Mein Herr

Unser Audi forderte eine kompetente Durchsicht und so vertrauen wir ihn den goldenen Händen der Vertragswerkstatt an. Sie wird morgen ordentlich Kasse bei uns armen Kunden machen. Das war voraussehbar. – Ich absolviere heute meine Probefahrt, die erste Fahrt auf einem Pedelec überhaupt, auf einem Fahrrad, das weder Berge noch Gegenwind kennt. Nicht schlecht, muss ich feststellen. Die kraftvollen Schwingen der Elektrizität bringen meinen feisten Body auf Trab. Andererseits wird mir die Bewegung nicht abgenommen sondern nur erleichtert. Auch das ist sehr gut. Feines Teil, muss ich sagen. Mit dem Wert der verbauten Teile auf der einen Waagschale und dem Preis auf der anderen, schwingt der Pegel schnell zu „äußerst profitabel“. Im Hype kaufen leert bekanntlich die Taschen. Das will gut überlegt sein. – Daheim meldet sich der bereits vielfach erwähnte Zahn zurück. Merde. – So sitze ich abends allein im Hauskreis und denke über Paulus nach. Er muss eine krasse Persönlichkeit gewesen sein. Krass aber extrem gut. Wenn ich mir sein Anforderungsprofil an Christen anschaue, wird mir arg unwohl in meiner Haut. Wenn ich seine Leidensfähigkeit und sein Gottvertrauen betrachte, rücken meine Defizite um so stärker in den Vordergrund. Aber ich habe Jesus lieb, Profil hin oder her. Mag mein Profil große Dellen und sogar Löcher haben, egal, ich hänge mich an ihn. Er ist und bleibt mein Herr!

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Null Pedelecs für Gewichtige

Man war das ein Gewitter heute nacht. Blitz, Donner, Regen ohne Ende – aber Gott sei Dank nur mäßiger Sturm und kein Hagel. Jedoch der anhaltende Donner war schon bemerkenswert. Heute geht es wieder zum Zahnspezialisten und wir sind gespannt auf die weitere Entwicklung. Danach begeben wir uns auf eine Info-Tour durch die eBike-Shops. Erste Feststellung: es wird teurer als geplant. So richtig überrascht uns das nicht. Zweite Feststellung: wir sind zu spät dran, für meine „Größe“ (oder soll ich besser „Breite“ sagen?) ist die ohnehin schon schmale Auswahl noch viel kärglicher geworden. Oder begehe ich einen Denkfehler und Leute meine Korpulenz sollten sich lieber auf Couchtouren beschränken? Mag sein. Jedenfalls gibt es fast nur noch Räder, die aus nachvollziehbaren Gründen noch verfügbar sind. Die Verkäufer wollen mich daher auf weniger belastbare Zweiräder verfrachten aber das will ich nicht. Es bleibt spannend. – Abends hören wir eine Bibelstunde aus Bremen während ich mich nebenbei mit meinen HomePods streite. Sie wollen partout nicht auf mein iPad hören, die Bösen.

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Aufmüpfige Beißwerkzeuge

Zahnweh ist ein arges Weh, auch wenn es man selbst verschont wird und die Partnerin davon geplagt ist. Am eigene Körper kommt es einem zwar extrem nahe – aber auch so leidet man kräftig mit. Der Arzt behandelt mit aller fachlichen Kompetenz, doch kaum lässt ihre Betäubung nach, hauen besagte Beißerchen der Geplagten eine Protestnote um die Ohren, die sich gewaschen hat. Gott sei Dank bahnt sich mittelfristig ein Waffenstillstand an mit dem Ziel einer beruhigten Nacht. Hoffentlich. Ich lerne, wie schnell sich Prioritäten, ja ganze Tagesplanungen, verschieben können. Da muss man durch.

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Technik trifft Charakter

Ein Zusammentreffen mehrerer technischer Misshelligkeiten kann mich schon mürrisch stimmen. Leider gibt es in meinem Umfeld eine Person, die darunter leiden muss, obwohl sie gar nichts damit zu tun hat. Darüber hinaus ist man nicht nur links mürrisch und rechts heiter – entweder … oder. Und wir allesamt neigen dazu uns Schuhe anzuziehen, die uns vor die Füße geknallt werden ohne groß zu prüfen ob sie uns passen oder nicht. Das ist beides tragisch. Glücklicherweise geht auch hier relativ bald wieder die Sonne auf und dieselbe nutzen wir zu einer Erkundungstour durch Wendschott. Wieder ein Ortsteil, der sich in den letzten Jahren komplett verändert hat. Und wieder Baugebiete, die große Häuser auf kleine Grundstücke quetschen. Hammermäßig sind auch hier die Mehrfamilienhäuser, die ganz dicht an das Areal der Einzelbauten grenzen. Muss ein tolles Gefühl sein, wenn mindestens vier Mietparteien von ihrem Balkon auf die Terrasse schauen. Man fühlt sich nie allein. Wieder wird mir bewusst wie privilegiert wir mit unserer Nordterrasse zum Feld hin sind. Damals waren die Grundstücke noch groß. Nur die Abendkühle treibt mich irgendwann ins Innere. So ein fernsehfreier Abend hat was. Doch ganz auf die Bilderkiste verzichten? Nö, lieber nicht.

