Mainstreamromanze

Jeder muss sich ein Leben lang mit sich selbst rumschlagen. Selbst gestandene Christen werden immer wieder mal von alten Charakterzügen eingeholt. Das kann auch theologischen Ausbildungsstätten passieren. Ich weiß von einer, ob hier oder anderswo spielt keine Rolle, die hatte in Deutschlands schlimmsten Jahren mit dem damaligen Zeitgeist mehr als geliebäugelt. Das hing ihr lange an und sie musste ziemlich strampeln um das Image loszuwerden. Inzwischen, viele, viele Jahrzehnte später, macht sie wieder, diesmal dem heutigen Zeitgeist, schöne Augen und jongliert mit biblischen Aussagen bis diese dazu passen („sollte Gott gesagt haben“ und so). Also nichts Neues unter der Sonne. Doch mich bewegt, ob das mir auch passieren könnte (oder gar schon passiert ist)? Würde ich das merken? Bin ich etwa schon auf der rutschigen schiefen Bahn gelandet? Herr Jesus, halte mich bei deinem Wort, ist meine dringende Bitte, denn meine Worte und „Erkenntnisse“ haben mich schon zu oft aufs Glatteis geführt. – Heute erleben wir einen beeindruckenden Gebetsabend aus Bremen, der alles Gott anbefiehlt, ihm dankt, ihn bittet zu handeln und auch alle Widersacher Gott anbefiehlt, nein nicht seiner Rache, sondern seiner Nähe. Faszinierender lebendiger Glaube! Resümee des Tages: Wer bin ich gerade? Bin ich die Sau, die durchs Dorf getrieben wird? Oder bin ich der Treiber? Oder begeisterter Zuschauer? Oder halte ich einen Stall bereit in dem die Sau zur Ruhe kommt? Wer bin ich?

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Fisch will schwimmen

So ein Seniorenheim in Corona-Zeiten ist keine gute Sache. Der Wegfall von spontanen Besuchen, Anmeldefristen und lange Testzeiten sind nicht nur für Besucher ätzend sondern noch viel mehr für die Bewohner. Es fehlt das spontane Vorbeischauen bei Gelegenheit. Meine Mum habe ich noch nie so innerlich zerrüttet erlebt wie heute. Sie schien mir anfangs völlig von der Rolle zu sein. O wie traurig. Den Besuch nicht in ihrem Zimmer empfangen zu dürfen ist eine weitere Zumutung. Dort ist nämlich die Keramikabteilung nur ein paar Schritte entfernt und nicht anderthalb lange Gänge weit. Das ist für Ältere keine Komfortfrage mehr sondern eine existentielle Herausforderung, die überdies die Besuchszeit verkürzen kann. Das normale Geplauder über den Alltag, über Fehlendes im Zimmer oder nicht gefundene Kleidungsstücke entfällt völlig, denn jeder Schritt zum Empfangszimmer reduziert ihr Erinnerungsvermögen fatal. „Aus den Augen, aus dem Sinn“ ist hier eine bittere Wahrheit. Sehr, sehr traurig. – Draußen scheint der Frühling den Winter überrollen zu wollen und das Ende Februar. Normal ist das nicht. Mein Heuschnupfen meldet sich wieder mit dem Versprechen mich bis Juli zu nerven. Er hat halt Freude daran. – Der leckere Fisch zum kalten Dinnermahl hält meinen Magen den ganzen Abend auf Trab bis ich kapituliere und ihm Hochprozentiges bewillige. „Fisch will schwimmen“ heißt es und es scheint zu stimmen, denn bald kehrt Ruhe ein. Antialkoholiker werden mich belehren, dass der Erfolg auch so eingetreten wäre, weil mein Verdauungstrakt sowieso kurz vor seinem schwer erkämpften Feierabend stand. Sie mögen recht haben. Ich streite mich nicht. Eins weiß ich aber: es wird sehr spät.

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Ein Turbo, ein Rasenterrorist und ein Vitaminmord

