Zeitenwandel und Abendmahl

Die Normalzeit kann sich heute noch einmal austoben bevor sie morgen, ganz in der frühesten Frühe, von der übereifrigen Sommerzeit überholt wird. Mitten im Winter beginnt die Sommerzeit. Bürokraten ersinnen liebend gern Unsinniges, hüllen es in unverständliche Worte, formen diese zu einer gestelzten Gesetzessprache, bilden Bandwurmsätze wie diesen, nummerieren Absätze in nahezu künstlerischer Weise durch und haben zu diesem Behuf sogar ein eigenes grafisches Symbol geschaffen, das sie schier abgöttisch lieben: §. So wurde uns einst die Sommerzeit als das große Ersparnis- und Sonnenscheinwunder angepriesen und aufgedrängt. Inzwischen weiß man, dass sie effektiv nichts bringt – von den zweimaligen Umstellungsproblemen einmal abgesehen. Dennoch hält man krampfhaft an ihr fest, ignoriert Meinungsumfragen, schiebt Parlamentsbeschlüsse auf die lange Bank und sucht verzweifelt eine zündende Propaganda-Idee um uns trotzdem diesen Muckefuck als Café Crema anzudrehen. Neben solchen unerfreulichen Gedankenspielen durfte ich heute aber auch mithelfen den Abendmahlstisch zu bestücken. Ich befreie die Kelche von ihren Schutzhüllen, Oblaten werden auf Schälchen arrangiert, Wein und Saft bereitgestellt, alles gemeinsam mit zwei Kerzenleuchtern auf dem Altar platziert und schließlich in knallweiße Decken gehüllt. Starke Sache.

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Vögel und Feindschaften

Die Fütterungszeit ist vorbei, in den Vorratssäcken gähnt die Leere, beide Futterhäuser suchen heute ihr Sommerquartier auf und 30 kg Sonnenblumenkerne samt einiger Tüten Haferflocken sind verputzt worden. Der Frühling ist aber noch nicht in Sicht. Es brechen harte Zeiten für verwöhnte Flattermänner an. Da müssen die jetzt durch. Wieder einmal bereite ich die „letzte“ Kachelofenfüllung vor. Außerdem, wie könnte es anders sein, pfusche ich im Netzwerk herum. Immerhin erreiche ich jetzt per dynamischer DNS meine Fritzbox durchs Internet. Das Problem war, wie es sich jetzt herausstellt, nicht die Verbindung selbst sondern die korrekte Adresse. Wie bei der Post – die Technik ändert sich – die Probleme bleiben. Aber wie löse ich jetzt die automatische Durchleitung dieser Anfrage direkt an die Türsprechanlage? Ein Lösungsansatz für das Vorgängermodell klingt sehr logisch. Doch wo kann ich das beim Folgegerät einstellen? Fragen über Fragen, die mich in geistiger Bewegung halten. Die Welt sehnt sich intensiv nach einfachen Lösungen und wer wird mit der Umsetzung beauftragt? Fachidi…, sorry, Fachleute. Nachweislich sind nun Laien die natürlichen Feinde aller Fachleute. Einfache Lösungen sind gut für Laien doch wer arbeitet schon freiwillig seinen Feinden zu? Na also. Alles ist gut.

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Verwaltungsköstlichkeiten

Nicht, dass ich Rat- oder Kreishäuser hasse – allerdings würde das Wort „mögen“ meine Beziehung zu diesen bürokratischen Monstergebilden nur äußerst unzutreffend beschreiben. Wir sammeln heute Erfahrungen behördlicher Art. So richtig niederdrückend sind die Zeiten der konstant verharrenden Wartenummernaufrufsanzeigen, die sich gefühlt ins Unendliche dehnen können. Verstärkt wird dieses Verlorenheitselend wenn noch zehn Nummern vor einem liegen. Ätzend. Endlich darf ich am Schalter Platz nehmen, freue mich und schon schlägt der nächste Verwaltungshammer zu, ein Dienstleister hat mir einen fehlerhaften Code verpasst. Mit der gebotenen Zerknirschung räume ich den frisch eroberten Platz und greife zum Handy. Natürlich ist der Typ nicht erreichbar aber seine Dienststelle. Nach einigem Palaver erhalte ich einen neuen Code. Netterweise nimmt sich die Verwaltungsfachkraft zwischendurch für mich wieder Zeit und erspart mir so einen neuen Durchgang in der Wartenummernlotterie. Nett von ihr. Doch das ist nur der Anfang. Irgendwann nach zwei weiteren Warteperioden an unterschiedlichen Stellen dürfen wir endlich heimfahren. Jahrzehnte habe ich in so einem Laden gearbeitet, richtige Freunde sind wir offensichtlich nicht geworden. Abends erquickt mich unser Kachelofen und nervt mich mein Netzwerk. Business as usual.

