Altersverwirrung

Was geschieht im Kopf eines hochbetagten Menschleins? Da stellt so ein geistig noch relativ fit erscheinender, leicht bis mittel dementer Mensch eine Behauuptung auf, fest vom Wahrheitsgehalt überzeugt. Aber sie ist grundfalsch. Die Worte und Taten des Beschuldigten bezeugen überdeutlich das Gegenteil, schreien die Wahrheit förmlich heraus. Der alte Mensch bleibt stur: „So war es und nicht anders“. Ich bin geplättet, verzweifelt, ratlos. Wäre er voll bei Verstand, würde man ihm sofort die Freundschaft kündigen. Doch was macht das Alter mit uns, die wir uns gern als Homo sapiens, also verständiger, weiser, kluger Kopf bezeichnen? Was bricht da aus uns hervor? Das muss ich erst einmal verdauen. Uff, steinharte Kost. – Zugegeben, ich lenke mich ab, weise meinen Gedanken andere Pfade zu, lasse mir von Ben anderthalb Stunden lang die Robinie erklären, die sich mit Blättern ziert, die aus vielen kleinen Blättchen bestehen, am Stengel „zu Beginn“ des Blattes zwei Dornen ausbildet, schnell wächst, ein enorm widerstandsfähiges Holz hervorbringt und vieles mehr oder weniger Wissenswertes als Zugabe. Irgendein Typ bombardiert im Anschluss meine Ohren mit Fachausdrücken über Akku-Bohrschrauber und kritisiert damit einen Test der Stiftung Warentest – ich kapiere wenig, versenke mich aber in dieses Handwerkerlabyrinthgeschwafel. Monotones Gehirnrauschen übertönt traurige Gedankengänge. Die Probleme zweier YouTuber, einer normalerweise mit dem Flugzeug unterwegs, der andere zieht Kreuzfahrtschiffe vor, beide nun an Land auf den Boden „gefesselt“, rühren mich milde an. Noch ein wenig lesen und dann möglichst früh – noch vor eins – in Morpheus seine Arme flüchten. Bonne nuit.

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DNA-Beweis: Es gibt keine Menschenrassen

Ein Monat ist im Fluge vergangen und in meiner Gemeinde wartet unser Staubentfernungsgerät auf mich. Während ich saugend durch die Räume schleiche höre ich einen Vortrag von Roger Liebi über ‚Völker, Gene, Hautfarben‘ und bin verblüfft und erfreut. Die DNA des Menschen ist „abgewickelt“ ca. ein Meter lang, da doppelt angelegt zwei Meter. Die Unterschiede in der DNA zwischen zwei weltweit zufällig ausgewählten Menschen machen gerade 0,2 % aus. Dabei ist es völlig egal ob meine DNA mit der meines Nachbarn oder eines Schwarzafrikaners, eines Indianers oder Eskimos verglichen wird. Die Differenz bleibt gleich. Die Unterschiede im Erbgut bei den so genannten „Rassenmerkmalen“ (dickere Nasen, Lippen u.ä.) betragen gerade mal 0,012%. Das lässt nur einen Schluss zu: Es gibt keine „Rassen“! So beweist die Wissenschaft was die Bibel schon lange ausdrückt: alle Menschen sind gleich vor Gott und müssen es auch in der Gemeinde sein! Gott ist groß! – Mein Lieblingsbayer bei YouTube gibt seinen Betrieb als Elektriker auf und will sein Geld künftig mit YouTube und Kursen für Lehrlinge verdienen. Es verblüfft mich immer wieder wie man recht viel Geld mit seinen Videos verdienen kann, eine große Abonnenten- und Downloadzahl vorausgesetzt. Für charmante Plaudertaschen mit der richtigen Themenwahl eine erfreuliche Art sein Geld zu verdienen, ein dickes Fell vorausgesetzt, denn Kommentare können schrecklich sein. Für mich wäre das nichts. – Dann lese ich mal wieder bis Mitternacht. Das ist nicht spät.

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Experten unter sich

Wir beauftragen unseren Gartenbauer mit Planungen, um einen Teil unseres Grundstücks pflegeleichter zu gestalten. Das Verbot eines „Steingartens“ klingt ja ganz nett dabei fehlt nur der Blick auf ältere Zeitgenossen, die mit Gartenarbeit zunehmend Mühe haben. Mit einem Abgeordnetengehalt ist ein Gärtner locker drin doch selbiges verstellt den Blick aufs normale Volk. So planen wir einen Weg durch die vielfältigen Hindernisse, um sie zu umschiffen. Der Ausweg in eine Eigentumswohnung ist durch die Baupreis- und Hausgeldentwicklung sowieso längst verbaut. – Gerade rechtzeitig ist es uns gestattet wieder unsere Haarkünstlerin aufzusuchen, die ihre Verluste durch eine Preiserhöhung auszugleichen versucht. Ist wohl mehr als verständlich. Ums Haupt ist mir jetzt viel leichter zumute. Gut so. – Unüberlegt wie ich mich mitunter aufführe, habe ich schnell die Website-App auf meinem neuen Mac installiert und im alten gelöscht. Hurtig, hurtig. Leider übersah ich dabei die Zugangsdaten zum Provider ebenso zu übertragen. Wie war doch gleich das Passwort? Welche meiner unzähligen E-Mail-Adressen hatte ich als User eingetragen? Alles lässt sich lösen, dankenswerterweise diesmal sogar relativ schnell. Irgendwann sind dann endlich die neuesten Änderungen der Seiten online gegangen. Puh! Wer keine Probleme hat, macht sich halt welche. – Fernsehen ist out, lesen ist out, YouTube dito und es wird doch spät. Seltsam.

