Risikominimierung

Welch ein Aufstand! Flüssigkeiten gegen Tetanus und drei weitere Seuchen, dazu gleich zweimal gegen Hepatitis A und B durch kleine Nadeln in meine armen Ärmchen reingejagt. Eine weitere Nadel steht bereit um kurz vor Reiseantritt mein Bauchfett zu traktieren. Mein Körper müsste jetzt voll auf Antikörperproduktion sein. Hoffentlich. – In Braunschweig holen wir einen Kartenständer ab – bei Ebay für 1 Euro ersteigert und hätten liebend gern eine wunderschöne Glasvitrine für 50 Euro mitgenommen. In unseren Kleinwagen passt sie aber natürlich nicht hinein. Einerseits schade, andererseits fehlt uns der unvermeidbare Aufstellplatz daheim. Bedauerlich. Den Nachmittag verschlingt die Kontoeinrichtung per App im iPad. Nach etlichen schweren Seufzern und Klageliedern scheint alles gut zu funktionieren. Etwas zweifelnd schaue ich schon drein, denn ich bin sozusagen von einem hochgesicherten Geldtransporter in eine gepanzerte Limousine umgestiegen. Das Risiko für menschliches Versagen ist gewachsen. Und ich bin der Mensch dabei. Das ist das Risiko. Eben.

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Lernphasen

Ich lerne wieder einmal etwas dazu. Wer sich bei einem Autohaus eine Leasingrate berechnen lässt, kann ein erheblich besser ausgestattetes Modell zu einer ähnlichen, bestenfalls sogar geringfügig niedrigeren, meist aber nur peanutsmäßig höheren Monatsrate erwerben als ein einfaches Standardmodell. Man fährt günstiger und komfortabler. Die Komponente „Zins“ ist gleich aber die Komponente „Rückkaufswert“ liegt bei dem simplen Modell überproportional niedriger als bei der Variante, die dem Bedürfnis nach Luxus schmeichelt. Die Gebrauchtwagenkäufer sind schuld. Sie zahlen erheblich mehr für einen die Bequemlichkeit fördernden Schlitten als für das puritanische Vehikel. Komischerweise wollen die Banken die zurücklaufenden Kutschen wieder verkaufen und lehnen es vehement ab auf dem Wagenpark sitzen zu bleiben. Sie lieben offensichtlich die Pleite nicht. Eine weitere Lektion erschließt sich mir am Nachmittag. Seniorenheime sind käuflich. Das meiner Mum wurde gerade verkauft. Nun gut, nicht das Heim wurde direkt verscheuert, sondern die Gesellschaft, die das Heim betreibt hat den Besitzer gewechselt. Zuerst kam die Personalfluktuation – jeden Monat ein paar neue Kräfte, dann fluktuierte die Heimleitung und jetzt das ganze Heim: neue Geschäftsführerin und neue Heimleiterin, jedoch die Pflegedienstleiterin bleibt gleich. Noch. Hoffentlich!

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Oberflächliches Wirken

Das Grün ist endlich winterfest verkürzt. Ich bin ebenso geistig gestutzt durch die 20er-Jahre-Krimis, die ich am laufenden Band in mich `reinziehe. Literarisch sind sie unterdurchschnittlich angelegt, der letzte Band lässt einen eher frustriert zurück. Andererseits stimmt es mich sehr froh, weil ich endlich damit fertig bin. Löschen, in die Cloud schieben und gut ist’s. Am Montag geht es recht spontan zu Schwager und Schwägerin und das ist eine gute Entscheidung. Eine Rückfrage bei der Samtgemeinde weckt die kleine Hoffnung, dass wir vielleicht noch bei der Briefwahl zum Landtag mitmachen dürfen aber es wird zeitlich eng. Unser abendlicher Besuch hält uns glücklicherweise sehr lange aus und es wird spät, der Traubensaft mundet extrem gut und ganz langsam schleicht sich eine kleine Vorfreude auf unsere Fernreise in mein Leben. Ich sollte doch mal intensiver in den Reiseführer schauen. Ich sollte …