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Autohändler, Dentisten und Netzwerkdiven

Kurz nach Mitternacht funktioniert das langersehnte Passwort wieder. Die Freude und die Verwirrung schaffen das unmögliche Kunststück beide Waagschalen nach unten zu drücken. Immerhin gehe ich relativ ruhig zu Bett. Am Morgen danach funktioniert das Passwort immer noch. Warum auch immer?!? Im Autohaus lerne ich, dass Papier offensichtlich immer noch das tragende Element jeglicher Verwaltung ist und beim Dentisten, dass man Zähne auch beruhigen kann wenn sie sich einer Heilung entziehen. Wie lange das gut geht, ist eine andere Frage. Ein Kurztrip führt uns nach Pattensen. Dort stelle ich ohne Verwunderung fest, dass nach wie vor Teile meines heimischen Netzwerks die Öffentlichkeit scheuen – kompliziertes Passwort hin oder her. Ich harre weiterhin der Entwicklungen, die möglicherweise noch kommen können. Möglicherweise.

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Lückenhaftes

In den Tiefen meines Netzwerks finde ich doch tatsächlich das Login-Fenster meiner App wieder. Stark. Doch das geflüchtete Passwort bereitet mir nach wie vor Kummer. Habe ich in einem Anfall geistiger Umnachtung oder durch einen Tippfehler eine erfolgreiche Eingabe wirkungsvoll verhindert? Aber ich erinnere mich gar nicht es bewusst geändert zu haben, ja ich weiß um einen Versuch aber den habe ich doch rückgängig gemacht! Oder etwa nicht? Oder doch? Merde!! – Immerhin bin ich jetzt durch meine zweite Impfung wirkungsvoll gegen zwei Formen der Hepatitis gesichert. Sagt man. Doch das tröstet mich über meine Passwortdemenz nicht hinweg. Gut, dann nehme ich halt ein schlechtes Buch und tauche hinein. Blubb.

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Abgeschossen

Ich habe mein Passwort zerschossen und dann hat sich die App auch noch in den Tiefen des Netzes verkrochen. O tempora! O mores! Welch ein Ärger. Es ist eine rein philosophische Frage ob ich mich beim Eintragen verschrieben habe – das Mistding wird nur einmal abgefragt – oder ob ich ein neues gewählt habe, welches sich fatalerweise jeglicher gedanklichen Aufzeichnung entzogen haben muss. Auf jeden Fall stehe ich hier und finde nichts. Okay, über die App am iPad, wenigstens dort, ist ein Blick auf das Kamerabild möglich, mehr aber auch nicht. Dumm gelaufen, äußerst blöd. Und nun? Keine Ahnung. Aus lauter Frust buche ich erst einmal eine Reise. Mir ist nach Griechenland, da geht es ähnlich chaotisch zu wie bei mir – wir passen zusammen. Zack gebucht. Zack alle notwendigen Kleinigkeiten gebucht von Mobilität zum Airport bis hin zur Mobilität am Zielort. Und fühle ich mich jetzt besser? Nö, eigentlich nicht. Merde!

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Brummbärvertreibungsinitiative

Ein faultiermäßiger Sonntag macht sich Bahn. Auf der Couch liegend Gottesdienst hören und abends den Gottesdienst in der Gemeinde schwänzen kommt gar nicht gut, fällt aber erstaunlich leicht. Das ist selbstverständlich eine wetterbedingte Schwäche – der Frostfrust bricht durch. In Berlin führen sie wieder völlig nutzlose Debatten um Worthülsen und so gesellt sich der Politfrust leise grummelnd noch dazu. Um diese beiden Brummbären zu vertreiben ist eine bewährte Strategie nötig und die funktioniert so: Da ich im Mai noch keine weitere Reise gebucht habe, suche ich ein adäquates Angebot. Eine schöne, aufbauende Beschäftigung und bald murmelt es nur noch leise von ferne. Am Abend bis spät in die Nacht flackert dann eine kräftiges Feuerchen im Kachelofen, das mich die „äußeren Umstände“ fast vergessen lässt. Wohlige Wärme umhüllt mich und treibt das Thermometer nach oben. So soll es sein. Fehlt noch ein Rotwein. Oder zwei. Doch bis Ostern regiert die Leber. Das ist okay.

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Vernunftzwänge

Mein Acrobat-Tool ist uralt. Ich suche eine neue Version und bin durchaus bereit dafür gut Geld locker zu machen. Doch bei Adobe gibt es nur noch Abo-Software. Ich soll fast 20 Euro pro Monat schmücken und das Monat für Monat, Jahr für Jahr so lange wie ich dieses Programm nutze. Tickt ihr noch richtig? Ich benötige keinesfalls jährlich eine aktualisierte Version, denn der Wunsch nach Erneuerung ist in diesem Fall erst nach 10 Jahren aufgetreten. Das hätte mich bis heute nach dem gültigen Jahrespreisen mindestens 1.800 Euro gekostet. Aber okay, Adobe, wenn du es nicht anders willst, suche ich mir eben einen anderen Anbieter – und finde ihn gleich für einmalig 80 Euro. Manchmal zwingt die Vernunft sich auf. Gut so!

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