Geruchsprobleme

Jetzt sind alle Gottesdienste rund um Weihnachten und Neujahr abgesagt. Immerhin glänzt das Internet mit einer Vielzahl von christlichen Veranstaltungen, Gottesdiensten aller Couleur, rund um die Uhr meist schon ab morgen zu streamen. Nur die Gemeinschaft wurde in Isolierhaft geschickt und das Miteinander aufs Mindestmaß beschränkt. Fehlt nur noch ein Ausgehverbot mit patrouillierenden echten und Aushilfspolizisten. Blockwarte und Spitzel feiern ja eh‘ schon fröhliche Urständ. Natürlich alles ausschließlich im Sinne der Volksgesundheit. Das neue Jahr dürfen wir auch nicht angemessen begrüßen und so schleppt sich das alte unversehens ins neue hinüber und infiziert es mit einem mutierten Virus. Na dankeschön! Ob ich also gegen all die verordneten Zwangsmaßnahmen bin? Nö, eigentlich nicht, nur sie verbreiten den unangenehmen Geruch der Panik und Hilflosigkeit, des Stocherns im Nebel. Das irritiert mich. – Noch mehr verunsichert mich, dass ich heute acht Minuten Bewegung schaffe. Wie kommt das denn? – Dann können wir uns noch über einen spontanen Besucher freuen samt anregender Plauderei. – Ich fange ein neues Buch an, das mich unverständlicherweise fesselt und erst um halb zwei ins Bett entlässt um mich dort massiv am Einschlafen zu hindern. Merde!

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Bildungsfernsehen

Die Gottesdienste am Heiligabend im Stadion werden abgesagt. Die Situation im Klinikum ist zwar noch nicht bedrohlich aber es wird spürbar enger, sodass jegliche Infektionsgefahr vermieden werden soll. Im alten VfL-Stadion selbst wäre die Ansteckungsgefahr wohl sehr gering (500 Besucher auf 17.600 Plätzen) aber es gibt nur einen Zu- und Ausgang und die Ampel am Berliner Ring lässt die Besucher wohl zu nahe zusammenrücken. Selbst ich bei meinen nur sehr wenigen Ausflügen in die Stadt musste feststellen, dass der Mund-/Nase-Schutz teilweise doch recht nachlässig gehandhabt wird (vorsichtig ausgedrückt). Beides ist sehr schade: die Absage der Godis und die Luschigkeit der Menschen. Das ist so typisch: erst alle Vorsicht fahren lassen und wenn das Malheur passiert ist mit unschuldigster Miene fragen: wer hätte damit rechnen können? Antwort: jeder! Wir sind doch alle sonderbare Heilige, wir patschen frohgemut durchs Moor und wenn wir bis zur Hüfte versunken sind, tun wir völlig überrascht. – Bei meiner siebenminütigen Bewegungseinheit – ja, ich bewege mich tatsächlich ganze 7 Minuten pro Tag – schaue ich bei „nicht nachmachen“ den zwei Spezis beim Abfackeln eines Hauses zu. Brennendes Fett und eine offene Gasleitung können schon einen beeindruckenden Feuerball in Bewegung setzen. Außerdem ist eine explodierende Champagnerflasche in der Mikrowelle auch nicht von schlechten Eltern. Ohne Zweifel der Bildungsauftrag des Fernsehens hinterlässt explosive Eindrücke in kindlich gebliebenen Herzen. Da bleibt nur die Flucht in schlechte Literatur damit das Niveau nicht zu stark steigt.

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Zeit der juckenden Ohren

Es ist herzzerreißend, wenn ich die großen Stuhlabstände in meiner Gemeinde sehe und die notwendige Distanz statt der menschlichen Nähe. Wie es Corona immer wieder schafft das Herausragende der altgewohnten langjährigen Normalität zu betonen beschämt mich. Wie blind war ich doch, das damals nicht sonderlich geschätzt zu haben! Die Predigt führt uns die Bedeutung von Advent anschaulich vor Augen und bekräftigt die Erwartung auf den kommenden Jesus. – Im Anschluss erkunden wir das Bauvorhaben der Partnerin unseres Patenkindes. Zufälligerweise ist ihr Vater vor Ort und führt uns kompetent durch die Baustelle. Total nett von ihm! – Nachmittags hören wir noch den Gottesdienst aus Bremen und im Anschluss eine Erklärung des Vorstandes zur Suspendierung ihres Pastors. Dem Kirchenausschuss der BEK gehört bezeichnenderweise ein Pastor an, der die moralischen Maßstäbe der Bibel für überholt erklärt und in die Verfügungsgewalt der Menschen transferiert und eine Präsidentin, die alle möglichen Formen menschlichen Zusammenlebens mit der Bibel für vereinbar hält. Kein Wunder, dass ihnen ein Pastor, der die Bibel ernst nimmt, ein Dorn im Auge ist. Paulus wusste das schon vor knapp 2000 Jahren, wie schrieb er doch gleich dem Timotheus: „Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihren eigenen Gelüsten werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken, und werden die Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Fabeln zukehren.“ (2. Timotheus 4, Verse 3+4). Das sagt alles.

