Heimwärts über den Büttel der Ritze

Das Hotelfrühstück ist sehr gut und stopft unsere immer noch vollen Mägen weiter zu. Heute geht es erst einmal nach Ritzenbüttel. Dafür müssen wir Bremen passieren. Ich mag Bremen nicht, besser gesagt ich mag die Verkehrsführungen dort nicht oder noch konkreter: ich verzweifle schier an den vieldeutigen Ansagen meines Navigationsverwirrers. Und dennoch erreichen wir die Fähre. Wieder an Land ist die einzige Straße nach Ritzenbüttel gesperrt. Ich schleiche also durch vielerlei Nebenstraßen bis die Baustelle überwunden ist. Dann geht es hinterm Deich flott dem Ziel entgegen. Unsere Verwandten setzen das wochenendliche Mastprogramm fort, erst mit Rinderbraten, dann mit Kuchen. Wir pflegen nebenbei eine intensive Gesprächskultur vom Hölzchen aufs Stöckchen. Die Rückfahrt verläuft fast störungsfrei, nur in Altenhagen lotst man uns über kleine krumme Gassen und in Ummern sperrt man uns aus und zwingt uns zum Umweg über Müden. Glücklich kommen wir zu Hause an. Gefühlt waren wir eine Woche verreist. So ein Wochenende bringt’s.

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Jahresfest

Gegen 10 Uhr verlassen wir unser trautes Heim und reisen gen Bremen. Um 14 Uhr beginnt die Veranstaltung um 13:45 sollen wir da sein, sagt mein Navi. Ich glaube ihm und beeile mich ohne groß nachzudenken. Auf halber Strecke, als es mich erst vor Autobahnen warnt und dann gleich wieder von selbigen vertreiben will, merke ich, dass „Autobahnen meiden“ aktiviert ist. Deshalb soll ich also knapp vier Stunden bis Bremen unterwegs sein, ich Dödel. Kaum ist die Einschränkung aufgehoben, verbessert sich meine Ankunftszeit um eine sehr gute Stunde. Das klingt schon besser. Wir erreichen also mehr als rechtzeitig das Jahresfest des Ostpreußischen Gebetsvereins Bremen. Nie werde ich begreifen, weshalb eine Gemeinde ihr Fest und alle Gottesdienste um 14 Uhr beginnen lässt. Es treffen sich meist ältere Menschen, die nahezu allesamt in meinem begründeten Verdacht stehen, in dieser Zeit gemeinhin ihre Mittagsruhe pflegen. Ich jedenfalls hänge die erste Predigt voll durch und schaffe es meist erst im allerletzten Moment meine Lider wieder anzuheben und mich aus den Startphasen des Kirchenschlafs herauszureißen. Es ist ein harter Kampf und ich gehe als angeschlagener Sieger hervor. Die zweite (!!!) Predigt verkrafte ich besser. Möglicherweise hat sich der Sekundenschlaf als hilfreich erwiesen. Danach plaudern wir mit der Verwandtschaft. Gegen Abend erreichen wir unser Hotel in Osterholz-Scharmbeck, ein (sonntags) verlorenes Städtchen mit einer verwaisten Fußgängerzone und einem guten dort leicht aufzufindenden Italiener. Stark gesättigt fallen wir in unsere Hotelbetten. Ereignisreicher Ausflug.

