Dubrovnik

Es ist Sonntag. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Gegen elf Uhr findet ein Gottesdienst mit Manfred Siebald statt. Das ist uns egal. Wir ziehen die horizontale Köperlage der vertikalen Bewegung vor. Gegen Mittag, kurz vor Dubrovnik, stabilisiert sich einerseits die See und andererseits unser Metabolismus. Fein. Frühstück und Lunch haben wir ignoriert und begeben uns zum gebuchten Landgang. Dubrovnik ist sehenswert aber bei Wind und zeitweisem Regen relativ menschenleer. November halt. Danach fahren wir per Bus zu einem bei Sonnenschein sehr beliebten Aussichtspunkt, das Interesse bei strömendem Regen ist dagegen weniger als mäßig. Irgendwann während der Fahrt versiegt die Befeuchtung von oben, am Zielort schweigen Regen und Wind. Apropos, das in der Beschreibung so vielgerühmte Ziel entpuppt sich als zwar halbwegs sehenswerte aber dennoch Großgaststätte, wo uns ein Käse- und ein Schinkenbrot zum eiskalten Rotwein serviert wird. Nun ja. Die Lage ist ’nice to see‘ mit zwei Wasserrädern, einem bewegten und dennoch gezähmten Flusslauf, sowie Orangen-, Oliven- und Feigenhainen, umsäumt von steil aufragenden Zypressen an eindrucksvollen Felsformationen. Man kann sich simple Ziele eben schön reden. Die Gabe muss ich wohl noch ausbauen 😇. – Zurück auf dem Schiff absolvieren wir unser Dinner, prachtvoll wie immer. In die Nacht hinein lassen wir uns in der Vista-Lounge von bekannten jazzartigen Songs geleiten. Ungewohnt früh beginnt unsere Nachtruhe. Wunder der Seefahrt.

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Windstärke 12

Der erste Morgen an Bord, das Schiff liegt fest am Kai in Koper. Wir erkunden unser Boot, es ist klein aber fein und recht alt. Damals reichte pro Kabine wohl eine Steckdose aus, nachgerüstet wurde eine weitere im Bad um die sich normalerweise Zahnbürste und Rasierapparat streiten müssen, bei uns entspannt sich der „Streit“, alldieweil ich die Nassrasur präferiere. Mit dem Aufladen meiner vielfältigen elektronischen Mitbringsel habe ich zunächst gewisse Koordinationsprobleme bis ich in den Leselampen am Bett je eine USB-Steckdose entdecke. So kann ich das Smartphone am Bett aufladen. Alles wird gut 😀. – Auf dem Sonnendeck schauen wir einem Containerschiff beim Einlaufen und Anlegen zu. Es wird von zwei Schleppern an den Pier gedrückt. In der Jupiterbar gönne ich mir einen Grapefruitsaft. Lecker und verdauungsfördernd 😉. Das Mittagessen lasse ich ausfallen, die Nahrungsversorgung ist hier auch so mehr als gewichtsfördernd. Beim Nachmittagskuchen werde ich wieder schwach. – Die Andacht, als Quiz, ist anregend und erfrischend. Dann quälen mich fiese Gedanken ob ich beim abendlichen Gala-Dinner nicht zu luschig angezogen bin mit Blazer und schwarzer Jeans. Weit gefehlt, ich bin eher overdressed 😀😉. Unser schwimmendes Seniorendomizil beherbergt halt vielfältige Bevölkerungsschichten. Diesmal wählen wir einen Zweiertisch und lassen uns verwöhnen. Das östliche Mittelmeer wartet das Dinnerende ab, um sich im Anschluss kräftig vorzustellen. Es bläst sich bis zur Windstärke 12 auf, alles schwankt, der Kahn ächzst und knarrt, der Magen beweist seine Belastungsfähigkeit – oder auch nicht. Eine spannende Nacht mit erlebnisreichen Toilettenbesuchen samt Gleichgewichtsprüfungen bricht sich Bahn. So ist’s auf See.

