Pensionist a.O. plant a.A.

Heute machen wir die nächste Reise fest. Ob der Anbieter noch zu seinem Angebot steht, bleibt abzuwarten. Immerhin erscheint leicht schimmernd ein Adjektiv am Horizont, das meinen Status schmücken möchte. Es plant, mich schlichten, einfachen Pensionisten zum „weltreisenden Pensionisten“ zu küren. Klingt viel besser als „vagabundierender Rentner auf Staatskosten“, muss ich konstatieren. Ebenso wäre hemmungsloser Reisebucher mir gar nicht recht. Situationsbezogen könnte ich alternativ ein Pensionär a.A. oder a.O. sein. Wie jeder mit einem Beamtengen schnell errät, stehen die Zusätze für „auf Achse“ bzw. „am Ort“. Ist doch logisch. Oder etwa nicht?

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Matrjoschka-Feeling

Ein Ersatz für meine entwendete Taschenuhr rollt an. Eine kleine runde Uhr und ein großes, sehr großes rechteckiges Paket. Darin enthalten eine etwas kleinere aber im Verhältnis zum Inhalt immer noch große Box. Unten, in einem separaten Fach, zwei dicke Büchlein. Aha, denke ich, eine recht große Bedienungsanleitung für einen so kleinen Taschenchronometer. Weit gefehlt, einen Roman und einen historischer Abriss über eine Uhrenfabrik enthält die Literaturbeilage. Was man nicht so alles mitbezahlt. Aber wie öffne ich die Box? Ich drehe und wende sie, ruckle hier und drücke dort. Irgendwann gelingt es mir den etwas schwergängigen Mechanismus zu ergründen. Dann liegt sie vor mir, klein und fein. Ein edles Teil. Hoffentlich hat sie die innere Größe, die ihre Verpackung verheißt. Ich hoffe es.

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Sauereien

Jetzt durchquere ich inzwischen mit großen Schritten mein siebentes Lebensjahrzehnt und echauffiere mich immer noch über Politiker. Peinlich. Das müsste ich doch längst überwunden haben. Die Medien jagen Woche für Woche eine Sau nach der anderen durch das Dorf. Sie bezeichnen sich als Berichterstatter und sind in Wirklichkeit Meinungsmacher (je nach allgemeiner Tendenz der Berichterstattung positionieren sich in der Bevölkerung die Umfrageergebnisse) – na und? Das ist zwar amüsant zu beobachten, aber was kratzt mich das? Inzwischen müsste ich gelernt haben, dass ich daran nichts ändern kann – meine Mitbürger lassen sich von den Medienschaffenden wie mit einem Ring durch die Nase hin- und herführen. Selbst die, die so gern auf Lügenmedien verweisen, gehen ebenso brav am Ring ihrer Meinungsbildner. Doch auch ich störe mich nur manchmal, ganz selten, an der Last dieses Ringes. Also plane ich lieber meinen überüberüberüberübernächsten Urlaub, die Unterlagen sind da. Sie schauen gut aber arg teuer aus. Darauf ein Gläschen durchgegorenen Traubensaftes, ein, zwei Nächte Überlegungsschlaf und dann sehen wir weiter. Solche Säue liebe ich. Satteln und losreiten. Adelante!

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Wacherlebnisse und Aktivpensionisten

Schon kurz nach acht bin ich munter. Der Tag fängt ja gut an. Streckt jetzt das Alterskurzschlafsyndrom seine schmutzigen Finger nach mir aus? Hoffentlich nicht! Wie dem auch sei heute führt mein Weg mich nach langer Zeit wieder einmal zu unseren Freunden und Helfern in Wolfsburg. Erst einmal steht man vor einer verschlossenen Innentür. Und nun? Man soll klingeln – aber wo? Direkt neben der Tür, wie üblich? Selbstverständlich nicht! Dann entdecke ich so etwas wie einen Lichtschalter neben einer großen Glasscheibe vor einem scheinbar leeren Raum mit einem alleingelassenen Tresen. Ich betätige den Schalter und höre nichts. Ob der Schalter die Klingel ist und ob diese an geeigneter Stelle Töne von sich gegeben hat? Keine Ahnung! Es tut sich nichts. Ich spähe intensiver durch die Scheibe und siehe da, arg am Rande meines Sichtfeldes ist eine Art Schreibtischkonstrukt und daran sitzt, man glaubt es fast nicht, ein lebender Polizist. Beim zweiten Klingeln winkt er um Geduld. Vielleicht hat er es beim ersten Mal auch schon getan und ich habe ihn nur nicht bemerkt. Kann schon sein. Irgendwann summt es und ich darf die heiligen Polizeihallen betreten. Wolfsburg ist Großstadt und auf der Wache ist ein Polizist zugange, der auch noch die zentralen Anrufe entgegennehmen und vermitteln soll? Eindrucksvoller lässt sich Personalnot kaum darstellen. Vor ein paar Jahren wirbelten hier noch drei oder vier grünberockte (lang ist’s her) Amtsträger herum. Wenige Kilometer weiter haben wir ein überbesetztes Parlament mit sogenannten Volksvertretern die zum Regieren gezwungen werden müssen und hier eine Wache in Unterzahl? Irgendwie setzen wir die falschen Prioritäten. Andererseits ist natürlich das Kassieren von Diäten ohne Verantwortung tragen zu müssen ein begehrenswerter Job. Irgendwie verstehe ich es schon, dass es bequemer ist in der Opposition den Bauch wachsen zu lassen als in der Regierung sich abzurackern und dennoch Prügel einzustecken. Traumjob: Aktivpensionist im Hochlohnsektor.

