Sklaverei, Tourismus und Varietékünstler

Irgendjemand hat einen Fehler gemacht und das ist sehr gut. Ausnahmsweise gibt es zwischen zwei Vorträgen dreißig Minuten „Wechselzeit“. Ich habe also genügend Zeit, um den ersten geistig zu verarbeiten, kann beim zweiten Vortrag mir noch einen vernünftigen Platz aussuchen und vermeide so jeglichen Stress. So erfahre ich erschütternde Fakten über den Tabak- und Zuckerrohranbau sowie die Rolle der aus Afrika verschleppten Sklaven. Wer danach noch behaupten kann der Mensch sei im Grunde seines Wesens gut, hat offensichtlich nicht zugehört. Furchterregend, grausamst und schrecklich beschreibt das Wesen der Sklaverei nur oberflächlich und verharmlosend. Es herrschten bösartige Zustände, bei weitem nicht nur bezüglich des Schicksals dieser Gruppe, ebenso erging es der einheimischen Bevölkerung, ja selbst unter den Weißen regierte Angst und Schrecken. Schockierende Zustände! Gut, dass dreißig Minuten zum Umschalten bleiben bis zur Präsentation über St. Johns mit der Hauptstadt Castries. So finde ich mich langsam in der Realität wieder und schiebe die Historie gedanklich nach hinten, wiewohl alle karibischen Inseln immer und ausnahmslos mit Sklaverei, Zwangsarbeit und Machtmissbrauch verbunden sind. Ihre Vergangenheit war schon vor Ankunft der europäischen Eroberer durch Gewalt geprägt. Die Kariben, ehemals Menschenfresser, hatten bereits die Ureinwohner weitgehend ausgerottet und wurden durch die Eroberer nicht weniger brutal niedergemacht. Von wegen Paradies – weit entfernt davon. Okay, heute gibt es schöne Strände, Touristen, die eher Flurschäden anrichten aber immer noch einen geringen Durchschnittsverdienst und niedrigen Lebensstandard. Die Natur dagegen ist prächtig und ohne die Hurrikans gäbe es hier schon eine recht paradiesnahe Umwelt. Doch Stürme, Vulkane und Erdbeben trüben das Bild zusätzlich. Das Bild, das wir Touristen vor Augen haben ist, wie könnte es anders sein, ein oberflächliches Trugbild. – Abends vergnügen wir uns bei einer Varieté-Show im Theater. Die Artistik begeistert, die Clowns kann man mögen und die Musik ist laut und englisch aber immerhin stimmsicher vorgetragen. Nett. Wir stellen unsere Uhren ein letztes Mal eine Stunde zurück bevor wir uns dem Schlaf hingeben. Jetzt sind wir fünf Stunden gegenüber unserer Heimat im Hintertreffen. So geht es halt zu bei Fernreisen. Gute Nacht.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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