Nix lange Bank

Vor Weihnachten dachte ich über eine Kreditkarte von meiner Bank nach. Eine kurze Anfrage ergab, dass – wieder einmal – Unterschriften dort vor Ort zu leisten sind, meine Kundenbetreuerin sei in Urlaub und ich sollte doch nach Weihnachten mal persönlich vorbeikommen. Im Vorbeikommen bin ich nicht so gut und so schob ich die Sache auf die lange Bank um sie dort zu vergessen. So war der Plan. Er ist gescheitert. Heute meldet sich die für mich zuständige Damen und nach einem langen Palaver werde demnächst stolzer Besitzer einer weiteren Karte sein – glücklicherweise hatte ich vorher zwei andere gekündigt. Ich muss nur mal mit meiner Kontomitinhaberin für ein paar Unterschriften kurz vorbeischauen. Ätzend und mea culpa. Mea maxima culpa. Aber die Dame war doch so nett! – Meine Mum ist heute voll da, wir plaudern über die Vergangenheit, ihre Jugend, meine Kindheit und ihr Dorf. Das ist wohl ein richtiges Thema und ein passender Zeitpunkt. Ich bin richtig happy. Sie hoffentlich auch. – Im Hauskreis am Abend verliere ich meine Wette mit mir, denn wir nehmen genau den Bibeltext, den ich keinesfalls erwartet hätte. Naja, so ist das Leben.

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Alles smart oder was?

So langsam wandle ich mich vom Wissenden zum Wissbegierigen. Technik war mir immer vertraut und ich war voll informiert, hatte mir ein auskömmliches Halbwissen zugelegt. Inzwischen stolpere ich immer häufiger über neue Entwicklungen, der erste Schock war die Fahrzeugtechnik im Audi, der es mühelos gelingt mir immer noch Überraschungen zu bereiten. Durch unsere Alarmanlage habe ich ein bisschen in die Smart-Home-Technologie hineingeschnuppert und jetzt kratze ich durch den Einbruchsschock weiter an der Oberfläche derselben herum. Stark, was ich alles nicht weiß und noch viel stärker wie lange ich surfen muss, um dazu auf verständliche Erklärungen zu stoßen. Mein Zuhause wird demnächst ein klein wenig smarter sein. Erst wollte ich einen größeren Schritt wagen aber der Blick auf die Kosten (ich lerne: smart=teuer) schreckt mich ab. Von außen irgendwie steuerbare heimatliche Geräte erhöhen durchaus den Komfort und können Menschen mit mangelnder Eigentumsachtung abschrecken. Einerseits. Andererseits benötigt das Ganze einen virtuellen Zugang und derselbe kann sich ganz leicht als Einfallstor für Menschen mit ausgeprägter Datenschutzverachtung erweisen. Nothing is perfect.

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Sangeslust

Die Krippe hat sich in ihre Kartons zurückgezogen und den Jahrestiefschlaf angetreten. Auf Wiedersehen in 326 Tagen – so Gott will und wir leben. Außerdem vernichte ich noch den Kerzenruß auf den Scheiben unserer Wohnzimmerlaterne. Wie können Kerzen so rußen? Atmen wir ansonsten den ganzen Mist ein? Kein Wunder, dass zur Weihnachtszeit mir schon mal der Atem knapp wird. Ich bin leicht schockiert. Ganz spontan entscheidet sich meine sangesfreudige Mitruheständlerin für eine Anmeldung beim Wochenendsingen am Fuße des Harzes. Noch viel spontaner werde ich sie begleiten! Während sie tiriliert und die Chorbrüderschaft pflegt, werde ich die gastronomischen Highlights einem strengen Test unterwerfen und ganz nebenbei meinen Gehwerkzeugen ein paar Zumutungen bereiten – alles in einem angemessenen Rahmen selbstverständlich. Das wird nett. Wenn fatalerweise die Wolken arg traurig sein sollten wird es eher nass. Ich bin gespannt.

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Achtung Buch!

Und wieder drängelt der Kaffeeautomat auf Entkalkung. Er trägt diesen Wunsch – gefühlt – immer häufiger an mich heran und braucht, ebenfalls gefühlt, immer länger bis er den Vorgang abgeschlossen hat. Aber was tut man nicht alles für seine elektronisch-mechanischen Freunde. Also sitze ich davor, lasse ihn gurgelnd spritzen, warte auf neue Befehle, die er per LED erteilt bis er huldvoll den Abschluss dieser Zeremonie signalisiert. Daneben lese ich wieder einen herzerweichenden Cosy-Krimi. Wenn ich mir geistliche Literatur in dem Maße zuführen würde wie ich leichte Kost verschlinge, dann, ja dann wäre ich wohl bereits reif für eine Professur an einem theologischen Seminar. Immerhin fordern mir die seichten Zeilen keinerlei Speicherkapazitäten ab, im Gegenteil je schneller ich die Inhalte vergesse desto eher kann ich wieder in alten „Werken“ schmökern. Bei tiefsinnigen in Theologenkauderwelsch wohlformulierten Abhandlungen stünde ich dagegen immer in der Gefahr, dass sich mein Arbeitsspeicher wegen Überlastung abschaltet und ganze Abschnitte zwar gelesen aber dennoch unverarbeitet bleiben. Angeblich soll man bei solchen Herausforderungen ja geistig fit bleiben. Ich habe da meine Zweifel – ein Automatismus ist das gewiss nicht. Jedem das Seine. Ich muss nur aufpassen, dass mir von zu viel seichtem Lesestoff nicht kotzübel wird. Das geht relativ schnell. Lesen ist und bleibt gefährlich. Vorsicht ist geboten!