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Einschiffen

Die Nachtruhe endet frühzeitig zum Morgenmahl um sieben. Ab acht sind wir wieder auf der Piste. Touristen wie Hühner nur auf beweglicher Stange oder so. Was liebt meine Angetraute nur am Busfahren? Ein paar Geheimnisse bleiben wohl in jeder Ehe ungelöst 😉😇! Aber ich will nicht ungerecht sein, die Fahrt über die Schneelandschaft auf den Pässen ist schon beeindruckend. Man ist kurz davor Advents- oder Weihnachtslieder anzustimmen 😀. Bis ein Grad sinkt die Außentemperatur, um dann in Triest wunderbare 19 Grad zu erreichen. Ein angenehmes Klima beim Aussteigen. Jetzt noch die Passkontrollen, das Gepäck scannen und sich selbst abtasten lassen, denn bei mir piepst wie jedes Mal, das Durchleuchtungsgerät. Seufz. Eine steile hühnerleiterartige Treppe führt ins Innere der Amadea zu den Eincheck- und Fotografierschaltern. Anschließend gibt es ein Glas Sekt und wir dürfen in unsere Kabine. Sie ist schmal aber lang und glänzt mit einem großen Balkon. Wie schön. Die Koffer sind auch schon da. Komplett. Geht doch! – Nach ausruhen, auspacken, Leerkofferverstauaktion und umziehen folgt die Notfallaufklärung. Erst dröhnt es achtmal in den Ohren, dann schnappen wir uns jeder eine orangene Weste mit Leuchtstreifen, Notleuchte und Trillerpfeife, um uns auf dem Promenadendeck zu versammeln. Dort dürfen wir die Weste einmal an- und ablegen und hehre Worte über die Sicherheit auf uns wirken lassen. – Das Dinner ist wie erwartet perfekt, der Hauswein, rot wie weiß, trinkbar. – Der Begrüßungstreff der Handinhandtours zieht sich hin, weil es für spätere Dinnergäste viel zu früh angesetzt war. Wie dem auch sei, die Mitreisenden sind supernett, die Siebalds ein freundliches Pärchen und die Andacht von Manfred Siebald echt gut. – Die Nacht verbringen wir nach kurzer Fahrt im Hafen von Koper ohne spürbaren Seegang. Nur die Riesenstufe vor dem Bad signalisiert Gefahr für Schlaftrunkene. Die erste Nacht passiere ich die Schwelle problemlos.

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Busfreuden

Nach dem inkludierten Frühstück, ein recht passables Angebot übrigens, folgt die Morgenandacht bevor wir uns zum Bahnhof begeben. Dort lösen wir ein schweineteures Nahverkehrsticket um mit der S-Bahn zum Airport zu sausen. Nach kurzer Suche finden wir den Shuttlebus zum Fernbusparkplatz und warten dort auf unseren im Prospekt sogenannten Luxusbus für den Transfer nach Triest. Ja, von außen sieht das Gefährt gut und teuer aus, wenn nur die Karnevalsreklame für Köln nicht wäre. Eine steile, schmale Treppe führt ins niedrige Obergeschoss. In demütiger Haltung suchen wir uns zwei enge Plätze, die Personen bis maximal ein Meter und sechzig Zentimeter Länge einen komfortablen Sitzabstand gewähren. Darüber hinaus wird es eng. Im Ryanairfeeling geht es zu zwei weiteren Personenaufnahmehalten bis der Bus gerammelt voll ist. So funktioniert also Massenmenschenhaltung. Interessante Erfahrung. Beim letzten Zwischenstopp tauscht meine liebenswerte Mitreisende mit mir und ich darf meine Beine im Gang ausstrecken. Am Rande bemerkt bietet die Buscrew ein gutes Catering an – da kann man nicht meckern. Endlich erreichen wir unser Übernachtungshotel in München. Dort sind weitere Busse bereits eingetroffen. Das bayerische Büffet wird gerade gestürmt. Uns genügt das Angebot noch aber für die Gäste eines verspäteten Busses muss das Personal die Reste ganz schön zusammenkratzen. Reiesfreuden. Wie erwartet krampfen meine Waden in der Nacht kräftig, seufz.

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Bahnfreuden

Wir sammeln Handgepäck, Jacken und Schals und lassen uns von einem netten Freund zum Bahnhof bringen. Der Zug kommt sehr pünktlich, die reservierten Plätze sind frei und ohne Diskussion belegbar. Bis zum Zielort weicht der ICE nur ein paar winzig Minütelchen vom Plan ab und wir belegen unser Hotelzimmer. Rentner brauchen hierorts keine städtische Übernachtungsgebühr bezahlen. Das freut uns. Ebenso gefällt mir das Reisen nur mit Handgepäck, es gestaltet sich deutlich entspannter. – Das Dinner nehmen wir mit Verwandten ein 😉😀, mein erster wirklich leckerer Burger mit Knusperbrötchen. Feine Sache. Einem entspannten Abend folgt eine vielfach unterbrochene Nachtruhe im überheizten Zimmer. Dann ist das so.

