Resümee

Es war ein spannender Urlaub. Namibia ist staubig und hat manche interessante Ecke, wobei eine von der anderen recht weit entfernt ist. Die Tour im Geländewagen durch die Kalahari war spitzenmäßig. Der Etosha-Nationalpark ist hochinteressant. Die Reise in einer nur kleinen Gruppe hat sich bewährt. Der Anschlusstrip nach Kapstadt war ein absolutes Highlight und das Hotel dort sehr gut. Der Hubschrauberflug war mit Abstand das bewegendste Erlebnis in den drei Wochen. Wahnsinn! An- und Abreise in der Business-Klasse ist für mich bei Fernreisen unverzichtbar – nur so überstehe ich den langen Flug innerlich unbeschadet. Die absolut gleichwertige Alternative dazu ist nicht zu fliegen. Ja, Fernreisen sind schön, doch ich kann auch ohne spürbares Defizit auf sie verzichten. Ich schwebe eben nicht „einen halben Meter über dem Boden“ nur weil ich dies oder das live gesehen habe. Das Umfeld ist recht unterschiedlich, die Menschen sind dagegen überall gleich, nur kulturell ein wenig anders geprägt, habe ich festgestellt. Die gute alte Eleonore Fürstin von Reuß hat es 1867 in ihrem Lied „Ich bin durch die Welt gegangen“ schon überaus klar erkannt. Insofern ist es mir relativ gleich ob ich für meine Reisen Kurz-, Mittel- oder Langstrecke fliegen muss. Wichtiger ist mir, mich nicht vor meinem Transport graulen zu müssen, sondern ebenso darauf freuen zu können. Und was ich mir nicht leisten kann, das lasse ich eben. Wie ansonsten im Alltag auch. Ob Kalahari, Etosha oder Helikopterflug mit geht es mir gut und ohne ginge es mir kein bisschen schlechter.

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Back home

Boarding beginnt um 1:00 Uhr. Wir haben im Flugzeug sogar eine eigene Kabine mit halbhohen Wänden und einer Schiebetür für die Privatsphäre. Ich begnüge mich mangels innerer Kapazitäten mit einem Süppchen, einem Pudding, etwas Wein und einem braunen Saft zur Verdauungsförderung. Dann versuche ich zu schlafen und komme tatsächlich trotz der engen, aber immerhin waagerechten Lage, ein wenig zur Ruhe. Die Nacht endet früh mit einem Cappuccino und einem Croissant. Lecker. In Frankfurt geht alles schnell und glatt und im Bahnhof suchen wir erstens unsere Stammkneipe und zweitens einen recht komfortablen Wartesaal auf. Unser ICE hat nur 10 Minuten Verspätung, ist also nach DB-Maßstäben pünktlich. Wir wollen nach drei Wochen ebenso schönem wie langem Urlaubs endlich heim! Das soll die letzte Reise in diesem Jahr gewesen sein. Beschlossen und verkündet! Ein netter junger Mann samt Ehefrau holt uns ab und chauffiert uns heim. Zuhause ist alles okay, nur kühl. Um halb acht sind wir beide im Bett. Zwölf Stunden Schlaf warten auf uns. Toll!!!

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Komfortflug

Ein freundlicher Fahrer bringt uns zum Airport. Wir lassen Kapstadt an uns vorüberziehen, geben unser Gepäck in die Hände von Qatar Airways, kaufen zollfrei ein und lassen es uns in der Lounge gut gehen. Im Flugzeug sitzen wir gewohnt großzügig, für die Schuhe gibt es sogar ein extra Fach. Die Fenster sind riesig und färben sich automatisch ein. Stark. Ein Glas Champagner stimmt uns ein, das mehrgängige Dinner ist wie üblich äußerst lecker, der Bordeauxwein mündet vorzüglich und die Sitze sind extrem bequem. So lässt sich die erste Etappe – zehn Stunden Flug – gut ertragen. In Doha holt uns ein besonderer Bus ab und wir begeben uns zu einer Lounge riesigen Ausmaßes. Dort klingt der Tag mit Mineralwasser und Cola aus. Mehr geht nicht.

