Vidin und Schiffserkundung

Es begibt sich für uns ein weiterer Bordtag. Wie ich feststellen muss, gehöre ich nicht zu den Standard-Flusskreuzfahrern. Jeder noch so poplige Ausflug ist überfüllt, die Massen drängen sich vom Schiff zu kommen um eine zerstörte Festung, eine unbedeutende Kirche oder was weiß ich zu besuchen. Ich dagegen hätte es am liebsten, wenn wir nachts am Kai festlägen, um den ganzen Tag die Donau entlang zu schippern. Doch das entspricht nur dem Geschmack von wenigen. Glücklicherweise laden wir die Ausflugslustigen oft einfach ab, um sie dann andernorts wieder an Bord zu nehmen. Damit kann auch ich gut leben. Heute feiern wir Gottesdienst á la Miss Sophie. Nett gemacht und aussagekräftig. Irgendwie passen die Gottesdienste sehr zu unserer persönlichen Situation mit Mutti. Sie spenden Trost und geben Hoffnung. So auch heute. Irgendwann legen wir in Vidin/Bulgarien an. Wir bleiben auf dem Schiff, denn die Attraktivität bulgarischer Provinzstädte mit sozialistischem Charme hält sich in Grenzen. Zeit für mich endlich unser Schiff zu erkunden. Ich entdecke die Lagerstätte leerer Bierfässer auf dem Sonnendeck und staune über den Mini-Pool, der anderswo als Planschbecken gute Dienste leisten könnte. Eine Etage tiefer finde ich das Spezialitätenrestaurant, das in Corona-Zeiten sein Leben als profane Speisesaal-Erweiterung fristen muss. Tief unten ist der Crew-Bereich, davor sind die preiswertesten Kabinen platziert und ganz vorn könnte man saunieren wenn nicht die Pandemie ihren Tribut einfordern würde. – Bevor morgen unsere Telefonverbindung durch das sauteure EU-ferne serbische Netz entfällt, klären wir noch schnell ein paar Einzelheiten für Mutti. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus wie Gott die Lösung vorbereitet hat. Stark. – Noch vor dem Dinner begeben wir uns auf eine nächtliche Reise nach Serbien. Ich beschließe den Abend mit einem Negroni, gefolgt von einem Mojito – bei zweien ist eigentlich einer zuviel aber was soll’s, einfach die Bedenken wegschlürfen – kein gutes Konzept auf Dauer. Heute gibt man uns in der Nacht die geklaute Stunde zurück. Ich schlafe trotzdem nur mäßig gut.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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