Kalter Schweiß

Ich verwandle unser Wohnzimmer in ein Möbellager. Vor dem Sofa reiht sich Regal an Regal, versperrt ein demontierter Eckschrank den Weg, eine Kommode blockiert den Zugang zur Terrasse und Umzugskisten bilden eine massive Mauer vor dem Wohnzimmerschrank. Noch sind Lücken zu füllen, aber sie werden spärlicher. Die endlos lange Puzzle-Arbeit mündet heute endlich in ein zur Hälfte freigeräumtes Büro. Abgekämpft sinke ich in ein Bassin voller wärmendem leicht eukalyptusaromatischem Wassers. Meine Freundin, die Badewanne, schmeichelt meine Mattheit weg – ein tolles Feeling. Heute kommt ein netter ehemaliger Schulkollege zu Besuch und wir kampieren ihm zu Ehren im Erdgeschoss. Dass wir dadurch keine Badezimmer miteinander teilen müssen, ist ein erfreulicher Nebeneffekt. Dennoch – die Schule liegt für mich so weit zurück, dass ich kaum noch originäre Erinnerungen an sie habe. Meist sind es übernommene Erzählungen Dritter, die ich als wahre Erinnerung definiere. Ehrlich gesagt tangiert mich unser Klassentreffen zum 50. Abschlussjubiläum nur äußerst peripher. Ohne die Gelegenheit einer Werksführung und der Kennenlernchance des neuen Hotels am Allersee hätte ich mich wohl dezent abgesetzt unter Vorgabe anderer unaufschiebbarer Termine. Okay, ich treffe dort eine ganze Reihe sehr interessanter und freundlicher Mitmenschen – doch sind mir diese weitgehend unbekannt. Mich verbindet mit ihnen nur eine Reihe zwar sehr lehrreicher aber dennoch als Last empfundener Jahre. Meine Horrorfächer Chemie, Sport und Französisch in Kombination mit den Darklights Tanzstunden, Konfirmandenunterricht und Tannhäuser in Berlin bringen mich heute noch in die Nähe einer kalten Gänsehaut des Schreckens. Nein! Klappe zu!! Teppich drüber!!! Fertig.

Über die-laubes

Mehrere Jahrzehnte bei der Stadtverwaltung, Organisation, Presse, Medien und Internet und schließlich noch einige Zeit bei einer privatwirtschaftlich organisierten Marketinggesellschaft. Ich bin sehr gern Christ, liebe Jesus und bin leidenschaftlicher Privatier. Reisen mag ich, Gartenarbeit nicht oder anders ausgedrückt: "Wenn ich die Gartenarbeit am iPad erledigen könnte, hätte ich den schönsten Garten im Dorf."
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