Ostern

Das Osterfest zu Hause feiern – einerseits viel besser als im Klinikum, andererseits fehlt die Gemeinde sehr. Der Gottesdienst aus Bremen bringt uns eine knallharte Botschaft ins Haus. Osterstimmung verbreitet er wahrlich nicht, wohl aber Osterfreude. Und darauf kommt es letztlich an. Wir empfangen viele Ostergrüße per Internet und ein paar per Telefon – meine kommunikationsliebende Ehepartnerin entfaltet eine hinreißende Tippfreude und ruft dadurch weitere Reaktionen hervor. Permanent fiept, piept und dudelt es aus den kleinen Schachteln, deren Ahnen mal klobige Mobiltelefone waren. Das Telefonieren spielt heutzutage bei ihnen eher eine untergeordnete Rolle. – Mich quält die Frage, ob mich nun eine beginnende Erkältung schüttelt oder ein ausgeprägter Heuschnupfen malträtiert. Vermutlich eher die Allergie, die sich neuerdings als Kooperationspartner das Heuasthma angelacht hat. Echt doof. – Abends zieht sich ein Teil unseres Haushalts einen Uralt-Schinken mit Charlton Heston auf der Großleinwand rein, während der andere Teil bescheiden im Wohnzimmer zwischen einem Tatort und einem Krokodilbändiger hin und her zappt. Zugegeben, der Schinken passt eher zum Osterfest aber ich mag diese Hollywood-Epen auf seicht-biblischer Grundlage nicht besonders. Ansichtssache.

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Drei Quälgeister

Ich zupfe mir die letzten Kontaktplättchen von der Haut. Auf beharrten Untergründen ist das ein klein wenig herausfordernd. Nach diesen Tagen ist die Wohltat eines Wannenbades kaum zu beschreiben. Köstlich! Mein Versuch etwas später an einer Homepage dringend nötige Einträge zu platzieren scheitert an einem Update – nur einmal schnell vorher gestartet. Ich hätte es wissen müssen. ‚Nur einmal schnell‘ heißt in diesem Milieu mindestens eine Stunde. Und so ist es auch. Am Nachmittag gelingt das geplante Werk endlich, doch ein weiterer Job zur Vergabe von E-Mail-Adressen bleibt auf der Strecke. Okay, Osterdienstag ist halt auch noch ein Tag. Es kommt, wie‘s kommt. Arte zeigt einen sehr informativen Bericht über die Hintergründe und die Entwicklung der Kirchenarchitektur. Auf der Großleinwand entfalten sich prächtige Bilder untermalt von sachkundigen höchstinformativen Erläuterungen. Starke Dokumentation! Ach ja, mein Heuschnupfen macht sich in aller Intensität bemerkbar – den braucht kein Mensch. Ich auch nicht. Doch das kümmert ihn gar nicht. Hatschi, schnief und juck- die drei Quälgeister sind wieder da. Na toll.

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Karfreitag

Ein schönes Zimmer und eine verbesserungsfähige Nacht lassen mich nur betulich in den Wachzustand wechseln. Karfreitag. Bei adäquater Musik genieße ich mein reichhaltiges Frühstück, vorher erquickten mich noch Losung, Kalender und Charles Haddon. Dann geht es Schlag auf Schlag. Meine Monitorfessel wird gelöst. Meine Zugangswunde im Handgelenk ist gut verheilt. Ich darf heim!!! Beschwingt verlasse ich diese zwar gastliche und hilfreiche aber dennoch irgendwie nicht so richtig heimelige Stätte. Meine arg vermisste liebreizende Lebenslanggefährtin holt mich ab. Gott hat alles so toll eingefädelt, dass wir kurz nach Gottesdienstbeginn (bei YouTube) daheim sind. Voller Dankbarkeit feiern wir im Anschluss das Notabendmahl mit. Perfekt. Danach folgt der Gottesdienst aus unserem Verbandszentrum. Ein ansprechendes Kontrastprogramm. – Mein Bett ist unschlagbar, wie die Mittagsruhe zweifelsfrei unter Beweis stellt. Am Abend lassen wir auf der Großleinwand die Transformation des Leipziger Zoos von altertümlicher Tierzurschaustellung in moderne Landschaften für die Tiere Revue passieren. Faszinierend. Das Ziel ist für den nächsten Leipzig-Trip vorgemerkt. Bald darauf kann ich den Verlockungen meiner Lagerstatt nicht widerstehen. Bonne nuit!

