Vorabend

Der Weihnachtsbaum wechselt seinen Standort. Ihm wird heute erstmals so richtig warm. Dafür bekommt er Kerzen und Kugeln und Lametta, ja Lametta – ich bestehe darauf, weil es so out ist – umgehängt. Da steht er nun und wartet der Trockenheit, die auf ihn harrt. Trotzdem ist es richtig – früher war mehr Lametta. Schade. Ein Schälchen Holz wartet aufs Verbrennen an Weihnachten, das Winterdorf habe ich nicht geschafft aufzubauen und das ist arg traurig. Die letzten Vorbereitungen sind getroffen und der Heiligabend kann kommen. Zwischendurch erbebt unser das ganze Jahr über sehr ruhige und stille Haushalt unter den kräftigen Tönen weihnachtlicher Musik – Klassik muss man mitunter laut hören. Die allerersten Spitzen weihnachtlicher Gefühle wagen sich zögernd hervor. Wird auch Zeit.

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Ängste, Hamster und eine Leiche im Sudkessel

Ein sehr guter Gottesdienst mit ansprechender Predigt führt bestens in den Tag hinein. Maria und Josef, ihre damaligen Ängste, ihre beeindruckenden Reaktionen erkennen und daraus dann Schlussfolgerungen für die Gegenwart zu ziehen, ist schon spannend. Nach dem Gottesdienst erzählt mir ein guter Bekannter von juristisch wohl einwandfreien aber dennoch leicht durchschaubaren Maßnahmen der Stadt Wolfsburg um Ölheizungsbesitzer zu traktieren. Mit vielerlei Mitteln wollen sie jetzt die bösen Ölheizungen abschaffen und damit unsere Abhängigkeit von Energielieferanten extrem vergrößern. Wenn das Gas oder die Fernheizung zentral abgestellt wird, sitzt man im Kalten und friert vor sich hin. Wenn die Wärme ausbleibt hilft auch kein Notstromgenerator mehr. Merde. Demnächst werden vermutlich Holzöfen ebenfalls verboten wegen Feinstaub oder so – da bin ich ziemlich sicher. Der Abstand der Politikerrealität von meiner Gegenwart vergrößert sich erschreckend zusehends. Wenn das so weiter geht und es schlimmstenfalls andere ebenso feststellen, wird es nicht gut enden, befürchte ich. Zum Glück bin ich schon 67. – Terra X auf der Großleinwand befasst sich mit Europas Tierwelt. Der Hamsterkampf auf dem Wiener Friedhof sieht für Menschen sehr putzig aus (Hamster sehen das anders). Der Flug über den Kontinent, die Alpen oder andere Bergformationen ist beeindruckend. Der Tatort im Anschluss ist nicht so spritzig wie erwartet, inhaltlich recht dürftig aber dafür stimmt er mich zum Ende hin versöhnlich. Irgendwie ist die Luft raus aus dem von mir sonst recht geschätzten Team. Bei Barnaby köchelt ein Mann im Sudkessel vor sich hin, die Story erweist sich wie üblich als arg verworren aber mit viel britischem Humor gewürzt. Ich mag das.

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Lächelnde Arbeit, Zielverfehlung und E-Mobilität

Die Arbeit lächelt mich an. Ich lächle zurück. So kommen wir gut miteinander aus. Immerhin säge ich unser sündhaft teures Anzündholz in handliche Stücke, entferne nutzlose Asche aus dem Kachelofen und fülle den Holzvorrat auf. Nach dem erholsamen Leipzig-Aufenthalt raffe ich mich endlich auf die Weihnachtskrippe aufzubauen und staune wie jedes Jahr über das Gewimmel an der Krippe. – Einer Anregung aus dem Internet folgend habe ich mir fünf Ziel überlegt, an denen ich mein Leben ausrichten will. Das war gestern. Bis heute habe ich mehr oder weniger stark gegen alle diese Ziele gehandelt. Das ging ja schnell. Vielleicht sollte ich mir fünf Anti-Ziele setzen um im Scheitern daran meine eigentlichen Ziele zu erreichen. Ich werde mich weiter im Blick haben. – Unabhängig davon wurde mein Interesse für E-Mobilität geweckt. Mit wachsendem Erstaunen verfolge ich Erlebnisberichte von mitteilungsbedürftigen Zeitgenossen, die ihre Erfahrungen ins Netz stellen. Selbst wenn man den rosaroten Zuckerguss abkratzt bleibt immer noch ein nachdenkenswertes Resümee übrig. Ich werde wohl dem Thema weiter nachgehen. Interessante Recherche – hoffentlich.

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Verreisen mit Sahnehäubchen

Unser, übrigens sehr empfehlenswertes, Hotel stellt uns eine arg komplizierte Rechnung aus. Einige Grundkenntnisse in Buchführung und Steuerrecht erweisen sich als äußerst hilfreich um die vielerlei Buchstaben- und Zahlenreihen zu durchdringen. Da hat ein Finanzfachidiot ganze Arbeit geleistet. Selbst die Rezeptionscrew hat Mühe mit der Antwort wie viel nun pro Nacht in Rechnung gestellt wurde. Bürokratie in Hochform. – Im IC sitzen wir heute in der Kelleretage, fährt sich aber auch nicht übel. In Magdeburg wechseln wir in einen Triebwagen, der über die Dörfer nach Hause zuckelt. Gemütlich. Unser Taxifahrer, zuständig für „letzte Meile“, stammt aus Armenien und arbeitet mit eigenem Taxi auf eigene Rechnung. Mutig. Endlich wieder daheim! Verreisen tut gut doch heimkommen ist das Sahnehäubchen des Ganzen. Wie sagt der Prediger: „Verreisen hat seine Zeit, nach Hause kommen hat seine Zeit“ (irgendwie so, oder sinngemäß oder modern interpretiert…). Ein Blick aufs Konto lässt zucken, die Schau auf das lodernde Kaminfeuer senkt den Blutdruck und die Schokolade aus dem Adventskalender beruhigt alle Nerven. Meine Hütte ist meine Wartburg. Oder so ähnlich …