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Gute Aussichten

Was für ein Aufstand um das neue Betriebssystem von Apple! IOS 11 – heruntergeladen ist es schnell, je nach Chip geht die Installation fixer oder langsamer. Dann fährt das System hoch und sieht ein wenig anders aus. Es scheint sich hier mehr um innere Werte zu handeln. Okay, das neue, vielgerühmte Dateisystem lässt sich finden – seine Qualitäten erschließen sich dem alten User wohl erst nach und nach. Split-View mit dem geteilten Bildschirm ist dagegen eine feine Sache. Etliche Apps sind in Rente gegangen und verweigern konsequent ihre Arbeit unter dem neuen Boss. Das war wenigstens lange vorher avisiert. Ansonsten werde ich mich auf Forschungsreise in die Tiefen des Systems begeben. – So viel wie vor diesem Urlaub hatte ich noch nie zu regeln. Heute fällt mir das ein, gestern jenes und morgen ein Drittes. Alle Ideen haben Folgen. Puh! Mein Konto will ich transportabel aber dennoch weitestgehend sicher gestalten, für eine Dieselentsorgungsprämie suche ich eine angemessene Verwendung und mein Rasen harrt infolge der herrschenden Nässe geduldig auf seine Fertigmähung. Dann treffen die bestellten Wassersprudler ein und entpuppen sich nur als die äußeren Ringe der Perlatoren, leer und auf die löcherige Füllung hoffend. Merde, jetzt müssen wir auch noch zum Sanitärfachhändler. So ganz langsam sehne ich das Flugzeug herbei, darin sitzend kann mir einfallen was will, es ist nicht mehr änderbar. Wundervolle Aussichten!

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Wexit

Meinen Kampf gegen den Regen habe ich verloren. Der Rasen soll einen letzten Herbstschnitt erhalten bevor der Winter sein Wachstum hemmt. Ja, ich weiß, für die meisten Gartenenthusiasten ist das ziemlich früh für einen letzten Schnitt aber ich gebe unserem Grün noch die Chance ein wenig an Höhe zuzulegen bevor die kalten Nächte es umklammern. Ob der Wildkraut-/Grasmix dieses Angebot wahrnimmt bleibt den Kräutern überlassen. Doch bevor ich meine Aktion zu einem genussvollen Ende bringen kann überrollt mich die obere Nässe mit einem Beschuss fetter Tropfen. Ich bringe den Mäher ins Gartenhaus und flüchte dann mit schnellen Schritten ins Haus. Ein Drittel bleibt ungestutzt quasi als Androhung künftiger Aufgaben. So kann ich mich der Wahlwerbung unserer bundesweiten Nummer Zwei widmen. Immerhin haben sie einen recht guten Kugelschreiber beigelegt. So bekommen wir wenigstens ein wenig Anteil an der aus unseren Steuern finanzierten Wahlwerbung. Man müsste an sich bei den Parteien  viel mehr Werbegeschenke „abgreifen“ um sich so eine spürbare Rückerstattung zu sichern. Das wäre nicht bestechlich, sondern vielmehr britisch („We want our money back“ oder so ähnlich). Wahlkampfexit – Wexit? Klingt komisch.

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Sensibles Navi, sparsamer Geburtstag und grandioses Konzert