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Offenes Cabrio, trostvolle Predigt und ein Kommissar mit Asperger

Im Cabrio cruisen wir oben offen zum Gottesdienst. Herrlich! Heute werden sieben chinesische Christen getauft. Die zweisprachige Taufhandlung ist ergreifend und ich lasse die klangvollen fremdartigen Worte mein Ohr umschmeicheln. Die Verkündigung zieht einen weiten Bogen vom Flüggewerden unseres Pastors über Hagar, die Magd Abrahams, Elia, dem Propheten mit seinem Burnout bis hin zum Heiligen Geist, dem Tröster. Eine sehr ansprechende Pfingstpredigt. In Anschluss berührt mich sehr ein Bericht über ein Pflegekind, das seinen Namen wechseln wollte und wie es zum Ziel kam. Gott kann. –  Einer dem Feiertag angemessenen Mittagsruhe folgt ein Pfeifchen auf der Lounge. Es wird begleitet von einem Krimi über einen Hmburger Kommissar mit Asperger-Syndrom, der im Rahmen eines europäischen Austauschprogramms seinen Dienst in der portugiesischen Provinz antritt. Der Roman ist gut geschrieben und hat einen feinen Plot. Hochinteressant, spannend und ein wenig lehrreich – genau wie ich es mag. Wegen stark zunehmender Müdigkeit kann es leider nicht spät werden. Kurz nach zwölf liege ich schon im Bett. Muss auch mal sein.

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Pfingstsamstag

Pedelecs beschäftigen mich. In der nächsten Woche wollen wir uns mal umsehen, was der Handel so anbietet. Räder, die mich tragen, sind wohl eher in der Minderheit. Ich bin gespannt – im Internet erfährt man wirklich viel Interessantes über diese Art der Fortbewegung. – Ich gönne mir eine sehr ausführliche Mittagspause im Bett. Das tut echt gut. – Beim Werkeln für die Bürgerstiftung weigert sich der Server wieder ein Foto hochzuladen. Business as usual. Ich verstehe nicht, weshalb dieser Fehler so regelmäßig auftritt. Die Infoseiten der Reformierten sind dagegen recht problemlos zu aktualisieren. – Es wird heute in der Nacht spät. Sehr spät. Fast früh. Egal.

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Lampenfieber und Träumereien

Wie kann ein bisschen Lampenfieber ein Schwergewicht wie mich so umtreiben? Ich werde es wohl nie begreifen. Und so peitscht mich die Aufregung hin und her, lässt mich vorschnelle Bemerkungen rausschießen, die mir gleich wieder bitter aufstoßen und hält mich eisern fest. Kaum bin ich vor Ort ist alles wie umgewandelt. Die Stimmung schwenkt um auf ‚gut‘ bis ‚hervorragend‘, die Kommunikationsfreundlichkeit gesellt sich sofort wieder zu mir – alles ist gut. Seltsame Wesen, wir Menschen. – Dem Abend auf der Terrasse stehen einerseits relativ niedrige Temperaturen entgegen, man könnte auch sagen meine Gewöhnung an die hochsommerlichen Gradzahlen, und andererseits Death in Paradise mit der Hurrikanfolge, einer neuen Folge aus der aktuellen Serie und die Todesfolge des ersten mit Einführung des zweiten Kommissars. Warum lebe ich hier in den vergleichsweise frostigen Gefilden? Träume weiter, mein Kleiner, aber bleib auf dem Teppich: die Phantasie malt wunderschöne bunte Bilder, die Realität fügt dagegen viele dunkle Farben hinzu. So ist es wohl und ich füge mich in meine de facto wohlgestaltete Gegenwart ein. Das fällt leicht.

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Wer hat, dem wird gegeben

Pedelecs sind ein interessantes Thema. Die meisten sind mit meinem Gewicht überfordert. Es ist schon amüsant, dass diese Räder größtenteils für drahtige, leichtgewichtige, sportliche Menschen ausgelegt sind, die den zusätzlichen E-Antrieb eigentlich nicht nötig hätten. Die übergewichtigen, schweren Kaliber, denen selbst ein wenig Bewegung gut tun würde, bleiben außen vor. Verrückte Welt. Doch dann entdecke ich, dass es auch für die „Elephant-Size“ adäquate Angebote gibt. Nicht viele, aber doch eine gewisse Auswahl. Da kann ich ja noch ein wenig weiterforschen. – Es ist echt ätzend, dass meine Aufregung vor Bibelstunden eher zu- als abnimmt. Mit großer Besorgnis stelle ich das fest – statt routinierter zu werden, reagiere ich flatterhafter. Glücklicherweise gibt es Ablenkungsmöglichkeiten, dennoch finde ich das seltsam. Noch eine Nacht. Morgen wird der übliche Zweierzyklus abgeschlossen. Puh.

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