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Feiertag

Zu einer Hochzeit geht es in unsere Gemeinde. Die Verwandtschaft der Braut ist aus Indonesien angereist. Das Brautkleid hat ein stark asiatisches – spekulativ indonesisches – Aussehen, passt wie der Braut auf den Leib geschneidert und wirkt auf mich feiner und edler als die allermeisten hierorts üblichen weißen Hochzeitsgewänder. Es ist ein hübsches Paar. Der Gottesdienst ist sowohl feierlich als auch locker genug, um mich emotional anzusprechen. Das Eheversprechen geht, wie immer, bei mir unter die Haut. Möge unser Herr und Heiland diese Ehe segnen und das Paar fest in seiner gnädigen Hand halten. Im Anschluss schlendern wir zu unserem fahrbaren Untersatz und begeben uns zu einer Hauseinweihung. Das Häuschen ist sehr schön, aber ich muss feststellen: unser ist schöner. Nein, es ist nicht objektiv schöner (Betroffene sollten solche Urteile niemals fällen) es ist subjektiv schöner, sprich, es entspricht voll unserem Geschmack. Ich hoffe sehr, dass die Hauseigentümer das von ihrem Domizil ebenfalls behaupten, schließlich sollen sich noch viele Jahre darin wohlfühlen. Es ist eine nette Fete, nicht überkandidelt, sondern prima gestaltet bei bestem Wetter, man kann drinnen und draußen sowie halb drinnen sitzen, je nach Gusto. Alles Gute den frischgebackenen Grundbesitzern! Gott segne euch!

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Steuerjammer

Die jährliche Steuererklärung ist und bleibt eine Last, egal ob eine Rück- oder eine Nachzahlung herauskommt. Diese „Bierdeckelsteuererklärung“ hat einen Charme, der leider fernab aller politischen Realitäten glänzt. Wenn dann noch hohe Finanzbeamte beauftragt werden Steuergesetze zu vereinfachen, ist es so als ob eine Wolfsfamilie die Aufgabe erhält eine Herde Schafe zu hüten. Immerhin habe ich jetzt den Abrufcode für meine Daten, den ich aber nirgends eingeben kann und doch funktioniert jetzt der Download der Dokumente bei Elster. Wunder der IT-Wölfe. Meine Steuererklärung endet recht positiv und ich bin ganz froh gestimmt. Mal schauen, was das Finanzamt dazu sagt. Nächste Woche werde ich sie wohl transferieren, damit meine Unterlagen möglichst gleichzeitig ankommen. Was nützt mir eine elektronische Steuererklärung, wenn alle Rechnungen und Bescheinigungen im Original einzureichen sind? Ja, ist klar, es nützt dem Finanzamt, damit sie weniger Daten eingeben müssen. Der Unterschied zu meiner manuellen Erklärung ist für mich marginal, da ich schon früher die Erklärung per PC erstellt habe. Jetzt spare ich den Druck. Toll!

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Dank und Zumutungen

Mich bewegt die Frage ob ich zur Vereinsversammlung gehe oder nicht. Diese schwere Entscheidung schleppe ich den ganzen Tag mit mir herum. Dummerweise entscheide ich mich zur Teilnahme. Herzliche Teilnahme, Rolf! Es kommen von denselben Leuten dieselben Fragen, Kritik wird durch die Blume geäußert, also für Nichtbetroffene kaum verständlich – Business as usual, könnte ich konstatieren. Doch eins fällt mir auf, etwas, das nicht nur jetzt, sondern schon sehr sehr lange Zeit nicht rund läuft. Der Informationsblock bei Veranstaltungen sei zu oft zu lang (völlig richtig) und deshalb hat man versuchsweise u.a. die Info über die gesammelten Spenden weggelassen. Und daran, nur daran schleicht sich die Frage in mein Hirn, ob zu Infos nicht auch ein Block Dankbarkeit gehört. Auf den ersten Blick macht es den Block natürlich noch länger, zugegeben. Andererseits wäre es im Gottesdienst nicht angebracht für jeweils mindestens eine Aktion/Veranstaltung/Erfahrung Gott zu danken außerdem ihm und der Gemeinde für die Kollekte? Ein Dankeschön für Gottes Fürsorge, eins für die freundlichen Gaben und dann ein oder zwei Veranstaltungshinweise. Wird durch Dank der Hinweis auf Geplantes nicht noch „runder“? Möglicherweise ist der Dank sogar wichtiger als die explizite Ankündigung, wenn letztere optisch sowieso eingeblendet wird? Darüber muss ich noch mal intensiv nachsinnen. Im Übrigen stellt sich bei mir wieder der Frust ein, dass so eine Vereinsversammlung um ein vielfaches spannender ist, wenn man Veranstalter und nicht Zuhörer ist. Was habe ich bloß zu meiner Zeit meinen Zuhörern zugemutet? Wo war doch gleich die Scheurebe …

