Diktatorengelüste

Unsere Medien sind irgendwie seltsam. Hin und her liest, hört und sieht man Klagen über das unterschiedliche Vorgehen der Bundesländer in der Krise. Es fehle die „einheitliche Linie“. Hat man in der Medienlandschaft noch nicht zur Kenntnis genommen, dass wir ein föderaler Staat sind mit gewählten, eigenständigen Landesregierungen? Oder wünscht man sich einen Einheitsstaat wie Frankreich? Ich verstehe das Gezeter nicht. Anstatt sich über das hohe Maß an Gemeinsamkeit zu freuen, lamentiert die Presse über die Unterschiede. Man liest mitunter die Kanzlerin solle ein „Machtwort“ sprechen. So ein bescheuerter Schwachsinn! Sie darf das vielfach gar nicht, es läge weit außerhalb ihrer gesetzlichen Kompetenzen. In meinen Ohren klingt das wie der Ruf nach einem Diktator. Grausam! Wehe uns, wenn wir wieder einen Regierungschef haben, der ein Machtwort sprechen darf. So viel Macht in einer Hand würde mich sehr erschrecken – damit haben wir doch schon mal ganz miese Erfahrungen gemacht. Warum denken die Redakteure, Journalisten, Kommentarschreiber so wenig föderal, so gering von demokratischer Willensbildung wo erst nach intensiven Diskussionen eine Meinung entstehen soll? Der Wunsch nach einer „starken Hand“ treibt in vielen Köpfen offensichtlich noch sein übles Unwesen. Starke Hände sind meist grausame Pfoten. – Abends erfreue ich mich meines ersten Isolationsbrechens. Tut gar nicht weh. Tut wohl!

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Gottesdienste, Gräberwässern und Reisefrust

Ich liebe es, wenn Online-Gottesdienste wie „richtige“ Gottesdienste gefeiert werden. In der Kirche, mit Kerzenanzünden zu Beginn, Musik möglichst handgemacht, und Liturgie. Obwohl ich normalerweise kein Freund von traditioneller Liturgie bin – sie stört mich nicht wirklich, fehlt aber mir ebensowenig – ist sie für mich in diesem Sonderfall ein andachts- und konzentrationsförderndes Element. Am allerliebsten mag ich das Feeling im Sofa mitten in der Kirche zu sitzen. Erstaunlicherweise stört mich dieses dabei völlig unangebrachte Möbelstück gar nicht. Inkonsequent? Zweifellos! Dennoch ist und bleibt das Ganze – Bequemlichkeit hin oder her – ein äußerst verzichtbarer Ausnahmefall. – Unser kleiner Spaziergang zum Gräberwässern auf den Friedhöfen führt mich wieder in grenznahe Bereiche meiner körperlichen Konstitution. Fit bin ich nun wirklich nicht und das stimmt mich sehr nachdenklich. – Zum Tagesausklang besuchen wir vier britische Inseln an der Küste von Cornwall, Wales und Schottland. Ich hätte mein Leben nicht im Büro verbringen sondern besser zum Kennenlernen dieser Erde nutzen sollen aber dieser Fehler ist nicht mehr heilbar. Umso mehr, weil das weltweite Virus uns allen eine internationale Reiseabstinenz verordnet hat. Das ist bitter – einerseits – aber andererseits bin ich mehr als gewiss, dass Gott weiß, was er tut. Ohne jeden Zweifel!

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Sicherheitsschlacht im Datendschungel

Das Bürokratiemonster hat mich erinnert. Ich soll endlich digital signieren. Okay aber das ist der letzte Versuch! Diesmal probiere ich es über den Desktop. Es fluppt. Vor der letzten Hürde hat das Monster ein Passwort gesetzt. Was? Wie? Wo? Welches? Drei Versuche scheitern. Eine Auszeit wird verordnet. Ich bin stinksauer, breche ab und schreibe eine gepfefferte E-Mail. Kurz vorm Absenden fällt mir ein – Gott schickt manchmal Geistesblitze – es könnte doch das selbst konstruierte Wort sein, das ich gleich zu Beginn gebastelt habe. Augen zu und durch zum allerletzten Versuch. Und – Simsalabim – es ist tatsächlich so und ich bin durch. Uff. Die gepfefferte Mail wird gelöscht und eine pikant gewürzte Bewertung geschrieben. Zwei ganze Sterne verpasse ich. Einen dritten verheiße ich, wenn das letzte Passwort besser erklärt wird. Jeder Gottnichtkenner wird jetzt wohl vehement abstreiten, dass Gott hier mitgewirkt hat. Soll er doch. Ich dagegen bin Gott von Herzen dankbar, dass er mir ein Scheitern erspart hat. Das baut auf. Hart erkaufte 50 Euro. Ob ich so etwas noch einmal mache? Könnte sein, ich glaube aber eher nicht. Zu viel Mist auf dem Bürokratenhaufen. Oder zu viel Bürokratie auf dem Misthaufen? Egal, es stinkt mir.

