. – Nicht so toll ist, dass sich mein Händler mit dem Versand des mit dem Bürokratiemonster schwer erkämpften Teils extrem viel Zeit lässt. Ich glaube, diesen Anbieter sollte ich mir merken – er erinnert mich schwer nostalgisch an die historisch bezeugte Neckermannversandgeschwindigkeit. „Geduld tut euch not, liebe Brüder“. So ist es wohl. Seufz.

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Gottes Volk

Wir putzen Fenster – ich mit einem Fenstersauger. Meine Vorstellung eines sauberen Fensters erfüllt er vollständig. Mag sein, dass penible Fensterpflegegeister den einen oder anderen Streifen entdecken und – vor allem im Gegenlicht – durchscheinenden Glanz vermissen, mir macht das nichts. Es geht schnell und beseitigt Schmutz. Mehr will ich nicht. Feine Sache. – Nach einem Artikel in der NZZ stimmt es mich traurig, dass viele Juden sich in Deutschland unsicher fühlen. Erst versündigen wir uns an Gottes Augapfel in kaum zu überbietender Weise, müssen die Folgen tragen und schon wieder erhebt diese menschenfeindliche idiotische Ideologie ihr hässliches Haupt. Pfui! Ich liebe das Volk der Juden, Gottes heiliges Volk mit dem er einen ewigen Bund geschlossen hat, das Volk dem Jesus entstammt und ihr Land, das Gottes Nähe so intensiv erfahren hat – Segen und Fluch – und über allem Gottes Treue zu seinen Verheißungen! Schalom Israel!

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