Irritierend

Es geht relativ früh (für mich) ins Bett – so gegen halb eins. Die Nacht zieht sich trotzdem bis gegen 10 Uhr morgens hin, denn es ist manches nachzuholen. So ein später Tagesbeginn hat logischerweise einen kurzen Vormittag im Gefolge, doch selbiger fühlt sich heute länger an als er ist. Das Zeitgefühl ist halt eine schwer einzuschätzende Größe. Immerhin haben die Flattermänner im Garten jetzt wieder reichlich zu futtern und eine Staubvernichtung konnte erfolgreich abgeschlossen werden. – Seit mein altes MacBook weiß, dass sein Nachfolger unterwegs ist, ist es spürbar schneller geworden. Die Rumzickerei beim Aufruf von Programmen hat deutlich abgenommen und ich bin arg verwundert. Was ist nun los? Da quäle ich mich monatelang mit einem lahmen System herum und kaum ist der Austausch geregelt, entwickelt der Oldie ganz neue Kräfte. Irgendwie beeindruckend aber ebenso irritierend. Zugegeben, richtig schnell ist es nicht aber deutlich agiler. – Immer wenn ich meine, dass ich mich in der Bibel ganz vernünftig auskenne, trifft es mich keulenartig. So auch heute. Ich war mir ziemlich gewiss, was im 1. Buch der Chronik zu finden ist und habe mich schon über die endlosen Aufzählungen gewundert. Jetzt muss aber endlich kommen, womit ich gerechnet habe, dachte ich. Und was kommt? Das zweite Buch der Chronik. Irrtum total. Frustrierend aber lehrreich.

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Reiselust

Noch bevor vom Frühtau überhaupt die Rede ist bin ich schon auf den Beinen. Erstaunlich was das Herz so alles leisten kann obwohl das Hirn nur vor sich hindämmert. Wenig später sitzen wir im ICE nach Hannover für eine trotz Einsperrpflicht erlaubte Reise. O wie erquickend ist es endlich mal wieder im Zug zu sitzen und durch die Landschaft zu düsen selbst im halbaktiven Schlafmodus. Zwei Taxifahrern in Hannover verhelfen wir außerdem zu leicht verbesserten Tageseinnahmen, erledigen zwischendurch das Anstehende, vertilgen Leberkäse im Bahnhof und zuckeln zurück im Enno. Endlich mal wieder reisen! Wie schön! Zu Hause kann ich sogar mein Schlafdefizit ein wenig verringern und abends mich erneut bei Death in Paradise wundern, dass inzwischen schon der dritte Inspektor respektive Kommissar partout sein Leben auf der Karibikinsel gegen eine Existenz im nasskalten London eintauschen will. Wie sagte Obelix so trefflich: „Die spinnen, die Briten.“ – Heute mache ich versuchsweise einen Schnitt und beende meine weltübliche Tageseinteilung. Künftig probiere ich es mal mit der jüdischen, die viel für sich hat – europäisch ausgedrückt: der Folgetag beginnt mit Sonnenuntergang des Vortages. Dann könnte ich schon am Abend posten und vermeide auf diese Weise mögliche altersbedingte Gedächtnisverluste 😉😀! Ich bin gespannt.

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Seltsam: „Einsiedlerkrebs“ vermisst Gemeinschaft

Die Virus-Vorsicht weitet sich inzwischen zur Vorsichts-Pandemie aus, ist mein Eindruck. Es soll Gemeinden geben, hört man, die beim Gottesdienst so vorsichtig sind, dass sie das Mönchswesen mit seinen Schweigegelübden reaktivieren. Vor, während ist das selbstverständlich und nach den Gottesdiensten darf keiner miteinander reden. Damit setzen sie ein wesentliches Element des Gottesdienstes aus, die Gemeinschaft. Mag sein, dass das nacheilender Gehorsam dem Staat gegenüber ist (die Forderungen staatlicher Organe wachsen stetig) oder ist es vorauseilendes Sicherheitsdenken? Dennoch bin ich gewiss, viele meiner Schwestern und Brüder würden nach wie vor lieber solche Rumpf-Gottesdienste haben als gar keine. Keine Frage für sie wären diese okay. Doch ich würde solche meiden, denn mir fehlt gerade das Element, das ich vor der Pandemie gering geachtet hatte aber durch sie erst richtig schätzen lernte (obwohl ich, zugegeben, im Praktizieren leider noch nicht gerade toll bin). Gott sei Dank bin ich nicht mehr in der Verantwortung derartige Regelungen treffen zu müssen. So bete ich für meine christlichen Geschwister, dass sie weise agieren. Möge der Heilige Geist uns alle leiten auch in gegensätzlichen Auffassungen, dass wir diese, zwar nicht kritiklos aber letztlich doch akzeptieren. Wenn es auch schwer fällt. Mitunter sehr schwer. That’s life!