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Bürokratisches Trauerspiel

Ich bestelle mir heute online einen Gegenstand von dem ich immer behauptet habe, ich würde ihn niemals benötigen. Weit gefehlt, die Gesundheit verlangt mitunter Kontrollmechanismen mit denen wir nicht rechnen. Immerhin bekomme ich das Teil 50 Euro preiswerter, wenn ich es zu 0% in 12 Raten finanziere. Das ist schnell verdientes Geld, denke ich, und starte den Vorgang. Der Kauf selbst geht ruckzuck vonstatten. Die Finanzierung dagegen nicht. Welch ein Aufwand! Erst werden die üblichen Daten abgefragt. Dann kann ich den Vertragsentwurf einsehen. Für schlappe 200 Euro sind 34 Vertragsseiten nötig! Die spinnen, die Banker! Dann folgt das absolute Highlight: WebIdent. Es ist immer wieder schräg per Webcam mit einem Callcenter zu kommunizieren, den Personalausweis hin- und herzuschwenken und andere Fisimatenten zu veranstalten. Schließlich erhalte ich eine TAN, die ich zum krönenden (Teil)Abschluss eingeben muss. Ich habe fertig? Weit gefehlt! Jetzt folgt die separate Vertragsunterzeichnung, ebenfalls online. Seite aufrufen, einen Code per SMS erhalten und eintippen, bestätigen, dass man das 34-seitige Dokument gründlich gelesen hat, drei Buttons anklicken und ein viertes Bestätigungsfeld betätigen. Es erscheint ein kleines weißes Fenster mit drei sich munter drehenden Pfeilen und dem Hinweis Geduld zu haben. Also habe ich Geduld. Nach zehn Minuten will ich abbrechen, doch man warnt mich, dass alles vorherige dann vergeblich gewesen sei. Ich zucke zurück. Zehn weitere Minuten später reißt mein Geduldsfaden dann doch und ich beende das Trauerspiel. Behaltet doch euren Kram!!! Insgesamt dürfte der Aufwand zum Bewilligen des Kredits das Kreditvolumen deutlich übersteigen. Irre. Weshalb wählen die Jungs und Mädels nicht den Weg über meinen lesbaren Personalausweis samt Chip? Da muss jemand noch sehr viel lernen. Bürokratie in ihrer reinsten Form. Ungenießbar!

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Zehn-Daumen-Attacke

Alles hat seine Zeit. Heute ist die eBike-Zeit. Die Außentemperaturen haben eine wohlgefällige Höhe erreicht, der kalte Nordwind schweigt und so befreie ich die Garage von ihrem Fahrzeugbesatz und lifte das erste eBike in eine angenehme Arbeitshöhe. Es ist ein gemütliches Arbeiten, säubern, Kette reinigen und ein wenig ölen. Beim zweiten Rad fällt mir auf, dass ich beim ersten den Luftdruck der Reifen nicht kontrolliert habe. Also noch einmal Rad Nummer 1, aus Bequemlichkeit befestige ich den Lift gedankenlos an der Lenkstange und sprenge beim Hebevorgang den Tacho, besser gesagt das Steuerungselement des Motors, aus seiner Halterung. Die zwei Befestigungsschienen werden sauber abgetrennt. Dadurch tritt ein Tacho-Totalschaden ein. Ein zusammengerollter und dann angezündeter Hundert-Euro-Schein hätte wenigstens noch etwas Licht und Wärme gespendet. Merde!!! Ich und Handarbeit – eine fatale Kombination! – Abends werde ich wieder Opfer des Streamingangebotes und erliege dem Charme einer Kommissarin sowie einer Pathologin aus Boston. Wenigstens bleiben dabei alle beteiligten Geräte heil. Immerhin!