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Innenherz

Ich beschaue mein Herz von innen. Das ist spannend.. Es ist fleißig bei der Arbeit und lässt sich nicht stören. Gott sei Dank! Ich bin fasziniert. Um in sein Inneres vorzudringen werde ich unter ein technisches Monstrum platziert. Von zwei Seiten wird“s Herzelchen geröntgt und ein Bildschirm lässt tief ins Innere blicken.  Man muss es schuften! Ach ja, mein Test auf Corona fiel negativ aus. Mein neues Nachquarantäne-Zimmer kann man durchaus als luxuriös bezeichnen. Noch schnell ein Test des Lungenvolumens und fertig ist die Laube. Morgen heim? Wer weiß?!?

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Isoliert

Da liege ich nun im Isolierzimmer und warte auf das Ergebnis meines Corona Testes. So richtig unterhaltsam ist das hier nicht. Im Umkreis von 3 m rund um das Bett kann ich mich frei bewegen, angekettet an einen Monitor. Glücklicherweise kann ich diesen aus der Halterung entfernen und bekomme so einen weiteren Radius im Zimmer. Aber ich bin isoliert und an der Zimmertür ist Schluss. Stark verhüllt verkündet mir der Professor die weiteren Prozeduren, vorausgesetzt der Test ist negativ. Ein paar Anrufe muntern mich auf. Und so warte ich und warte ich und warte ich …

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Unverhofft…

Heute besucht uns die Gartenbau Firma. Sie ist pünktlich. Frohgemut gehen wir in den Garten. Und da zeigt sich wieder einmal, dass ein erstes Angebot eher anreizend als vollständig sein muss. Mehrkosten schwirren durchs Areal. Ich stehe dabei und schnaufe, ich muss mich setzen und durchatmen.

Was ist bloß los? Mein Blutdruck befindet sich im Steigflug. Ein Arztbesuch ist angesagt. Selbiger verursacht einen Trip ins Klinikum. Nun liege ich in einem Zimmer mit dem Monitor verbunden und an eine Infusionsflasche gekettet. Schweigen will ich über die Stunden in der Notaufnahme. Statt Krügerpark Klinikum – ein verrücktes Jahr! Wie las ich neulich: „Vorsicht 2020!!! Virus festgestellt! Bitte neu aufsetzen und neu starten!“ Wie wahr!

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Zeitzeichen

Der Frühling lässt sich blicken. Die Temperaturen bewegen sich im wärmenden Bereich und die Terrasse verlangt nach einer Säuberung. Na schön, dann befreie ich die Fugen von ihren Ablagerungen und kehre danach den Holzbelag. Alle Holzhändler haben beim Kauf der Dielenbretter Mut gemacht diesen nicht jährlich eine Ölung zukommen zu lassen – sie würden nur eingrauen. Verschwiegen wurde, wie ich jetzt feststelle, dass die Oberfläche auch einreißt und dadurch besonders schmutzanziehend wirkt. Die Dielen im geschützten Bereich sind glatt und sauber, die frei liegenden rissig und mit einem Schmutzfilm versehen. Interessante Entwicklung. So richtig „amused“ bin ich darüber nicht. Außerdem konstatiere ich eine seltsame körperliche Schwäche. Ich bin sehr verunsichert. – Abends scrolle ich mich durch das Angebot der Streaming-Dienstleister, starte hier und schaue da, nichts dabei. Halbherzig wähle ich eine seltsame Polizeitruppe mit einem noch seltsameren Psychologen. Geht so. Warum sind die Krimiangebote immer so elendiglich gleich: Schreckliche Leichen, abgehalfterte oder zerstrittene Kommissare in einem düsteren Umfeld verwoben in einem absolut verwirrendes Beziehungsgeflecht. Seltsame Zeichen unserer Zeit.

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Wolken am Horizont?

Ich absolviere einen Spaziergang, denn das Wetter ist sehr schön. Völlig durchgeschwitzt erreiche ich nach einer relativ kurzen, langsamen Runde wieder unser Haus und sinke schnaufend auf mein Bett. Was ist mit mir los? Okay, ich habe mich viel zu wenig bewegt – das erklärt den Schweiß. Doch ich bin total ausgelaugt und habe, beim Atmen Nöte, nein ich bekomme gut Luft, kein Problem, aber irgend etwas macht in mir Rumor. Corona? Die Symptome passen nicht. Eine verschleppte Erkältung, die nicht ausbrechen darf? Alles ist sehr befremdlich und seltsam. – Abends besuche ich Brasilien, schaue mir endlose Strände, Fischer beim Rausfahren und Wissenschaftler beim Naturschützen an. Da baut einer übermannshohe Karnevalsfiguren, eine umhegt liebevoll Manatis um sie in einer Bucht anzusiedeln und andere züchten Dromedare um Touristen einen Ritt über Dünen und entlang des Strandes anzubieten. Irgendwie bezaubernd.

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