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Familientrouble

Der Installateur kommt wie angekündigt, nimmt sich der Sache an und hat alles recht schnell im Griff. Irgend so ein blöder Kalk hatte sich gelöst, an ungünstigster Stelle abgesetzt und verhinderte den Ventilschluss. Mechanik ausbauen, Kalk wegspülen, Mechanik einbauen, fertig. Gewusst wie! Wissen ist Macht und bringt Geld. Ich bin gespannt wie viel mich mein Unwissen kostet. – Ein Anruf lässt meine diakonisch bewegte Dame des Hauses zusammenzucken und setzt sie stante pede in Bewegung. Ihre ältere Freundin benötigt Hilfe. Ich bleibe zurück und arbeite einen kleinen Teil meiner Vorhaben ab. Gut Ding will Weile haben! – Übrigens ließ der Autor auch die Freundin am Leben und nahm im letzten Drittel des Buches etwas Grausamkeit heraus. Beides tat meinem Lesen und dem Buch gut. – Die Amtseinführung des Präsidenten der USA verläuft ungewöhnlich publikumsbefreit, was seinem schmollend und grollend ausscheidenden Amtsvorgänger zuzuschreiben ist. So bleibt meinen evangelikalen Schwestern und Brüdern aus dem Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten nur die Trauer über ihren Fake-News-Lügenbold-Lieblingspräsidenten. Offensichtlich hat man mit seiner geistlichen Familie fast ebensolche Nöte wie mit seiner natürlichen. Ick wunder mir über nischt mehr.

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Gleich zu Anfang das Ende

Das letzte Überbleibsel von Weihnachten, der Lichtervorhang in der Lounge, verschwindet im Keller. Das Jahr startet durch. Die Infektionen gehen zurück und die Bundesregierung samt Länderchefs verkünden eine verlängerte Ausweitung des Lockdowns. War bislang der hohe Inzidenzwert die Begründung, kommen nun die Mutationen des Virus hinzu. Ein Ende sowohl des Einsperrmodus als auch der Vielfalt seiner Begründungen ist nicht abzusehen. – Unser wasserverschwendendes WC im OG hat sich entschlossen wieder munter zu sprudeln . Das ist nicht gut. Immerhin verspricht mir unsere Fachfirma gleich morgen, mitten im Frühtau, einen Handwerker vorbeizuschicken. Mir gelingt dann der Coup mittels eines eingeklemmten Feuerzeugs die Fluten zu bändigen. Beruhigend. – Nichts rührt sich wegen meines bestellten MacBooks, weder wird ein Betrag abgebucht noch meldet sich Apple. Gut, dass ich nicht darauf angewiesen bin. Alles wird gut – mal mehr mal weniger. – Ich habe einen, für ein Sensibelchen wie mich, grausamen Krimi erwischt und bin nun in der Zwickmühle ihn zu lesen und mitzuleiden in der Hoffnung, dass er eventuell doch gut ausgeht. Die Verunsicherung ist groß. Also gebe ich meinem Beamtengemüt einen Ruck und springe in die letzten drei Kapitel. Soso ein Happy End ist gesetzt und die Ministertochter wird gerettet. In der Hoffnung, dass der Autor auch zu ihrer Freundin gnädig ist, „tappe“ ich behutsam weiter im Buch voran. Ob ich künftig immer zuerst das Ende lesen sollte? Das wäre eine Option. Und nicht die schlechteste.

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Probierlust stoppt Wasserflut

