Umkehr

Wir packen, säubern und füllen unseren fahrbaren Untersatz. Zwangsheimkehr ist angesagt. Doofe Einbrecher! Regen, mal stark, mal mittelmäßig, begleitet uns die ganze Tour. Ist doch nett, wenn das Wetter mit uns über den abgebrochenen Urlaub weint. Wenigstens ist ein Einkauf zu Hause erst einmal nicht nötig, wir haben ja alles dabei. Nach dem Eintreffen begutachtet der Tischler den Schaden, unser Versicherungsagent übt sich in Zurückhaltung und ist nicht erreichbar. Bei Vertragsabschlüssen ist er schneller. Meine Taschenuhr ist weg, Restbestände thailändischer Währung haben sich verflüchtigt und ein paar Münzen fehlen – das ist zu verschmerzen, Gott sei Dank! Aufwändiger dagegen ist die Reparatur der Einbruchsschäden. Es gibt so Erfahrungen im Leben, die muss man nicht machen aber wer fragt schon danach? Wer beten kann, der möge für die Einbrecher beten. Nein, ich zerfließe keineswegs vor Mitleid mit ihnen aber sie haben offensichtlich mehr Hilfe nötig als wir. Wie bescheuert ist so ein Leben? Unsere Schäden können mit ein wenig Geldeinsatz gut geregelt werden, denn unseren „Grundschaden“ hat Jesus bereits am Kreuz behoben. Den Dieben fehlt letzteres offensichtlich und das ist wirklich schade für sie. Möge der Herr mit seiner Gnade ihnen nahekommen. Statt „aufbrechen“ „umkehren“ – eine wirkliche Alternative!

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Panzerknacker AG zu Gast

Bis Freitag wollen wir bleiben und begeben uns daher auf Shoppingtour für Lebens- und Überlebensmittel. Gut gerüstet erreichen wir unser Häuschen. Draußen stürmt es wieder einmal aber wir sitzen warm und trocken und schauen dem Regen beim Pladdern zu. Auf einmal meldet sich mein iPad und mein iPhone mit einem Plingplank. Was ist denn nun schon wieder los? Der Bewegungsmelder im Windfang zu Hause meldet einen Alarm. Panik schaut aus meinen Augen. Das kann doch gar nicht wahr sein! Ein Blick über die installierte Kamera lässt mich zusammenzucken: im Esszimmer brennt Licht. Ich aktiviere den Lautsprecher und Sirenengeheul dröhnt um meine Ohren. Oh, oh, oh!!! Ruhe bewahren. Erst einmal starte ich einen Schwenk mit der Cam – keiner zu sehen. Dann schalte ich das Gejaule aus und rufe Freunde im Ort an. Wenig später melden sie eine zertrümmerte Terrassenscheibe und durchwühlte Schränke. Oh ha! Freunde verständigen die Polizei und ich schaue den Ermittlerprofis vom Urlaubsort aus ein wenig bei der Arbeit zu. So beschere ich unsern Freunden ein volles Abendprogramm von Schutzpolizei über Spurensicherung bis zu Absicherungsmaßnahmen. Ist mir das peinlich! Und bin ich ihnen dankbar! Die Nacht ist nicht so richtig schön. Morgen geht’s heim. Schöner Urlaub!

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Frostbadende, marschierende und schrullige Zeitgenossen