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Gewürze, Verzicht und tschüss

Morgen geht es heim. Heute kaufen wir Gewürze. Auf Empfehlung landen wir in einem Shop mit einer Vielzahl nasenherausfordernder Düfte. Wow. Masala sollen wir mitbringen aber es gibt eine Vielzahl von Sorten. Also kaufen wir uns quer durchs Angebot – eins wird schon passen. Noch einmal lassen wir uns auf der blauen Route durchs Land kutschieren, flanieren und lunchen am Hafen. Es wurmt mich hinterher, dass ich zu wenig Trinkgeld gegeben habe. When will I ever learn? Der afrikanische Markt verdient nichts an uns, obwohl das Angebot meine kulturinteressierte Begleiterin schon reizt. Doch angesichts kapstädtischer Touristenpreise bleibt sie schweren Herzens hart. In der am Rande des Marktes geschickt platzierten Restauration lassen wir den Urlaub ausklingen. In der gut bestückten Hotelbar – nach dem Kofferpacken – sagen wir innerlich „adieu“ und präparieren uns schweren Herzens auf den morgendlichen Abschied. Good last night!

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Auf Adelers Schwingen

Der Abholer ist nicht ganz pünktlich und das könnte wieder einmal mit Afrika zu tun haben. Oder mit dem Verkehr. Oder mit beidem. Im Auto treffen wir auf ein deutsches Paar, das ebenfalls gebucht hat. Nach kurzer Zeit kommen wir auf dem Heli-Port an. Zuerst werden wir gewogen, zwar dezent aber für etwas fülligere Personen nicht unpeinlich, vor allem wenn man von gertenschlanken Wesen umgeben ist. Dann wird alles überflüssige Gepäck deponiert und wir sehen uns die Sicherheitsbelehrung an. Die Pilotin, eine zierliche junge Frau, begrüßt uns und wir entern die fliegende Glaskugel – so wirkt sie wenigstens vom vorderen (Co-Piloten- haha) Sitz aus. Toll. Durch die Kopfhörer können wir miteinander sprechen und die Außengeräusche sind total, sozusagen wie im Flüsterflug, gedämpft. Sanft heben wir ab und unter uns wird alles kleiner. Wir schweben dahin über den Hafen, an der City und dem sich mit Dunst umhüllenden Tafelberg vorbei. Wir folgen der Küstenlinie, die Millionärsdomizile wirken von hier aus nicht mehr so protzig, die Townships bleiben jedoch erschreckend massiv und bedecken ein riesiges Areal. Durchatmen. Unter uns erstreckt sich ein Naturschutzgebiet mit einer einmaligen Pflanzenvielfalt, die der oberen Sicht verborgen bleibt. Jetzt kommt das Kap mit einem malerischen alten Leuchtturm und ganz oben von einem weitreichenden modernen Leuchtfeuer gekrönt. Ich bin hin und weg. Wir sind jenseits von Afrika auf dem Meer. Faszinierend. Es geht die Küste des indischen Ozeans zurück. Ein Hippiedorf grüßt uns, nur zu Fuß erreichbar und, und, und … wir landen nach einer knappen Stunde. Wow!!! Der Rest des Tages ist ebenfalls bemerkenswert – jedoch im Vergleich mit dem Flug … Superstarker Erlebnisfaktor.

