Gepard und Gelbschnabeltoko

Ausschlafen ist nicht. Wir kraxeln den schier endlosen Weg zum Hauptgebäude empor, frühstücken und erklimmen unser allseitig offenes Expeditionsgefährt. Der frische Morgenwind umweht nicht nur unsere Nasen. Recht bald wird ihn die drückende Tageshitze ablösen. In der Pfanne durchfahren wir endlose Weiten, scheinbar tierlos. Drei Giraffen stehen plötzlich frühstückend am Straßenrand. Erdmännchen recken sich und knabbern am Buschwerk herum. Wir atmen den Staub der Piste. Mittags pausieren wir im Zentralort Okaukuejo und schauen ein paar wagemutigen Zebras und Giraffen zu, die ihren Durst in der Mittagsglut stillen. Wir präferieren Schatten. Highlights des Tages sind eine Nashornspur (das dazugehörige Tier bleibt verborgen), eine Löwin mit einem Jungtier (weit entfernt im Schatten), eine andere mit – behauptet der Ranger – drei Löwenkids (noch weiter entfernt in noch tieferem Schatten) und ein Gepard (ganz weit weg im Schatten hinter einem Ast verborgen). Ansonsten treffen wir die ganze gestrige Menagerie wieder und sind immer wieder neu begeistert. Fünf Warzenschweine, drei Elefanten direkt am Weg beim Dinner und ein Gelbschnabeltoko erfreuen unser Herz auf dem Heimweg. Was für ein toller Tag! Die Dusche ist aber auch klasse! Beim Dinner beschränke ich mich auf zwei Tassen Minestrone. Die ewig warme Abendmahlzeit ist auf Dauer nicht mein Ding. Der anschließende ‚KWV Ten‘ dagegen schon. Jedem das Seine.

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Tiere in der Pfanne

Ausschlafen (Expeditionsvariante) und den herrlichen Ausblick genießen- ein prima Tagesstart. Dann sehen wir die ersten Giraffen. Perfekt. Wir sind auf dem Weg zum Etosha-Nationalpark. Nach einem kurzen Halt in Outjo zwecks Touri-Shopping, kommen wir gegen Mittag am Park an. Und dann beginnt das Feuerwerk! Zebras in großer Zahl, unzählige Springböcke, Gnus, Antilopen, Elefantenherden, Straußenvögel und Giraffen. Wer so hoch oben lebt, wie die Letzteren muss sich zum Trinken ganz tief bücken. Und so stehen sie breitbeinig am Wasserloch zur Trinkgymnastik. Die Etosha-Pfanne ist 110 km lang und 60 km breit. Darin tummeln sich eine Menge unterschiedlicher Tierarten – nur sieht man sie meist nicht – meist nur an den Wasserlöchern, die meist künstlichen Ursprungs sind. Wie sich die riesigen Elefantengruppen tagsüber unsichtbar machen, bleibt mir ein Rätsel. Selbst die Giraffen können auf der weiten Steppenlandschaft offensichtlich gut Unterschlupf finden. Enorm. Dann liegen plötzlich drei Löwinnen am Wegesrand. Im Schatten lassen sie die Tageshitze schlafend passieren. Als der Touristenrummel ihnen zu viel wird, retirieren sie zu einem etwas abgelegeneren Ruheplatz. Ein Nashorn lässt sich nicht blicken. Schade. Die Lodge ist okay – nur der elendiglich lange Weg zum Zimmer ist echt ätzend. Schnauf. Abends verkosten wir die Pfannenversion einiger der bestaunten Tierarten. Auch lecker. 

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Damarerland

Unser neuer Koffer tritt seine erste Reise an. Wir wünschen ihm alles Gute. Es geht Richtung Norden. In Swakopmund ist es kühl und wolkig. Auf dem Weg verschwinden erst die Wolken,dann die Kühle. Es wird heiß, wie gewohnt. Die Landschaft füllt sich immer mehr mit Planzen, Bäume rücken näher zusammen. Wir sind jetzt im Land der Damarer. Sie begrüßen uns mit einer Reihe landestypisch zusammengeschusterter Verkaufsständen mit Schnitzarbeiten, mit alten Singer-Nähmaschinen genähten Taschen, Beuteln und allerliebsten Püppchen. Der Namibia-Dollar rollt. Der nächste Stopp führt uns zu einer Steinbocktour mit starker Kletterakrobatik und historischen geritzten Zeichen der alten Damarer, Tierdarstellungen, Landkarten mit Wasserstellen sowie „Schultafeln“ mit Tieren und deren Fußabdrücken. Am Ende – nach einer Stunde in praller Mittagssonne – besitzen wir das erste Gamsbockdiplom mit Ritzzeichnungsgrundkenntnissen. Schließlich erleben wir noch das lebende Museum der Damarer. Eine barbusige Dame begrüßt uns und führt durch die Hütten. Wir erfahren manches über Heilkräuter, die Schmiedekunst, traditionelle Handarbeitstechniken im Frauenzelt und eine Tanzvorführung mit mehr oder weniger motiviert wirkenden Damarern. Es vermittelt durchaus einen Einblick in die historische Kultur und hilft dem Stamm finanziell. Irgendwie erinnert mich das an die Schuhplattlervorführungen an Touristenabenden. Natürlich leben die Darsteller in festen Häusern in der Gegend. Erst kurz vor 19 Uhr treffen wir in unserer malerisch gelegenen Luxuslodge ein. Hier stimmt wirklich alles. Sogar das Verwalterehepaar nimmt sich Zeit für eine Plauderei mit uns Gästen. Stark.