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Ärger, Staunen und Traurigkeit

Meine Gemeinde macht einen auf lazy und hat den Gottesdienst gecancelt. Die Gründe scheinen mir oberflächlich und fadenscheinig zu sein aber was soll’s, ändern kann ich sowieso nichts daran. Aber ärgern darf ich mich darüber. Und das tue ich. Andererseits haben wir dadurch Gelegenheit uns zur Studierstube zu treffen und über Hesekiel zu reden. Heute geht es um den richtenden Gott, eine Seite Gottes, die die Kirchen – egal ob Amts- oder Freikirchen – weitestgehend ausgeschaltet haben. Die Wucht der Worte schlägt ganz schön ins christliche Gemüt ein. Aber sie weckt auch das Bewusstsein es mit einem hochaktiven, hochinteressierten und nicht täuschbaren Gott zu tun zu haben. Wichtig zu wissen! Meine Mum kapselt sich dagegen immer mehr ein und man dringt gar nicht mehr zu ihr durch. Alles scheint abzuprallen und ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit scheint mir äußerst selektiv zu sein. Das stimmt mich sehr traurig. Abends schaue ich mir beim NDR die Highlights des Nordens an, sehe manche Kinkerlitzchen, die aufgebauscht werden – aber Wolfsburg wird mit keinem Wort erwähnt. Typisch NDR – der Beitrag wurde wohl von einem Braunschweiger konzipiert 😉😠. Ansonsten war die Sendung durchaus sehenswert. Schade.

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Konzertantes

So ungeschmückt wirkt der Tannenbaum immer noch recht attraktiv – nur ein wenig trocken. Tschüss Bäumchen. Die Lichtervorhänge und das Lichternetz retirieren in den Keller. Das Wohnzimmer verwandelt sich ganz langsam in seinen Restjahreszustand. Ein wenig traurig stimmt mich das schon. Abends steht ein Neujahrskonzert mit vielen Stücken auf dem Programm. Es ist sehr gefällig – nur ein wenig mehr Pep wäre gar nicht so schlecht gewesen. Sehr putzig (wäre ‚peinlich‘ passender?) ist, dass niemand vom Publikum das letzte Stück erkennt, bemerkt oder registriert, wie auch immer, und so ertönt im Anschluss nur der normale Zwischenapplaus. Etwas irritiert dankt der Initiator den Mitwirkenden und lässt eine von den Zuhörern nicht eingeforderte Zugabe erklingen. Die ist fetzig und bewirkt ganz nebenbei, dass jetzt jeder von uns weiß: das Konzert ist zu Ende. Beifall brandet auf, steigert sich fast zur Ekstase, zu Standing Ovations. Eine zweite Zugabe erschallt – mehr ist nicht drin.

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Schicksal

Heute ist Staubsaugertag und ich schwinge die Düse in der Stadtmission. Mir fällt dabei so ganz nebenbei ein, dass das Sprichwort „ein Unglück kommt selten allein“ mit vielen Beispielen im Alltag aufwarten kann. Nein, das bezieht sich nicht auf den Einbruch bei uns, sondern auf Schicksale, die uns immer wieder begegnen. Selbst haben wir auch schon diese Erfahrung machen dürfen. Andererseits kommt auch ein Glück selten allein. Das übersehen wir leicht. Beim Saugen kommen mir eben oft so sinnige (bewusst ohne „tief-„) Gedanken. Ein letztes Mal lassen wir die Kerzen am Baum leuchten – ein schönes Bild. Armer Tannenbaum!

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Fehlbestände, Reisewünsche und ein Budget

Polizei, Versicherung, Tischler, Aufräumerei und Fehlbestandsermittlung – mit so einem Ereignis hat man ganz schön Scherereien. Okay, wir sind daheim angekommen, sind wie wir bald feststellen, auch Dorfgespräch. Ob mir das gefällt daran habe ich größte Zweifel. So langsam kommen wir wieder daheim an. Gegen Abend erscheint dann – nicht ganz unerwartet – ein erstes fernes Lichtlein am Preishorizont für eine unserer denkbaren künftigen Reisen. Das könnte zu unserem Budget passen, möglicherweise. Geduld tut mir not. Und fällt mir nicht leicht. Gar nicht. Es wird schon. I hope so! Abends ergreifen mich liebreizende Bilder von einem Elefantenbaby, das dem Tode geweiht war, von Menschen durch die kritischen Monate gebracht wurde und dann wieder zur Herde zurückfindet. Dort gibt es ein Auf und Ab. Dann geht es auf einmal wieder auf Leben und Tod. Ich leide voll mit. Das alles rührt mich total an. Ich kleines Sensibelchen.

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