So gegen drei Uhr nachts passieren wir die Riesenschleusen von Derdap, was ich zwischen Schlafen und Wachen irgendwie mitbekomme. Ich habe mich so an das Brummen und Zittern gewöhnt, dass die Stille in der Schleuse beunruhigend auffällt 😉. Beim Frühstück legen wir in Donji Milanovac an, um die Einreise- bzw. Transitformalitäten zu erledigen. Erfreulicherweise müssen sich nur die Ausflügler, es sind nicht wenige, testen lassen, wir anderen bleiben unbehelligt. Wie bereits erwähnt ist mein Interesse an Ruinen, Bergkirchen oder sonstigen auf Touristenziel gestylten Örtlichkeiten nicht sehr ausgeprägt. Mit kleiner Verspätung dürfen die Ruinen-Fans los aber wir müssen sehr lange warten bis die Grenzbeamten ihre Ausweisprüfungen beendet haben. Wir fahren an steilen Felsen vorbei, durchqueren breite Stellen, man könnte getrost von Seen sprechen, mit einem Donau-Bauch, der mich über meine täglich wachsende Molle tröstet. „Der Berg des Schweigens“, das Buch über die griechisch-orthodoxe-Athosfrömmigkeit, liegt nun ausgelesen vor mir. Ich muss die Inhalte noch im Herzen bewegen. Ich habe viel Gutes und Nachdenkenswertes aufgenommen, teile jedoch für meine Person nicht alles. So ein Dahingleiten auf dem Fluss fördert die Gehirnaktivität. Das ist gut. Gegen zwei ruft Alex, unser Reiseleiter, uns zur Mästung. Beim zweiten Gang erreichen wir Golubac. Dort harren unsere Kulturbeflissenen schon seit gut einer halben Stunde auf unsere Ankunft. Sie dürfen an Bord und zum Lunch. Die Ausreisekontrolle geht schneller voran und noch während der Mahlzeit legen wir ab. Es geht quer durch Serbien bis nach Mohacs in Ungarn, das wir morgen gegen Mittag erreichen wollen. Am Nachmittag gleiten wir dahin. Ich bewundere das ländliche Leben in Rumänien, sehe Heu-Hocken in ungewohnter Bauweise, jede Menge Ferienhäuser am Ufer der Donau von einfach bis luxuriös. Sehe Ferienhütten und Pensionen, Kirchen mit Zwiebeltürmen, einen Friedhof und Berge von schroff bis sanft. Ich kann es nur beeindruckend schön nennen. Das Dinner füllt nicht vorhandene Leerräume im Magen aus und wir beschließen den Abend mit der zweiten Flasche Sekt, die uns Phoenix-Reisen spendiert hat. Spät in der Nacht passieren wir Belgrad. Und morgen treten wir wieder der EU bei.
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