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Fliegenschiss

Wieder einmal packt mich ganz brutal die Reiselust um schließlich in das tiefe Becken des Reisefrustes abzustürzen. Das (vorübergehende???) Ende unseres Luxuslebens fällt mir offensichtlich viel schwerer als gedacht. Seltsam wie schnell ich mich an gute Tage gewöhne und wie langsam ich loslassen kann. Da kommt mir in den Sinn, dass ich lange nicht verstanden habe wie die so offensichtlich bescheuerte Legende der jüdischen Weltherrschaft als treibende Kraft der Nazi-Lügen in den 30er und 40er Jahren so viel Anklang finden konnte. Nun ja, die Wirtschaftslage war sauschlecht, die Arbeitslosigkeit hoch und die Menschen verzweifelt. Aus der Covid-19-Pandemie lerne ich nun, wenn auch auf einem ganz anderen Niveau, dass Menschen in Krisen lieber große Verschwörungen wittern als den Realitäten ins finstre Auge zu blicken. Da die Wirklichkeit nicht böse sein kann, müssen andere üble Mächte am Wirken sein. Damals mussten unsere jüdischen Mitbürger darunter fürchterlich leiden, heute beschuldigt man Bill Gates, Angela Merkel und wen auch immer die Verschwörungs-Labyrinthler ins Visier nehmen. Bleibt nur die Hoffnung, dass sich keiner findet, der die kruden Theorien bündelt und die Massen für ein gemeinsames Feindbild hinter sich sammelt. Dumm genug scheinen wir alle ja zu sein. Erschreckende Perspektive. Was ist eine Pandemie schon gegen grassierenden Hirnfraß? Ein Fliegenschiss.

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Lauf-, Kauf- und Postfreiheit

Die Politiker haben erfreulicherweise die Podologie vom Lockdown ausgenommen. So muss ich über Weihnachten nicht „dank“ eingewachsener Nägel humpeln, sondern darf befreit auftreten. Heute lasse ich daher meinen Hornwuchs kürzen. Wohltuend. Dabei fallen noch die drei gratis Oldie-Masken aus der Apotheke ab. Welch ein reizender Aktionismus hilfloser Akteure. Auf der Rücktour erkunden wir eine uns neue Kartoffelquelle bei einem Landwirt im Nachbarort. Wir entdecken außerdem Honig, Eier, Kohl und Landwurst in Direktvermarktung. Interessant. – Nachmittags trifft meine neue SIM-Karte ein, die am Monatsende aktiviert wird und die alte Nummer zum neuen Anbieter transferiert. Ich bin gespannt. Notwendig seitens der Telekom war erst ein „Video-Ident“ (das war mir zu blöd), alternativ ein „Post-Ident“ (der Zusteller sollte mir wohl tief in die Augen schauen) doch in Wirklichkeit kam das Teil ganz normal mit der Post. So ein Zirkus! Ich darf gespannt sein, ob die Karte zeitgerecht funktioniert – wetten würde ich darauf nicht. – Eine Sendung des HR über den Flughafen Frankfurt beschließt den Abend. Mäßig interessant.

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Unendlichkeit

Irgendwie wiederholen sich die Themen bei längerer Hausankettung. Ich beschäftige mich zu viel mit irgendwelchem Mist, herumschwafelnden Irrtums-Labyrinthlern oder künftigen besseren Zeiten. – Sanft und sehr freundlich erinnert meine Hausteileigentümerin den netten Elektriker an ein Angebot. Doch der klagt über die viele Arbeit und ich verstehe schon, dass da kaum Neigung besteht so unangenehmen Schriftkram zu erledigen. Es schwirrt ja das Gerücht umher: je besser der Handwerker, desto größer seine Abneigung gegen Büroarbeiten. Das muss aber nicht stimmen! – Im Internet begleite ich den knuddeligen bayerischen Elektriker bei seinen Ausführungen, die ich zwar nicht alle verstehe aber er ist eben so sympathisch, weil Dialekt und Person eine perfekte Einheit bilden. Theo Lehman begeistert mich mit einem Interview über sein Leben. Faszinierend. Bei einem ADAC-Video lerne ich Neues über das Ende von Geschwindigkeitsbegrenzungen und weshalb ich so selten Aufhebungsschilder nach Baustellen finde. Sie sind einfach nicht nötig, weil in Kombination mit einem Warnschild am Ende der „Gefahrenstelle“ die Einschränkung automatisch aufhört. Gut zu wissen. Andererseits hört sie im „Normalfall“ bei Einmündungen anderer Straße nicht auf, wie ich immer dachte. Man lernt nie aus. Mein Resümee: die Sponsoringchancen für staatliche Bußgeldtöpfe sind unendlich wie das Universum – nur um eine Winzigkeit geringer.