Heute ist es fast umgekehrt: diesmal frühstücke ich mit unserem Mitbewohner. Meine Mitgenossin hat freilich nichts mit Eulen am Hut, sie spielt Lerche und verlässt mich zu einer Verabredung in den allerfrühesten Morgenstunden, so gegen acht Uhr. Es sei ihr von Herzen gegönnt. Ich spiele Hausmann, wenn es sein muss kann ich das ganz gut, decke den Tisch, brate, sorry, backe die Brötchen fertig und stelle die Ingredienzien für ein einfaches Frühstücksmahl bereit. Hoffentlich ausreichend gesättigt stürzt sich der Praktikant in seinen Job und ich lasse es ruhig angehen. Pensionistenlike. Abends motzt mein Hardwarelieferant über ein Problem mit meiner Kreditkarte. Überrascht bin ich eigentlich nicht, denn das Bezahlen wurde neulich noch vor Eingabe des Secure-2-Codes „erfolgreich“ beendet. War wohl nichts. Ich darf gespannt sein, ob mein Telefonat sich als hilfreich erweist. Ein Gutes hat die Sache: ich weiß jetzt mit welchem Login ich die Order erteilt hatte. – Kurz vor der Nachtruhe beginnt das WC im OG auszuflippen. Es hält sich für eine immer sprudelnde Quelle teuren Trinkwassers und ist nicht zu bremsen. Unter großen Mühen kann ich die Abdeckung entfernen – der Fluch des in der Wand integrierten Spülkastens schlägt zu. Ich orte endlich das Sperrventil doch es ruht absolut unbeweglich im eigenen Kalk (oder Wasserstein, was auch immer). So zucke, ziehe, ruckle und drücke ich an allen sichtbaren Teilen. Endlich, endlich, endlich erwische ich ein kleines weißes Röhrchen mit blauer Kappe, das sich mit viel Geduld fixieren lässt. Der Wasserstrom versiegt und schweigt die Nacht durch. Puh. Gott sei Dank!!! Meine Ahnungslosigkeit in Haustechnik (außer Smart-Home) ist schwer zu übertreffen.

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Eulen, Evolution und Oxford

Die Schande der Eulen liegt auf mir. Meine hochaktive Angetraute frühstückt mit unserem Gast und ich? Ich verweile eingekuschelt in ‚Morpheus seine Arme‘. Während unser Mitbewohner schon im Gottesdienst in der Christuskirche wirbelt, vertilge ich langsam in aller Gemütsruhe erst einmal meine Morgenkost, bereichert durch köstliches Rührei. Was will ich morgens mehr? Nichts! – Der Gottesdienst aus Bremen fängt etwas verwirrend an, lässt aber schnell eine klare Linie erkennen und unterstreicht Gottes souveränes Handeln. – Die Andacht zur Jahreslosung von der reformierten Gemeinde ist ansprechend gestaltet und gibt gute Impulse. Gestern habe ich sie online gestellt und wieder einmal gestaunt, wie schnell das geht. – Terra X bringt mir die vielfältigen Zusammenhänge, die das Leben auf unserer Erde erst möglich machen sehr nahe. Evolutionstheorie hin oder her, wer ernsthaft glaubt, diese bis ins kleinste Detail aufeinander abgestimmte und voneinander gegenseitig abhängige Artenvielfalt samt Verhaltensmuster der Fauna und Flora sowie die Klimakonstellation seien allesamt durch Zufall und Anpassung entstanden, hat einen Glauben, der meinen weit übertrifft. Sorry, eine Überzeugung, die jenseits aller Erfahrung liegt, die ich in meinem fast siebzigjährigen Leben machen konnte, kann ich nie teilen. So ein eng miteinander verzahntes Gebilde kann nur geplant entstehen, niemals durch Zufall. Wer mit Gott nichts zu tun haben will, mag das gern als noch nicht erforschtes Phänomen betrachten – aber egal, die Dokumentation auf unserer Großleinwand ist durchweg faszinierend. – Danach führt uns eine Professor aus Oxford in die skurrile griechische Mythenwelt ein. Krass. Götter mit menschlichen Verhaltensmustern sind offensichtlich fassbarer als ein Gott, der zwar erfahrbar ist aber dennoch alle unsere Vorstellungswelten sprengt. Schade eigentlich.

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Philosophie und das wahre Leben

Ein ehemaliger Chef meiner Mitruheständlerin wird heute 100 Jahre alt. Meine Zeit. Er soll recht krank sein. So ein Alter birgt für mich persönlich etwas Erschreckendes. Ob man nicht irgendwann die Nase voll hat von dem Miteinander hier auf der Welt? Hängt man wirklich so am diesseitigen Leben, dass die Tage noch Freude bringen? Mag sein, ich kann es mir nur schwer vorstellen. Ich vermute eher, dass man irgendwann den Zenit erreicht und die Lebenslust stark abnimmt, vor allem wenn man um seine himmlische Heimat weiß. Vielleicht werde ich es selbst erleben, wenn ich nicht vorher dorthin abreise. Gut zu wissen, dass es einem vollkommenen Ziel entgegengeht, egal wann es heißt vom sterblichen zum ewigen Leben zu wechseln. – Heute trifft unser Gemeindepraktikant ein. Er fährt einen schnuckeligen kleinen Smart. Stark. Wir plaudern bis in die Nacht hinein und es wird ein unterhaltsamer Abend. Leider lese ich hinterher noch bis tief in die Nacht. Es wird sehr spät.

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