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Wassergetier, Zweiflügler und ein neuer Koffer

Stark motiviert streben wir im Sammelbus der Landungsbrücke unseres Katamarans in der Walvis Bay zu. Vorher ein kurzer Halt bei den Flamingos, die heute flutbedingt ganz nah am Ufer massenhaft ihre Nahrung suchen. Sie lassen sich gut und gern fotografieren! Warum waren wir dann gestern zur Zeit der Ebbe da? Ach, Uwe, bitte mehr Fotune! Dann geht es aufs Boot. Kaum abgelegt flutscht eine Robbe an Deck, hoppelt die Stufen zum Vordeck hoch und erwartet ihren Fisch, der ihr gerne gereicht wird. Sie lässt sich sogar streicheln. Zwischendurch landet ein Pelikan eine Etage höher und muss ungefüttert wieder abziehen. Eins geht wohl nur. Erst am Ende des Turns wird er dran sein. Wir passieren wahnsinnig große Robbenbänke und begucken das Gewimmel dort. Uns passiert ab und an ein Delfin doch so schnell, dass kein Foto gelingt. Schade. Der Katamarankapitän serviert Austern, Schaumwein und Fingerfood. Wale lassen sich nicht blicken. Walloses Walewatching. Doch es war richtig nett. Nach der Mittagsruhe steht die Beseitigung eines Kollateralschadens an. Die kooperativen Kraftwirkungen der Buckelpisten, eines suboptimalen Gepäckabteils und diverser afrikanischer Träger, unterstützt von einem Eselskarrentransport, haben unseren schönsten und liebsten Koffer niedergemacht. Neu war mir, dass wir hier seinen Nachfolger in Diamanten aufwiegen müssen, nun ja nicht direkt, rein monetär betrachtet jedoch schon. Und wie wird das Schmuckstück nach einer Woche Rundreise und drei Flugreisen aussehen? Da kommt Arges auf uns zu. Augen zu und durch. Schluchz!

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Durch die Wüste

Ausgeruht und fit verlassen wir frühmorgens die Lodge und durchqueren die Wüste auf staubigen Buckelpisten. Es geht nichts über eine gute Federung. Die Landschaft ist abwechslungsreich: Steine mit Bewuchs, Steine ohne Bewuchs, Sand mit Büschen, Sand ganz kahl und dann Steine und Sand gemischt, mit und ohne Pflanzen. Das alles ohne sichtbare Tiere, bis auf ein oder zwei Straußenvögel, eine seltsam verloren wirkende Oryxantilope und möglicherweise ein Gnu von ferne. Ein Tankstopp unterbricht die Hoppelfahrt, eine urige Oase mitten in der Ödnis. Beeindruckend sind der Ghaub- und der Kuiseb-Pass mit ihrer Straßenführung und den Felsformationen. Die Wüste durchziehen ab und an Streifen – wie mit dem Lineal gezogen – von Chamäleon-Akazien. Sie markieren unterirdische Wasserläufe. Endlich hat uns dann in der Walvis Bay die Zivilisation wieder und wir erfahren so ganz nebenbei viel über chinesische strategische Investitionen in Namibia. Ein kurzer Besuch weit draußen weilender Flamingos in einer längst nicht mehr idyllischen Bucht und ein schneller Blick auf Swakopmunds City lassen unsere Tagestour schließlich vor dem Europa-Hof enden. Dort soll es den besten Fisch in Swakopmund geben, behauptet Uwe. Es sei immer voll. Also reservieren wir einen Tisch. Ähem, wenn – außer uns – die Gäste an einer Hand mühelos abzählbar sind, würde ich nicht von überlaufen sprechen. Uwe, Uwe, du Schlawiner! Doch das Essen ist okay und so wird alle gut.