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Obelix hat recht

Jetzt drücke ich mich schon ein paar Tage um die Aufgabe herum unsere Fahrräder für ihren Ersteinsatz in diesem Jahr vorzubereiten. Ich raffe mich einfach nicht auf. Der Entschuldigungen sind viele und um den Einsatzwillen ist es sehr schlecht bestellt. Der Wille und die Pflicht dreschen auf mich ein und ich – ich (er)finde eine Ausrede nach der anderen. Faulheit kann so grausam sein. Ja, ich richte sogar einen neuen virtuellen Zugang zu meiner Versicherung ein, um dringend notwendige Geschäftigkeit vorzutäuschen – wohl wissend, dass das nicht so schnell gehen kann. Tut es auch nicht. Inzwischen ist für mich alle handwerkliche und gärtnerische Arbeit ein Graus obwohl ich ein Gutteil immer noch recht vernünftig erledigen könnte. Meine einzige Hoffnung ist, dass es noch wärmer wird und meine allerletzte Ausrede, nämlich die Kälte, nicht mehr zieht. Bin ich zu bedauern? Keinesfalls, eher gewaltig anzuschubsen. „Ein kräftig Schubs zur rechten Zeit befreit zu reger Tätigkeit“ oder so ähnlich. Ich klage darüber, dass ich nichts zu klagen habe, kurzum mir muss es gut gehen! Komischer Weg das festzustellen aber in diesem Fall der einzig mögliche Schluss. „Die spinnen, die Rölfe“, würde Obelix sagen. Recht hat er!

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Einstimmig

Mein Alltag fährt so langsam, nahezu unmerklich und doch spürbar, herunter. Von der Vieltönigkeit, dem nachhallenden Wohlklang, zur Vierstimmigkeit, zum Mehrklang, zum Duett um sich jetzt endlich – nein nicht in der Eintönigkeit – sondern in der Einstimmigkeit einzurichten. Es klingt immer noch nett im Ohr und doch fehlt so viel. Offensichtlich bin ich wohl kein geeigneter Kandidat für den Beruf eines Leuchtturmwärters auf einsamem Felsen. Was dieses Virus so alles ans Tageslicht bringt ist erstaunlich. Nein, ich werde ganz bestimmt nicht zum Alleinunterhalter mutieren aber vielleicht freue ich mich künftig ein wenig mehr an Menschenhaufen in überschaubarer Größe. Mehr erwarte ich nicht. Ob ich diese Erfahrungen schnell vergessen werde, falls irgendwann mal wieder alles „normal“ läuft? Ich weiß es nicht. Schade wäre es schon!

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Gottesdienste, Schinken und Hot Dogs

Der Gottesdienst meiner Gemeinde im Internet ist sehr okay nur die Atmosphäre könnte mehr österlich-gottesdienstliche Emotionen wecken. Statt in der Kirche wird er in einem Nebenraum aufgenommen, die musikalischen Elemente kommen optisch etwas zu kurz andererseits ist die Zusammenstellung sehr erfrischend, kommt Gemeinschaftsgefühl auf und wird eine klare Botschaft verkündigt. Das Problem bin wohl eher ich, weil ich zu viel vergleiche – insgesamt ist es ein sehr ansprechender Gottesdienst. Apropos vergleichen – der Gottesdienst der Gemeinde meines Schwagers begeistert mich total – aber hier waren offensichtlich Video-Profis am Werk, denn die ganzen Aufnahmen und Zusammenschnitte haben ein hohes handwerkliches Niveau. Es erstaunt mich immer wieder, wie der äußere Rahmen ein Urteil beeinflussen kann. Schaue ich zu stark auf das Äußerliche? Selbstrevision scheint angesagt. Eine Freundin sendet uns einen Gottesdienst bei dem die Evangeliumslesung gesungen wird – stark, insbesondere für mich unmusikalischen Tropf. Wenn ich da singen müsste, sollte man diesen Punkt ans Ende der Veranstaltung legen. 😀 – Abends haben wir wieder getrenntes Programm. Die Hälfte unserer ehelichen Gemeinschaft schaut Geräuchertes und die andere amerikanische Fast Food. Kurz: der Schinken „Cleopatra“ gegen mehrere Hot Dogs in Form amerikanischer Serienkost. Bedenkliche Zunahme unseres TV-Konsums. Obacht!

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