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Zwei Welten

Es gibt Städte, die mag man einfach. Für mich gehört Kapstadt seit heute dazu. Ja, ich übersehe die Townships nicht, es gibt viel zu viele benachteiligte Menschen. Doch die Stadt hat ein beeindruckendes Flair, eine Ausstrahlungskraft, die mich ergriffen hat. Ob das nur ein erstes Gefühl ist, das von den Realitäten überrollt wird, keine Ahnung, man wird es sehen. Zwei Ozeane, die aufeinanderstoßen, zwei Welten, die sich hier in vielfältiger Weise treffen, geschäftiges Hochhaustreiben auf der einen Seite und herrlichste Feriendomizile nebenan, nahebei, ohne sich in die Quere zu kommen – kaum zu fassen. Großstadt und Kleinstadt in einem Rahmen, rote Ampeln, die Autofahrer strikt und Fußgänger überhaupt nicht beachten … Mit den roten Doppeldeckerbussen lassen wir uns genussvoll durch das Stadtgebiet fahren, denn die Erläuterungen in deutscher Sprache sind prächtig. Die Technik ist einfach und selbsterklärend. Die übrigen Angebote hier vor Ort sind reichhaltig genug für einen längeren Aufenthalt. Nur das Wetter ist übel. Gegen die vierzig Grad in Namibia sind wir im Eisschrank gelandet – nur 18 bis 20 mickrige Grädchen. Bibber, zitter, frier. Unser Hotel ist übrigens sehr gut und hat, wie ich heute feststelle, einen ausgezeichneten Laundry-Service. In Namibia war der Einstieg eher lausig und steigerte sich dann doch in ziemliche Höhen. Wie wird es hier sein? 

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Regen in Kapstadt

Es ist Sonntag. Und Reisetag. Gottesdienst – Fehlanzeige – äußerst schade! Gott sei Dank bleibt noch Zeit für eine kurze Andacht. Das tut gut. Tschüss, liebe Gruppe, es war nett mit euch, wir hatten eine gute Zeit miteinander. Tschüss Uwe, du bist ein kerniger Reiseleiter und typischer ‚Europäer‘ im schwarzen Kontinent. Danke!!! Am Flughafen dauert es ein wenig, bis ich geschnallt habe, dass sich auch wir Economyreisenden am Businessschalter der Air Namibia einchecken müssen. Okay. Irgendwann ist auch der Lindwurm vor der Handgepäckkontrolle Geschichte. Ich Döspaddel trage meine neue Gürtelschnallenuhr bei mir und – schwups – hat sie der Zöllner konfisziert. Er hatte an ihr eine Art Messerchen entdeckt, zwar stumpf aber ein klein wenig zu spitz. Und schon hatte irgend jemand ein schönes Weihnachtsgeschenk. Merde. Kaum sind wir gestartet und haben ein Kitkat samt O-Safttütchen genossen, setzt die Maschine zur Landung an. ??? Mir war offensichtlich die Zwischenlandung in der Walfischbucht entgangen. Ich fühle mich alt. Der Service an Bord ist toll. Das warme Essen gehört zu den besten Menüs, die mir je in der Economy serviert wurden. Echt lecker. Aus der Sonne Namibias jetten wir in den Regen Kapstadts. Und in seine Kälte. Das Hotel ist schwer okay und der Abendbrot-Egg-and-Bacon-Toast sagenhaft. Wifi funktioniert prächtig. Alles ist gut. Ob der Regen bald aufhört? Kapstadt braucht ihn – wir nicht. Der klassische Interessenkonflikt.

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Termiten, Holzmarkt, Warzenschweine

Der letzte ganze Tag in Namibia auf dem Weg zum letzte Quartier in diesem Land. Wir lassen es geruhsam angehen. Bei einem imposanten Termitenhügel halten wir und erfahren, dass so ein Bau bis zu 60 Meter in die Tiefe reicht und seine Ausgänge in ca. 18 m Entfernung als kleinen Löcher im Boden zu finden sind. An seiner Außenseite wachsen Pilze, die sehr delikat sein sollen. Ein verlassener Bau findet zahlreiche Nachnutzer vom Erdferkel über das Warzenschwein bis zum Schakal. Schlangen lieben dieses Quartier und der Waran die Schlangen, die er gern dort erwartet. Der Holzmarkt in Okahandja ist etwas für Experten einheimischer Schnitzkunst oder für kauffreudige Touris. Kurze Zeit später erreichen wir die Okapuka-Ranch vor den Toren von Windhuk (gut 40 km davor) mit freilaufenden Warzenschweinen und Straußenvögeln direkt vor der Bar und den Bungalows. Abends schauen noch ein paar Gnus vorbei. Unsere letzte Nacht in Namibia naht, unsere kleine Gruppe plaudert noch ein wenig und dann beginnt die letzte Nacht hier, unterbrochen von der Kommunikation einzelner Gnus. Wildromantisch mit einem leise surrenden Deckenventilator.

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