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Schmalhans

Der Heuschnupfen schlägt voll zu, doch ich habe eine Idee. Wenn die lästigen Masken gegen Covid-19-Aerosole schützen, vielleicht können sie auch Pollen aufhalten? Einen Versuch ist es wert. Gesagt, getan, ich laufe im Hause mit der medizinischen Maske, also der etwas durchlässigeren, herum. Die Augen hören auf zu jucken, tränen nur ab und an ein wenig, die Nase ist frei und von Atembeschwerden merke ich nahezu nichts. Klasse! Okay, es fühlt sich blöd an, sieht doof aus aber es hilft. So werde ich, solange es wirkt, an Pollenflugtagen (und es gibt wenige Pollen, die mich nicht reizen) mittelschwer verhüllt herumlaufen. Was die Leute sagen ist mir völlig Wurscht solange meine Augen nicht jucken und der Niesreiz unterbleibt. Ich starte jetzt einen Dauertest. – Fast jedes Jahr haben wir am heutigen Tag gefeiert, eine gute Freundin zelebrierte immer ihren Geburtstag. Das unterbleibt natürlich, wie schade. – Außerdem beginnt heute ein weiterer Abnehmversuch, einer von ungezählt vielen, und so hält sich mein Optimismus in Grenzen aber angeblich stirbt die Hoffnung ja zuletzt. Andererseits heißt es ebenfalls: „Hoffen und harren macht Weise zu Narren“. Also schauen wir mal was daraus wird – eins ist jetzt schon sicher: der knurrende Magen. Dann soll ich mich auch noch viel mehr bewegen. Aha. Wenig essen, viel bewegen, unbefriedigter Appetit – das kann ja heiter werden. Ich sehe schwarz, tiefschwarz. Der erste Tag gelingt bestens, ich war ja gestern gut angefüttert. Es wird früh.

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Coronafolgen und die nördlichen Hebriden

Meine mutige Lebensbegleiterin begibt sich zum Gottesdienst um gleich bei einem kurzen Austausch mit Freunden von offizieller Seite angefahren zu werden, dass sie im Saal der Stille zu pflegen habe. Genau deshalb bleibe ich lieber zu Hause. Ich brauche diesen überzogenen Coronaschutz (Maske + Abstand + Schweigegebot) nicht – andere offensichtlich schon. Sollen sie doch. Ich verfolge den Gottesdienst per YouTube über die zwei Akzente des Glaubens: das Hören auf das Wort und das Merken auf die Erfahrungen durchs Tun. Beides ist nötig, wobei ich finde, dass das Zweite das Erste zwar interpretieren aber niemals aufheben kann. Aber das ist meine Meinung. – Gegen Abend besucht uns eine gute Freundin, coronavorschriftengerecht (eine besucht zwei). Weshalb ein Ehepaar nicht ein anderes besuchen darf habe ich nie verstanden. Ein wohltuendes Gefühl wenn sich die Zweisamkeit endlich mal wieder erweitert. – Irgendwann trifft dann unser Pensionsgast ein um sich von uns zu verabschieden, sein sechswöchiges Praktikum ist vorbei – die Zeit rast dahin, keine neue Erkenntnis. – Mit einem Blick auf die Geschichte der Menschheit mit ihren Haustieren und einem Ausflug nach Schottland samt den nördlichen Hebriden lassen wir den Sonntag ausklingen. Ich lese nur noch ein wenig. Es wird spät.

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Zoom schlägt zu

Ich feiere Premiere und klicke mich in meine erste Zoomkonferenz ein, bei der ich als Teilnehmer registriert bin und aktiv teilnehmen soll. Letzteres gestaltet sich durch zuhören. Selbst als Pensionist kann man sich nicht immer um so etwas drücken. Nein, technisch sonderlich schwierig ist das nicht, keinesfalls, nur sehe ich mich nicht gern auf dem Bildschirm, vor allem nicht in der Perspektive von schräg unten nach oben. Doch weil ich mich bequem vor dem iPad fläzen und nicht zweieinhalb Stunden büromäßig vor dem Computer hocken möchte, bleibt mir kaum eine Alternative. Ich lerne immerhin, dass es sich gelohnt hätte die Position der Kamera vorher viel ausführlicher auszuprobieren. Unangenehm auch, dass ich mangels Übung nie weiß was der Klick auf ein Symbol auslöst und bleibe in der Folge etwas gehemmt, denn mich beobachten 41 andere, darunter Profis mit Headset und Webcam. So grinse ich in die Kamera, bleibe ruhig was mir angesichts der übersichtlichen Themen leichtfällt. – Mittags lädt unser Gast uns zu selbstgemachten Wraps ein. Lecker aber sehr magenfüllend. Nett von ihm. – Nachmittag erfreut mich Ben wieder mit hochinteressanten Ausführungen über den Holzbedarf unseres Landes und seine Befriedigungsmöglichkeiten. Ich muss einen ganzen Sack von Vorurteilen über die Forstwirtschaft verschrotten und mir dieses Wissensareal völlig neu erschließen. Herausfordernd. – Zum intellektuellen Ausgleich verfolge ich am Abend auf der Großleinwand den Frieslandkrimmi. Er macht sich gut dort und tut auch noch gut. Der Tag endet ausnahmsweise früh.