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Hochsicherheitsheimverwahrung

Der Friseurtermin für meine Altvordere ist geplatzt. Hier versagte unsere weise Voraussicht. Dennoch besuche ich sie, maskiert, in ein Cape gehüllt und von ihr durch eine Plastikscheibe getrennt. Heute muss sogar sie eine Maske tragen – die Arme, denn mit 95 ist es eine echte Zumutung. Apropos Zumutung, ab Montag muss man vorher einen Schnelltest absolvieren, eine Viertelstunde auf die Auswertung warten und bei entsprechendem Ergebnis wird der Zutritt gewährt jedoch auf eine halbe Stunde begrenzt. Total notwendig und doch total bescheuert. Arme Senioren! Alle Besucher haben Zimmerverbot und dürfen nur in den Besucherraum. Der private TV meiner Mum ist defekt, sagt sie, nur ich darf ihn nicht reparieren. Glücklicherweise nimmt sich das Heim der Sache an und meldet am Nachmittag Vollzug. Das ist sehr nett aber noch lieber hätte ich mich selbst davon überzeugt. – Die Bürgerstiftung bedankt sich bei mir mit einem verheißungsvollen Weinkorb für die Internetarbeit. Ich bin gerührt. – Am frühen Abend erfahre ich von der Suspendierung des Bremer Pastors. Damit war zu rechnen. Zufällig höre ich eine ältere Predigt von Theo Lehmann, zum Thema Kirche und Verkündigung mit Bemerkungen zur Homosexualität und zum Genderkram. Meine Zeit, hat der ein offenes, direktes und klares Wort. Ich verstehe seine geistliche Anziehungskraft in der DDR, die auch heute nichts von ihrer Ehrlichkeit verloren hat. Bestechend. Schade, dass der Zeitgeist heute diese klare Botschaft mehr und mehr zersetzt und so ein massives Eingreifen Gottes provoziert. Ob bald oder in ferner Zukunft, ob zerschmetternd oder sanft, weiß allein der Herr und das ist sehr gut so! Wir beten an, bitten für die Geschwister und halten mit unserem Glauben nicht zurück. Das ist genug.

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Trainigsphase

Genau für den letzten Tag vor dem Lockdown, Shutdown oder welchem Down auch immer, hatten wir in überaus weiser Voraussicht vor Wochen bereits einen Friseurtermin vereinbart. Meine vor sich hin wallenden Haare werden auf eine annehmbare Länge (nicht Kürze!) gestutzt, mein Bart sieht echt gut aus und ich gehe neu gestylt aus der „Behandlung“ heraus. Ein prima Gefühl. Auf der Rückfahrt passieren wir eine Photovoltaik-Montage und ich grüble über ähnliche Installationen bei uns nach. Ich könnte ja mal eine Firma fragen. Gedacht, getan, eine Anfrage verlässt das Haus. Mal sehen, ob Interesse an Aufträgen besteht – wobei ich große Zweifel habe ob wir das wirklich wollen bei all der Bürokratie, die damit in Zusammenhang stehen soll. Warten wir es mal ab. Dabei geht mir die Regelungswut der Deutschen, ich bin ja auch einer davon, voll auf den Senkel. Alles muss genau festgelegt sein, Eigeninitiative ja aber nur im eng begrenzten Rahmen, alles Neue stößt auf Misstrauen, Vorbehalte und ruft Einwände hervor, die grotesker kaum sein könnten. Statt mit einem herzhaften Lachen gehen wir auf alles gründlichst ein, prüfen, akzeptieren Kleinkariertes, verwerfen Innovatives, wollen das Große und verhindern es gleichzeitig mit Kleinkrämerei. Man könnte verzweifeln, wenn man nicht schon so alt wäre. Schön, dass das Leben eine Begrenzung hat und ich irgendwann – hoffentlich nicht so bald – aus diesem fatalen Kreislauf aussteigen darf. Jetzt muss ich lernen, ihn gelassener zu betrachten. Ich übe.

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