Mein Navi hört mir nicht mehr richtig zu. Ich will nach Gifhorn, es versteht Regensburg. Ich will nach Ehra und es will mich unbedingt nach Gera führen. Aber da will ich nicht hin! Es dauert einige Zeit bis ich heraushabe, es ist ein Sensibelchen. Es will nur mich allein hören. Wehe, es sabbelt noch jemand im Hintergrund mit, das mag es gar nicht. Also nehme ich künftig allen Mitfahrern erst ein Schweigegelübde ab und beginne dann mit der Kommunikation mit dem kenntnisreichen Satellitenauswerterteilchen. Und auf einmal klappt es. Wunderbar. Es leitet mich zu einem Geburtstagsfrühstück. Ich verstehe diese neue Frühstücksmode nicht und werde sie nie begreifen. Zwei Tassen Kaffee und ein Croissant reichen zum Frühstück. Dann bin ich satt. Oder in der deutschen Gastronomierealität: ein wenig Rührei mit Schinken und ein Miniwürstchen – aber dann bin ich knallsatt. Und das soll die ganze Feier gewesen sein? Okay, liebe Gastgeberin, ich quäle mir noch ein Brötchen mit Fisch in den Magen, der jetzt wie toll rebelliert und wild Retouren androht. Jetzt ist aber gut. Danach sitze ich rum und schaue einigen Futterspezialisten beim Reinschieben zu während mein Verdauungsorgan mich übel beschimpft. Wer mich frustrieren will, lade mich zum Frühstück ein. Und dabei lächele ich freundlich, mache gute Miene zum gutgemeinten Spiel. Oh Leute! Abends erleben wir ein tolles Konzert zum Reformationstag in der St-Markuskirche in Reislingen. Die Männerstimmen sind erfreulicherweise nicht schlechter geworden (das ist in der heutigen Zeit schon viel) und die Inhalte sind klasse. Ich bin begeistert. Kompliment dem Chor!

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Tschüss Summertime

Der Sommer ist vorbei. Ende, aus, finito. Warum ich das so genau weiß? Ist doch klar, weil wir unsere Lounge für dieses Jahr abgebaut haben. Die Terrasse ist wieder frei, Gartenkeller und OG klagen dagegen etwas mürrisch über die Belegung ihrer Freiräume. Außerdem ist meine Klage über unerklärliche Transpirationsanfälle zu vernehmen. Nach einer erholsamen Pause ist alles wieder gut. So gestärkt können wir unser Abendprogramm starten, einen Besuch bei einer thailanderfahrenen Bekannten. Sie wohnt in einem eindrucksvoll konzipierten Haus mit einer noch beeindruckenderen Inneneinrichtung aus einem Guss. Mir fällt dazu nur der Begriff „Hexenhaus“ ein – das aber bitteschön extrem positiv gemeint. Sie ist weit entfernt davon eine Hexe zu sein, eher das Gegenteil, aber ihr Heim hat eine so ansprechend verspielte, äußerst dezent aufwändige Dekoration, wie ich sie bewundere aber selbst allerhöchstens ansatzweise, sprich dilettantisch, hinbekommen könnte. Man kommt rein und fühlt sich wohl. Klasse. Außerdem hat sie thailändisch gekocht und es mundet uns allen hervorragend. Es wird ein sehr gefälliger Abend mit anregenden Plaudereien und manchen interessanten Tipps zur Thailandreise. Auf der Rücktour erfreuen mich unsere LED-Scheinwerfer, sie sind eine gute Entscheidung gewesen. Es wird wieder spät. Na und?

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Federfreundschaft

Und dann gibt es noch Tage, da kommt nicht aus dem Bett. War der Alkohol gestern zu viel – aber eigentlich trat er nur in Maßen in Erscheinung und nicht in Massen? Zieht da eine Erkältung herauf? Gibt es Verdauungsprobleme, wegen zu reichlichen Zuschlagens beim Nudelsalat oder den leckeren Schinkenröllchen? Keine Ahnung, Tatsache ist, dass einer extrem langen Ausschlafzeit eine ausgedehnte Mittagspause folgt. Der Kopf schmerzt, das Wohlbefinden ist einem drückenden Unwohlsein gewichen. Ich fühle nicht zermatscht. Eine Aspirin später geht es langsam wieder und ich kann danach in der Stadtmission eine interessante Bibelstunde moderieren. Gott sei Dank! Dennoch wird mich mein Nachtlager nicht lange entbehren müssen. An Tagen wie heute pflegt man besser einen intensiven anhaltenden Kontakt mit den sogenannten Federn. Gut’s Nächtle.

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