Heute startet meine Speedbox ihren Turbo. Bisher konnte man mittels ihrer Hilfe mit ca. 15 bis 18 MBit durchs Internet schlendern, wenn sie gut drauf war. Jetzt jagen wir mit 70 bis 90 MBit durchs Netz. Ich bin begeistert. Die Ursache ist der Standort, zwanzig Zentimeter nach links und 20 Zentimeter nach oben. Mehr nicht. Die Box stand bescheiden in der Ecke, unmittelbar vorm Fensterrahmen. Jetzt blickt sie durch die Scheibe in Richtung Funkmast. Sie liebt offensichtlich das Direkte. Es sei ihr von Herzen gegönnt. Manchmal ist es doch gut, wenn man auf einen Sockel gehoben wird. ‚Quod erat demonstrandum‘, wie man es beim Asterix-Latinum wissen muss. – Ich fummele also am Internet herum, während meine hochaktive Vertraute sich des ehemals vorbildlichen, jetzt durch Maulwurf und Frost gequälten, Rasens erbarmt. So eine einst vorbildlich grüne Fläche in diesem malträtierten Zustand zu sehen stimmt mich tief traurig. Ob dieses Mistgrabevieh auch unsere Beregnung zerstört hat bleibt weiteren Recherchen vorbehalten. – Abends sehe ich mit Grausen wie aus frischen Früchten etwas entsteht, was selbige neutralisiert, teilweise mit Schadstoffen versieht und völlig überzuckert als ‚Fruchtcocktail‘ in den Handel kommt. Schockierend. Es wird nicht sehr spät.

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Makaronesien

Der Gottesdienst aus Bremen macht (wieder einmal) Mut auf Jesus zu vertrauen und stellt sein Opfer für uns heraus. Eine kosmetische Badepause später erfrischt mich der Gottesdienst aus meiner Gemeinde mit der Aufforderung einander anzunehmen wie Christus uns angenommen hat. Es eröffnet sich eine erstaunliche Spannweite vom allgemeinen Rassismus bis zum engen Miteinander in der Gemeinde. Offensichtlich ein großes und wichtiges Thema. – Die Frauenkirche in Dresden bereichert die Passionszeit jeweils samstags mit einem Musikstück und sonntags mit einer Passionsandacht. Eine gute Idee und sehr ansprechend gestaltet auf YouTube. – Die Sonne lacht mich an und so probiere ich einen kleinen Schlendergang rund um’s Eck. Zwei Drittel gelingen phantastisch gut, nur im letzten Drittel beginne ich wieder zu transpirieren als ob ich für die diesbezüglich Weltmeisterschaft trainieren wollte. In so einer Disziplin bin ich echt gut. Seufz. – Abends entführt uns Terra X in die Tiefen der Südsee, über einen Kilometer unter dem Meeresspiegel gibt es seltsame Tierchen und Lebensformen. Weiter geht es nach Makaronesien, die gesegneten oder glücklichen Inseln. Die Kette führt von Madeira über die Kanaren bis zu den Kapverden. Faszinierend. Im Anschluss streifen wir durch den Oman, das Kaspische Meer und Ägypten. Dann haben wir die Nase voll von Ferne und lassen den Tag in der Nähe ausklingen. Es wird leicht spät.

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Übergangszeiten

Mich beschäftigt die Reichweite eines Elektroautos im Winter. Der Id.4 ist offensichtlich bei niedrigen Temperaturen ein großer Stromfresser. Mehr als 250 km sind nicht drin und auch nur bei maximal 120 km/h. Bleibt zu hoffen, dass das im Sommer noch steigerungsfähig ist. Aber so etwas gehört halt noch zum Abenteuer Elektromobilität. Endlich macht man mal regelmäßig Pause – soll ja gut für’s Durchhalte- und Konzentrationsvermögen sein 😉. -Draußen steigen die Temperaturen spontan auf ein Frühlingsniveau. Ob der Lenz schon um die Ecke lugt? Vor einer Woche Tiefschnee und jetzt zweistellige Plusgrade – das Wetter schlägt zweifellos Kapriolen. Ist das nun von Menschen verursacht oder ein natürlicher Wandel? Darüber sollen sich ruhig die Experten streiten oder gegenseitig auf die Schultern klopfen – ich kann eh‘ nichts dran ändern oder nur so viel wie mein Umstieg auf Papiertüten die Plastikfluten in den Ozeanen eindämmt. Bislang sehe ich nur, ein wenig böse formuliert, dass eines der Hauptziele unserer Regierung bei der CO2-Verminderung ist, die Gewinnmargen der Energiekonzerne zu fördern. Doch auch das ist nicht neu, wir haben allesamt Probleme mit Veränderungen. Und so lese ich wie jeden Tag meinen Kriminalroman und suhle mich im gewohnten alltäglichen Einerlei 😳😇😉. So wird es wieder traditionell spät. Nichts Neues unter der Frühlingssonne?