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App-Verwirrung, Telefonator und Luxuspreise

Und mein Home wird noch smarter. Die erwartete Lieferung trifft pünktlich ein, so dass ich vollmotiviert einen Lichtschalter einbauen, Birnen (die im Fachjargon eigentlich Lampen genannt werden aber wie heißen dann die echten Lampen?) eindrehen und eine Fernbedienungshalterung montieren kann. Bis dahin läuft alles gut. Ich rufe die App auf und das Chaos beginnt. Räume sind verschwunden, Lampen werden nicht gefunden, lassen sich Räumen nicht zuordnen, kurz Verzweiflung greift um mich. Dann nervt auch noch unser persönlicher Telefonator mit permanenten Anrufen. Ich bin fertig. Nichts passt. Durchatmen. Eine App löschen, neu starten was sich neu starten lässt und siehe da – Simsalabim – alles lässt sich konfigurieren, zuordnen, steuern, hört auf Befehle und zickt (nicht zuckt oder zockt du blöde automatische Korrektur!) nur noch ein klein wenig herum. Geht doch. Lasse dich mit Technik ein und dir mangelt es nie an Adrenalinschüben, selbst bei ungesunder Couchhaltung. Zum guten Ende kommt noch ein Reiseangebot mit Preisen zum tiefen Luftholen. Luxuswünsche kreieren Luxuspreise. Leider. Armes Konto.

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Sozialismus und Zigarren

Der Tag beginnt mit einem Gottesdienst zur Jahreslosung. Mir obliegt die Moderation, ich schwitze überhaupt nicht(!) und mache sie gern. Der Tag fängt gut an. Spontan ergibt sich eine Nachmittagseinladung. Prima. Man sollte sein Leben leben, dankbar sein und mit dem was den eigenen Fähigkeiten entspricht seinem Glauben Kontour verleihen. Gott ist groß! Am Abend entfaltet aus dem Kasten mit den vielen bunten Bildern Kuba seinen herben Charme. Das wäre schon etwas für eine kleine Reise. Lebendiger Sozialismus ist selten geworden aber Sozialismus kombiniert mit karibischem Flair hat schon etwas Eigenes. Im Grunde genommen sind es die üblichen karibischen Landschaften – aber die Zigarren. O, die Zigarren entfalten selbst selbst auf Gelegenheitsraucher einen Anreiz, denn Kuba steht für Lungentorpedos von Weltrang. Und Zigarren werden nur gepafft. Auch nicht schlecht.

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Realität kontra Plan

Morgen steht die Moderation vom Gottesdienst auf dem Programm. Heute ist – last minute – die Vorbereitung dran. Sie geht, Gott sei Dank, gut von der Hand. Es ist einfach stark wie Gott Ideen initiieren kann und uns motiviert. Total stark. Abends kann ich den Gasthof Neuhaus, kurz vor Gifhorn, gemeinsam mit Freunden testen. Die Bedienung ist sehr angenehm und freundlich, das Ambiente ist mehr als okay und die Speisen ihren Preis wert. Ich bin sehr zufrieden, es ist eine gute Wahl gewesen. Der Abschluss zu Hause ist formidabel und ein wunderschöner Tagesausklang. Leider kann ich meinem Vorsatz vor einer Moderation einen alkoholfreien Abend einzulegen nur sehr unbefriedigend gerecht werden. Planungsdifferenzen. Unvermeidbar. Oder etwa doch? Vielleicht.

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Balgende Millionäre

Die smarten Geldfresser sind da. Für einen ersten Versuch bestellt, erfüllen sie alle Erwartungen. So hatte ich mir das vorgestellt. „Hey Siri, schalte das Licht im Esszimmer an“ und zack gehen die Lampe an. Wunder der Technik. Natürlich lassen sie sich dimmen, im Farbspektrum verändern – ich habe bewusst nur weiß/gelb gewählt weil ich „Papageienstimmungsleuchten“ nicht besonders mag. Aber das ist Ansichtssache. Selbstverständlich gibt es in diesem Programm keine von der Zentrale, genannt „Bridge“, steuerbare Lichtschalter. Ist ja klar, dann würden sie weniger autarke Lampen verkaufen. Dafür gibt es dann wieder Partneranbieter, deren Bridges mit dieser Bridge zusammenarbeiten, sich aber allesamt  dem HomeKit von Apple verweigern. Es ist kompliziert. Um vieles zentral steuern zu können, setzt man sich der Gefahr aus von außen gesteuert zu werden. Andererseits will man selbst von außen steuern, um auf unser Eigentum spekulierenden Zeitgenossen vorzugaukeln, dass man daheim sei, obwohl man im fernen Norden, Süden, Osten oder Westen herumgeistert. Wie gesagt, es ist kompliziert. Nicht kompliziert, nur ärgerlich ist dagegen, dass der Freitagskrimi für ein doofes Fußballspiel ausfällt. Was ist an zweiundzwanzig sich um einen Ball balgenden Millionären so interessant? Ich werde es nie begreifen!

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