Das neue Jahr fängt mit Ausschlafen an. Das ist gut und setzt eine ausgezeichnete Tradition fort. Während wir frühstücken, gehen an der Nordsee die Frostbader ins Wasser. Sollen sie doch! Wir dagegen machen uns gemütlich am frühen Nachmittag dorthin auf den Weg, vermeiden jeglichen Nordseewasserkontakt und lassen uns nur den Wind um die Nase wehen. Mit uns sind Menschenmassen unterwegs, wie es zu erwarten war. Irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass die Zahl der Hundehalter jedes Jahr überproportional zunimmt. Von Kalb- bis Rattengröße ist alles unterwegs was vier Beine hat und bellen kann. Einer der vielen hat eine Stimme wie ein altgewordener Kettenraucher – es klingt einerseits putzig andererseits mitleidserregend. Während ich nach einer Stunde Strandspaziergang ganz erschöpft auf meine Sitzgelegenheit sinke, treffen viel später unsere Freunde nach einem 7-Kilometer-Marsch frohgemut ein und versprühen ihre offensichtlich noch vorhandene überschüssige Energie in mancherlei Aktivitäten. Bewundernswert. Abends verlasse ich einen mich nicht überzeugenden Tatort und schaue mir zwei ebenso alte wie bekannte Barnabys an. Lieber leicht schrullige Engländer als charakterlich völlig verquere Deutsche. Ich habe die Wahl. Gut so.

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Zigarrengespräch

Und schon wieder hat sich ein Jahr aus dem Staub gemacht. Norden, Mallorca, Fuerteventura, Rom und Thailand waren die Reisehighlights. Unzählige neue Eindrücke sind über uns hergefallen. Und ich habe eine Menge mit Gott erlebt an Bewahrung, an Durchhilfen und Mutmachansprachen sowie an guten Ideen für die Bibelstunden und den Seniorenkreis. Ein Ausflug vieler alter Herrschaften führte uns bei herrlichem Wetter in eine Klavierfabrik, die große Züge einer Manufaktur aufwies. Hier und heute dagegen tröpfelt es von oben und die kühle Witterung strebt danach mich mit ihren frostigen Fingern zu erhaschen. Dennoch wird es sehr nett mit plattdeutschem Gottesdienst, Raclette, Dinner for one und einer Knallerei ohne Anfang mit sehr spätem Ende. Nicht zu vergessen meine Neujahrszigarre. Beim Zigarrenrauchen das vergangene Jahr im Gespräch mit Gott passieren zu lassen, ist jedes Mal ein ganz eigenes Erlebnis. Diesmal habe ich wohl zu stark an dem Torpedo gezogen, denn sie war schon nach zwanzig Minuten zum Stummelchen geschrumpft. Schade. Ansonsten gleite ich ich still und friedlich ins Jahr 2018 hinein. Welcome!

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Überjähriges Finale

Der Regen schauert, dass es mich schaudert. Das Wetter versucht mit aller Macht uns zum Abschied des Jahres traurig zu stimmen. Es gelingt ihm nicht. Nur aus dem Haus zieht es mich nahezu nicht. Ich verharre in der wohligen Wärme und schaue mir den Regen, Sturm samt Elastizität der Bäume von innen an. Nur am Abend zieht es mich zum Italiener. Wann wird endlich die randlose Pizza erfunden? Oder gibt es sie schon und sie setzt sich nur auf dem Markt nicht durch? Schade. Mitten in der Nacht sehe ich den Pfeilwerfern im Halbfinale zu. Die heutigen Wurfexperten reizen das Duell bis zum absolut letztmöglichen Ende aus und verschaffen mir so dankenswerterweise einen tiefen Einblick ins Regelwerk. Gegen halb zwei sind sie endlich fertig. Am Montag, 01.01., findet dann das Finale 2018 statt – im Jahr 2019! Die spinnen, die Briten!

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Bierfete oder Prosecco-Hallöle

Die Nacht ist kurz, einerseits aus eigener Schuld (warum gehe ich so spät, resp. so früh zu Bett?) andererseits wegen ausbleibenden Schlafes. Und gerade heute kann ich nicht ausschlafen. Hat sich ein innerer Schaltkreis bei mir aufgehängt? Oder tickt meine innere Uhr falsch? Auf jeden Fall beginnt der Tag mit einem Handicap. Dennoch düse ich frohgemut Richtung Norden, na ja, krauche ich eher gemütlich dahin, um nach fünf Stunden Fahrtzeit gut anzukommen. In der Ruhe liegt die Kraft. Hier oben ist es kalt, regnerisch und windig. Es kann eigentlich nur besser werden. Nach langer, langer, sehr langer Zeit schaue ich mal wieder die Soko Leipzig. Sie scheint inzwischen wieder bei ihrer alten Form angekommen zu sein. Gut zu wissen. Wie die Gemeinschaft es so will ziehen wir uns noch die Dart-WM rein. Ja, die runden Sportler gewinnen schnell meine Sympathie. Sie werfen ihre Pfeilchen meist sehr präzise, die Regeln sind ähnlich „englisch“ wie beim Tennis, nur die Ergebnisse stehen eindeutig schneller fest. So sind wir Menschen – Bierfans sind klar ungeduldiger als Prosecco-Schlürfer.