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Zu kurz gedacht

Im Laufe meines Lebens habe ich die Theorie der Evolution nie sonderlich infrage gestellt. Als Christ habe ich meist eine von Gott gesteuerte Evolution vermutet, mir aber keine weiteren Gedanken gemacht. Mein Thema galt der Technik und nicht der Natur. Doch dann schlug das Alter zu. Immer mehr werde ich von Zusammenhängen in der Natur fasziniert, sehe im Kleinen wie im Großen Abhängigkeiten, Verzahnungen und ein Zusammenspiel von Fauna, Flora, Geologie, Meeresströmungen, ja sogar Planeten, ohne deren Wechselwirkungen Leben in dieser Reife überhaupt nicht möglich wäre. Damit wird als allererstes der Zufall als gestaltende Kraft weggekickt. Ein Sechser im Lotto mit Superzahl jede Woche ein Leben lang erscheint mir wahrscheinlicher als dass unsere komplizierte Erde durch ihn konzipiert wäre. Doch wer außer Gott wäre in der Lage so ein komplexes Gebilde zusammenzustellen? So lange mir keiner eine andere in sich schlüssige Lösung bietet, bleibe ich jedenfalls dabei. Wie ich gerade jetzt darauf komme? Durch einen YouTube-Beitrag eines Experten über die Eigenschaft des Waldes im Holz CO2 einzulagern in einer langsam abflachende Kurve je nach Alter des Waldes. Freigesetzt wird das CO2 erst beim Verrotten des Holzes. Durch die Verwendung dieses Materials für Häuserbau, Errichtung von Hallendächern, Brücken und sonstigen Bauwerken bleibt das CO2 gebunden. Erst wenn diese verfaulen oder verheizt werden haut es in die Atmosphäre ab. Würde man nicht verwertbares Schadholz verbuddeln bliebe das CO2 gebunden bis man die irgendwann entstehende Braunkohle verbrennen würde 😉😊. Faszinierend – und das ist nur ein winzig kleiner Ausschnitt aus dem Kreislauf Erde. Der zitierte Beitrag hat mich wieder gelehrt wie wir Menschen Sachverhalte viel zu kurz beurteilen. Selbst der Wald überfordert uns schon, weil sich dort Entwicklungen extrem langsam vollziehen, die erst nach Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten ernsthaft nachvollziehbar wären. Mit unserer kurzen Sicht der Dinge geraten wir viel zu schnell und unbemerkt auf Abwege. Halt zu kurz gedacht.

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Typisch

Zu den sogenannten Beamten-Privilegien gehört die private Krankenversicherung. Früher war es kein Privileg Privatpatient zu sein (bis aufs Krankenhaus natürlich aber das kostet auch für Beamte extra). Heute, wo die Krankenkassen die Ärzte knechten und drücken, wird eher „ein Schuh draus“. Wenn ein Auftraggeber nur einen Teil der Leistungen bezahlt und den Rest als Gratis-Zugabe erwartet und ein anderer alles honoriert – wem würde man wohl eher hofieren? Zu den „Privilegien“ gehört, dass ich erst einmal alle Gesundheitsrechnungen selbst bezahlen darf und dann eine Erstattung bei zwei Stellen beantragen muss, die sich die Kosten teilen. Ich sammle meist die Rechnungen bis eine wirklich „dicke“ kommt oder Verjährung droht. Ach ja, wenn man die Belege nicht innerhalb eines Jahres einreicht, entfällt die Erstattung. Heute geht so ein Jahr zur Neige und ich stelle alle Arzt-, Labor- und Apothekenrechnungen zusammen, scanne sie ein und sende sie online zur Versicherung. Dann fülle ich ein Formular aus, hefte die Zweitschriften dahinter und packe alles in einen Umschlag. Der ist für die Behörde, für die digital eher ein Fremdwort ist. Jetzt heißt es warten. Die Krankenversicherung reagiert meist schnell, die Behörde macht ihrem Ruf alle Ehre. So ist das eben. – Noch zwei kleinere Jobs zu erledigen und ich erkläre mein „Tagwerk“ für beendet. Die Unterdrückung und Bewältigung meiner Reiselust gehört eher zum Freizeitvergnügen und macht mir zu schaffen. Seufz. – Angeblich will keiner mit AstraZeneca geimpft werden. Ich schon aber mich fragt ja keiner. Andere Nationen impfen wir palavern über die Impfstoffe. Typisch deutsch. Es nervt (mich).

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