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Chaot am Steuer und hilfreiche Chemie

Halb vier aufstehen, fünf Uhr Koffer raus und eine Tasse Kaffee reinquälen. Man bin ich müde. Das wird nicht mein Tag. Und so wird es. Den Nationalpark Namibwüste befahren wir knapp nach Sonnenaufgang. Das geht ja noch. Sanddünen links und rechts. Nett, ich bestaune immer wieder den schmalen Grad von oben nach unten. Dann schlägt der Tag zu. Ich klettere in einen Landrover, den unser Fahrer halsbrecherisch über buckelige Sandpisten jagt, vorbei an „Big Daddy“, der größten Düne, bis zu „Big Mama“, die man ersteigen kann. Kann, nicht muss! Without me! Man steigt 30 cm empor und rutscht 10 cm zurück. Mühsames Geschäft. Bis jetzt ist alles roger.  Doch dann besteige ich freiwillig das Gefährt eines außer Kontrolle geratenen Drivers. Meine Bandscheiben reagieren mächtig gereizt und lassen mich danach jedes Schrittlein fühlen. Intensives Geherlebnis. Gott sei Dank hat ein netter mitfahrender Arzt eine hochwirksame Schmerztablette dabei. Chemie kann was Feines sein. Bald kann ich wieder aussteigen und eine 34 Meter tiefe Schlucht bewundern. Wow, geht das steil hinab! Gegen Mittag erreichen wir unsere Lodge. Die Temperaturen bewegen sich zwischen 35 und 40 Grad. Ein Koffer ist kaputt aber das Bett ist okay. Erstens duschen, zweitens schlafen – beides ausgiebig. Toll! Zuhause haben die Hessen gewählt. Dort ist es kalt. Hier wird die Regierung gewählt. Immer. Hier ist es warm. Bei uns funktioniert fast alles. Hier weniger. Krumme Vergleiche. Krumm aber mit dem berühmten Körnchen. Sozusagen die Wahrheit im Heuhaufen. 😉!

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Von der Geisterstadt zum Zebrabraten

Die Geisterstadt, mithin die Reste der ersten Diamantsammlerstadt Kolmanskuppe, ist interessant anzuschauen. Viele Gebäude stehen noch, etliche werden zunehmend vom Sand zurückerobert. Ach ja, ‚Sammlerstadt‘, hier konnten die Diamanten tatsächlich direkt aufgesammelt werden. Sie wurden von den Bergen herabgespült, „das Geld liegt auf der Straße“, erhielt hier einen ganz neuen Sinn. Beeindruckend die Originalmöbel in einem Haus. Faszinierend die Eismaschine für Stangeneis für die ideenreich konstruierten Kühlschränke. Bei der Eisherstellung wurde so ganz nebenbei das Kühlhaus der Schlachterei mit versorgt. Die Kegelbahn im Gemeinschaftshaus lässt, wie auch die ein Geschoss höher liegende Turnhalle (gleichzeitig Festsaal) alte Kindheitserinnerungen wach werden. Deutschland mitten in Namibia. Das große Krankenhaus, das der Sand inzwischen immer stärker füllt, lässt die Probleme der Menschen im fremden Land erahnen. Nun schwingen wir uns wieder in unser äußerst bequemes Safarifahrzeug und rattern über Sandpisten nach Helmeringhausen, wo es den besten Apfelkuchen in Namibia gibt – scheint zu stimmen – und Bratwurst mit Kartoffelsalat. Kuchen und Kaffee sind jedenfalls seht gut. Frisch gestärkt durchqueren wir Wasserpfützen, ausgetrocknete Flusstäler, rauf und runter bis ich unsere Luftfederung so richtig liebe. Abends erreichen wir unser bislang einfachstes Quartier – doch auch das ist okay. Zum Dinner findet Zebrafleisch zum ersten Mal seinen Weg in meinen Verdauungstrakt. Schmeckt gut. Anstrengender Tag.

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Fishriver

Im Frühtau zum Canyon wir ziehn, falledingsbums, und das ist gut so. Unser Guide kennt sich aus. Wir sind fast unter uns. Der Fishrivercanyon ist total beeindruckend. Ein schmaler Fluss schlängelt sich tief unten durch die enge windungsreiche Schlucht und wir blicken von hoch oben drauf herab. Faszinierend. Eine kurze Wanderung am Abgrund entlang gibt unseren Laufwerkzeugen endlich den nötigen Raum zur Entfaltung. Anschließend recyceln wir in einer Fahrzeugmuseumsrestaurantkombination. Kaffee und Oldtimer tun gut. Ein Trecker ziert ein Helmstedter Kennzeichen Very nice, indeed. Weiter geht es auf schier endlosen Straßenbändern im Auf und Ab der Landschaft, unterbrochen von einem Biltonshop und einem Tankstopp im beschaulichen Aus. Ein kleines Fräulein an der Hand ihres Papas zaubert uns Kraft ihrer verzierten Hausschühchen ein Lächeln aufs Gesicht. Very nice. Meine Konzentration in Lüderitz lässt in Erwartung meiner Dusche sehr zu wünschen übrig. Dennoch registriere ich einen kleineren Hafen und vor allem eine hübsche Kirche mit eindrucksvollen Fenstern, die anschaulich biblische Berichte wiedergeben. Selbst Martin Luther schaut von einem Fenster ernst auf uns herab. Das Duschen im Hotel erneuert Körper und Psyche, das WLAN eröffnet vermisste Gelegenheiten und das Essen ist sehr schmackhaft. Die Bar vermittelt Geschäftigkeit bei einem überschaubaren Angebot. Mir genügt es völlig. Eindrucksvoller Tag.

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