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Hoffnung first

Wie wird man bloß unpolitisch? Wie gelingt es sich vom allgemeinen Leben so abzukoppeln, dass die durchs Dorf irrenden Säue jenseits der eigenen Wahrnehmung vorbeipreschen? Als erstes müsste ich wohl alle Zeitungsabos kündigen. Zweitens die drei News-Apps löschen und drittens Fernsehen nur über Netflix und Co. schauen. Manchmal bin ich kurz davor. Es gibt Tage da nervt jede zweite Meldung, weil mich entweder ein Elefant anblickt, der in Wirklichkeit eine Mücke ist oder sich ein großes Lamento erhebt über ein entschlüpftes Unwort, eine dahingerotzte Bemerkung oder einen unsensiblen Versprecher. Ich will nur noch in der Sonne liegen auf dem Oberdeck eines Kreuzfahrtschiffes oder alternativ auf einem weit entfernten Eiland lustwandeln. Punkt. Sollen die jungen Leute sich doch an diesen Hahnenkämpfen (Hennenkloppereien 😉😁😇) verlustieren. Viel Vergnügen! Und doch gibt es nach wie vor Themen, die mich fesseln, gibt es Einstellungen, die Mut zu mehr machen und Projekte, die einfach nur gut sind, Aktionen, die unsere Verantwortung vor Gott und den Mitmenschen widerspiegeln – völlig wurscht ob sie politisch in oder out sind. Es wäre zu schade sie zu ignorieren. Ab und an blitzt erstaunlicherweise ein helles Sternchen am politischen Himmel auf, weit abseits von den Säuen im Dorf, das Perspektiven eröffnen weit über irgendwelche Legislaturperioden hinaus. Es wäre dumm, es zu verpassen. Resümee: weniger ärgern, mehr hoffen.

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Weltreise(alb)traum

Meine Träumerei geht weiter. Ich finde eine über 140-tägige Weltreise per Schiff für den Schnäppchenpreis 😉 von rund 55.000 € pro Person. Die wirklich teuren Kabinen (76.000 p.P.) und die Schnäppchen-Innenkabinen (20.000 p.P.) sind bereits vergriffen. Das preiswerteste verfügbare Angebot liegt bei 26.000 € p.P., eine 2-Bett-Glücks-Außenkabine mit Bullauge oder Fenster. In unserer Republik ist offensichtlich wahnsinnig viel Geld auf dem Markt. Einfach mal gut 150.000 Euro über den Tisch schieben – herzlichen Glückwunsch! Andererseits wenn ich 110.000 € übrig hätte, würde mich die Schiffsreise schon reizen aber ich besitze ja noch nicht einmal diese Summe, geschweige denn ist sie über. Und sein Haus verkaufen nach dem Motto „Für ein halbes Jahr voller Luxus da geb‘ ich alles hin“? Nö, das ist nicht meine Welt, ganz und gar nicht. Prasst ihr Reichen vor euch hin, ich gönne es euch aus vollem Herzen! Und 140 Tage auf einem Schiff, wo mir nach einer Woche schon das Abendbuffet im Urlaubshotel zu viel wird? Manches träumt sich halt leichter als dass es sich lebt. Isso! – Abends hetze ich durch einen mir bekannten Roman und es wird dennoch sehr spät. Mein Schicksal, seufz.

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Modernes HB-Männchen

Der Hessische Rundfunk versucht auf sehr plumpe Art Stimmung zu machen. Es geht um einen Reiseveranstalter, der in Zusammenhang mit einer Reisebuchung eine Corona-Impfung anbietet. Mal abgesehen davon, dass das zurzeit völlig irreal ist, da dazu eine Genehmigung der Bundesregierung erforderlich ist (wie sich im Laufe des Beitrags herausstellt) und das Angebot nur gelten soll, wenn genügend Impfstoff für alle bereit steht, sind die Bürgerkommentare extrem einseitig ausgewählt. Alle reden entschieden dagegen, keiner ist dafür. Ich könnte mir zwar gut vorstellen, dass dem die Mehrzahl der Bürger zustimmen würde (auch ich) aber dass es keiner gut findet, glaube ich angesichts der Reiselust meiner Mitmenschen nicht. Hier zeigt sich für mich wieder einmal die Meinungsmanipulation der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Wenigstens eine fundierte Gegenstimme „aus dem gemeinen Volk“ wäre für eine journalistisch halbwegs faire Berichterstattung unverzichtbar gewesen. Solche manipulative Art frustriert mich. Also mache ich mich auf und spaziere mit Matthias durch die MS Artania, einem Schiff, das für Phoenixreisen unterwegs ist. Das transferiert mich wieder zurück auf den Teppich. Prima. So lasse ich den Tag mit Reisefeeling ausklingen und mische ein wenig ‚Tod im Tropenhaus‘ darunter. Es wird viel zu spät.

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