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Trödeln

Ein wenig kramen, ein wenig ruhen, ein wenig fernsehen und so geht der Tag dahin. Endlich treffen die Abrufcodes von Elster ein und so kann ich mich innerlich auf die Steuererklärung einstellen. Demnächst setze ich mich dann an diese unangenehme sich jährlich wiederholende Übung. Ich mag das nicht. Doch wer fragt danach?

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Kollegentreff

Kurz vor unserem Treffen sagen noch zwei Ex-Kollegen ab aber der Rest der Mannschaft, bis auf einen weiteren Ausfall, rückt an. Ich bin begeistert. Sie haben sich kaum verändert. Als Pensionist, muss ich feststellen, fällt es zunehmend schwer sich vorzustellen, dass sie alle ganz früh am Morgen aufstehen, sich zu einem bestimmten Gebäude begeben und dann dort einen Tag lang verweilen. Arbeit nennt man das wohl. Ich bin schon ganz schön weit weg davon, obwohl auch mein Tag seine Routinen hat. Wir plaudern, grillen, darten und selbst Tyson, der mitgereiste Hund hat sein Vergnügen beim Zerknabbern von Holzscheiten. Der Feuerkorb lässt die äußere Kälte ein ganz klein wenig weichen und so geht die Zeit munter dahin. Ja, diese Kontakte sind sehr gut und doch wiegen sie die inzwischen gewonnene Freiheit nicht auf. Jedenfalls genieße ich die Stunden des Miteinanders, es ist alles bestens. Jetzt noch schnell aufräumen, die Möbel ins Haus, der vor sich hin flackernde Feuerkorb muss draußen bleiben, und ich beginne wieder Wärme zu speichern. Die Kälte weicht. Darüber hinaus habe ich eine Entdeckung gemacht: der neue Rosé mundet hervorragend. Leider „verdunstet“ er ebenso schnell. Nachschub tut not.

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Postalische Überraschungen

Da läuft doch eine DHL-Uniform mit einem Menschen drin vor unserem Grundstück lang. Sie wird von einem mittelstark verrosteten weißen Transporter begleitet. Geläutet hat bei uns zwar keiner und doch schaue ich sicherheitshalber mal nach. Siehe, da liegen, offensichtlich klammheimlich platziert, zwei Päckchen auf der Bank vor unserer Haustür. Es sind die beiden angeblich bereits am Donnerstag zugestellten Sendungen. Schön, dass sie endlich da sind, total dreist, dass sich kein Zusteller bemerkbar gemacht hat. Frechheit. Immerhin ruft mich DHL-Express tatsächlich an und reagiert so auf meine Beschwerde. Ich schildere das Erlebte. Okay, trotz allem Negativen, ein Pluspunkt für den Lieferdienst. Immerhin. Bei der zweiten Räumaktion im Keller gibt Gott mir einen genialen Einfall ein zum Lagern diverser Zeltstangen, die uns völlig im Weg sind. Jetzt stehen sie kompakt aneinandergeschmiegt in einer Ecke. Klasse! Außerdem liefert die DHL (bloß nicht mit DHL-Express verwechseln!) gewohnt zuverlässig eine Bestellung aus. Geht doch. Am Abend sind wir recht gut vorbereitet auf die Ankunft meiner Ehemaligen. Die Spannung steigt. Es ist höchste Zeit mal für mich zu repetieren was sich hinter dem Begriff ‚zur Arbeit gehen‘ alles verbirgt. Je weiter diese Zeit zurückfällt, desto verklärter sind möglicherweise die Erinnerungen – oder desto schlimmer, kommt drauf an. Morgen treffen meine Erinnerungen auf die Realität. Ein nützliches Update. Hoffentlich.

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