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Andere Zeiten

Heute unterstützen wir die Umweltschutzbemühungen des Hotels und erhalten dafür ein klitzekleines Töpfchen mit Honig und einen Apfel. Faszinierend, mehr oder weniger. Ansonsten füllt sich die Leipziger Innenstadt immer stärker, es geht auf das Wochenende zu. Diese Stadt hat den Vorteil zahlloser Höfe in die man vom Gedränge immer wieder flüchten kann. Sie sind sehenswert, bieten Rückzugsmöglichkeiten mit attraktiven Cafés, Bars oder Restaurants und natürlich Geschäften aller Art und Güte. Bei der Pralinenmanufaktur darf man live zuschauen, Sushi-Pinten laden zum Verzehr von rohem Fisch mit geschmackvollen Beilagen ein und Künstlerinitiativen arrangieren stundenlang ihre Produkte ohne von Kunden gestört zu werden. Wir lieben die Passage beim Auerbachs Keller, den wir allerdings bewusst wegen seines Massenbeköstigungsstils meiden, doch bei Mephisto gibt es besten südafrikanischen Rosé und etwas weiter am prachtvoll geschmückten blickdichten künstlichen Tannenbaum einen hervorragenden Irish Coffee. Erholsame Stätten für die Augen, die von den Weihnachtspyramiden, Räuchermännchen, Schwibbögen, kunstvoll gestalteten Krippen mit unzählbaren Zubehörfigürchen kurz davor stehen Tränen loszulassen. Der Preis mancher Kunstwerke hätte damals, zu Jesu Zeiten, für den Erwerb des Gasthauses samt Stall und Feldmark gereicht. So ändern sich die Zeiten.

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Verwandtentreff

Unser Hotel macht uns mit neuen Sparideen des Hotelgewerbes bekannt. Natürlich nur der Umwelt zuliebe. Wer’s glauben will, glaube es. Man kann ein Säckchen auf die Klinke hängen und dann wird das Zimmer nicht gereinigt. Dafür erhält man ein kleines Präsent. Jetzt werden die Reinigungskräfte nicht nur reduziert, die Übriggebliebenen müssen auch noch Präsente als Dankeschön für den Stellenabbau an die Tür hängen. Viele Gäste machen mit, wir heute nicht (dafür morgen). – Der Leipziger Hauptbahnhof ist ein Schmuckstück, besonders in der Weihnachtszeit. Wir schlendern entspannt durch diese sehr ansprechend dekorierte Kommerzmeile. Es ist nett. Am Nachmittag besuchen wir eine liebe Verwandte und abends schieben wir uns durch den Weihnachtsmarkt bis zum Paulaner zum erweiterten Verwandtentreffen. Es wird richtig gemütlich und wir plaudern munter drauf los. Wir haben uns recht lange nicht mehr gesehen so gibt es manches auszutauschen. Das Essen ist okay, Paulaner-Stil, aber durchaus gut. Ein unterhaltsamer ruhiger Urlaubstag, bestens.

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Leipzig

Recht früh bin ich seltsamerweise recht wach. Komisch. Eine Freundin bewegt uns zum Bahnhof und mit Enno geht es nach Braunschweig. Dort erwartet uns das Sportprogramm der Bahn (im Preis inkludiert). Kurz vor Ankunft des IC nach Leipzig wird dieser aufs Nachbargleis geschickt. Gepäck schnappen, runter in den Tunnel, ein Gleis weiter rauf auf den Bahnsteig und wir sehen wie der ICE, der das Ursprungsgleis blockierte, abfährt. Sie werden doch nicht etwa …? Nein, sie tun es nicht, unser Zug  fährt bei uns ein. Puuuh! Ansonsten reisen wir bequem und kommen pünktlich an. Das weihnachtliche Leipzig ist eine Reise wert und unser Hotel ist es ebenso. Ein Spaziergang durch die vielerlei Präsentationsformen – allesamt mit dem Ziel unter Ausnutzung weihnachtlich geprägten Ambientes Hart- und Scheingeld seinen Besitzer wechseln zu lassen – gestaltet sich eindrucksvoll von Kitsch zu Kunst. Ein (oder zwei) Rosé im Mephisto bringen die Gemütlichkeit zurück. Eine fußballjohlende Menge veranlasst unsere Flucht von der Hotelbar ins Foyer, wo wir friedlich den Tag beschließen. Nice day.

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Perspektivbaum

Die eigene Schwester dauerhaft im Seniorenheim zu wissen lässt keine besonders positive Stimmung aufkommen. So alt ist sie doch gar nicht! Als ob das ein wesentliches Kriterium wäre. – Eine kleine positive Perspektive verschafft die Wahl unseres Weihnachtsbaumes und seine Platzierung auf unserer Terrasse. Das  Christfest steht vor der Tür! Bestens! Doch vorher muss noch der Koffer gepackt werden für einen Kurztrip nach Leipzig. Wir reisen mit kleinem Gepäck – das vereinfacht eine Bahnfahrt extrem. Früh wollen wir ins Bett und spät wird es wieder. So ist das reale Leben eben.

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