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Hemingway Special

Ich fotografiere Kekse, genauer gesagt Weihnachtskekse. Nein, das ist keine blöde Idee sondern der Wunsch höchst kreativer Keksbäckerinnen, die irgend etwas – was auch immer – mit der Dokumentation ihrer Erfolge vorhaben. Wie auch immer, bei zwei Dosen leckerster Backwaren als „Honorar“ mache ich das doch sehr gerne. Und es bringt Spaß. Doch ganz so einfach ist es nicht, man muss sich Gedanken über den Hinter- und Untergrund machen sowie über die appetitanregendste Platzierung der Produkte. Mmmmh. Abends geht es ab in die Südsee. Inseln im Südpazifik, Thailand, die Seychellen und schließlich Madagaskar wecken intensivste Reiselust in mir. Danke 3sat! Wieder einmal wird mir übrigens klar, dass jeder Kommissar, der meine Angetraute als Zeugin erwischt sich glücklich schätzen kann. Müsste ich einmal als Zeuge agieren, wäre das nur ausgezeichnet für die Täter. Wie ich darauf komme? Kaum hat der Kommentator zwei Sätze gesprochen, schon kennt sie die Stimme. Es ist einer der Wiener Kommissare. Ich erkenne die Stimme erst in der zweiten Dokumentation, anderthalb Stunden später – und nur nach Vorsagen. Ich sollte besser mit fest geschlossenen Augen irgendwo am Strand liegen: Nichts sehen, nichts hören, allerhöchstens etwas sagen: „Noch einen Hemingway Special, please“. Ist doch wahr.

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Weihnachten 3

Der zu Unrecht längst vergessene dritte Weihnachtsfeiertag. Er wurde irgendwann im 19. Jahrhundert von den Arbeitgebern kassiert. Wir feiern ihn angemessen, da unsere Ente in Kombination mit unserem Appetit drei Tage lang gut reicht. Ein weiterer Grund für drei Feiertage. Nach wie vor bin ich von den echten Kerzen am Baum begeistert, vor allem wenn sie brennen. Und noch mehr wenn davon der Baumschmuck erleuchtet und nicht entzündet wird. Eine Tierdokumentation im Fernsehen führt mich an die Grenzen des Mitleids, ja des Lebens. Gelten meine Sympathien der armen Gazelle, die vom Geparden gejagt wird? Tut mir das arme Gnu leid, das von Präriehunden gerissen wird? Oder schmerzt mich der arme Affe, den Schimpansen arglistig in eine Falle locken? Beantworte ich diese Fragen mit „Ja“, dann ist mir in der Konsequenz egal, dass der Gepard verhungert, die Präriehunde schmählich zugrunde gehen und den Schimpansen die zeitweise notwendige Fleischration verweigert wird. Das kommt mir äußerst lebensnah vor – nicht selten steht man vor diesen Alternativen. Lapidares Beispiel sind die Textilien aus Billiglohnländern mit fiesen Arbeitsbedingungen. Ja, man kann sie nicht kaufen aber dann werden die Arbeiterinnen arbeitslos oder man kauft sie dann behalten sie zwar ihren miesen Job aber großen Profit aus dem Geschäft ziehen nur die versammelten Geldgeier. Komische Gedanken zu Weihnachten. Oder etwa nicht? Eher nicht!

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