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Reformationstag

Für uns ist der Tag nur ein halber Feiertag, halb ist nur unsere Wertung, frei haben wir ja sowieso. Also schauen wir vormittags brav eine Andacht samt Vortrag aus Bremen an und am Nachmittag machen wir unser Haus urlaubsbereit, prüfen die Kameras und Sensoren, packen das Handgepäck aus, ein, aus und so weiter bis es passt. Ich pflege meine traditionelle Aufgeregtheit und Reiseunlust, die regelmäßig vor der Abreise vorbeischaut und die Nerven traktiert. Das kenne ich alles schon. Irgendwann retirieren wir ins Seniorenbett, bevor uns nicht noch mehr Mitnehmenswertes einfällt. So ist er halt der Vorurlaubstag. Seufz.

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Schnell gemacht

Wieder so ein „Eigentlich-Tag“. Eigentlich wollte ich in meiner Gemeinde meinen monatlichen Saugjob abarbeiten. Eigentlich. Doch die Urlaubsvorlaufarbeiten sind einfach zu dicht gesät. Immerhin konnte ich tauschen, so dass ich später zweimal hintereinander dran bin. Auch das noch, seufz. – So komme ich dem Verlangen einer Bank nach, mich noch einmal zu identifizieren, keine Ahnung was das soll. Eine Stunde zu früh taucht der Kofferabholer auf, markiert die zwei Teile jeweils mit einer Banderole wie beim Flugzeug und zwei Aufklebern. Tschüss liebes Gepäck, ich freue mich auf ein Wiedersehen in der Kabine. Hoffentlich. – Am Nachmittag besucht uns ein Vertreter, der sehr nett ist aber die Sache zieht sich lang hin. Jetzt noch die Kurzfassung der Abendandacht und schon wieder ist der Tag fast vorbeigerauscht. Den Abend darf mir Barnaby gestalten mit zwei altbekannten Folgen. So spät sollte es eigentlich gar nicht werden, doch eine Kleinigkeit, schnell vorm Schlafengehen erledigt, zieht sich kaugummiartig hin. So ist das halt manchmal. Der Schlaf reagiert etwas wirschig. Selbst schuld.

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Weltklage und Weltflucht

Eine Stunde Gewinn lässt uns in aller Ruhe für unsere Verhältnisse früh aufstehen, alles kein Problem. Wir sind gut rechtzeitig in unserer Gemeinde. Für die Moderation bin ich Gott sehr dankbar und auch die Predigt ist für mich gesegnet. Ein gelungener Gottesdienst, der mich aufbaut und freut. Danach besuchen wir meine Mum. Das zieht mich wieder runter. Sie liegt da, ist nicht ansprechbar und schläft. Es ist nicht in jedem Fall toll so alt zu werden, finde ich. – Nachmittags stopfen wir noch „vergessene“ Sachen in unsere zwei Koffer und damit erklären wir die Packsession endgültig für beendet. Punkt. Aus. Schluss. Rien ne va plus!!! – Am Nachmittag wartet noch ein prima Gottesdienst aus Bremen auf uns mit erkenntnisreichen Textauslegungen. Stark. – Von Johannes Gerloff lasse ich mir die israelische Sicht der Dinge im Konflikt mit der Terrororganisation Hamas erklären. Meine Sichtweise passt sich an, denn die Argumentation eines Insiders, der in Israel seine Heimat gefunden hat, stimmt äußerst nachdenklich. Die Weigerung unserer Bundesregierung eine UN-Resolution abzulehnen, die Israel auffordert seine Verteidigung einzustellen ohne den Terror der Hamas mit auch nur einem Wort zu erwähnen, erschüttert mich. Die deutsche Solidarität mit dem durch abscheulichen Terror geschundenen Land entlarvt sich als pure Worthülse: wenn es ernst wird, zucken wir zurück. Die Nazis jubeln wieder. Ich stelle mir vor die Alliierten hätten ihren Krieg gegen Nazi-Deutschland nur mit Worten geführt, ich würde jetzt in einem furchtbaren Land leben. Schauder. – Aber was soll’s, wer fragt schon nach der Ansicht eines glimmenden Dochts, so fliehe ich letztlich in die Karibik zu einer bekannten Folge von Death in Paradise. Weltflucht? Ja, ich muss halt emotional von dem Abstand gewinnen, was ich nicht ändern kann und mich mehr dem zuwenden, wo ein positiver Einfluss möglich ist. Netter theoretischer Vorsatz. Es wird ein klein wenig spät und der Schlaf kommt und geht je nach seinem Belieben.

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